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Was hilft gegen Albträume?

Im Albtraum läuft ein Mann durch einen dunklen Kellergang.

© iStock / suteishi

Lesezeit: 5 Minuten12.07.2022

An die Albträume aus Kindertagen erinnern sich wohl noch viele. Doch auch Erwachsene werden ab und an von den bedrohlichen Träumen geplagt. Welche Strategien Ihnen und Ihren Kindern beim nächsten Albtraum helfen können, erfahren Sie hier.

Inhalte im Überblick

    Was sind Albträume?

    Ein Hund, der einen verfolgt, enger werdende Räume oder der Tod eines Familienmitglieds – in Albträumen werden wir unseren schlimmsten Ängsten ausgesetzt. Verstanden werden darunter Träume, die mit starken negativen Gefühlen – wie Angst, Ekel, Ärger oder Trauer – einhergehen. Die Amerikanische Akademie für Schlafmedizin definiert Albträume als wiederholtes Auftreten von ausgedehnten und extrem belastenden Träumen, an die Betroffene sich gut erinnern können und die in der Regel eine Bedrohung des Überlebens, der Sicherheit oder der körperlichen Unversehrtheit beinhalten. Im Gegensatz zu „normalen schlechten“ Träumen werden Betroffene von ihnen aus dem Schlaf gerissen. Meist finden diese Träume in der zweiten Hälfte der Nacht statt und am nächsten Morgen sind die Erinnerungen an die Szenen des Albtraumes noch sehr präsent.

    Albträume können jeden treffen – sowohl Kinder als auch Erwachsene berichten davon. Sie kommen sogar sehr häufig vor und die meisten Menschen kennen Albträume. Kinder scheinen am ehesten davon betroffen. Fünf Prozent der Kinder sagen aus, dass sie mindestens einen Albtraum pro Woche haben. Zwischen dem 6. und 11. Lebensjahr kommen Albträume dabei am häufigsten vor, wobei Mädchen und Jungen in dem Alter etwa gleich von häufigen Albträumen betroffen sind. In dieser Zeit können sie einen wichtigen Entwicklungsschritt für die Kinder darstellen. Gelegentliche Albträume treten bei Mädchen öfter als bei Jungen auf. Für Erwachsene sind häufige Albträume nur noch selten, doch auch unter ausgewachsenen Menschen geben fünf Prozent an, unter den bedrohlichen Träumen zu leiden. Albträume werden problematisch, wenn sie regelmäßig die Nachtruhe stören und zu einer körperlichen und psychischen Belastung werden.

    Unterschied zwischen Albträumen und Nachtschreck

    Es gibt eine weitere Schlafstörung, die oft mit Albträumen verwechselt wird: der sogenannte Nachtschreck (Pavor nocturnus). Er zählt zu den Parasomnien und tritt meist im ersten Drittel der Nacht auf. Zudem sind Betroffene deutlich aktiver als bei einem Albtraum. Sie schrecken auf und können einen panischen Schrei von sich geben, manchmal gefolgt von hektischem Schlagen gegen die Wand oder dem Aufspringen aus dem Bett. Die Augen sind geöffnet und der Herzschlag und die Atmung beschleunigt. Seltener wird Nachtschreck auch von Schlafwandeln begleitet.

    Diese Zustände können Minuten lang andauern, anschließend erinnern sich die Betroffenen meist an nichts. Denn obwohl sie so erscheinen, sind sie nicht wach – und sie sollten auch nicht geweckt werden. Das Phänomen ist in der Regel harmlos und kommt besonders bei Klein- und Vorschulkindern vor. Selten tritt es im Erwachsenenalter auf.

    Typische Albträume

    In welchen Situationen sich Personen in ihren Albträumen befinden, kann ganz unterschiedlich sein. Zahlreiche Studien zeigen, dass Betroffene verschiedene bedrohliche Situationen erleben, wie:

    • Verfolgungen,
    • Bedrohung, Gewalt und Horror,
    • Verletzungen und Unfälle,
    • den Tod nahestehender Personen,
    • zwischenmenschliche Konflikte,
    • Versagen,
    • Naturkatastrophen,
    • Verspätungen und
    • Lähmung.

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    Was sind die Ursachen für Albträume?

    Warum manche Menschen häufiger als andere von Albträumen geplagt sind, ist nicht bekannt. Es gibt in der Forschung verschiedene Theorien: Mögliche Ursachen sind demnach genetische Faktoren sowie auch die Persönlichkeit. Nach dem Konzept der „dünnen Grenzen“ neigen dünnhäutige, sensible Menschen (sie können sich schlechter von Stress abgrenzen, sind kreativ und empathisch) eher zu häufig auftretenden Albträumen. Persönliche Erlebnisse sowie Stress im Alltag haben einen großen Einfluss darauf, ob Personen Albträume erleben.

