Arbeitszeiten: flexible Modelle, gesunde Mitarbeitende
Flexible Arbeitszeitmodelle können die Gesundheit und Zufriedenheit von Beschäftigten fördern. Sie verbessern die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Für Unternehmen sind sie zugleich ein wichtiger Baustein eines gesundheitsförderlichen Arbeitsumfelds und können die Attraktivität der Arbeitgeber stärken.
Mehr Flexibilität macht attraktiv
Immer gleiche Zeiten sind gut? Von wegen. Flexible Arbeitszeitmodelle können sogar dazu beitragen, sich im Wettbewerb um Fachkräfte besser aufzustellen. Denn Fluktuationsabsicht, Arbeitgeberattraktivität und Arbeitszufriedenheit, all dies kann dadurch positiv beeinflusst werden. Das zeigen Ergebnisse internationaler Forschungsarbeiten ebenso wie die BAuA-Arbeitszeitbefragung, nachzulesen im Fehlzeiten-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zum Thema Bindung und Gesundheit.
Flexibilität stärkt die Bindung
Der Report zeigt auch: Arbeitszufriedenheit, Bindung an den Arbeitgeber und Gesundheit hängen eng zusammen. Wer zufrieden ist und sich seinem Arbeitgeber verbunden fühlt, ist seltener krank und bleibt dem Unternehmen länger treu. Eine aktuelle Studie des Robert Koch-Instituts belegt darüber hinaus, dass flexible Arbeitszeiten dazu beitragen, Stress zu reduzieren. Können Beschäftigte berufliche Aufgaben und private Verpflichtungen leichter in Einklang bringen, verbessert sich die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Diese positive Auswirkung ist entscheidend, weil anhaltender Stress die psychische Gesundheit beeinträchtigen kann.
Lebensphasenorientierte Zeitsouveränität
Die Forschung zeigt demnach, wie entscheidend flexible Rahmenbedingungen sind, die Belastungen für Mitarbeitende reduzieren und ihnen ausreichend Erholung ermöglichen. Arbeitgeber, die auf den Wunsch nach mehr Zeitsouveränität eingehen, erhöhen also ihre Chancen, qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen und langfristig zu halten. Diese Souveränität kann zudem lebensphasenorientiert ermöglicht werden, wie folgendes Beispiel zeigt:
Flexibilität nach Lebensphase bei Hümmer Elektrotechnik GmbH
Die Hümmer Elektrotechnik GmbH arbeitet mit einem digitalen Planungssystem und flexiblen Stundenkonten. Die rund 30 Monteure können ihre Einsätze langfristig einsehen und freie Zeiten selbst einplanen. Arzttermine, Familienzeit oder eine private Reise lassen sich so besser mit dem Arbeitsalltag verbinden.
Im Unternehmen gibt es unterschiedliche Lösungen, je nach Lebensphase:
- Ein junger Vater hat seine Arbeitszeit vorübergehend reduziert, um mehr Zeit für die Kinderbetreuung zu haben.
- Ein Mitarbeiter kurz vor dem Ruhestand arbeitet in einer Viertagewoche.
- Für eine Büromitarbeiterin wurde ein Homeoffice eingerichtet, um Beruf und Sorgearbeit besser zu vereinbaren.
„Wir wissen, dass das Leben mitunter Flexibilität erfordert, und die wollen wir unseren Mitarbeitenden bieten“, sagt Nicola Hümmer, bei Hümmer verantwortlich für den Bereich People & Culture. Zwar sei der organisatorische Aufwand gestiegen, gleichzeitig erlebe das Unternehmen aber motiviertere und weniger gestresste Beschäftigte. Auch bei Bewerbenden komme das Konzept gut an.
Für Nicola Hümmer ist genau das entscheidend: Bedürfnisse verändern sich im Laufe des Lebens. Unternehmen, die darauf eingehen, können ihre Beschäftigten langfristig unterstützen und dabei die Bindung an den Betrieb stärken.
Flexible Arbeitszeiten erfolgreich gestalten
Damit flexible Arbeitszeiten für ein Unternehmen und seine Mitarbeitenden tatsächlich funktionieren, können sich Führungskräfte an den folgenden Hinweisen orientieren.
