Zum Hauptinhalt springen
AOK WortmarkeAOK Lebensbaum
Gesundheitsmagazin

Selbstbewusstsein

Schönheitsideale: Auch Kinder und ältere Menschen erleben Schönheitsdruck

Veröffentlicht am:12.08.2026

11 Minuten Lesedauer

von Volker Zapf

Schönheitstrends können Menschen von der Jugend bis ins hohe Alter begleiten. Verliert das Thema mit den Jahren an Relevanz? Und welche Auswirkungen haben Schönheitsideale aus den sozialen Medien auf Kinder und Jugendliche?

Eine Frau und ein Teenagermädchen sitzen an einem Tisch und schminken sich die Lippen. Auf dem Tisch stehen ein Schminkspiegel sowie ein Stativ mit einem Smartphone. Beide blicken zum Smartphone.

© iStock / puckons

Schönheitsdruck: Nur ein Problem von jungen Erwachsenen?

Viele junge Erwachsene und Erwachsene mittleren Alters sind auf der Suche nach einem festen Partner oder einer Partnerin. Es ist gut nachvollziehbar, dass man gerade in dieser Lebensphase eine „gute Figur“ machen möchte.  Aber auch danach ist der Druck meist nicht weg.

Abgesehen davon, dass nicht alle in dieser Zeit ihren Traumpartner oder ihre Traumpartnerin finden, viele Beziehungen nicht ein Leben lang halten (und die Partnerwahl nicht allein von Äußerlichkeiten abhängt), scheint Schönheitsdruck heute längst kein Phänomen der mittleren Lebensjahre mehr zu sein.

Es gibt Kinder, denen ihr Aussehen egal ist, und auch ältere Menschen, die sich wenig um Schönheitsideale kümmern. Trends und mediale Vorbilder legen jedoch nahe, dass viele Menschen von der Grundschulbank bis zum Lehnsessel einem oft unerreichbaren Körperideal nacheifern.

Woher kommen unsere Schönheitsideale?

Schönheitsideale sind gesellschaftlich geprägt und unterscheiden sich auch von Gesellschaft zu Gesellschaft. Manche bestehen dauerhaft, andere unterliegen schnellen modischen Wechseln.

Wir übernehmen Ideale von unseren Eltern, unserem sozialen Umfeld und zunehmend auch aus den sozialen Medien. Schönheitsideale beeinflussen unsere Wahrnehmung von uns selbst und anderen. Sie können unsere bewussten und unbewussten Schönheitsurteile prägen.

Warum ist Schönheitsdruck bedenklich?

Schönheitsideale und Konzepte wie „Normschönheit“ können bei vielen Menschen den Wunsch erzeugen, diesem Ideal möglichst zu entsprechen. In der Folge kann es passieren, dass wir Menschen, die von diesen Idealen abweichen, als weniger schön empfinden – uns selbst eingeschlossen.

Eine negative körperliche Selbstwahrnehmung kann mit Schönheitsdruck und Stress einhergehen. Vor allem, wenn das Ideal unerreichbar bleibt, kann dies zu Frustration führen. So kann sich Schönheitsdruck direkt auf unser Wohlbefinden auswirken und unsere psychische Gesundheit gefährden.

Gibt es beim Schönheitsdruck Unterschiede zwischen Frau und Mann?

Bei Schönheitsdruck nähern Mann und Frau sich an, auch wenn es noch anders wirkt – zum Beispiel, wenn man (oder „frau”) die Kosmetikregale eines typischen Drogeriemarkts entlanggeht. Wer vermeintlich mehr Produkte zur Schönheitspflege benötigt, müsste auch unter einem höheren Schönheitsdruck stehen.

Einige Studien bestätigen diese Wahrnehmung. Demnach könnten Frauen ihrem Aussehen generell eine größere Bedeutung beimessen, mehr Zeit pro Tag in das Erreichen ihres idealen Erscheinungsbildes investieren und tendenziell unzufriedener damit sein als Männer.

