Offene Fehlerkultur – gut für Arbeitgeber und Beschäftigte

Mit passenden Maßnahmen können Arbeitgeber zu einem gesünderen Umgang mit Fehlern in ihrem Unternehmen finden. Dadurch schützen sie Beschäftigte vor Stress, fördern deren eigene Entscheidungen und ebnen den Weg für Weiterentwicklungen.

Was bedeutet Fehlerkultur in Unternehmen?

Eine offene Fehlerkultur im Betrieb zu etablieren, bedeutet in der Folge, konstruktiv mit Fehlern umzugehen und sie nüchtern zu reflektieren. So können alle im Team daraus lernen und sich weiterentwickeln. Werden Fehler wie eine fachliche Fehleinschätzung, eine kostenintensive Fehlkalkulation oder ein Fehlverhalten im Umgang mit Kunden nicht offen kommuniziert – etwa aus Angst vor Sanktionen –, kann das unter Umständen Folgen haben. Denn Fehlentwicklungen im Unternehmen werden dann zu spät erkannt. Zum anderen sind gerade Innovationen nur dann möglich, wenn das mutige Ausprobieren höher geschätzt wird als die Vorstellung, dass alles perfekt läuft.

Hier einen Kulturwandel einzuleiten, ist Aufgabe von Führungskräften. Sie können mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen dafür sorgen, dass das Ziel erreicht wird: eine Vertrauenskultur, in der Fehler als nutzbringend angesehen werden.  

Die eigene Fehlerkultur prüfen

Die bestehende Fehlerkultur im eigenen Unternehmen gemeinsam mit den Mitarbeitern kritisch unter die Lupe zu nehmen, ist der erste Schritt für einen Kulturwandel. Dabei kann eine Art Statuscheck helfen, der an alle Beschäftigten ausgeteilt wird. Darin können zum Beispiel Aussagen wie die folgenden von den Mitarbeitern anonymisiert mit „trifft gar nicht zu“, „trifft teilweise zu“, „trifft völlig zu“ bewertet werden:

  • Wenn man in unserem Betrieb einen Fehler macht, dann erzählt man es anderen, damit sie nicht denselben Fehler machen.
  • Fehler sind für uns sehr hilfreich, um unsere Arbeit zu verbessern.
  • In dieser Organisation empfinden es die Leute als belastend, wenn sie einen Fehler machen.
  • In dieser Organisation macht man lieber mal einen Fehler, als gar nicht zu handeln.

Ein solcher Statuscheck signalisiert den Beschäftigten zum einen, wie wichtig es dem Unternehmen ist, eine positive Fehlerkultur zu entwickeln, und zeigt zum anderen auf, wo die größten Hürden sind oder wo Anspruch und Realität möglicherweise noch deutlich auseinanderklaffen.

Progressive Fehlerkultur langfristig in Unternehmen etablieren

Um eine gesunde Fehlerkultur zu etablieren, brauchen Unternehmen Offenheit, Toleranz, Miteinander und soziale Unterstützung. Niemand gesteht ein, dass etwas falsch läuft, wenn andere es nicht auch tun. Mit folgenden Tipps für die Praxis gelingt es Führungskräften, einen konstruktiven Umgang mit Fehlern im Team einzuläuten.

Fehler akzeptieren

Sehen Sie Fehler nicht als etwas Schlechtes, sondern als Chance. Kommunizieren Sie diese Einstellung regelmäßig gegenüber Ihren Mitarbeitern. Und gehen Sie freundlich und wertschätzend damit um, wenn jemand scheitert und dazu steht. Die Art und Weise, wie Sie als Führungskraft auf Misserfolge reagieren, ist wegweisend.

Zu eigenen Fehlern stehen

Sprechen Sie als Vorgesetzter auch proaktiv an, wenn Sie selbst mal danebenlagen. Das zeugt von Souveränität und Authentizität.

Sachlich über Fehler sprechen

Ergründen Sie mit Ihrem Team gemeinsam, offen und sachlich, wie Fehler entstanden sind. Durch eine gründliche Analyse kann man sie zukünftig vermeiden. Die gemeinsame Lösungsfindung stärkt zudem den Zusammenhalt im Team. Vorwürfe hingegen bringen niemanden weiter.

