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So gelingt die Work-Life-Balance

Mann telefoniert in seinem Büro.

© AOK

Lesezeit: 4 MinutenAktualisiert: 14.01.2021

Für Berufstätige ist sie eine echte Herausforderung: die richtige Work-Life-Balance. Was passiert bei einer Dysbalance? Und wie können Sie die Balance wiedererlangen? Die Psychotherapeutin Heide Gerdts beantwortet diese Fragen.

Inhalte im Überblick

    Was ist eine „Work-Life-Balance”?

    Die Work-Life-Balance beschreibt einen ausgeglichenen Zustand zwischen beruflichen Anforderungen und privaten Bedürfnissen. Wenn Sie in der Freizeit gut von der Arbeit abschalten können, privaten Stress nicht mit auf Arbeit nehmen und ausreichend Entspannung finden, sind Arbeit und Privatleben gut ausbalanciert. Gerade in Zeiten neuer Arbeitsmodelle, wie zum Beispiel Homeoffice, stellt die Work-Life-Balance jedoch eine besondere Herausforderung dar.

    Entscheidend ist der Vorrat an körperlicher und psychischer Kraft

    Berufstätige haben oft das Gefühl, viele Bälle gleichzeitig in der Luft halten zu müssen. „Entscheidend ist ein bewusster Umgang mit allen psychischen und körperlichen Kräften, die uns zur Verfügung stehen“, sagt die Psychologische Psychotherapeutin Heide Gerdts. „Dabei sollten wir uns immer fragen, welche Ressourcen stehen mir zur Verfügung, und wann sind sie aufgebraucht?“ Die erfahrene Therapeutin erlebt in ihrer Hamburger Praxis immer wieder die gesundheitlichen Risikofaktoren rund um das Ungleichgewicht zwischen Beruf und Privatleben. Sie erhält dadurch tiefe Einblicke in diesen schwierigen Balanceakt. „Gerade wenn es gilt, neben der Doppelbelastung Familie und Beruf besondere Zusatzbelastungen wie zum Beispiel Mobbing am Arbeitsplatz aushalten zu müssen, schwinden unsere körperlichen und psychischen Ressourcen rasant“, sagt Heide Gerdts.

    Symptome eines Ungleichgewichts

    Wer schwer Nein sagen kann, riskiert, genauso aus der Balance zu geraten wie Personen, die zu hohe Erwartungen an sich selbst haben und deshalb zu Perfektionismus neigen. Die Symptome sind die gleichen: 

    • Unruhe
    • Nervosität
    • Schlafstörungen
    • häufiger Infekte
    • Ungeduld
    • Gereiztheit
    • Problem, abzuschalten

    Meist kommen die Symptome für eine in die Schieflage geratene Work-Life-Balance schleichend. Viele Betroffene nehmen sie lange Zeit gar nicht wahr und funktionieren weiter. Wenn Sie aber immer häufiger das Wort „müssen“ gebrauchen oder zunehmend gereizter, unkonzentrierter und erschöpfter werden, sind das untrügliche Zeichen für ein bestehendes Ungleichgewicht zwischen Privatleben und Beruf. Zeichen dafür, dass ihre körperlichen und psychischen Depots aufgebraucht sind.

    Die Therapeutin: „Immer wenn ein nicht gesunder psychischer oder körperlicher Zustand chronisch wird, fehlt ein Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung. Wir laufen nur noch auf Hochtouren, und unser Kopf ist ständig am Arbeiten. An dieser Stelle gilt es, unsere Einsicht und Selbstwahrnehmung zu fördern und die eigenen Grenzen zu erkennen.“

    „Erst wenn wir verstehen, wie wir ticken, können wir unsere Verhaltensweisen ändern.“

    Heide Gerdts
    Psychotherapeutin

    Innehalten, Prioritäten sortieren, Grenzen ziehen

    Wie aber lässt sich das im Alltag umsetzen? Wie erkennen wir unsere Grenzen, wie leben wir mit ihnen? Und wie gelingt es uns, unsere persönliche Grenze in einer konkreten Situation zu ziehen? „Unsere jeweiligen Befindlichkeiten von Unbehagen und diffusen Gefühlen sind der wichtigste Gradmesser im Umgang mit den eigenen Grenzen“, sagt Gerdts. Wenn Sie sich also unwohl und ausgelaugt fühlen, sind Sie vielleicht schon sehr nah an Ihren eigenen Grenzen angelangt.

