Expertenforum - Kurzfristige Beschäftigung + Berufsmäßigkeit

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Expertenforum

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  • 01
    Kurzfristige Beschäftigung + Berufsmäßigkeit
    Hallo,
    folgende Situation:
    - Student, immatrikuliert im letzten Studiensemester, gem. Studienbescheinigung immatrikuliert von 01.02.2020 bis 31.08.2020, danach fertig mit dem Studium
    - will nach dem Studium eine Pause von ca. 1 Monat machen und dann ins Berufsleben einsteigen, gewünschter Beruf passt zu unserer Unternehmenstätigkeit
    - bei uns beschäftigt: 15.06.20-28.08.20
    - Vorbeschäftigungen
    01.10.2018 bis aktuell (Für die Dauer der Beschäftigung bei uns unbezahlt beurlaubt)
    Stelle: Werkstudent (geringfügig entlohnt)
    Wöchentliche Arbeitszeit: ca.15Std.

    03.06.2019 bis 30.08.2019
    Stelle: Praktikant (kurzfristig entlohnt)
    Wöchentliche Arbeitszeit: 40Std.

    Ist die Beschäftigung als kurzfristig Beschäftigter möglich?

    Stimmt die Aussage, dass Studenten während des Studiums nie berufsmäßig sind (wenn sie nicht die Zeitgrenzen überschreiten)?

    Herzlichen Dank für Ihre Einschätzung.
  • 02
    RE: Kurzfristige Beschäftigung + Berufsmäßigkeit
    kleiner Zusatz noch: das Entgelt bei uns liegt über 450 EUR brutto/Monat
  • 03
    RE: Kurzfristige Beschäftigung + Berufsmäßigkeit
    Guten Tag,
     
    zuerst muss überprüft werden, zu wann der Studenten-Status tatsächlich beendet ist. Für die versicherungsrechtliche Beurteilung von Werkstudenten ist in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung entscheidend, ob Zeit und Arbeitskraft überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden (Beschäftigungen mit bis zu 20 Stunden in der Woche). Daraus ergibt sich, dass der Student in der Beschäftigung in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung grundsätzlich versicherungsfrei ist, solange er wöchentlich nicht mehr als 20 Stunden arbeitet. Betriebe dürfen Studenten in dieser Form allerdings nur so lange beschäftigen, bis das Studium offiziell abgeschlossen ist. Wurde das Studium abgebrochen, unterbrochen oder ohne Prüfung beendet endet das Studium mit dem Tag der Exmatrikulation. Wird das Studium regulär abgeschlossen, hat der Studierende die von der Hochschule für den jeweiligen Studiengang vorgesehene letzte Prüfungsleistung, etwa die Diplomprüfung oder die Abgabe der Bachelor- oder Masterarbeit, erbracht. In diesen Fällen endet das Stu­dium nicht mit dem Datum der letzten Prüfungsleistung, sondern mit Ab­lauf des Mo­nats, in dem der Studierende vom Gesamtergebnis der Prüfungsleistung offiziell schriftlich un­ter­rich­tet wurde.
     
    Zu der Beschäftigung ab 01.10.2018 ist zu sagen, dass es einen Werkstudenten im Minijob nicht gibt. Verdient der Student unter 450 EUR handelt sich um einen geringfügig entlohnten Beschäftigten, eine Meldung als Werkstudent wäre nicht korrekt.
    Einen kurzfristig entlohnten Praktikanten gibt es ebenfalls nicht. Die richtige Beurteilung eines Praktikanten bedingt einige Informationen, die wir im Rahmen dieses Forums nicht vorliegen haben. Wir empfehlen Ihnen daher für eine verbindliche sozialversicherungsrechtliche Überprüfung die Krankenkasse des zukünftigen Mitarbeiters unter Vorlage aller relevanten Unterlagen einzubinden.
     
    Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn die Beschäftigung für eine Zeitdauer ausgeübt wird, die im Laufe eines Kalenderjahres auf nicht mehr als drei Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage nach ihrer Eigenart begrenzt zu sein pflegt oder im Voraus vertraglich begrenzt ist. Dies kann auch dann gelten, wenn die kurzfristige Beschäftigung die Voraussetzungen einer geringfügig entlohnten Beschäftigung erfüllt. Im Rahmen der Corona-Pandemie wurden die maßgebenden Grenzen für eine Übergangszeit (01.03.- 31.10.2020) auf fünf Monate bzw.115 Arbeitstage erhöht.
     
    Eine Beschäftigung wird berufsmäßig ausgeübt, wenn sie für den Beschäftigten nicht von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung ist. Studenten gehören grundsätzlich nicht zum Personenkreis der Erwerbstätigen und sind somit nicht berufsmäßig im Status der Person. Berufsmäßigkeit könnte sich allerdings aufgrund des Erwerbsverhaltens ergeben. Für diese Prüfung sind jedoch nur die Vorbeschäftigungen zu berücksichtigen, die ab Studienbeginn liegen.
     
    Personen, die ihr Studium abgeschlossen haben und damit dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, sind ohne Rücksicht auf die Dauer der Beschäftigung als sozialver­sicherungspflichtige Arbeitnehmer bei der zuständigen Krankenkasse zu melden, da Berufsmäßigkeit vorliegt.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
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