Jüngere Untersuchungen deuten allerdings darauf hin, dass sich Männer und Frauen bei der Pflege und Bewertung des äußeren Erscheinungsbildes annähern. Männer können über bestimmte Aspekte ihres Körperbildes sogar besorgter sein als Frauen, beispielsweise über ihr Fitnesslevel und ihre Muskelkraft.

Doc Felix gibt praktische Schönheitstipps mit echten Wundermitteln aus dem Alltag als Alternative zur klassischen Schönheitsmedizin.

Alter und Körperbild bei Erwachsenen: Wann ist der Schönheitsdruck am größten?

Die Annahme, dass junge Erwachsene den größten Druck verspüren könnten, wenn sie sich bei der Partnersuche möglichst gut präsentieren wollen, ist naheliegend. Andererseits haben junge Menschen – etwa dank straffer Haut oder vollem Haar – häufig weniger Anlass, mit ihrem Aussehen unzufrieden zu sein, als ältere.

Weniger Stress auf dem Partnerschaftsmarkt, dafür aber all die körperlichen Veränderungen, die das Alter mit sich bringt: Möglicherweise sorgen diese beiden Aspekte kombiniert dafür, dass die Zufriedenheit – oder auch Unzufriedenheit – mit dem eigenen Körper über die gesamte Lebensspanne relativ stabil bleibt.

Zumindest dürfte die Körperzufriedenheit im Alter nur geringfügig ansteigen. Das deutet darauf hin, dass sich auch der Schönheitsdruck zwischen jungen und älteren Erwachsenen nur wenig unterscheidet.

Passende Artikel zum Thema

Welche Rolle spielen die sozialen Medien beim Schönheitsdruck?

Im vordigitalen Zeitalter waren es vor allem Modemagazine oder Anzeigen, die Schönheitsideale propagiert und medialen Druck ausgeübt haben. Das tun sie immer noch, aber die Rolle der sozialen Medien ist mittlerweile ungleich größer. Hier finden sich die Vorbilder in puncto Beauty, Schlankheit und Fitness.

Dabei gibt es jedoch ein Problem: Da die inszenierten und sehr oft digital optimierten Schönheitsideale der Social-Media-Welt für die meisten Menschen unerreichbar sind, können Vergleiche und Nachahmungsversuche mit Frustration und einer geringeren Zufriedenheit mit dem eigenen Körper einhergehen.

Auch Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und hohem Medienkonsum hin. Das bleibt auch im Alter relevant. Senioren-Models und -Influencer oder -Influencerinnen leben in klassischen wie digitalen Medien Körperideale vor, denen die meisten älteren Menschen nicht entsprechen.

Gibt es Schönheitsdruck unter Kindern?

Auch schon im Kindesalter kann der Selbstwert eng mit der Bewertung des eigenen Aussehens zusammenhängen. Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper kann bereits bei Kindern auftreten und deren Wohlbefinden beeinträchtigen.

Ab welchem Alter kann Schönheitsdruck bei Kindern auftreten?

Ab welchem Alter diese Unzufriedenheit für betroffene Kinder zu einer relevanten Belastung wird, ist bislang jedoch nicht eindeutig geklärt.

Klar ist jedoch: Bereits manche Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren zeigen eine negative Einstellung gegenüber Übergewicht und eine Vorliebe für einen schlanken Körper.

Wie viele Kinder sind von Schönheitsdruck betroffen?

Einige Studien deuten darauf hin, dass fast die Hälfte der Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren mit ihrem äußeren Erscheinungsbild unzufrieden ist.  Manche Studien legen sogar nahe, dass schon mehr als die Hälfte der Vorschulkinder sich einen schlankeren und/oder muskulöseren Körper wünschen könnten.

Hier besteht jedoch noch Forschungsbedarf, da die Ergebnisse je nach Untersuchung deutlich variieren. Fest steht aber, dass Körperunzufriedenheit bereits im Vorschulalter auftreten kann.

Auf einem Sofa sitzen ein Teenagermädchen und eine Frau. Das Mädchen hält ein Smartphone in der Hand. Beide blicken auf das Smartphone.