Lerneffekt nutzen

Es gibt verschiedene Gründe für Fehler: Routinefehler können schnell behoben werden und lassen sich gut vermeiden. „Intelligente“ Fehler, etwa durch innovative Experimente, bringen einen wertvollen Lerneffekt mit sich. Wenn ein Lösungsansatz nicht funktioniert hat, folgt daraus ein neuer Weg, der ausprobiert werden kann.

Fokus auf den Fehler

Vermeiden Sie es, bei jedem Fehler zuerst nach einem Schuldigen zu suchen. Stattdessen ist lösungsorientiertes Denken weiterführend: Mit welchen Maßnahmen können wir solche Fehler in Zukunft verhindern? Antworten darauf führen zu Fehlervermeidung.

Vier-Augen-Gespräch bevorzugen

Wenn die Verantwortung für einen Fehler offensichtlich bei einem Beschäftigten liegt, erfolgt das erste Gespräch am besten vertraulich zu zweit, um niemanden bloßzustellen. Achten Sie bei solchen Feedback-Gesprächen auf eine positive Grundstimmung. Es gilt: nach vorne blicken, Fehler konstruktiv betrachten. 

Keine Sanktionen

Fehler dürfen nicht zu Bestrafung oder einer Abwertung einer Person führen. Das schürt ein Klima der Angst, das die Mitarbeiter lähmt und schwächt. Denn in der Folge werden sie versuchen, ein erneutes „Scheitern“ zu verhindern. Stattdessen ist Vertrauen das A und O in einer gelebten Fehlerkultur. Führungskräfte, die ihren Mitarbeitern Verantwortung übertragen, geben ihnen die Möglichkeit, aus Fehlern zu lernen, und fördern das Selbstbewusstsein des Einzelnen.

Handlungsleitfaden

Die Erstellung eines Handlungsleitfadens für eine positive Fehlerkultur kann helfen. Darin können Führungskräfte gemeinsam mit ihrem Team einen Prozess für den Umgang mit Fehlern erarbeiten. Eine beliebte Methode, um Fehler positiv zum Gesprächsthema zu machen, ist zum Beispiel die sogenannte Fuckup-Night, bei der jeder von seinen größten Fehlern erzählt, oder die Chance der Woche, bei der Teams die Pleiten und Pannen der Woche Revue passieren lassen.

Fehlerkultur ist auch Lernkultur

Der Unternehmenscoach und Autor Sven Franke empfiehlt, mit einer Fehlerkultur gleichzeitig eine Lernkultur zu etablieren. In einem Experteninterview  der Initiative für Arbeit und Gesundheit zum Thema „New Work und Werte“ erklärt Franke, dass der Begriff Lernkultur zeige, aus welcher Richtung moderne Unternehmen auf das Thema schauen. Es geht also nicht darum, Fehler zu bejubeln. Fehler haben und brauchen Konsequenzen, vor allem, wenn sie Schaden verursachen. Nur wer Fehler analysiert, eröffnet sich die Chance, dass sie nicht wiederholt werden beziehungsweise das eigene System kontinuierlich optimiert werden kann.

So unterstützt die AOK

Eine offene Kommunikationskultur, Teamzusammenhalt und soziale Unterstützung sind ein guter Garant für Fehlerbekenntnisse und Innovationskraft. Wie Führungskräfte ihre Kompetenzen in diesen Bereichen stärken können, zeigt das Online-Programm „Gesund führen“ der AOK. In sechs interaktiven Modulen erfahren Führungskräfte, wie sich ihr Führungsverhalten auf ihre Mitarbeiter auswirken kann und wie sie wirklich gesund führen.

aok.de
AOK-Programm Gesund führen

Das AOK-Programm Gesund führen unterstützt Führungskräfte dabei, ihre Mitarbeiter gesund zu führen und ihre innere Balance zu finden.

Stand

Erstellt am: 06.09.2021

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