Gesund im Job
Keine Zeit zum Schlafen? So riskant sind Hustle Culture und Overworking
In der Hustle Culture steht die Karriere über allem – sogar über der Gesundheit. Schlafen und Erholung gelten als überflüssig, stattdessen definieren sich die Betroffenen über ihre Produktivität. Doch das ist eine sehr schlechte Idee.

© iStock / gorodenkoff
Was bedeutet Hustle Culture?
Während „Sleepfluencer“ und „Sleepfluencerinnen“ in den sozialen Medien Tipps für gesunden Schlaf verbreiten, gibt es mit der Hustle Culture einen Gegentrend. „Hustle“ heißt so viel wie Betriebsamkeit. Die Hustle Culture propagiert übermäßige Arbeit und Freizeitverzicht als Königsweg zum Erfolg.
Was hat die Hustle Culture mit Schlafverzicht zu tun?
Wer eine Kultur der permanenten Betriebsamkeit lebt und Zeit für körperliche und psychische Regeneration als überflüssig erachtet, für den ist (zu viel) Schlaf nur eines: vertane Zeit.
Früh aufstehen, exzessiv arbeiten, spät ins Bett gehen – in der Hustle Culture ist das der einzige akzeptable Lebensstil. Warum schlafen, wenn man stattdessen Geld verdienen kann?
Woher stammt der Hustle-Culture-Trend?
Die Hustle Culture hat ihren Ursprung in der US-amerikanischen Arbeitswelt der 1980er- und 1990er-Jahre. Um ihren beruflichen Aufstieg zu befördern, leisteten Angestellte mehr als von ihnen verlangt wurde – in der Hoffnung, etwa bei der nächsten Gehaltserhöhung oder Beförderung berücksichtigt zu werden.
Gemäß diesem Konzept könnte auch Schlafverzicht zu mehr Arbeitszeit und größerem Erfolg führen. Das Modell kann jedoch auch andersherum laufen, beispielsweise wenn Vorgesetzte übermäßiges Engagement von den Angestellten erwarten.
Passende Artikel zum Thema
Wie ungesund sind Overworking und die Hustle Culture?
Sehr lange Arbeitszeiten können sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken. Insbesondere, wenn keine ausreichende Erholung gewährleistet ist, kann übermäßiges Engagement bei der Arbeit zu emotionaler Erschöpfung, Burnout oder Angstzuständen führen.
Die Begriffe „Overworking”, „Workaholic” und „Hustle Culture” überschneiden sich. Doch während „Workaholic“ als Begriff negativ besetzt ist, soll die Hustle Culture laut ihren Fürsprechern und Fürsprecherinnen etwas Positives sein. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall.
Hustle Culture ist eine Art „Workaholic-Kultur” mit anderem Vorzeichen. Wie stark sie sich auf die psychische und körperliche Gesundheit auswirkt, hängt von der Menge der Arbeit ab, dem selbst auferlegten oder von anderen ausgeübten Druck und auch davon, ob man noch Freude an seiner Tätigkeit hat.
Warum gefährdet Schlafverzicht den beruflichen Erfolg?
Egal, ob man ein Fahrzeug lenkt, mit anderen Menschen umgeht oder Probleme am Schreibtisch löst: Die meisten beruflichen Tätigkeiten erfordern ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung.
Genau diese Funktionen leiden, wenn Menschen schlecht oder zu wenig geschlafen haben. Das ist bereits der Fall, wenn man nur einmalig sehr wenig schläft. Umso mehr trifft es zu, wenn der Schlafmangel zum Dauerzustand wird.
Auch wenn Menschen unterschiedlich auf Schlafmangel reagieren und manche ihn besser verkraften als andere: Dauerhaft wenig zu schlafen, um erfolgreich zu sein, dürfte einer steilen Karriere eher im Wege stehen. Mit der Gefährdung der eigenen Gesundheit wäre dieser Erfolg zumindest sehr teuer erkauft.
Wie sehr belastet Schlafmangel die Gesundheit und das Wohlbefinden?
