Schlaf
Luzides Träumen: Mit diesen Methoden können Sie es lernen
Veröffentlicht am:15.09.2022
aktualisiert am 16.09.2026
6 Minuten Lesedauer
In einem sogenannten luziden Traum, auch Klartraum genannt, ist den Schlafenden bewusst, dass sie träumen. Sie können die Handlung des Traums sogar beeinflussen oder bewusst aufwachen. Wie sich luzides Träumen erlernen lässt.

© iStock / Adene Sanchez
Was ist luzides Träumen?
Was wir im Traum erleben, ist meist unbewusst. Traumerinnerungen gibt es nur dann, wenn wir am Rande einer REM-Phase aufwachen. Beim luziden Träumen hingegen sind sich die Träumenden bewusst, dass sie gerade träumen. Manche können sogar auf das Geschehen Einfluss nehmen.
Luzid leitet sich vom Begriff Luzidität ab, der in der Medizin die Bewusstseinsklarheit beschreibt. Deshalb ist dieses Phänomen auch als Klartraum bekannt. So ein Klartraum kommt deutlich seltener vor als ein normaler Traum, trotzdem erleben ihn viele Menschen. In einer Studie gab mehr als die Hälfte aller befragten Erwachsenen in Deutschland an, mindestens einmal einen luziden Traum gehabt zu haben.
Wieso haben Menschen luzide Träume?
Bei Menschen, die Klarträume haben, ist das vordere Stirnhirn, der sogenannte Präfrontale Cortex, größer ist als bei Menschen, die keine Klarträume haben. Das haben Forschende der Max-Planck-Institute für Bildungsforschung in Berlin und für Psychiatrie in München festgestellt.
Das vordere Stirnhirn hat einen großen Einfluss auf die Fähigkeit, das eigene Denken zu hinterfragen und zu analysieren. Demnach vermuten die Forschenden, dass Klarträumende auch in ihrem Alltag besonders selbstreflektierend sind.
Eine andere Studie hat festgestellt, dass Patienten und Patientinnen mit Narkolepsie (Schlafsucht) häufiger luzide Träume haben als die Kontrollgruppe ohne Narkolepsie. Eine weitere Studie legt nahe, dass eine Verschiebung der Hirnaktivität in Richtung Wachsein während des REM-Schlafs luzide Träume auslöst. Das Gehirn weist demnach sowohl Merkmale des REM-Schlafs als auch des Wachseins auf.
Kann man luzides Träumen lernen?
Die Träume kontrollieren zu können und sich in ihnen heimliche Wünsche zu erfüllen, ist eine reizvolle Vorstellung. Theoretisch kann das für jeden Menschen wahr werden, denn luzides Träumen ist tatsächlich erlernbar. Eine Erfolgsgarantie dafür gibt es nicht, aber Experten und Expertinnen haben mehrere Methoden entwickelt, die die Wahrscheinlichkeit für einen Klartraum erhöhen.
Wie lässt sich Klarträumen mit dem Realitätscheck trainieren?
Der träumende Verstand neigt dazu, selbst die offensichtlichsten Anzeichen dafür, dass man träumt, zu ignorieren. Der Realitätscheck soll das verhindern. Dafür stellt man sich mehrmals am Tag die Frage: „Träume ich oder bin ich wach?“ und beantwortet sie mit einem zuverlässigen Realitätscheck.
Zum Beispiel, indem man versucht, durch den geschlossenem Mund einzuatmen. Was im Wachzustand nicht möglich ist, kann im Traum das widersprüchliche Gefühl hervorrufen, dass sich Luft durch den geschlossenen Mund bewegt. Der Grundgedanke hinter dem Realitätscheck ist, dass er, wenn er zur Gewohnheit wird, schließlich auch im Traum durchgeführt wird und so zur Klarheit führt.
Passend zum Thema
Wie lässt sich luzides Träumen mit der MILD-Technik lernen?
MILD steht für Mnemonic Induction of Lucid Dreams (Mnemonische Induktion von luziden Träumen). Bei der Mnemotechnik macht man sich das sogenannte prospektive Gedächtnis zunutze, also die Fähigkeit, sich an geplante Handlungen in der Zukunft zu erinnern.
Es wird also die Absicht erklärt, sich daran zu erinnern, dass man träumt. Dies geschieht, indem man einen Satz wie „Beim nächsten Traum werde ich mich daran erinnern, dass ich träume“ wiederholt. Diese Technik wird unmittelbar vor dem Einschlafen angewendet und häufig mit der „Wake Back to Bed“-Methode (WBTB) kombiniert.
Wie lernt man Klarträumen mit der WBTB-Methode?
„Wake Back to Bed“ bedeutet so viel wie „Aufwachen und zurück ins Bett“. Dafür stellt man sich einen Wecker auf etwa fünf bis sechs Stunden nach dem Zubettgehen. Nachdem er ertönt, bleibt man eine Zeit lang wach, bevor man sich wieder schlafen legt. Das können nur zehn Minuten, aber auch mehr als eine Stunde sein. Ziel ist es, dadurch die geistige Wachheit zu erhöhen.
Die Wachphase ist gleichzeitig der ideale Zeitpunkt, die MILD-Technik durchzuführen, da nach dem erneuten Einschlafen die REM-Phase, also die Phase, in der die meisten Träume auftreten, schneller erreicht wird. Wiederholen Sie also jetzt den Satz: „Beim nächsten Traum werde ich mich daran erinnern, dass ich träume“. Das erhöht die Chance, sich im REM-Schlaf zu erinnern, dass man träumt.
Passende Artikel zum Thema
Wie helfen externe Stimulationstechniken dabei, luzides Träumen zu lernen?
