Verhütung
Natürliche Verhütung: Wie sicher sind die verschiedenen Methoden?
Veröffentlicht am:17.08.2020
aktualisiert am 28.09.2026
6 Minuten Lesedauer
Viele Frauen wünschen sich eine natürliche Verhütung, um den Körper nicht mit hormonellen Verhütungsmitteln zu belasten. So zu verhüten, benötigt allerdings viel Mitarbeit und Kenntnisse über die Signale des Körpers.

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Was bedeutet natürliche Verhütung?
Wenn eine Frau natürlich verhüten möchte, muss sie feststellen, welche die fruchtbaren und welche die unfruchtbaren Tage in ihrem Zyklus sind. An den fruchtbaren Tagen ist zusätzlicher Schutz, etwa durch Kondome oder Verzicht auf Geschlechtsverkehr, erforderlich.
Um die fruchtbaren Tage innerhalb des weiblichen Zyklus zu bestimmen, gibt es mehrere Verfahren, die sich allerdings in ihrer Sicherheit und Durchführung stark unterscheiden. Wer seinen Körper genau beobachtet, kann die fruchtbaren Tage erkennen anhand der:
- Veränderung der Körpertemperatur (Basaltemperatur)
- Konsistenz des Schleims im Gebärmutterhals (Zervixschleim)
- Festigkeit des Muttermundes
Von der symptothermalen Methode spricht man, wenn Frauen sowohl ihre Temperatur als auch die Beschaffenheit des Zervixschleims beobachten. Anhand der Kalendermethode, auch Knaus-Ogino-Methode, werden die fruchtbaren Tage auf Basis der vorausgegangenen Zyklen bestimmt. Wie sicher welche Methode ist, wird häufig durch den sogenannten Pearl-Index beurteilt.
Wie lassen sich fruchtbare und unfruchtbare Tage bestimmen?
Wann ist eine Frau fruchtbar und wann nicht? Mit diesen Methoden lässt sich die fruchtbare von der unfruchtbaren Phase des Zyklus unterscheiden:
Wie verhüte ich mit der Temperaturmethode?
Bei der Temperaturmethode misst die Frau noch vor dem Aufstehen ihre Körpertemperatur (vaginal, oral oder rektal) ab dem Ende der Periode, schreibt den Wert auf oder gibt ihn in eine App ein. Die Temperatur am Morgen nennt man auch Basaltemperatur oder Aufwachtemperatur.
Ziel ist es, die Tage nach dem Eisprung zu erkennen: In der ersten Zyklushälfte liegt die Temperatur niedriger und steigt nach dem Eisprung um wenige Zehntel Grad an. Ist sie an drei aufeinanderfolgenden Tagen um mindestens 0,2 Grad Celsius höher als an den sechs Tagen davor, hat der Eisprung stattgefunden und die unfruchtbaren Tage beginnen. Die Temperatur bleibt bis zum Einsetzen der nächsten Regelblutung erhöht. Wichtig ist es, zu wissen, dass Spermien bis zu fünf Tagen, in seltenen Fällen sogar sieben Tage im weiblichen Körper überleben können. Die Temperatur ist fehleranfällig, wenn zum Beispiel Alkohol, Stress, Krankheiten oder die Einnahme von Tabletten ins Spiel kommen.
Wie verhüte ich mit der Zervixschleim-Methode?
Bei dieser natürlichen Verhütungsmethode werden die fruchtbaren Tage durch die Beschaffenheit des Schleims außen an der Vulva bestimmt. Dieser Ausfluss stammt aus dem Gebärmutterhals, der Zervix, daher die Bezeichnung Zervixschleim. Während des Zyklus verändert sich der Zervixschleim:
- kurz vor dem Eisprung: flüssig-durchsichtig und zieht Fäden
- nach dem Eisprung: verfestigt sich und wird zäh, klumpig und weißlich
Die Frau muss die Entwicklung der Schleimbildung genau beobachten und kann nach einiger Zeit erkennen, wann der Eisprung stattgefunden hat.
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Wie lässt sich mit der Muttermund-Methode natürlich verhüten?
Der Muttermund ist der untere Teil des Gebärmutterhalses im Übergang zu Vagina. Frauen, die den Eisprung und somit auch die fruchtbaren Tage bei dieser Verhütungsmethode sicher bestimmen wollen, müssen selbst die kleinste Veränderung am Muttermund wahrnehmen und ihren Körper sehr gut beobachten können.
