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Gesundheitsmagazin

Organe

Keine Angst vor Kortison im Asthmaspray

Veröffentlicht am:16.01.2023

5 Minuten Lesedauer

Die Angst vor möglichen Nebenwirkungen gilt als eine der wichtigsten Ursachen dafür, dass Asthmatiker die vom Arzt empfohlene Therapie mit Kortison nicht richtig umsetzen. Dafür gibt es meist keinen Grund. Richtig angewendet, kann Kortison Linderung verschaffen.

Afroamerikanische, junge Frau sitzt zuhause auf dem Sofa und nutzt ein Asthmaspray mit Kortison.

© iStock / MixMedia

Inhalte im Überblick

    Wissenswertes über Kortison

    Cortisol ist ein körpereigenes Stresshormon, das in der Nebennierenrinde gebildet wird und viele Stoffwechselvorgänge beeinflusst, beispielsweise den Zucker-, Eiweiß- und Fettstoffwechsel, aber auch die Knochenbildung. Es wirkt entzündungshemmend und unterdrückt die Immunabwehr. Diese Effekte werden in der Medizin genutzt, wenn synthetische Glukokortikosteroide (medizinischer Begriff für Cortsion) eingesetzt werden. So funktioniert auch die Therapie bei Asthma und COPD (engl. „chronic obstructive pulmonary disease“, chronisch obstruktive Bronchitis). Die häufigsten Kortison-Wirkstoffe im Asthmaspray sind Budesonid, Fluticason, Beclometason, Ciclesonid, Mometason und Flunisolid.

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    Cushing-Syndrom: Gefürchtete Nebenwirkung bei jahrelanger Einnahme von Kortison

    Aufgrund der vielfältigen Einflüsse des Hormons Cortisol können bei einer sehr intensiven Therapie mit Kortison unterschiedliche Organsysteme von Nebenwirkungen betroffen sein. Das Vollbild nach jahrelanger hochdosierter Tabletteneinnahme ist das so genannte Cushing-Syndrom mit den klassischen Zeichen: Vollmondgesicht, „Stiernacken“, Abbau der Muskulatur, Osteoporose, Dehnungsstreifen der Haut, Akne, grauer und grüner Star, Diabetes mellitus und anderen Störungen.

    Solche Nebenwirkungen treten heutzutage selten auf, weil es für die meisten Krankheitsbilder inzwischen bessere Therapiemöglichkeiten gibt als eine dauerhafte hochdosierte Kortisontherapie mittels Tabletten oder Spritzen.

    Richtige Anwendung schützt vor Nebenwirkungen: Kortison in der Therapie von Asthma

    Kortisontabletten werden in der Asthma- und COPD-Therapie in der Regel nur vorübergehend bei sehr starken Beschwerden eingesetzt. Zum Beispiel bei einem mittelschweren Asthmaanfall, der nicht durch die (mehrfache) Gabe eines schnell wirksamen, Bronchien erweiternden Sprays beendet werden kann oder bei einem schweren Asthmaanfall, der im Krankenhaus behandelt werden muss. Dann erfolgt die Tabletten- oder Infusionstherapie mit Kortison nur so lange und so hoch dosiert wie nötig, sodass es nicht zu dauerhaften Nebenwirkungen kommt. Bei Diabetikern wird in dieser Zeit der Blutzucker engmaschig kontrolliert.

    Wird Kortison inhaliert, so wirkt es nur an den Bronchien und hat in normaler Dosierung keine Nebenwirkungen an anderen Organsystemen.

    Dr. Frank Heimann ist Facharzt für Innere Medizin, Lungen- und Bronchialerkrankungen, Allergologie und Schlafmedizin und betreibt gemeinsam mit Kollegen eine ambulante Praxis für Pneumologie in Stuttgart.

    Führt eine jahrelange Asthmatherapie mit Kortison zu Osteoporose im fortgeschrittenen Alter?

    Kortison ist bei fast allen Asthmapatienten unverzichtbar für die Basistherapie. Da es heutzutage als Spray oder inhalatives Pulver verabreicht wird, kann es nur in der Lunge wirken und hat keinen Einfluss auf andere Organe, auch nicht auf den Knochenstoffwechsel. Früher, das heißt vor 40 und mehr Jahren, hatte Kortison tatsächlich teilweise schwerwiegende Nebenwirkungen wie Osteoporose. Damals gab es noch keine Sprays und Asthmatiker nahmen über Jahre und Jahrzehnte täglich Tabletten ein oder erhielten Injektionen. Das Medikament entfaltete so seine Wirkungen und Nebenwirkungen im gesamten Körper („systemische“ Kortison-Therapie). Leider hat auch heute noch die äußerst wirkungsvolle und nebenwirkungsarme, lokal wirksame, inhalative Therapie, die Millionen Asthmatikern ein normales Leben ermöglicht, gegen Vorurteile anzukämpfen.

