Psychologie

Psyche und Beschwerden mit dem Herzen – wie hängt das zusammen?

Veröffentlicht am:24.10.2024

11 Minuten Lesedauer

Aktualisiert am: 29.01.2026

Stress, Ängste und Depressionen können sich negativ auf die Herzgesundheit auswirken. Eine Herzerkrankung wiederum kann das psychische Wohlbefinden belasten. Wie beeinflussen Psyche und Herz sich gegenseitig und wie können Sie Ihre Gesundheit stärken?

Eine älterer Mann mit Brille und Vollbart spricht beim Check-up mit seiner Ärztin über seine Herzbeschwerden.

© iStock / FatCamera / KI-bearbeitet

Wenn die Psyche auf das Herz schlägt

Viele Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind zusätzlich psychisch belastet. Sie leiden beispielsweise häufiger als der Bevölkerungsdurchschnitt unter chronischem Stress oder unter Depressionen. Studien zeigen, dass psychische Belastungen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergehen.

In einigen Fällen können sich starke emotionale Belastungen auch unmittelbar und akut auf das Herz auswirken. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das Broken-Heart-Syndrom: Es kann ähnliche Symptome verursachen wie ein Herzinfarkt. Auch bei Menschen, deren Herzgesundheit bereits durch eine Koronare Herzkrankheit (KHK) vorgeschädigt ist, können emotional aufwühlende Ergebnisse einen Herzinfarkt auslösen. Auch Herzrasen, Herzstolpern oder Herzschmerzen können psychisch bedingt sein.

Psychische Probleme können aber noch auf anderen Wegen die Herzgesundheit beeinträchtigen. Chronischer Stress spielt dabei eine besondere Rolle. Jeder und jede hat sich schon einmal gestresst gefühlt: Prüfungsdruck, Belastungen am Arbeitsplatz oder Konflikte in der Familie. Stress ist allgegenwärtig und wird oft als harmlos oder zumindest normal empfunden. Er gehört einfach zum Leben dazu. Stress, beziehungsweise Dauerstress erhöht jedoch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wie reagiert der Körper auf Stress?

Stress versetzt unseren Körper in Alarmbereitschaft: Er schüttet Adrenalin und andere Stresshormone aus, die den Organismus in eine erhöhte Reaktionsbereitschaft versetzen. Stress wirkt sich auch direkt auf die Regulation des Blutdrucks aus. Der Blutdruck steigt, das Herz schlägt schneller. Gelegentliche Stresssituationen sind für gesunde Menschen in der Regel kein Problem. Sie haben sogar einen nützlichen Effekt: Da unser Körper in Stresssituationen kurzfristig leistungsfähiger wird, können wir in kritischen Situationen schnell und effektiv reagieren. Manche Menschen empfinden gelegentlichen Stress sogar als motivierend. Man spricht dann von Eustress oder „positivem Stress“. Das Gegenteil ist Distress, der Betroffene hemmt und belastet.

Doc Felix erklärt die Wirkung von Stresshormonen und zeigt, warum kurzfristiger Stress nützlich sein kann und wie man ihn mit drei Schritten reduziert.

Herzprobleme durch Stress

Negativer Stress ist vor allem dann problematisch, wenn sich Menschen ständig gestresst fühlen. Denn der dauerhafte Stress kann zu Bluthochdruck führen, der wiederum die Blutgefäße schädigt und das Risiko für Arteriosklerose erhöht. Dadurch steigt auch das Risiko für eine Koronare Herzkrankheit und in deren Folge das Risiko für schwerwiegende Herzerkrankungen, zum Beispiel einen Herzinfarkt.

Depression und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Stress ist ein Beispiel dafür, wie psychische Probleme die Herzgesundheit gefährden können. Ein anderes Beispiel sind Depressionen, bei denen in der Regel psychische Symptome im Vordergrund stehen, doch auch körperliche Veränderungen treten auf – so wie bei chronischem Stress. Typische Symptome sind schnellere Ermüdbarkeit, Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit. Während einer Depression ist der Spiegel des Stresshormons Cortisol oft erhöht, was die Entwicklung von Bluthochdruck begünstigt und in der Folge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie der Koronaren Herzkrankheit (KHK) und Schlaganfällen. Auch chronisch erhöhte Entzündungswerte können bei einer Depression auftreten. Sie schädigen das Herz-Kreislauf-System und erhöhen das Risiko für weitere körperliche Erkrankungen wie Diabetes.

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Lebensstil: Faktoren bei psychischen Belastungen

Neben diesen direkten körperlichen Mechanismen gibt es auch indirekte Faktoren. Manche psychisch belastete Menschen neigen dazu, sich zurückzuziehen, zu wenig zu bewegen, ungesund zu ernähren oder wichtige medizinische Vorsorge- oder Therapieempfehlungen zu vernachlässigen. Das erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ungesunde Ernährung begünstigt unter anderem Typ-2-Diabetes und Übergewicht, die wiederum Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind. Auch der Versuch, psychische Probleme vorübergehend durch Rauchen oder übermäßigen Alkoholkonsum zu lindern, verstärkt die negativen gesundheitlichen Auswirkungen – nicht nur auf das Herz-Kreislauf-System, sondern auch auf andere Organe wie Lunge und Leber.