    Eine weitere wichtige Ursache von Albträumen sind Traumata. Personen, die durch extrem belastende Erlebnisse eine schwere psychische Verletzung erlitten haben und eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln, berichten oft von Albträumen. Doch auch ohne ausgeprägte Belastungsstörungen ist bekannt, dass Traumata zu Albträumen führen können.

    Möglich sind Albträume außerdem als Nebenwirkung von Medikamenten, zum Beispiel bei Antidepressiva und als Begleiterscheinung bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen.

    Weiter können eine Schwangerschaft, Schlafapnoe, Schlafmangel oder Schlaflosigkeit sowie Schmerzen und Drogen zu vermehrten Albträumen führen.

    Eine Frau sitzt auf dem Sofa und schreibt ihren Albtraum in ein Traumtagebuch.
    Traumtagebücher können dabei helfen, Albträume zu verarbeiten und die Angst vor ihnen zu überwinden.

    © iStock / LaylaBird

    Was hilft bei Albträumen?

    Für viele sind Albträume nur selten erlebte Phänomene. Manche Personen leiden jedoch häufiger unter Albträumen, sodass diese zur Belastung werden. Das kann so weit gehen, dass sich Betroffene aus Angst vor Albträumen fürchten, überhaupt einzuschlafen. Doch wie viele Albträume sind normal? Eine Faustregel besagt: Bei einem oder mehr als einem Albtraum pro Woche ist für viele eine Grenze überschritten und die Belastung groß. Was können die Betroffenen dann tun?

    Um Albträume loszuwerden, ist es hilfreich, sich bewusst zu machen, dass es sich dabei um ein Angstphänomen handelt. Und im Bereich der Angsttherapie gibt es viel Erfahrung und Fachwissen, das sich auf die Behandlung von Albträumen übertragen lässt. Im Mittelpunkt steht dabei die Idee, sich mit der eigenen Angst, die sich im Albtraum manifestiert, auseinanderzusetzen. Es geht darum, Lösungs- und Bewältigungsstrategien für die Angstsituation des Albtraums zu entwickeln, die sich dann in den Traum integrieren lässt.

    So kann die Traumarbeit praktisch funktionieren:

    1. Konfrontation: Schreiben Sie nach dem Aufwachen am Morgen oder noch in der Nacht auf, worum es in Ihrem Albtraum ging. Ein Traumtagebuch kann dabei helfen. Kinder können sich selbst und die Situation, in der sie sich befanden, zeichnen. Es kann belastend sein, sich aktiv mit der Angstsituation und den dadurch entstehenden Gefühlen auseinanderzusetzen, doch so können neue Strategien besser entwickelt und erlernt – und die Angst letztendlich überwunden – werden.
    2. Neue Lösungen entwickeln: Wählen Sie einen konkreten Albtraum aus, den Sie für sich selbst bearbeiten wollen. Versetzen Sie sich in die Situation hinein und überlegen Sie, wie Sie sich aktiv helfen könnten. Vermeidung und Flucht sind dabei keine geeigneten, aktiven Strategien. Hilfreich kann zum Beispiel sein: sich Helfer und Freunde in die Situation dazu denken, um Unterstützung zu erhalten, oder eine bedrohliche Figur im Traum ansprechen. Als Eltern können Sie Ihr Kind fragen, was ihm helfen würde, weniger Angst zu haben. Das kann es dann in das Albtraumbild hineinzeichnen – vielleicht eine Taschenlampe im Dunkeln oder einen Freund oder eine Freundin an der Seite?
    3. Die neue Strategie trainieren: Sich ein einziges Mal den Lösungsweg zu überlegen, reicht leider nicht, damit er beim nächsten Traum schon integriert ist. Darum ist es wichtig, sich über etwa zwei Wochen regelmäßig (am besten einmal pro Tag) die neue Strategie hervorzuholen und geistig vorzustellen. Dabei kann die Bewältigung auch gerne immer detailreicher werden. Wichtig ist nur, über diesen Zeitraum immer mit dem gleichen Traum zu arbeiten.

    Mit der Traumarbeit und der Bearbeitung der eigenen Angst kann es gelingen, den Schrecken der Albträume zu mindern, sodass diese weniger belastend sind. Das Strategietraining kann zwei- bis dreimal wiederholt werden, wenn ein erster Versuch noch keine Linderung erzielt hat.

    Helfen kann außerdem, wenn Sie es schaffen, noch im Albtraum zu bemerken, dass es sich „nur“ um einen Traum handelt. So haben Sie die Chance, die Traumwelt zu beeinflussen. Klares oder luzides Träumen wird diese Strategie genannt.

    Bei Albträumen Hilfe suchen

    Sind die Albträume anhaltend stark belastend für die Betroffenen und wenn keine der Strategien hilft, ist es sinnvoll, sich professionelle Hilfe bei Experten und Expertinnen im Bereich der Verhaltenstherapie, Psychiatrie oder Schlafmedizin zu suchen.

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