    „Leider hat auch heute noch die äußerst wirkungsvolle und nebenwirkungsarme, lokal wirksame, inhalative Therapie, die Millionen Asthmatikern ein normales Leben ermöglicht, gegen Vorurteile anzukämpfen.“

    Dr. Frank Heimann
    Facharzt für Lungen- und Bronchialerkrankungen und Allergologie

    Hemmt ein Asthmaspray mit Kortison bei Kindern das Knochenwachstum?

    Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass Kinder mit Asthma, die Kortison inhalieren, als Erwachsene kleiner sind als Kinder, die kein Kortison erhalten. Studien zeigen, dass Kinder im ersten Jahr der Behandlung etwas langsamer wachsen. Einigen Studien zufolge scheinen sie aber wieder aufzuholen, in anderen wurde ein geringer Effekt von weniger als einem Zentimeter festgestellt. Schwerwiegende Folgen, darunter Fettsucht und Diabetes, hatte Kortison früher und nur bei jahrelanger, hochdosierter Einnahme von Tabletten oder wenn es gespritzt wurde. Bei der Inhalation besteht diese Gefahr nicht: Das Kortison wirkt dann ausschließlich an den Bronchien, also dort, wo es benötigt wird. Dadurch ist es so niedrig wie möglich dosiert. Der positive Effekt auf die Lebensqualität von Kindern mit Asthma und den Verlauf ihrer Erkrankung überwiegt diese nachweislich sehr geringen Risiken bei weitem.

    Kleines Mädchen mit blonden Locken sitzt auf dem Boden und inhaliert Kortison mit ihrem Asthmaspray.

    © iStock / KatarzynaBialasiewicz

    Bei Asthmasprays wirkt das Kortison nur in den Bronchien und hat keine schädlichen Einflüsse auf die Entwicklung von Kindern.

    Gibt es für Patienten mit leichtem Asthma Alternativen zu Kortison?

    Auf Kortison zu verzichten ist lediglich dann möglich, wenn nur gelegentlich Atemprobleme bestehen und wenn diese nach Inhalation eines kurz wirksamen Betamimetikums („Notfallspray“) verschwinden. Die Grenze liegt bei maximal einem Asthmaanfall pro Woche tagsüber – oder zwei nächtlichen Anfällen pro Monat. Die meisten Asthmatiker fallen jedoch nicht in diese Kategorie. Für sie ist es wichtig, die chronische Entzündung in den Bronchien in Schach zu halten – und das funktioniert nur mit Kortison. Nebenwirkungen der Asthmasprays können bei nicht sachgemäßer Anwendung an den Mundschleimhäuten auftreten. Zum richtigen Inhalieren gehört daher, anschließend den Mund auszuspülen. So wird einem Pilzbefall vorgebeugt.

    Ist es möglich, weniger oder gar kein Kortison zu inhalieren und dafür mehr von einem Bronchien erweiternden Medikament?

    Kortison beugt der Ursache von Asthmabeschwerden vor: der Entzündung der Bronchien. Aus diesem Grunde ist Kortison in der Asthmatherapie unverzichtbar. Man vermeidet auf diese Weise eine zu hohe Dosierung anderer Medikamente und deren Nebenwirkungen. Eine ausschließliche Therapie mit einem die Bronchien erweiternden Medikament, einem langwirksamen Betamimetikum, erhöht nämlich die Gefahr schwerer Komplikationen. Daher darf es nur in Kombination mit Kortison eingenommen werden.

    Gehört Kortison zur Standardtherapie bei COPD? Wann wird es benötigt?

    Kortison als Dauertherapie bei einer COPD kommt nur bei einem schweren Verlauf in Frage. Bei den meisten Patienten sind eine Behandlung mit Bronchien erweiternden Medikamenten, ein Rauchstopp sowie eine medizinische Atem- und Trainingstherapie ausreichend. Ein zusätzliches Asthmaspray mit dem Wirkstoff Kortison als Dauertherapie kommt für sie aber immer dann in Betracht, wenn es zu häufigeren akuten Verschlimmerungen der Erkrankung, zum Beispiel bei einer Infektion der Atemwege kommt.

    Der Patient darf das Kortison, auch nachdem die Infektion abgeklungen ist, auf keinen Fall eigenmächtig absetzen oder reduzieren. Das sollte erst nach einer Untersuchung durch den Arzt und nach Klärung der weiteren Therapie geschehen. Gleiches gilt für Patienten, die bereits seit längerem Kortison als Dauermedikation einnehmen. Ob und wie die Dosis eventuell reduziert werden kann, sollte nur der Arzt entscheiden.

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