Gesund im Job

Resilienz am Arbeitsplatz – wie wird man stressresistent?

Veröffentlicht am:11.02.2026

13 Minuten Lesedauer

Für viele kann der tägliche Job eine stressige Angelegenheit sein. Resilienz hilft dabei, sich gegen psychische Belastungen zu wappnen. Wie können Berufstätige ihre psychische Widerstandskraft stärken, um mit beruflichen Konflikten besser umzugehen?

In einer Fabrikhalle steht ein Mann mit einem Schutzhelm vor einer Maschine. Er hält ein elektronisches Wartungs- oder Steuergerät in der linken Hand, blickt auf dessen Display und tippt mit der rechten Hand etwas ein.

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Stress am Arbeitsplatz: viele Ursachen, immer gesundheitsrelevant

Anhaltender negativer Stress kann die Gesundheit gefährden. Menschen, die unter chronischem Stress leiden, haben beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, für Probleme im Magen-Darm-Bereich oder für psychische Belastungen wie Burnout.

Im Alltag gibt es viele unterschiedliche Faktoren, die Stress auslösen können – sogenannte Stressoren. Dazu zählen beispielsweise Konflikte in der Familie, Lärm oder finanzielle Sorgen. Für viele berufstätige Menschen ist die Arbeit ein wesentlicher Teil des Lebens – und kann damit auch eine bedeutende Stressquelle sein.

Typische berufliche Stressfaktoren

Jeder Job ist anders und Menschen reagieren unterschiedlich auf Stressoren. Es gibt jedoch bestimmte negative Aspekte im Berufsalltag, die häufig als besonders belastend erlebt werden. Dazu gehören beispielsweise:

  • hohe Arbeitslast
  • Leistungsdruck
  • Überforderung
  • Monotonie bei der Arbeit
  • Zeitdruck
  • wenig eigene Mitsprache bei der Arbeitsgestaltung
  • schlechtes Betriebsklima
  • mangelnde Wertschätzung durch Vorgesetzte
  • Mobbing durch Kollegen und Kolleginnen
  • Probleme, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen
  • Angst vor Jobverlust

Stressfaktoren verstärken sich gegenseitig

In der modernen Arbeitswelt kommt außerdem die Verquickung von Berufs- und Privatleben hinzu. Durch moderne Telekommunikation, Internetzugang und vor allem Homeoffice ist die Arbeit für viele Menschen ständig präsent. Häufig kommen dabei mehrere Stressoren gleichzeitig zusammen. So fällt es bei hoher Arbeitslast und Zeitmangel zum Beispiel umso schwerer, Beruf und Familie in Einklang zu bringen. Die einzelnen Belastungsfaktoren können sich dann in ihrer negativen Wirkung gegenseitig verstärken. Betroffene haben dann noch weniger Möglichkeiten zur Erholung und der Stress nimmt weiter zu.

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Was bedeutet Resilienz am Arbeitsplatz?

Menschen reagieren unterschiedlich auf Herausforderungen im Alltag. Was den einen belastet, bewältigt die andere vergleichsweise mühelos. Es gibt Menschen, die besser mit Stress umgehen können oder die in Situationen, die andere belasten würden, weniger oder keinen Stress empfinden.

Wie gut ein Mensch einen stressigen (Arbeits-)Alltag wegsteckt, hängt entscheidend von seiner persönlichen Resilienz ab. In der Psychologie bezeichnet der Begriff „Resilienz“ im weitesten Sinne die Widerstandsfähigkeit; also das Vermögen, belastende Situationen oder Ereignisse gut zu überstehen und im Idealfall sogar gestärkt daraus hervorzugehen.

Resiliente Menschen können demnach mit belastenden Erfahrungen besser umgehen. Dazu zählen zum Beispiel einschneidende oder verlustreiche Ereignisse im privaten Umfeld wie der Tod einer nahestehenden Person oder auch herausfordernde Situationen im Beruf wie kritisches Feedback oder ein Rüffel durch eine vorgesetzte Person.

Wenn Stressoren als weniger belastend erlebt werden, geht dies häufig mit höherem Wohlbefinden und größerer Arbeitszufriedenheit einher. Resiliente Menschen weisen oftmals eine höhere Selbstwirksamkeit auf, gehen meist optimistischer durchs Leben und begegnen bevorstehenden Aufgaben eher positiv. Sie sehen sie vielmehr als Herausforderung, denn als Belastung. Dadurch haben resiliente Menschen oft ein geringeres Risiko für stressbedingte Probleme wie Burnout und Depressionen.

Schutz vor psychischen Belastungen ist gesetzlich geregelt

Wie sich berufliche Belastungen konkret auf einen Menschen auswirken können, hängt zwar auch von dessen persönlicher Resilienz ab. Die Verantwortung für einen Arbeitsplatz, der die psychische Gesundheit nicht gefährdet, liegt jedoch beim Arbeitgeber oder der Arbeitgeberin.

In Deutschland sind Unternehmen gemäß Arbeitsschutzgesetz dazu verpflichtet, ihre Beschäftigten nicht nur vor schädlichen Einflüssen auf die körperliche, sondern auch auf die psychische Gesundheit zu schützen.