Viel wichtiger als die Frage, ob Schlafverzicht den beruflichen Erfolg fördert, sind die Auswirkungen von Schlafentzug auf die Gesundheit und das Wohlbefinden. Es hat seinen Grund, dass nicht nur Menschen, sondern auch Tiere schlafen. Lebende Organismen brauchen Zeit zur Regeneration.
Wieso ist Schlaf mehr als nur Erholung?
Auch im Schlaf laufen lebenswichtige Körperprozesse weiter. So werden beispielsweise Wachstumshormone freigesetzt. Dadurch können sich Muskeln, Knochen und Organe erholen und erneuern. Außerdem stärkt der Schlaf das Immunsystem.
Das Gehirn verarbeitet im Schlaf die Erfahrungen und Emotionen des Tages. Gesunder Schlaf ist also eine unverzichtbare Voraussetzung für körperliche und psychische Gesundheit.
Die AOK ist an Ihrer Seite
Sie schlafen schlecht oder haben Stress im Job? Die AOK unterstützt Sie mit Leistungen wie Schlaftrainings und Stressmanagement-Programmen.
Sinkt die Lebensqualität bei Schlafverzicht?
Wenn man nicht oder zu wenig schläft, finden die wichtigen regenerativen Prozesse im Körper nicht oder nicht ausreichend statt. Kommt es dadurch zu körperlichen oder psychischen Gesundheitsproblemen, sinkt die Lebensqualität der Betroffenen.
Wichtige weitere Aspekte der Lebensqualität wie Stress, Lebenszufriedenheit, oder Glücksempfinden werden vom Schlaf beeinflusst. Schlafqualität und Lebensqualität hängen also eng zusammen. Schlafmangel gefährdet nicht nur die Gesundheit, sondern die meisten Menschen fühlen sich auch einfach schlechter.

© iStock / FreshSplash
Fazit: Warum ist eine gute Work-Life-Balance besser als Overworking?
Egal, was uns Overworking-Influencer und Influencerinnen weismachen wollen: Schlafverzicht ist kein Weg zum Erfolg, sondern womöglich zu einer ruinierten Gesundheit und mehr Unzufriedenheit im Leben. Auch die Behauptung, längere Arbeitszeiten führten automatisch zu mehr Leistung, ist nicht allgemeingültig.
Wer an einem Tag sehr lange arbeitet und viel schafft, leistet am nächsten Tag oft weniger. Es kann außerdem vorkommen, dass Menschen, die permanent sehr lange arbeiten, langfristig schlechtere Ergebnisse erzielen als Menschen, die „normal“ arbeiten.
Keine Frage: Leistungsbereitschaft ist ein Skill, der Menschen voranbringt – im Beruf und allgemein. Doch wer sich überfordert (und Schlafverzicht ist eine Überforderung), riskiert viel. Hören Sie auf Ihren Körper und finden Sie Ihre persönliche Balance. Work-Life-Balance und Leistung schließen sich nicht aus.
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.
Alhola, P. / Polo-Kantola, P. (2007): Sleep deprivation: Impact on cognitive performance. Neuropsychiatric disease and treatment, 3(5), 553–567.
Bundesministerium für Gesundheit / gesund.bund.de: Gut schlafen – im Takt mit der inneren Uhr.
Kudrnáčová, M. / Kudrnáč, A. (2023): Better sleep, better life? testing the role of sleep on quality of life. PLoS ONE 18(3): e0282085.
Regmi, R. / Manandhar, S. (2025): Hustle Culture and Workplace Anxiety: The Psychological Effect of Overworked Behavior among Working Individuals. DAV Research Journal, 4(1), 18-33.
ten Brummelhuis, L. et al. (2025): Peaking Today, Taking It Easy Tomorrow: Daily Performance Dynamics of Working Long Hours. Journal of Organisational Behavior, 46: 530-547.
Yuningsih, Y. et al. (2023): The Effect of Hustle Culture on Psychological Distress with Self Compassion as Moderating Variable. Proceedings of the 3rd Universitas Lampung International Conference on Social Sciences (ULICoSS 2022).
Zahran Assariy, M. et al. (2024): Literature review: The influence of hustle culture on mental health. AIP Conference Proceedings 4 April 2024; 3048 (1): 020024.







