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Angst oder Angststörung – Wo liegt der Unterschied?

Eine Frau mit einer Angststörung schaut besorgt in die Ferne.

© iStock / LightFieldStudios

Lesezeit: 5 Minuten09.02.2022

Angst ist eine biologisch sinnvolle Reaktion, die uns vor Gefahren schützt. Bei einer Angststörung ist das Angstgefühl übersteigert. Was noch „normal“ ist und ab wann eine Angststörung vorliegt.

Inhalte im Überblick

    Angst als Erkrankung: Was ist eine Angststörung?

    Das Herz klopft spürbar stärker, die Hände zittern und die Gedanken überschlagen sich – so unangenehm sich Angst auch anfühlt, sie ist ein nützliches Gefühl. Sie stellt einen wichtigen Schutzmechanismus dar und versetzt uns in Alarmbereitschaft, um auf eine mögliche Bedrohung schnell reagieren zu können. So können wir Gefahren abwehren oder ihnen entgehen. Ist die Bedrohung vorbei, nimmt auch die Angst wieder ab. Wird Angst zu einem Dauerbegleiter, könnte eine Angststörung vorliegen.

    Bei einer Angststörung tritt starke Angst in objektiv nicht bedrohlichen Situationen auf. Betroffene fürchten sich vor Situationen und Dingen, die andere als normal empfinden. Sie erleben die Angst dabei sehr real – in Form von intensiven körperlichen und psychischen Beschwerden wie Herzrasen, Schwitzen und Atemnot. In Deutschland leiden etwa 9 Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen im Alter von 18 bis 79 Jahren innerhalb eines Jahres an einer Angststörung.

    Was sind Ursachen und Symptome von Angststörungen?

    Eine Vielzahl von Faktoren kann dazu beitragen, dass eine Angststörung entsteht. Dazu zählen zum einen familiäre Faktoren wie eine genetische Veranlagung und ungünstige Erziehungsstile, etwa wenn ein Kind in hohem Maße überbehütet wird oder zu wenig emotionale Nähe erhält. Zum anderen können soziale Schwierigkeiten und belastende Lebensereignisse wie finanzielle Probleme, Scheidung oder der Tod eines Elternteils ungünstige Faktoren sein. Auch wer bereits an einer psychischen oder körperlichen Erkrankung leidet, hat ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer Angsterkrankung. Zu den möglichen Symptomen von Angststörungen gehören unter anderem: Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Mundtrockenheit, Atemnot, Schwindel oder das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren.

    Eine Frau mit Angststörung ist beim Hausarzt.
    Der Hausarzt ist ein guter erster Ansprechpartner, wenn Sie unter starken Ängsten leiden.

    © iStock / FatCamera

    Welche Formen von Angststörungen gibt es?

    Angststörungen werden oft in drei Formen unterteilt. Sie können sich in ihren Symptomen ähneln, aber die Auslöser unterscheiden sich in der Regel:

    Phobie

    Phobien können beispielsweise durch Menschenmengen, bestimmte Tiere (zum Beispiel Spinnen) oder Gegenstände (zum Beispiel Spritzen) ausgelöst werden. Sie haben also einen konkreten Auslöser und sind erwartbar, da die Betroffenen den Auslöser ihrer Angst kennen. Bei einer sozialen Phobie beispielsweise fürchten sich Betroffene vor Situationen, bei denen sie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen und von Mitmenschen „bewertet“ werden könnten, zum Beispiel bei einem Vortrag oder bei einer Party. Sie befürchten, sich peinlich oder nicht richtig zu verhalten. Eine Reaktion auf einen Auslöser kann eine Panikattacke sein, weshalb Betroffene teilweise versuchen, diese Auslöser zu vermeiden.

    Panikstörung

    Plötzlich eintretende Angstanfälle mit heftigen Beschwerden sind auch eine typische Reaktion bei Panikstörungen. In der Regel verschwinden diese Panikattacken aber innerhalb von zehn Minuten wieder. Ein Grund ist oft nicht erkennbar, sie haben also einen unkonkreten Auslöser und kommen aus heiterem Himmel. Häufig tritt eine Panikstörung auch zusammen mit einer Agoraphobie auf. Zu den Panikattacken kommt also noch die Angst vor Orten hinzu, an denen bei einer Panikattacke peinliches Aufsehen erregt werden würde beziehungsweiße eine Flucht schwer möglich wäre. Das können beispielsweise Menschenmengen, Restaurants oder öffentliche Verkehrsmittel sein.

