Grundlagen der Beitragsberechnung

Aus dem Arbeitsentgelt der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten werden die Beiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber gezahlt. Der Gesetzgeber hat genaue Regeln für die Ermittlung der Beitragshöhe festgelegt.

Das ist Arbeitsentgelt

Arbeitsentgelt ist ein Schlüsselbegriff in der Sozialversicherung. Denn es ist für die Beitragsberechnung, zur Feststellung der Versicherungspflicht und für Geldleistungen in der Sozialversicherung maßgeblich.

Arbeitsentgelte sind nach dem Sozialversicherungsrecht alle laufenden und einmaligen Einnahmen aus einer Beschäftigung. Dabei ist es egal, ob ein Rechtsanspruch auf die Einnahmen besteht. Es spielt auch keine Rolle, unter welcher Bezeichnung oder in welcher Form (zum Beispiel Sachbezüge) sie geleistet werden und ob sie unmittelbar aus der Beschäftigung oder im Zusammenhang mit ihr erzielt werden (siehe § 14 SGB IV). Bei verschiedenen Entgeltarten gibt es unterschiedliche Bewertungen.

Das ist Arbeitslohn

Arbeitslohn dagegen ist ein Begriff aus dem Einkommensteuerrecht (siehe § 19 Abs. 1 EstG und § 2 LStDV). Er ist nicht deckungsgleich mit dem Arbeitsentgelt. Für Arbeitgeber zählt immer nur das Arbeitsentgelt aus dem aktuell ausgeübten Beschäftigungsverhältnis. Im Gegensatz dazu werden beim Arbeitslohn, der der Berechnung der Einkommensteuer zugrunde liegt, auch Einnahmen früherer Beschäftigungen berücksichtigt. Hat ein Arbeitnehmer mehrere Arbeitgeber in einem Jahr, zählt der Arbeitslohn aus allen Beschäftigungen für die Einkommensteuer.

Beitragszeit

Beiträge sind grundsätzlich für jeden Tag der Mitgliedschaft in der Sozialversicherung zu zahlen. Die Beitragszeit beginnt mit dem Eintritt in das versicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnis. Besteht für einen vollen Kalendermonat Beitragspflicht, werden für die Beitragszeit 30 Tage angesetzt. Besteht nur für einen Teil des Monats Beitragspflicht, beispielsweise weil die Beschäftigung im Lauf eines Monats beginnt oder endet, werden immer die tatsächlichen Tage als Beitragszeit berücksichtigt.

Beitragsbemessungsgrenzen

Die Beitragsbemessungsgrenze begrenzt die Höhe der Einnahmen, für die Beiträge gezahlt werden. Sie ist auch für Geldleistungen wie Kranken- oder Arbeitslosengeld zu berücksichtigen.

  • Die Beitragsbemessungsgrenze für die Kranken- und Pflegeversicherung ist an die Einkommensentwicklung gekoppelt. Es gibt eine bundesweit einheitliche Grenze.
  • Die Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung wird jährlich der allgemeinen Entwicklung der Löhne und Gehälter angepasst. Dieselbe Grenze gilt dann auch für die Arbeitslosenversicherung. Für diese beiden Versicherungszweige sind unterschiedliche Werte für die alten und neuen Bundesländer zu beachten.

Beitragsbemessungsgrenzen 2019

ZeitraumKranken- und
Pflegeversicherung
Renten- und
Arbeitslosenversicherung
  WestOst
Jahr54.450,00 €80.400,00 €73.800,00 €
Monat4.537,50 €6.700,00 €6.150,00 €
Kalendertag151,25 €223,33 €205,00 €

Beitragssätze in der Sozialversicherung

Der Beitragssatz bestimmt, wie viel Geld Arbeitgeber und Arbeitnehmer monatlich für die Krankenversicherung zu zahlen haben. Dabei ist zuerst das Arbeitsentgelt zu ermitteln und unter Berücksichtigung der Beitragsbemessungsgrenzen der Ausgangswert zu bestimmen. Der jeweilige Beitrag errechnet sich dann durch Multiplikation des Ausgangswerts mit dem Beitragssatz.

Die Beitragssätze werden für alle Zweige der Sozialversicherung vom Gesetzgeber bundesweit festgesetzt. Ausnahmen gibt es nur für die Zusatzbeiträge der Krankenversicherung und die Umlagebeträge zu den Ausgleichskassen für Arbeitgeberaufwendungen U1 und U2.

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Beitragssatz Krankenversicherung

  • Seit der Einführung des Gesundheitsfonds zum 1. Januar 2009 werden die beiden Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung vom Gesetzgeber bundesweit einheitlich vorgegeben.
  • Der allgemeine Beitragssatz beträgt seit 2015 konstant 14,6 Prozent.
  • Der ermäßigte Beitragssatz – für Mitglieder ohne Anspruch auf Krankengeld – beträgt 14 Prozent.

Kassenindividuelle Zusatzbeiträge

In den vergangenen Jahren haben fast alle Krankenkassen Zusatzbeiträge erhoben. Ihre Höhe regelt jede Krankenkasse individuell in ihrer Satzung.

