Haut & Allergie
Reiswasser für Haare und Gesicht: Das steckt hinter dem Beauty-Trend
Veröffentlicht am:02.02.2026
9 Minuten Lesedauer
In den sozialen Medien und auf Beauty-Portalen wird Reiswasser als Wundermittel für Haut und Haare angepriesen. Doch der Effekt ist zweifelhaft. Was hilft wirklich?

© iStock / Liudmila Chernetska
Inhalte im Überblick
- Zwischen Tradition und TikTok: Woher der Hype um Reiswasser kommt
- Wie man Reiswasser selbst herstellt und anwendet
- Reiswasser für Haare und Haut: Welche Effekte sind durch Studien belegt?
- Reiswasser für die Schönheitspflege nutzen: Welche Risiken bestehen
- Schöne Haut und gesundes Haar: Was wirklich hilft
Zwischen Tradition und TikTok: Woher der Hype um Reiswasser kommt
Meist landet es im Abfluss: das milchige Wasser, das beim Einweichen oder Kochen von Reis übrig bleibt. In sozialen Medien wie TikTok und Instagram feiern Nutzerinnen und Nutzer es jedoch seit einiger Zeit als Wundermittel für Haut und Haare. Auch Beauty-Portale greifen diesen Hype auf. Reiswasser soll die Elastizität der Haare fördern, für mehr Volumen sorgen, Frizz bändigen, die Haare vor Schäden schützen und Schuppen bekämpfen. Für die Haut wird eine Anti-Aging-Wirkung beworben. Auch die Kosmetikindustrie bietet inzwischen verschiedene Produkte mit Reiswasser an.
Dabei ist die Anwendung keine neue Erfindung: Verschiedene Kulturen, vor allem in Asien, verwenden Reiswasser seit Jahrhunderten für die Behandlung von Hautkrankheiten. So setzen sie zum Beispiel den Hauptbestandteil von Reiskörnern, die Stärke, dem Badewasser zu, um Dermatitis und andere juckende Hautkrankheiten zu behandeln. Stärke ist ein natürlicher und sicherer Stoff, der im Körper leicht abgebaut wird. In Tierstudien zeigte sich, dass die Stärke die Wirkung des eigentlichen Entzündungshemmers verstärkte. Wissenschaftliche Belege für die Wirkung am Menschen – insbesondere für eine äußere Anwendung – gibt es jedoch nicht.
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Wie man Reiswasser selbst herstellt und anwendet
Vom Haarserum über die Gesichtsmaske bis hin zum Toner: Mittlerweile gibt es viele fertige Produkte mit Reiswasser. Bei dem Trend in den sozialen Medien geht es aber meist darum, das Reiswasser selbst herzustellen. Dafür eignen sich zum Beispiel zwei Methoden: Entweder wird Reis in Wasser eingeweicht und das Wasser anschließend durch ein Sieb gegossen, oder das stärkehaltige Kochwasser wird aufgefangen. Einige Anwenderinnen und Anwender glauben zudem, dass eine Fermentation den Gehalt an Antioxidantien erhöht. Antioxidantien sind Moleküle, die den Körper vor freien Radikalen schützen. Freie Radikale wiederum sind bestimmten Stoffwechselprodukte, die Körperzellen schädigen können. Dieser Effekt ist wissenschaftlich jedoch nicht belegt.
Auf der Haut lässt sich das Reiswasser wie ein Toner anwenden. Nach der Gesichtsreinigung wird das Reiswasser mit einem Wattepad aufgetragen oder mit einer Sprühflasche ins Gesicht gesprüht. Für die Haarpflege werden die Haare wie gewohnt gewaschen. Anschließend wird das Reiswasser entweder über das Haar gegossen oder mit einer Sprühflasche aufgetragen und einmassiert. Nach einer Einwirkzeit von etwa 20 Minuten wird es gründlich mit warmem Wasser ausgewaschen.
Reiswasser für Haare und Haut: Welche Effekte sind durch Studien belegt?