So gestalten Sie flexible Arbeitszeiten
- Arbeitsabläufe im Team abstimmen, damit auch bei Abwesenheiten alles reibungslos funktioniert.
- Vertretungsregelungen festlegen, die Mehrbelastungen im Team vermeiden.
- Offen kommunizieren, um Wünsche, betriebliche Anforderungen und mögliche Konflikte frühzeitig zu klären.
- Eine Vertrauenskultur fördern, damit Beschäftigte flexibel und eigenverantwortlich arbeiten können.
- Offen für Anpassungen bleiben, wenn sich Lebensphasen oder betriebliche Anforderungen verändern.
- Individuelle Lösungen finden, die betriebliche Abläufe und persönliche Bedürfnisse in Einklang bringen.
- Klare Regeln zur Erreichbarkeit vereinbaren, damit Flexibilität nicht zu ständiger Verfügbarkeit führt.
- Angebote zum Zeit- und Selbstmanagement schaffen, um den Umgang mit flexiblen Arbeitszeiten zu erleichtern.
Der Austausch mit anderen Betrieben, zum Beispiel in Unternehmensnetzwerken, kann dabei helfen, Lösungen kennenzulernen und von den Erfahrungen anderer zu profitieren.
Arbeitszeitmodelle im Überblick
Welches Arbeitszeitmodell für wen geeignet ist, hängt von den Aufgaben, Arbeitsabläufen und Anforderungen eines Unternehmens und der konkreten Tätigkeit ab. Zu den gängigen Modellen gehören unter anderem:
Modelle mit Chancen und Besonderheiten
Gleitzeit
- Beschäftigte können Beginn und Ende der Arbeitszeit innerhalb festgelegter Grenzen wählen.
- Geeignet für planbare Abläufe, vor allem Büro- und Verwaltungstätigkeiten.
- Zu beachten: Kernzeiten und Teamabsprachen verbindlich regeln.
Flexible Stundenkonten
- Arbeitsstunden werden über einen bestimmten Zeitraum angespart oder abgebaut.
- Arbeitsspitzen und ruhigere Phasen lassen sich ausgleichen, zum Beispiel in Industrie oder Dienstleistung.
- Zu beachten: klare Regeln zum Auf- und Abbau von Zeitguthaben schaffen Transparenz.
Teilzeitmodelle
- Arbeitszeit wird dauerhaft reduziert.
- Sie kann zudem unterschiedlich verteilt werden, etwa auf weniger Tage pro Woche oder kürzere Arbeitstage.
- Zu beachten: Aufgaben und Vertretungen frühzeitig planen.
Viertagewoche
- Vereinbarte Arbeitszeit wird auf vier statt fünf Tage verteilt oder insgesamt reduziert.
- Beschäftigte gewinnen dadurch längere zusammenhängende Erholungszeiten.
- Zu beachten: muss zu Arbeitsabläufen, Servicezeiten und Personalbedarf passen.
Homeoffice und mobiles Arbeiten
- Beschäftigte arbeiten zeitweise oder dauerhaft außerhalb des Betriebs, beispielsweise von zu Hause oder unterwegs.
- Das schafft zusätzliche Flexibilität und spart Wegzeiten.
- Zu beachten: klare Absprachen zu Kommunikation, Erreichbarkeit und Datenschutz.
So unterstützt die AOK
Weitere Anregungen, wie Homeoffice und mobiles Arbeiten gesund gestaltet werden können, bietet das AOK-Fachportal für Arbeitgeber im Themenbereich „Gesund im Homeoffice“.
Das kostenfreie AOK‑Programm „Gesund führen“ unterstützt Führungskräfte dabei, Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass flexible Arbeitszeiten realisierbar sind, zum Beispiel durch klare Kommunikation, gute Arbeitsgestaltung und transparente Teamstrukturen.
Wie Positive Psychologie dazu beitragen kann, Arbeitsbeziehungen zu stärken, Vertrauen aufzubauen und gute Absprachen zu treffen, zeigt das Online-Seminar „Zusammenarbeit im Team stärken“. Das Video steht im AOK-Fachportal für Arbeitgeber bereit.
Stand
Erstellt am: 13.08.2026
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