Bei externen Stimulationstechniken werden Schlafende im REM-Schlaf bestimmten Reizen wie blinkenden Lichtern und akustischen Signalen ausgesetzt, um bei ihnen einen Klartraum auszulösen. Die Reize sollen von den Schlafenden in die Träume mit einbezogen werden und darauf hinweisen, dass sie träumen.
Solche externen Stimulationstechniken können allerdings die Schlafqualität und damit auch die Gesundheit beeinträchtigen, weshalb sie nur unter ärztlicher Aufsicht stattfinden sollten. Vor weiteren Methoden, die mit Elektroschocks oder der Einnahme spezieller Substanzen arbeiten, ist eindringlich zu warnen. Die gesundheitlichen Risiken solcher Techniken übersteigen den erwünschten Nutzen.
Welchen positiven Effekt können luzide Träume haben?
Klarträumende können ihre Kreativität voll ausleben und eigentlich unmögliche Dinge im Traum möglich werden lassen. Die Wissenschaft sieht in luziden Träumen aber noch ganz andere Potenziale. Luzide Träume können unter Umständen zukünftig als alternative beziehungsweise ergänzende Behandlungsmethode in der Psychotherapie positive Effekte erzeugen.
Es bedarf jedoch weiterer Studien, um die genaue Wirksamkeit einschätzen zu können.
Die AOK unterstützt Sie in allen Lebenslagen
Die AOK steht Ihnen bei Fragen rund um Entspannung und gesunde Erholung mit Informationen und Kursen zur Seite. Informieren Sie sich bei Ihrer AOK über passende Leistungen.
Kann das Erlernen von Klarträumen gegen Albträume helfen?
Das Erlernen von luzidem Träumen kann die Therapie bei psychischen Störungen wie Depressionen oder Angstzuständen unterstützen, um Albträume zu lindern. Betroffene können durch Luzides Träumen den Inhalt von Albträumen regulieren, allerdings nicht deren Häufigkeit.
Für eine Studie der Medizinischen Universität und des Institute for Consciousness and Dream Research in Wien beispielsweise haben 31 Probanden und Probandinnen, die an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden, ein sechswöchiges Luzid-Traumtraining absolviert. Ihre Angst- und Depressionswerte nahmen während der Behandlung deutlich ab.
Hilft luzides Träumen beim Trainieren bestimmter Bewegungsabläufe?
Es gibt Hinweise, dass motorische Abläufe in Klarträumen trainiert werden können. Eine Versuchsgruppe übte dafür beispielsweise das Dartwerfen in luziden Träumen. So konnten die Probanden und Probandinnen im Laufe der Zeit ihre Fähigkeit in dem Sport deutlich verbessern.
Auch in einer Interview-Studie berichteten Sportler und Sportlerinnen davon, dass sie ihre physischen Leistungen mithilfe von Klarträumen verbessern konnten.
Können luzide Träume gefährlich sein?
Luzides Träumen kann für viele Menschen von Vorteil sein. Bei bestimmten Personengruppen sollte es jedoch mit Vorsicht erfolgen, beispielsweise bei Menschen, die ein erhöhtes Risiko für Realitätsverlust haben. Klarträume stehen im Verdacht, Halluzinationen zu verstärken und die Vermischung von innerer und äußerer Realität zu begünstigen.
Selten können auch albtraumhafte luzide Träume auftreten. Da es ebenfalls vorkommen kann, dass die Träumenden keinen Einfluss auf das Traumgeschehen nehmen können, werden diese Ängste dann bei vollem Bewusstsein erlebt.
Aufgrund der erhöhten Gehirnaktivität werden luzide Träume auch mit einer schlechteren Schlafqualität in Verbindung gebracht. Dazu durchgeführte Studien zeigen allerdings widersprüchliche Ergebnisse.
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.
M. Dresler, R. Wehrle, V. I. Spoormaker, S. P. Koch et al.: Neural Correlates of Dream Lucidity Obtained from Contrasting Lucid versus Non-Lucid REM Sleep: A Combined EEG/fMRI Case Study, Sleep, Volume 35, Issue 7, 1 July 2012, Pages 1017–1020.
Duden: Luzidität.
Schredl, M., & Erlacher, D. (2011): Frequency of Lucid Dreaming in a Representative German Sample. Perceptual and Motor Skills, 112(1), 104-108.
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.: Klarträume und Metakognition: Bewusst denken – bewusst träumen.
Rak M, Beitinger P, Steiger A, Schredl M, Dresler M: Increased lucid dreaming frequency in narcolepsy. Sleep. 2015;38(5):787-792. Published 2015 May 1.
Voss U, Holzmann R, Tuin I, Hobson JA: Lucid dreaming: a state of consciousness with features of both waking and non-lucid dreaming. Sleep. 2009;32(9):1191-1200.
Adventure-Heart, Denholm & Delfabbro, Paul & Proeve, Michael & Mohr, Philip. (2017): Reality Testing and the Mnemonic Induction of Lucid Dreams: Findings From the National Australian Lucid Dream Induction Study. Dreaming. 27. 206-231.
Holzinger, B., & Fränkl, E. (2021): Luzides Träumen als Technik in der Psychotherapie. Psychotherapie-Wissenschaft, 11(2), 57–63.
Holzinger B, Saletu B and Klösch G (2020): Cognitions in Sleep: Lucid Dreaming as an Intervention for Nightmares in Patients With Posttraumatic Stress Disorder. Front. Psychol. 11:1826.
Schädlich, Melanie & Erlacher, Daniel (2018): Practicing sports in lucid dreams – characteristics, effects, and practical implications. Current Issues in Sport Science (CISS).