Der Zusatzbeitrag wird für alle Mitglieder der Krankenkassen erhoben, egal ob sie den allgemeinen oder ermäßigten Beitragssatz zahlen. Der Zusatzbeitrag gilt aber auch für Versicherte, deren Beiträge von Dritten geleistet werden. Seit dem 1. Januar 2019 zahlen Beschäftigte und Arbeitgeber den Zusatzbeitrag wieder jeweils zur Hälfte.

Durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz

Bestimmte Personengruppen, zum Beispiel Auszubildende mit einem Bruttoentgelt bis 325 Euro oder Teilnehmer an einem freiwilligen sozialen Jahr, zahlen nicht den individuellen Zusatzbeitrag ihrer Kasse, sondern in Höhe des durchschnittlichen Zusatzbeitrags. Dieser wird jährlich bis zum 1. November vom Bundesministerium für Gesundheit für das folgende Kalenderjahr festgelegt. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag ist ein rechnerischer Wert und ergibt sich aus der Differenz zwischen den voraussichtlichen jährlichen Ausgaben der Krankenkassen und den voraussichtlichen jährlichen Einnahmen des Gesundheitsfonds. 2019 liegt der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz bei 0,9 Prozent.

Beitragssatz Pflegeversicherung

Der Beitragssatz in der Pflegeversicherung beträgt seit 2019 3,05 Prozent. Auch diesen Beitrag tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte. Kinderlose Mitglieder zahlen nach Vollendung des 23. Lebensjahres einen Beitragszuschlag von 0,25 Prozent, den sie allein tragen müssen.

Sonderregelung: Der Pflegeversicherungsbeitrag in Sachsen

Eine Sonderregelung bei den Beiträgen in der Pflegeversicherung gibt es für das Bundesland Sachsen. Hier gilt die beschriebene Parität aufgrund eines nicht aufgehobenen Feiertags nicht. Dort beträgt der Anteil für Arbeitnehmer seit dem 1. Januar 2019 2,025 Prozent und für Arbeitgeber 1,025 Prozent.

Beitragssatz der Renten- und Arbeitslosenversicherung

Der Beitragssatz der allgemeinen Rentenversicherung beträgt seit 1. Januar 2018 18,6 Prozent. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung liegt seit 1. Januar 2019 bei 2,5 Prozent. Auch diese Beiträge werden paritätisch finanziert, Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen also jeweils den halben Beitrag.

Insolvenzgeldumlage

Die Insolvenzgeldumlage beträgt unverändert 0,06 Prozent. Sie ist grundsätzlich von allen Arbeitgebern allein zu tragen und zusammen mit den anderen Beiträgen abzuführen. Ausgenommen sind lediglich Privathaushalte als Arbeitgeber, die eine Haushaltshilfe beschäftigen, und die Arbeitgeber der öffentlichen Hand.

Umlagen zur Entgeltfortzahlungsversicherung

Die Entgeltfortzahlungsversicherung verhindert, dass Arbeitgeber durch die gesetzlich vorgeschriebene Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder für die Mutterschaft übermäßig belastet werden. Die Zuständigkeit orientiert sich dabei an der Krankenkasse des Arbeitnehmers. Es sind also die Umlagesätze der jeweiligen Kasse maßgebend, die diese selbst in ihrer Satzung festlegt.

  • Umlage U1: Aus diesen Beiträgen werden Arbeitgeberaufwendungen bei Krankheit, also die Entgeltfortzahlung bei Krankheit, erstattet. Hier sehen die meisten Krankenkassen gestaffelte Umlage- und Erstattungssätze vor. An diesem Verfahren nehmen Arbeitgeber teil, die regelmäßig nicht mehr als 30 Arbeitnehmer beschäftigen.
  • Umlage U2: An dieser Umlage nehmen Arbeitgeber aller Betriebsgrößen teil. Aus diesem Topf werden Aufwendungen bei Mutterschutz, also der Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld, beziehungsweise das bei Beschäftigungsverbot fortzuzahlende Entgelt zu 100 Prozent erstattet. Daher gibt es in der Umlage U2 auch nur einen Umlagesatz.
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Pauschale Beitragssätze für Minijobber

Für Beschäftigte, die geringfügig entlohnt werden, zahlt der Arbeitgeber Pauschalbeiträge zur Krankenversicherung von 13 Prozent und zur Rentenversicherung von 15 Prozent. Bei Beschäftigungen im privaten Haushalt betragen sie davon abweichend nur jeweils 5 Prozent. Voraussetzung ist die Anwendung des Haushaltsscheckverfahrens.

Künstlersozialabgabe

Die Künstlersozialabgabe ist ein Teil der Finanzierung der Künstlersozialversicherung. Für 2019 beträgt sie bundesweit 4,2 Prozent auf alle Entgelte, die in einem Kalenderjahr an selbstständige Künstler und Publizisten gezahlt werden.

Stand

Erstellt am: 01.07.2019

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