Immunsystem
Bewährt, sicher, verträglich: Hat Kortison auch Nebenwirkungen?
Veröffentlicht am:13.06.2023
aktualisiert am 30.06.2026
6 Minuten Lesedauer
Kortison hat keinen besonders guten Ruf. Mit dem Medikament werden vor allem unerwünschte Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme oder Blutzuckeranstieg verbunden. Wird es sorgfältig und kurzzeitig angewendet, gilt es aber als sicherer Wirkstoff.

© iStock / miniseries / KI-bearbeitet
Was ist Kortison und wann wird es eingesetzt?
Kortison, häufig auch in der Schreibweise „Cortison“, ist einer von vielen Wirkstoffen aus der Gruppe der sogenannten Glukokortikosteroide (auch Glukokortikoide). Kortikoide regen Teile des Stoffwechsels an und sind eine Reaktion des Körpers auf äußere Belastungen. Deshalb werden sie auch Stresshormone genannt.
Als Medikament lindert Kortison Entzündungen, wo immer sie im Körper auftreten. Es wirkt immunsuppressiv – das heißt, das Arzneimittel macht die Abwehraktivitäten des Körpers weniger aggressiv. Gezielt eingesetzt, wirkt es optimal auf Entzündungsherde ein.
Bei diesen Krankheiten wird Kortison zum Beispiel verschrieben:
- Ekzeme, Hautausschlag, Schuppenflechte
- Gelenk- und Schleimbeutelentzündungen, Rheuma
- Asthma, Allergien, Lungenkrankheit COPD
- Akuter Tinnitus
- zur Minderung von Schüben bei verschiedenen chronischen Krankheiten
- zur Lungenreifung des Embryos bei einer drohenden Frühgeburt
Warum hat Kortison einen schlechten Ruf?
Kortison wurde Mitte der 1940er-Jahre zum ersten Mal eingesetzt. Es bescherte der Medizin riesige Erfolge: Starke Rheuma-Schmerzen konnten gelindert werden, Asthma-Patienten und -Patientinnen erhielten einen Lebensretter, der ihnen Luft schenkte. Kortison bekam den Ruf eines Wunderheilmittels.
Doch schon bald kamen die Schattenseiten zum Vorschein: Das neue Medikament wurde überaus großzügig verwendet, es kam zum Teil zu sehr starken Nebenwirkungen. Mittlerweile setzen Ärzte und Ärztinnen Kortison gezielt und gut dosiert ein. Mit einer umsichtigen Behandlung treten heute wenige bis keine Nebenwirkungen auf.
Wie wirkt Kortison?
Lange Zeit war der Wirkmechanismus von Kortison weitgehend unklar. 2024 fand ein Forscherteam heraus, dass es nicht nur Gene beeinflusst, sondern den Stoffwechsel von Immunzellen umprogrammiert. Dadurch wird eine körpereigene Entzündungsbremse aktiviert.
Die Studie konzentrierte sich auf spezielle Immunzellen, die Makrophagen. Bei chronischen Entzündungen wie Rheuma spielen sie eine wichtige Rolle. Kortison kann den Stoffwechsel der Makrophagen verändern und sie anregen, den entzündungshemmenden Stoff Itaconat zu bilden. Entzündungen können so gehemmt werden.
Zur Behandlung werden Kortison-Präparate wie Salben, Sprays oder Tabletten eingesetzt. Mit den neuen Erkenntnissen besteht die Hoffnung, dass zukünftig entzündungshemmende Produkte entwickelt werden, die weniger Nebenwirkungen haben.
Wie wirkt Kortisonsalbe auf der Haut?
Juckreiz und Hautrötungen lassen sich mit einer Kortisonsalbe häufig lindern. Die Anwendung sollte jedoch zeitlich und lokal begrenzt sein. Eine dauernde Nutzung kann als Nebenwirkung die Haut schädigen. Die Kortisonbehandlung stimmen Ärzte und Ärztinnen auf die jeweilige Körperpartie ab.
An den Oberschenkeln werden beispielsweise höherdosierte Präparate eingesetzt als an empfindlichen Stellen wie im Gesicht oder im Genitalbereich. Fachärzte und -ärztinnen für Dermatologie verschreiben Kortison meist als Creme, wenn sich die Entzündungszellen direkt abwehren lassen – zum Beispiel auf der gereizten Haut.
