Schlaf
Schlafmythen im Faktencheck: Kann man Schlaf nachholen?
Veröffentlicht am:29.07.2022
aktualisiert am 07.09.2026
7 Minuten Lesedauer
Schlafmangel gehört für viele zum Alltag – mit spürbaren Folgen für Körper und Geist. Doch wie viel Schlaf brauchen wir wirklich, um gesund zu bleiben? Um die optimale Nachtruhe ranken sich viele Mythen. Welche stimmen, erfahren Sie im Faktencheck.

© iStock / Charday Penn
Inhalte im Überblick
- Welche Schlafmythen stimmen wirklich?
- Kann man Schlaf nachholen?
- Ist mehr Schlaf gesünder?
- Hilft ein Glas Wein dabei, schneller einzuschlafen?
- Hat der Vollmond Einfluss auf den Schlaf?
- Ist nackt schlafen gesund?
- Ist Sport am Abend schlecht fürs Einschlafen?
- Kann man im Schlaf lernen?
- Kann man bei offenem Fenster besser schlafen?
- Ist der Schlaf vor Mitternacht gesünder?
- Ist Mittagsschlaf gesund?
Welche Schlafmythen stimmen wirklich?
Schlaf ist wichtig für die Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden. Doch viele Menschen bekommen weniger Schlaf als sie eigentlich bräuchten. Entspricht die benötigte Menge an Schlaf nicht der tatsächlichen, wird die Differenz als Schlafschuld bezeichnet. Bei vollständigem Schlafmangel wird längere Zeit gar nicht geschlafen.
Junge Erwachsene und Berufstätige schlafen oft weniger als sieben Stunden. Viele Menschen können schlecht einschlafen oder wachen zu oft oder zu früh auf. Einige Menschen schlafen an den Arbeitstagen weniger und an den Wochenenden mehr, um sich zu erholen. Daher kursieren unzählige Tipps, die zu einem besseren Schlaf verhelfen sollen.
Leider ranken sich um das Thema auch viele Mythen und Halbwahrheiten. Einige hat die Schlafforschung bereits widerlegt. An welchen Schlafmythen etwas dran ist und welche nicht stimmen, erfahren Sie im folgenden Faktencheck.
Kann man Schlaf nachholen?
Schlaf lässt sich teilweise und bis zu einem gewissen Grad nachholen. Wie schnell sich der Körper von Schlafmangel erholt, hängt aber von der Art und Dauer des Schlafmangels ab. Ein oder zwei Nächte oder ein Wochenende reichen bei chronischem Schlafmangel nicht aus.
Mit mehr Schlaf am Wochenende wollen viele Menschen versäumten Schlaf nachholen. Andere machen zwischendurch ein Nickerchen am Arbeitsplatz. Mit beiden Maßnahmen lässt sich ein Schlafdefizit aber nur bedingt ausgleichen.
Ist mehr Schlaf gesünder?
Die Wissenschaft bestätigt das nicht. Im Gegenteil. Übermäßiger Schlaf kann erhebliche Folgen für die Gesundheit haben. Bei Menschen, die regelmäßig länger als zehn Stunden schlafen, ist das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen und Demenz erhöht – insbesondere bei älteren Menschen.
Weitere Folgen können Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Depressionen sein. Das Sterblichkeitsrisiko steigt um 20 bis 30 Prozent. Übermäßiges Schlafen wird als Hypersomnie bezeichnet.
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Hilft ein Glas Wein dabei, schneller einzuschlafen?
Eine kleine Studie liefert zwar Hinweise darauf, dass Alkohol die Schlaflatenz, also die Zeit bis zum Einschlafen, verringert. Doch Alkohol stört die einzelnen Schlafphasen erheblich und wirkt sich negativ auf die Schlafarchitektur aus, also auf die zeitliche und qualitative Ver¬teilung der ver¬schie¬de¬nen Schlaf¬stadi¬en.
Alkohol führt zu vermehrtem Wasserlassen und damit zu häufigeren Toilettengängen sowie zu längerem Wachsein. Außerdem kann er die Produktion von Magensäure erhöhen. Die Folgen können Sodbrennen und Magenschmerzen sein, die den Schlaf stören. Alkohol sollte deshalb nicht als „Schlafmittel“ verwendet werden.
Hat der Vollmond Einfluss auf den Schlaf?
Forschende des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie stellten gemeinsam mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen verschiedener Universitäten in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden keinen Zusammenhang zwischen Vollmond und Schlafqualität fest.
Sie konnten damit Ergebnisse aus früheren Studien nicht bestätigen. In einer umfangreichen Datenanalyse werteten sie Daten von mehr als 20.000 Schlafnächten aus. Ein schlechter Schlaf bei Vollmond scheint also eher eine subjektive Wahrnehmung zu sein.
Ist nackt schlafen gesund?
Ob das Nacktschlafen einen positiven Effekt auf die Gesundheit hat, wurde bisher nicht untersucht. Dafür spricht, dass der Körper seine Temperatur auf natürliche Weise senkt, um nachts einzuschlafen. Das gelingt ihm nackt besser als im Pyjama und je schneller man abkühlt, desto schneller schläft man ein.
Es gibt noch weitere Gründe, zumindest „luftig“ zu schlafen. Enge und luftundurchlässige Unterwäsche sorgt für unzureichende Luftzirkulation, das kann zum Beispiel das Risiko für Vaginalpilz bei Frauen erhöhen. Bei Männern verringert enge Unterwäsche laut einer Studie womöglich die Spermienzahl.

Ist Sport am Abend schlecht fürs Einschlafen?
Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) weist darauf hin, dass es darauf bisher keine eindeutige Antwort gibt. Sehr intensive Sporteinheiten am Abend könnten bei Einzelnen Schwierigkeiten beim Einschlafen verursachen.