    „Abgrenzung ist sowohl ein innerer als auch ein äußerer Prozess. Meist ist die innere Grenzziehung, das Denken und Fühlen, Voraussetzung für eine äußere, die sich an unserem Handeln erkennen lässt. Ein wirksamer Schutz der persönlichen Grenzen ist oft verbunden mit einem authentischen und unmittelbaren Zeigen der eigenen Person und unserer momentanen Bedürfnisse, Interessen und Ziele.“  Abgrenzung beginnt also im Inneren: Erst wenn man sich selbst bewusst darüber ist, was man möchte und was nicht, kann die Abgrenzung auch nach außen hin gelingen. 

    Dazu müssen wir aber unsere momentanen Bedürfnisse kennen und gegebenenfalls unsere Ziele neu ausrichten. „Wir leben in einer äußerst durchgetakteten Zeit, und da ist es wichtig, zwischendurch innezuhalten und unsere Prioritäten zu sortieren“, so die Hamburger Psychotherapeutin. „Und zwar, indem Sie gnadenlos ehrlich mit sich selbst sind und sich fragen, was wichtig ist. Jetzt – und auch später noch.“  

    Den inneren Antreiber finden

    Es geht darum, mehr Zeit mit sich selbst zu verbringen, um sich besser kennenzulernen. Aus dieser Dysbalance kommt man nur heraus, wenn man herausgefunden hat, wie man da hineingeraten ist. Jetzt sind Antworten auf viele Fragen nötig: Wie bin ich gestrickt? Was sind meine inneren Antreiber? Nach welchen Mustern funktioniere ich? Jede Erkenntnis, die auf diese Art erlangt wird, hilft ein Stück zurück in die Balance. 

    „Wenn wir hektisch durch den Tag rennen, vom Frühstückstisch ins Büro und spät wieder zurück an den Schreibtisch zu Hause, dann fällt uns zunächst nur auf, dass wir irgendwann hundemüde ins Bett fallen“, sagt Heide Gerdts. „Wenn wir aber unsere inneren Antreiber erkannt haben und diese verändern wollen, dann wird unser Leben zwar nicht von jetzt auf gleich langsamer, aber wir nehmen es dann zumindest wahr, wenn wir wieder in alte Muster zurückgefallen sind. Und das ist ein guter Anfang für nachhaltige Veränderungen.“

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    Einsichten in Handlungen übersetzen

    Die eigenen Einstellungen und Überzeugungen zu überprüfen und zu verändern, Konflikte zu lösen, das Selbstbewusstsein zu erhöhen und die sozialen Fähigkeiten auszubauen, sind Meilensteine auf dem Weg, eine gesunde Work-Life-Balance zu erreichen. „Es ist in jedem Fall ein langer Weg, weil es häufig schon einige Zeit dauert, bis wir erkennen, was eigentlich unser Problem ist. 

    "Oft kommen Klienten und Patienten aus ganz anderen Gründen in meine Praxis, berichten zum Beispiel von depressiven Verstimmungen, chronischen Schmerzen, Migräneattacken oder Ängsten. Bis sich schließlich ihre mangelnde Work-Life-Balance als Kernproblem darstellt“, erzählt Heide Gerdts. „Die Erkenntnis, dass wir aus der Balance geraten sind, ist dabei der wichtigste Schritt auf dem Weg, ins Gleichgewicht zurückzufinden und so unsere Lebensqualität deutlich zu verbessern. Und die Prognose ist immer dann günstig, wenn es uns wirklich gelingt, Einsichten in Handlungen umzusetzen.“

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