Ein Vorteil der lokalen Anwendung ist, dass Kortison nicht unnötig in die Blutbahn gelangt, sondern auf direktem Wege dahin, wo es schmerzt und brennt.
Passende Artikel zum Thema
Wie hilft Kortisonspray bei Asthma und heftigem Heuschnupfen?
Dosiersprays mit Kortison bringen bei Atemnot, die aufgrund von hypersensiblen Bronchien, chronischer Bronchitis oder Asthma auftritt, Linderung. Das lebenswichtige Kortison gelangt direkt in die Bronchien, wo es helfen kann. Auch bei schwerem Heuschnupfen können Kortison-Nasensprays die Immunreaktion in der Nase unterdrücken.
Im Allgemeinen ist Kortison zum Inhalieren problemlos, effektiv und in den empfohlenen Dosierungen sicher. Dennoch sollten Sie den Beipackzettel lesen: Rachensprays können zum Beispiel die Schutzfunktion der Mundschleimhäute senken und eine Pilzinfektion auslösen. Nach jeder Inhalation sollten Sie den Mund ausspülen oder die Zähne putzen.

© iStock / AntonioGuillem
Wann werden Kortisontabletten und -spritzen verordnet?
Bei Erkrankungen wie Rheuma wird Kortison in Form von Tabletten, Spritzen oder Infusionen verabreicht. Verordnet der Arzt oder die Ärztin eine Einnahme für zwei bis drei Wochen, ist das Risiko gering, dass ernsthafte Nebenwirkungen auftreten. Spritzen werden meist nur einmal oder in Abständen gegeben.
Nehmen Sie Tabletten ein, gelangt das Kortison ins Blut und wirkt im ganzen Körper. Deshalb sollten Sie diese Regeln bei der Einnahme von Kortison-Tabletten beachten:
- Nehmen Sie Ihr Medikament immer zwischen 6 und 8 Uhr morgens ein. Zu dieser Zeit schüttet der Körper das meiste Cortisol aus und Sie verhindern, dass er die eigene Produktion senkt.
- Kortison-Tabletten können die Wirkung von anderen Wirkstoffen verstärken oder abschwächen. Informieren Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, wenn Sie bereits andere Medikamente einnehmen.
- Warten Sie mit einer Impfung lieber, bis Ihre Kortison-Behandlung abgeschlossen ist. Sonst kann Ihr Körper durch die immunsuppressive Wirkung des Kortisons eventuell nicht ausreichend Antikörper bilden.
- Setzen Sie Kortison-Tabletten nie abrupt ab, sondern nur in ärztlicher Absprache. Sonst sind Entzugserscheinungen möglich.
- Während der Behandlung mit Kortison steigt der morgendliche Blutzuckerspiegel an. Behalten Sie darum Ihre Werte in dieser Zeit gut im Auge, wenn Sie Diabetes haben.
Sie sind bei der AOK versichert und mit uns zufrieden?
Dann empfehlen Sie uns gerne weiter. Für jedes neue Mitglied, das Sie uns vermitteln, bedanken wir uns bei Ihnen mit einem Bonus.
Was kann Kortison und was kann es nicht?
Kortison lindert die Symptome der Erkrankung, aber es heilt sie nicht. Allergien haben meist Ursachen, die durch Kortison nicht behoben werden. Deshalb verschreiben Ärzte und Ärztinnen Kortison meist nur für eine bestimmte Zeit, danach empfehlen sie ein Medikament ohne den Wirkstoff.
Kortison ist kein Wundermittel. Ein einheitliches Behandlungsschema gibt es oft nicht. Wenn Sie sicher sein wollen, ob Kortison der richtige Wirkstoff für Ihre Symptome ist, fragen Sie gezielt bei ihrer Ärztin oder ihrem Arzt nach und benennen Sie die Gründe für ihren Zweifel.
Wollen Sie online zu Kortison recherchieren, achten Sie darauf, dass es sich um Gesundheitsinformationen handelt, denen Sie vertrauen können.
Passende Angebote der AOK
AOK-Clarimedis: medizinische Informationen am Telefon
Das medizinische Info-Telefon AOK-Clarimedis hilft Ihnen jederzeit weiter und informiert Sie über Wirkung, Neben- oder Wechselwirkungen von Medikamenten – online oder unter 0800 1 265 265.
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.