Behandlung für Herz und Seele

Die Psychokardiologie ist eine recht junge medizinische Disziplin, die sich mit den Wechselwirkungen zwischen Herzerkrankungen und Psyche beschäftigt. Bei Herzpatientinnen und -patienten mit psychischen Problemen ist es wichtig, nicht nur die kardiologische, sondern auch die psychische Erkrankung zu behandeln. Bei Depression, Angst- und Panikstörung kann zum Beispiel eine Psychotherapie infrage kommen. Einige kardiologische Akutkliniken arbeiten daher mit psychosomatischen Diensten zusammen.

Eine ältere Frau und drei weitere Personen machen im Sportkurs Gruppenübungen, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.

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Regelmäßige Bewegung fördert die Fitness, senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und steigert das Wohlbefinden – ein Schlüssel zu einem gesunden Leben.

Herzkrank und psychische Probleme: Was hilft bei Wechselwirkungen?

Chronischer Stress und psychische Erkrankungen sind nicht nur Risikofaktoren für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sie wirken sich auch ungünstig auf den Behandlungserfolg und die Prognose bestehender Erkrankungen aus. Menschen, die nach einem Herzinfarkt an einer Depression erkranken, haben eine deutliche höhere Sterblichkeit als Herzinfarkt-Patienten und -Patientinnen, die nicht depressiv sind. Bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollte daher immer auch die psychische Dimension berücksichtigt werden.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen wiederum belasten die psychische Gesundheit: zum Beispiel, indem sie Sorgen und Ängste auslösen – um die eigene Gesundheit, vor Einschränkungen der körperlichen Leistungsfähigkeit oder ganz konkret vor dem Tod. Solche Ängste können sowohl bestehende psychische Probleme verstärken als auch solche Probleme auslösen – etwa wenn eine Herzerkrankung von Betroffenen psychisch nicht angemessen verarbeitet wird.

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Herzerkrankungen behandeln und vorbeugen: Stress vermeiden

Wichtig ist, chronischen Stress als bedeutenden Risikofaktor zu vermeiden. Das gilt präventiv, also bevor es zu einer Herz-Kreislauf-Erkrankung kommt – und erst recht bei einer bestehenden Erkrankung, um die Therapie nicht zu gefährden. Krankenkassen unterstützen mit Stresspräventionsprogrammen. Hilfreich ist auch das Erlernen von

Beim persönlichen Lebensstil geht es darum,

  • eine ausgewogene Work-Life-Balance zu erreichen, um Stress gar nicht erst aufkommen zu lassen. Ist dies aufgrund zu hoher Aufgabenbelastungen nicht möglich, sollte auch darüber nachgedacht werden,
  • Aufgaben abzugeben,
  • die Arbeitszeit zu verkürzen
  • oder unter Umständen ein Gespräch mit Vorgesetzten zu führen.

So können Betroffene ihr berufliches Aufgabenfeld besser an ihre eigenen gesundheitlichen Bedürfnisse anpassen. Und was beim Thema (Herz-)Gesundheit immer wichtig ist:

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Kann psychische Resilienz das Herz schützen?

Eine große Studie an der Universitätsklinik Mainz (Gutenberg-Gesundheitsstudie) untersuchte, ob bei Menschen, die mit Stress, Krisen und Schicksalsschlägen gut umgehen können, seltener Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten. Im Fokus stand die Frage, ob psychische Resilienz ein Schutzfaktor ist. Bisher war Resilienz in der Herzmedizin kaum berücksichtigt worden. An der Studie nahmen über 12.500 Personen teil und Daten aus Krankenakten wurden ausgewertet. Grundlage war die sogenannte Odds Ratio (Chancenverhältnis oder Quotenverhältnis). Sie ist ein Maß dafür, wie stark ein Risikofaktor, auch „Exposition“, mit dem Auftreten einer Erkrankung zusammenhängt. Dabei gibt sie an, um wieviel höher die Chance zu erkranken unter exponierten Menschen ist im Vergleich zu den Nicht-Exponierten. Die Ergebnisse zeigen:

  • bei Menschen mit niedriger Resilienz war die Chance, dass bei ihnen eine Herz-Kreislauf-Erkrankung auftritt, um 38 Prozent erhöht

Die Studie liefert Hinweise darauf, dass psychische Resilienz das Herz schützen kann und ein vielversprechender Ansatz sein könnte – ebenso wie die körperliche Aktivität und eine gesunde Ernährung. Die Autorinnen und Autoren der Studie plädieren deshalb dafür, psychische Schutzfaktoren in der kardiologischen Versorgung und Vorsorge zu berücksichtigen. Sie schlagen unter anderem Programme für Resilienztrainings oder eine psychologische Begleitung vor. Allerdings sind weitere Forschungen notwendig.

Fachlich geprüft
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