    Generalisierte Angststörung

    So wie bei der Panikstörung ist der Auslöser der generalisierten Angststörung unkonkret, also nicht auf bestimmte Situationen beschränkt. Betroffene sind in ständiger Sorge, dass ihnen oder Verwandten und Bekannten ein Unglück widerfährt, etwa ein Verkehrsunfall oder eine schwere Krankheit. Sie machen sich sogar Sorgen über ihre Sorgen. Das führt zu einer permanenten inneren Anspannung, die sich zum Beispiel in Unruhe, Muskelverspannung oder Kopfschmerzen äußern kann. Außerdem sind langanhaltende Symptome möglich, wie Benommenheit, Schwindel oder schneller Herzschlag. Ein weiterer Unterschied zur Panikstörung ist, dass die Symptome nicht gleichzeitig als Anfall in Erscheinung treten, sondern abwechselnd in unterschiedlicher Intensität als unterschwelliger Dauerzustand.

    Teufelskreis der Angst

    Angstvermeidung kann zu mehr Leid führen

    Die stärkste und sofortige Angstreduktion tritt ein, wenn die angstauslösenden Situationen vermieden wird. Deshalb ist das besonders „attraktiv“, um sich besser zu fühlen. Allerdings wird die Angst dadurch nur kurzfristig reduziert, langfristig kann die Vermeidung, je nach Schweregrad der Angststörung, zu einem Rückzug aus dem sozialen Leben und teilweise massiven Einschränkung der Lebensqualität führen. Dadurch werden angstauslösende Situationen noch bedrohlicher erlebt und noch mehr vermieden – ein Teufelskreis.

    Wie verhalten sich Menschen mit Angststörung?

    Da das Gefühl der Angst ein fester Bestandteil in unserem Leben ist und sich Angststörungen unterschiedlich zeigen können, fällt es nicht immer leicht, die Beschwerden richtig zuzuordnen. Die folgenden Beispiele können eine Hilfestellung geben:

    Wie Personen mit „normaler“ Angst oder solche mit einer Angststörung mit alltäglichen Situationen umgehen:

    Situation„Normale“ AngstAngststörungen
    Eine Spinne befindet sich im Zimmer.Einige Menschen stören sich nicht an Spinnen, andere ekeln sich vor ihnen. Doch sie können mit ihrer Angst umgehen, indem sie die Spinne zum Beispiel einfangen und nach draußen bringen.Bei einer Spinnenphobie ist es für manche schier unerträglich, im selben Raum mit einer Spinne zu sein. Betroffene können beim Anblick einer Spinne in Panik geraten und vermeiden Orte, an denen sie Spinnen antreffen könnten, etwa den Keller.
    Man steht kurz davor, einen Vortrag vor vielen Menschen zu halten.Viele Menschen kennen die Aufregung und Angst vor einem Vortrag. Doch in der Regel können sie rational damit umgehen und wissen, dass sie den Vortrag meistern werden und die Angst verschwindet.Personen mit einer sozialen Phobie versuchen zu verhindern, dass sie einen Vortrag halten müssen. Sie melden sich dafür sogar im Job oder in der Schule krank.
    Der Partner ist seit einer halben Stunde zu spät.Viele sind zuerst etwas über die Verspätung verärgert und denken auch kurz darüber nach, ob vielleicht etwas Schlimmes passiert ist. Doch sie können sich von dem Gedanken ablenken und haben Vertrauen, dass alles gut wird.Eine Person mit einer generalisierten Angststörung würde sich in dieser Situation sofort große Sorgen machen und beispielsweise darüber nachdenken, ob der Partner einen schweren Unfall hatte.

    Woran erkennt man eine Angststörung?

    Die Übergänge zwischen Angst und Angststörungen sind fließend. Ärztliche oder psychotherapeutische Diagnostik und Behandlung hilft weiter, damit Angststörungen nicht chronisch werden. Das können Hinweise auf Beratungsbedarf sein:

    • Sie denken täglich über Ihre Ängste nach.
    • Ihre Lebensqualität und Bewegungsfreiheit sind durch Ihre Ängste erheblich eingeschränkt.
    • Sie werden immer depressiver durch Ihre Ängste.
    • Sie hatten wegen Ihrer Ängste bereits Selbstmordgedanken.
    • Sie bekämpfen Ihre Ängste mit Alkohol, Drogen oder Tabletten.
    • Ihre Partnerschaft und Arbeit leiden unter Ihren Ängsten.

    Angststörungen sind in der Regel gut behandelbar. Mithilfe von Psychotherapien und auch Medikamenten können sich Betroffene Stück für Stück ihren Ängsten stellen und somit ihre Lebensqualität zurückgewinnen.

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