Und so geht’s: Führen Sie einen Finger (zum Beispiel beim Duschen) in Ihre Vagina ein. So können Sie die Veränderungen des Muttermundes während des Zyklus ertasten:
- Nach der Menstruation bis zu den fruchtbaren Tagen: Der Muttermund ist geschlossen und fühlt sich fest an. Zu diesem Zeitpunkt ist er gut tastbar, da er tiefer in die Scheide ragt.
- Um den Eisprung herum: Wenn die fruchtbaren Tage bevorstehen, öffnet sich der Muttermund und wird weich. Der Muttermund ist auch schwieriger zu ertasten, da er wieder höher sitzt.
- Grundsätzlich ist es empfehlenswert, nicht auf eine Einzelmethode zu bauen, sondern diese zu kombinieren. Dadurch erhöht sich die Sicherheit der Methoden deutlich.
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Was ist die symptothermale Methode?
Bei der symptothermalen Methode wendet die Frau die Temperatur- und Zervixschleim-Methode in Kombination an. Dabei misst sie ihre Aufwachtemperatur und beobachtet ebenfalls Farbe und Konsistenz des Zervixschleims.
Noch besser ist es, zusätzlich auch den Muttermund zu untersuchen. So lässt sich feststellen, wann der Eisprung stattfindet, wann er vorbei ist und wann die unfruchtbaren Tage beginnen.
Wie funktioniert die Kalendermethode?
Die sogenannte Kalendermethode zur Bestimmung der fruchtbaren Tage, auch als Knaus-Ogino-Methode bekannt, wurde bereits in den 1920er-Jahren entwickelt. Heute gilt diese Methode laut Einschätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als veraltet, und daher ungeeignet, da die Berechnungen auf einem 28-Tage-Zyklus basieren. Bei 80 Prozent der Frauen schwankt der Zyklus jedoch.

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Wie sicher sind die natürlichen Verhütungsmethoden?
Wie sicher eine Verhütungsmethode ist, hängt nicht nur von der Methode selbst, sondern auch davon ab, wie zuverlässig sie angewendet wird. Die Sicherheit wird häufig mit dem sogenannten Pearl-Index angegeben. Darüber hinaus spielen individuelle Faktoren wie der Zyklusverlauf oder äußere Einflüsse eine wichtige Rolle.
Was ist der Pearl-Index in Zusammenhang mit natürlicher Verhütung?
Die Sicherheit von Verhütungsmethoden wird häufig mit dem sogenannten Pearl-Index bestimmt. Je kleiner der Pearl-Index, desto sicherer ist die Methode – bei richtiger Anwendung. Liegt der Wert beispielsweise bei 3, werden von 100 Frauen, die ein Jahr lang mit der entsprechenden Methode verhüten, 3 schwanger.
Am sichersten gelingt demnach die natürliche Verhütung mit der symptothermalen Methode, hier liegt der Pearl-Wert zwischen 0,4 und 1,8. Die Kalendermethode beispielsweise hat einen Pearl-Index von circa 9, die Pille von 0,1 bis 0,9. Allerdings gehen Fachleute davon aus, dass der Pearl-Formel „erhebliche Ungenauigkeiten“ zugrunde liegen.
Welche natürliche Verhütungsmethode ist am sichersten?
Neben der möglichen Effektivität einer bestimmten Verhütungsmethode auch die Gebrauchssicherheit ein entscheidender Faktor. Das bedeutet: Entscheidend ist, wie genau und konsequent eine Methode angewendet wird. Laut medizinischer Leitlinie sind anhand der Datenlage derzeit nur symptothermale Methoden zur natürlichen Verhütung zu empfehlen. Sie orientieren sich an mehreren Faktoren, um die unfruchtbaren Tage zu erkennen.
Was beeinflusst die Sicherheit der natürlichen Verhütung?
Erkrankungen, Schlafstörungen, Stress, Alkohol oder die beginnende Menopause können den Zyklus beeinflussen und die Methoden unsicherer machen.
Damit die Methoden der natürlichen Verhütung möglichst zuverlässig sind, ist eine kontinuierliche und sehr genaue Durchführung wichtig. Es braucht außerdem etwas Zeit und Übung, um die eigenen Körpersignale zu verstehen. Wenn Sie sich unsicher fühlen, ob Sie die fruchtbaren Tage richtig bestimmt haben, sollten Sie zusätzlich mit einem Kondom verhüten.
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit / Familienplanung: Natürliche Verhütung: Der Eisprung und die fruchtbaren Tage.
Frauenärzte im Netz: Natürliche Familienplanung.
Pro-Familia:
Fruchtbarkeitswahrnehmung oder natürliche Familienplanung.
AWMF Leitlinien-Register: S2k-Leitlinie Nicht-hormonelle Empfängnisverhütung (2024).