© iStock / supersizer

Schon Kinder und Jugendliche orientieren sich an Schönheitsidealen. Um sie vor Schönheitsdruck zu schützen, ist es hilfreich, sich über die in den sozialen Medien kursierenden Schönheitstrends auszutauschen.

Was erzeugt Schönheitsdruck bei Kindern und Jugendlichen?

Der Einfluss der Eltern scheint eine wichtige Rolle zu spielen bei der Entwicklung von Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper im Kindesalter. Dazu kann beispielsweise gehören, dass sich Eltern in Gegenwart ihrer Kinder negativ über übergewichtige Menschen äußern.

Kommentare der Eltern zum äußeren Erscheinungsbild stärken die Vorstellung, der eigene Wert sei an die körperliche Erscheinung geknüpft. Eltern, die sich abfällig zu übergewichtigen Menschen äußern, propagieren Schlankheit als Schönheitsideal und erhöhen das Risiko ihrer Kinder, ein negatives Körperbild zu entwickeln.

Auch Spielzeug kann das Körperbild beeinflussen. Männliche Spielfiguren wie Batman sind häufig groß und muskulös, weibliche hingegen meist schlank. Geschlechtsstereotype beim Spielzeug sind nicht neu. In jüngster Zeit dürften jedoch die sozialen Medien einen besonders großen Einfluss auf Kinder ausüben.

Passende Angebote der AOK

Warum sind die sozialen Medien für das Körperbild von Kindern besonders gefährlich?

Kinder und Jugendliche suchen Vorbilder und orientieren sich stark an den Medien: Ob Modelshows, Beautytrends auf TikTok oder Schmink-Tutorials auf YouTube – all das unterstützt eine übermäßige Beschäftigung mit dem eigenen Aussehen. Soziale Medien machen zudem die Inszenierung von Körperidealen sehr einfach.

Dabei sind Bilder und Filme auf Social Media nur selten authentisch. Bildbearbeitung und KI spielen eine große Rolle. Selbst das vermeintlich spontane Selfie ist meist inszeniert. Filter modellieren Körper und retuschieren Gesichter – oft unbemerkt. Kinder ahmen die Posen und Gesten der Influencer und Influencerinnen nach.

Dabei übernehmen Kinder und Jugendliche die präsentierten Körperbilder oft unkritisch. Zugleich sind rund 20 Prozent der Jugendlichen in Deutschland unzufrieden mit ihrer Figur oder ihrem Gewicht. Je intensiver die Nutzung sozialer Medien, desto ausgeprägter können Körperüberwachung und Unzufriedenheit sein.

Was sind Beispiele für schädliche Körpertrends auf TikTok und Co.?

  • Legging legs

    Der Begriff „Legging legs“ bezieht sich auf das Schlankheitsideal, wonach sich bei Frauen die Oberschenkel in Leggings nicht berühren sollen. Dieser absurde Schönheitstrend propagiert ein unrealistisches und extrem dünnes Körperbild, das viele, wenn überhaupt, nur mit extremen Diäten erreichen können.

  • „Skinny Girl“-Challenge

    Eine andere Bezeichnung für „Legging legs“ ist „Thigh Gap“ (Oberschenkellücke). Sie ist Teil der „Skinny-Girl“-Challenge. In kurzen Clips auf TikTok präsentieren Mädchen ihre dünnen Körper – jede möchte die dünnste sein.

    Solche Trends sind besonders gefährlich, da sie auch sehr junge Mädchen erreichen und ihnen ein gefährliches Körperbild vermitteln.

  • Essstörungen als Lifestyle

    In manchen Blogs, Foren und WhatsApp-Gruppen werden sogar Essstörungen als Lifestyle gefeiert. Krankheiten wie Magersucht und Bulimie gelten dabei als förderlich fürs Schlankheitsideal.

    Jugendliche mit Essstörungen bestärken sich gegenseitig in gesundheitsgefährdenden Abnehmtechniken und Hungerwettbewerben. Ein extrem gefährlicher Trend.

    Essstörungen: Fördern soziale Medien ein ungesundes Essverhalten?