Es ist nicht Aufgabe der Arbeitgebenden, die psychische Verfassung oder Gesundheit der Beschäftigten zu beurteilen. Ziel ist hingegen die Förderung einer menschengerechten Arbeitsgestaltung. Dazu gehören Aspekte wie

  • ausreichende Pausen und Erholungszeiten
  • ausgewogenes Verhältnis von Arbeitsmenge und Arbeitszeit
  • vorhersehbare und planbare Arbeitszeiten
  • Schutz vor Mobbing

Wird die psychische Belastung am Arbeitsplatz als zu hoch erlebt, sollten Angestellte ihre Vorgesetzten darauf ansprechen und im Idealfall gemeinsam mit ihnen eine Lösung finden.

Auf einer Bank an einem von Bäumen gesäumten Weg sitzt eine Frau. Ihre Unterarme ruhen auf der Rückenlehne. Sie legt den Kopf in den Nacken und hat die Augen geschlossen.

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Arbeitspausen an der frischen Luft machen nicht unbedingt stressresistent, können aber Stress am Arbeitsplatz mildern.

Was kann ich selbst für mehr Resilienz im Job tun?

Die bloße Erkenntnis, dass resiliente Menschen häufig besser mit Arbeitsstress umgehen, ist wenig hilfreich. Wichtiger ist die Frage: Wie kann ich meine Resilienz stärken? Das Gute daran ist: Resilienz lässt sich trainieren. Dazu gibt es zum Beispiel spezielle Trainingskurse für Resilienz.

Sie können aber auch eigenständig etwas für Ihre Resilienz tun. Hierbei greifen Stressabbau und Resilienzaufbau ineinander. Für die Entwicklung der persönlichen Resilienz ist es unter anderem wichtig, den Umgang mit Stress zu üben. Als besonders wirksam zur Verringerung von negativ empfundenem Stress und zur besseren Verarbeitung haben sich die folgenden Strategien erwiesen:

Und ganz grundsätzlich ist ausreichend Schlaf eine sehr wichtige Voraussetzung, um Stress vorzubeugen. Um den Stress wieder abzubauen, ist wiederum Sport ideal. Insbesondere Ausdauersport hilft dem Körper, Stresshormone abzubauen.

Eine gute Hilfe ist außerdem die AOK-App „Lebe Balance“. Sie hilft, den Herausforderungen des Alltags mit mehr Ruhe und Gelassenheit zu begegnen.

Finden Sie Ihren Weg zu mehr Gelassenheit

Tipps für weniger Stress im Job

In einem gewissen Umfang können Sie Ihr psychisches Wohlbefinden am Arbeitsplatz selbst unterstützen. Da jeder Arbeitsplatz anders ist, können die folgenden Tipps für jeden beruflichen Kontext unterschiedlich hilfreich sein.

  • Wenn Sie die Möglichkeit dazu haben, sollten Sie Prioritäten setzen, sich nicht überfordern und Ihre Arbeit gut einteilen.
  • Lernen Sie, freundlich, aber bestimmt „nein” zu sagen, wenn Ihnen Aufgaben unangemessen erscheinen. Das kann in bestimmten Fällen schwierig sein. Gegebenenfalls können Sie sich vom Betriebsrat unterstützen lassen.
  • Tauschen Sie sich mit Ihren Kollegen und Kolleginnen aus und kommunizieren Sie offen – auch mit Vorgesetzten. So tragen Sie selbst zu einem guten Betriebsklima bei.
  • Nehmen Sie Ihre Pausen in Anspruch und gestalten Sie Pausenzeiten sinnvoll: zum Beispiel gemeinsame Mahlzeiten oder Bewegung an der frischen Luft.
  • Ziehen Sie klare Grenzen zwischen Job und Freizeit. Wenn Sie zum Feierabend Ihren Arbeitsplatz verlassen, sollten Sie sich darum bemühen, etwaige Probleme im übertragenen Sinne nicht mit nach Hause zu nehmen. Lassen Sie die Arbeit bewusst im Büro oder in der Firma. Wenn Sie zu Hause arbeiten, ist das natürlich besonders schwierig. Hier braucht es besondere Strategien für das Homeoffice.
  • Sorgen Sie für eine positive Work-Life-Balance: Auf einen langen Arbeitstag sollte immer eine ausgewogene Erholung folgen. Das ist wichtig für Ihr persönliches Wohlbefinden und Ihre Gesundheit. Gelebte Hobbys sind zum Beispiel ein guter Ausgleich zum Arbeitsalltag.
  • Wenn Sie das Gefühl haben, am Arbeitsplatz psychisch stark belastet zu sein, lassen Sie sich von Menschen im Arbeitsumfeld helfen, denen Sie vertrauen. Soziale Unterstützung ist wichtig für die Resilienz am Arbeitsplatz.
  • Wenn es Ihnen psychisch sehr schlecht geht, holen Sie sich professionelle Hilfe. Sprechen Sie zum Beispiel Ihren Arzt oder Ihre Ärztin darauf an, ob eine psychotherapeutische Behandlung für Sie infrage kommt.
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Fachlich geprüft
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