Es gibt nur wenige Studien, die sich mit Reiswasser und seinen möglichen Vorteilen für Haut und Haare beschäftigen. Eine Laborstudie deutet etwa auf eine antioxidative Wirkung hin, die mit Ascorbinsäure (Vitamin C) vergleichbar ist, sowie eine Hemmung des Enzyms Elastase, das Elastin abbaut und am Alterungsprozess der Haut beteiligt ist. Diese Effekte werden auf Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und Antioxidantien im Reiswasser zurückgeführt. Die Untersuchung fand jedoch im Labor statt. Daher lässt sich das Ergebnis nicht direkt auf die Anwendung im Alltag übertragen.
Der aktuelle Trend zur Haarpflege mit Reiswasser basiert hingegen hauptsächlich auf individuellen Erfahrungen und traditioneller Anwendung. Wissenschaftliche Studien, die diese Vorteile untersuchen, fehlen.
Nährstoffe: Warum ist Reis gesund?
Reis liefert dem Körper – über die Nahrung aufgenommen – Mineralstoffe, langkettige Kohlenhydrate und Ballaststoffe, die lange satt machen. Weißer Reis ist bekömmlicher, weil er geschliffen und poliert ist, also kein Silberhäutchen und keine Samenschale mehr enthält. Naturreis ist als Nahrungsmittel jedoch wertvoller, da die vorhandene Silberhaut zusätzlich Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe enthält.

© iStock / Moyo Studio
Reiswasser für die Schönheitspflege nutzen: Welche Risiken bestehen
Obwohl einige Studien Reiswasser eine gute Hautverträglichkeit bescheinigen , ist bei empfindlicher Haut oder bestehenden Hauterkrankungen Vorsicht geboten. Denn auch natürliche Produkte können Hautirritationen auslösen.
Bei den folgenden Erkrankungen sollten Betroffene von einer Anwendung absehen:
- Atopische Dermatitis
- Haarausfall oder Alopezie
Anstatt auf Hausmittel zu vertrauen, sollten Betroffene ärztlichen Rat einholen. Für einige Arten von Haarausfall gibt es zum Beispiel medizinische Behandlungen.
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Schöne Haut und gesundes Haar: Was wirklich hilft
Die Anwendung von Reiswasser ist für Menschen ohne bekannte Haut- oder Kopfhautprobleme wahrscheinlich unbedenklich, bietet jedoch auch keine nennenswerten Vorteile. Wer Bedenken oder gesundheitliche Beschwerden hat, sollte sich besser an eine Ärztin oder einen Arzt wenden – oder auf bewährte Maßnahmen setzen.
Zu gesunder Haut und gesundem Haar tragen verschiedene Faktoren bei. Eine ausgewogene Ernährung spielt dabei eine zentrale Rolle, denn Haut und Haare spiegeln wider, wie gut der Körper mit Nährstoffen versorgt ist. Besonders wichtig für den gesunden Aufbau der Haare sind Biotin (Vitamin H), Eisen, Calcium und bestimmte B-Vitamine. Für die Haut sind zusätzlich Vitamin A, Vitamin C, Zink und Omega-3-Fettsäuren entscheidend. Auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig: Am besten trinkt man täglich anderthalb bis zwei Liter Wasser oder ungesüßten Früchte- oder Kräutertee. Eine ausgewogene Ernährung deckt den Bedarf an Vitaminen und Nährstoffen in der Regel problemlos. Wer zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel einnehmen will, sollte vorher mit einem Arzt oder eine Ärztin besprechen, ob dies sinnvoll ist.
Ebenso wichtig ist die äußere Pflege. Für die Haut bedeutet das: ein ausreichender Sonnenschutz, eine milde Reinigung morgens und abends sowie feuchtigkeitsspendende Produkte. Wer zu trockenem und brüchigem Haar neigt, sollte die Abstände zwischen den Haarwäschen vergrößern und ein leicht rückfettendes Shampoo verwenden. Stylinggeräte, Dauerwellen, Glättungen und Färben strapazieren das Haar, weshalb sie nicht zu häufig verwendet werden sollten. Zusätzlich wirken sich ausreichend Schlaf, Stressabbau und der Verzicht auf Alkohol und Nikotin positiv auf Haut und Haare aus.
Wichtig ist: Jede Haut und jedes Haar ist individuell. Was bei dem einen funktioniert, wirkt bei der anderen möglicherweise nicht. Wer zusätzliche Unterstützung braucht, spricht am besten mit einer Hautärztin oder einem Hautarzt.
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