  • Sephora Kids

    Bei diesem Trend aus den USA verbreiten sich Kosmetikvideos von Kindern auf TikTok. Im Zentrum steht die französische Marke Sephora, daher der Name. Manchmal imitieren nur achtjährige Mädchen ältere Social-Media-Vorbilder und testen in Geschäften Produkte oder hantieren zuhause mit Hautpflegeprodukten für Erwachsene.

    Warum ist das so bedenklich? Zum einen können die Inhaltsstoffe in den Hautpflegeprodukten gefährlich für junge Haut sein. Zum anderen korrigieren die Mädchen Makel, die sie gar nicht haben, und propagieren äußerliche Selbstoptimierung, die einem gesunden Körper- und Selbstwertgefühl entgegenläuft.

Wie können Eltern das Körperbild ihrer Kinder stärken?

  • Vermeiden Sie es, sich vor Ihren Kindern (und generell) despektierlich über das Aussehen anderer Menschen zu äußern.
  • Achten Sie beim Spielzeug darauf, dass es keine zu starken Geschlechterstereotype oder unrealistische Körperideale propagiert.
  • Informieren Sie sich bei Ihren Kindern über die angesagten Social-Media-Trends.
  • Fragen Sie bei Ihren Kindern nach ihren Lieblings-Influencer und -Influencerinnen.
  • Sensibilisieren Sie Ihre Kinder für problematische Tendenzen bei Social-Media-Trends.
  • Regulieren Sie den Medienkonsum Ihrer Kinder, indem Sie feste Bildschirmzeiten festlegen – und selbst mit gutem Vorbild vorangehen.
Bildschirmzeiten: Die Tipps von Schau hin!
Fachlich geprüft
Fachlich geprüft

Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.


Ärztekammer Westfalen-Lippe (2025): Forum Kinderschutz 2025. Ungesunder Körperkult – der Einfluss von sozialen Medien auf die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend / ARD und ZDF / AOK / Schau hin!: Medialer Körperkult – gefährliche Ideale.

The Body Project / Bradley University (US): Body & Beauty Standards.

Bolen, R. et al. (2025): Dermatological Safety of Cosmetic Products Marketed to Children: Insights on the Sephora Kids Phenomenon. Journal of Drugs in Dermatology 24 (9), 949-951.

Deutsches Ärzteblatzt (Meldung 2024): Antifaltencreme für Achtjährige: Ärzte besorgt über „Sephora Kids“.

Hanson, L. N. et al. (2024): Examining body appreciation in six countries: The impact of age and sociocultural pressure. PloS one, 19(7), e0306913.

Hockey, A. et al. (2021): Body image across the adult lifespan: A longitudinal investigation of developmental and cohort effects. Body Image 39, 114-124.

Jacob, J. S. / Panwar, N. (2023): Effect of age and gender on dietary patterns, mindful eating, body image and confidence. BMC Psychology 11, 264.

López-Montón, M. / Aonso-Diego, G. / Estévez, A. (2025): Body dissatisfaction in older adults: The role of social media, emotion regulation, social support, emotional distress, and coping strategies. Personality and Individual Differences 245, 113282.

Medienanstalt Rheinland-Pfalz / klicksafe (2024): Problematische Körperbilder in Social Media.

Medienanstalt Rheinland-Pfalz / klicksafe (2025): Influencer – Vorbilder oder Gefahr für Jugendliche?

Paudel, S.et al. (2025): Unpacking beauty norms and body image: Development and validation of the perceptions of beauty standards scale. SAGE Open Medicine, 13, 20503121251324085.

Tang, Y. et al. (2023): Children’s domain-specific self-evaluations and global self-worth: A preregistered cross-cultural meta-analysis. International Journal of Behavioral Development, 47(6).

Tanguay, C. et al. (2025): Adolescents’ reports of parental objectification of others’ bodies are associated with their body image and eating behaviors. BMC Psychology 13, 827.

Tatangelo, G. et al. (2016): A systematic review of body dissatisfaction and sociocultural messages related to the body among preschool children. Body Image 18, 86-95,

Waren diese Informationen hilfreich für Sie?

Noch nicht das Richtige gefunden?