Deshalb empfehlen einige Studien, zwischen Sport und dem Schlafengehen einen Abstand von bis zu fünf Stunden einzuhalten. Die DGSM weist darauf hin, dass Ausdauersport wie Joggen mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen beendet sein sollte und bei Krafttraining ein größerer Abstand nötig sein könnte.
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Kann man im Schlaf lernen?
Etwas Neues lässt sich im Schlaf nicht erlernen – dafür aber festigen. Das Gehirn sortiert im Schlaf verschiedene Erinnerungen vom Vortag und mustert weniger wichtige Informationen aus. Es überträgt beispielsweise gelernte Vokabeln in das Langzeitgedächtnis. Schlaf kann somit das Erinnerungsvermögen schärfen.
Gewisse Reize können diesen Prozess eventuell unterstützen: In einer Studie des Universitätsklinikums Freiburg erzielten Schüler und Schülerinnen einen deutlich größeren Lernerfolg, wenn während der Lern- und der Schlafphase die gleichen Duftstäbchen zum Einsatz kamen.
Kann man bei offenem Fenster besser schlafen?
Ob man bei offenem Fenster besser schlafen kann, hängt vom Wohnort ab. In der Stadt empfiehlt es sich, das Fenster nachts zu schließen. Denn nächtlicher Lärm durch Straßen- und Flugverkehr kann gesundheitsschädlich sein. Er stört die innere Uhr und somit den Schlaf, begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Stoffwechselstörungen.
Statt mit gekipptem Fenster zu schlafen, lässt sich das Schlafzimmer auch durch Stoßlüften herunterkühlen. Das ist die bessere Variante. Die optimale Schlaftemperatur liegt etwa zwischen 16 und 20 Grad Celsius und damit vermutlich unter der durchschnittlichen Zimmertemperatur.
Brauchen ältere Menschen weniger Schlaf?
Im Alter verändert sich zwar der Schlaf, doch das nötige Schlafpensum bleibt gleich. Ältere Menschen brauchen nicht weniger Schlaf, aber ein klein wenig länger, um einzuschlafen. Bei Menschen zwischen 20 und 80 Jahren verlängert sich die Einschlafphase um weniger als zehn Minuten.
Ab 60 Jahren nimmt der Traumschlaf etwas ab und ältere Menschen schlafen nicht mehr so gut wie jüngere. Krankheiten, Beschwerden und nächtliche Toilettengänge kommen im Alter erschwerend hinzu.
Ältere Menschen sind zudem oft früher wach, weil viele nun einen anderen Schlafrhythmus pflegen. Sie gehen früher ins Bett, stehen dementsprechend auch früher wieder auf. Sie machen zudem häufiger einen Mittagsschlaf. Dadurch sinkt ihr nächtlicher Schlafbedarf.
Ist der Schlaf vor Mitternacht gesünder?
Das behauptet der deutsche Volksmund zwar, doch es ist nicht relevant, ob jemand um 23 Uhr oder um 1 Uhr ins Bett geht. Entscheidend für die Erholung ist, ob man ausreichend Tiefschlaf bekommt. Die Tiefschlafphase ist die dritte Phase eines Schlafzyklus.
Jede Nacht durchläuft der Mensch mehrere Schlafphasen. Allerdings nimmt der Anteil des Tiefschlafs zum Morgen hin ab und der weniger erholsame REM-Schlaf (Traumschlaf ) nimmt zu. Wer erst kurz vor Sonnenaufgang ins Bett geht, hat deshalb einen weniger erholsamen Schlaf.
Ist Mittagsschlaf gesund?
Mittagsschlaf kann sich in allen Altersgruppen positiv auf das Lernen auswirken. Das zeigt eine Übersichtsarbeit der University of Massachusetts. Kinder, die regelmäßig mittags schlafen, können sich besser an das zuvor Gelernte erinnern. Der Mittagsschlaf hilft ihnen, es im Gedächtnis zu speichern und später abzurufen.
Allerdings kann der Mittagsschlaf die nächtliche Schlafdauer verringern oder zu Schlaftrunkenheit führen. Er sollte deshalb nicht zu ausgiebig ausfallen. Schlafforschende empfehlen einen Powernap zwischen 10 und 20 Minuten bei der Arbeit. Wer unter Schlafstörungen leidet, sollte jedoch besser darauf verzichten.
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.
D Leger, J B Richard, O Collin, F Sauvet, B Faraut: Napping and weekend catchup sleep do not fully compensate for high rates of sleep debt and short sleep at a population level (in a representative nationwide sample of 12,637 adults), Sleep Medicine, Volume 74, 2020, Pages 278-288, ISSN 1389-9457.
J R Guzzetti, S Banks: Dynamics of recovery sleep from chronic sleep restriction, SLEEP Advances, Volume 4, Issue 1, 2023, zpac044.
Gesundheitsinformation.de: Was ist „normaler“ Schlaf?, aktualisiert 03.07.2024.
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e.V. (DGSM):
Sport & Schlaf, DGSM Aktionstag „Erholsamer Schlaf“ 2026, Pressemappe.
News Medical Life Sciences / Marzia Khan: The Health Risks of Oversleeping, aktualisiert 10.01.2025.
Max-Planck-Institut für Psychiatrie: Beeinflusst der Mond unseren Schlaf?, 16.06.2014.
L Mínguez-Alarcón, A J Gaskins, Y H Chiu, C Messerlian, P L Williams, J B Ford, I Souter, R Hauser, J E Chavarro: Type of underwear worn and markers of testicular function among men attending a fertility center, Human Reproduction, Volume 33, Issue 9, September 2018, Pages 1749–1756.








