Gehirn & Nerven
Wie kann man Demenz vorbeugen?
Veröffentlicht am:18.02.2022
aktualisiert am 16.04.2026
13 Minuten Lesedauer
Demenz ist eine gefürchtete Erkrankung im Alter. Geistige Fitness, eine gesunde Ernährung und soziale Kontakte können dabei helfen, das Risiko für eine Demenz zu senken.

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Was ist Demenz?
Demenz zählt zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter. Allein in Deutschland sind 1,8 Millionen Menschen betroffen. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Betroffenen aufgrund der alternden Gesellschaft in den kommenden Jahren deutlich steigen wird.
Es gibt viele verschiedene Erscheinungsformen von Demenz, die eines gemeinsam haben: Die geistige Leistungsfähigkeit lässt nach. Betroffene können sich zunehmend schlechter erinnern, sprechen oder orientieren. Der Abbau dieser Fähigkeiten beginnt meist schleichend und kann sich über Jahre erstrecken.
Die häufigste Form ist die Alzheimer-Demenz. Dabei bilden sich Eiweißablagerungen im Gehirn, die Nervenzellen zerstören. Die zweithäufigste Form ist die vaskuläre Demenz. Sie entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, kleinen Durchblutungsstörungen oder bei unbehandeltem Bluthochdruck.
Obwohl die meisten Demenzerkrankungen unheilbar sind, kann die Lebensqualität der Betroffenen verbessert werden. Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten, Demenz vorzubeugen und die geistige Fitness zu erhalten.
Welche Faktoren erhöhen das Risiko für Demenz?
Die genauen Ursachen von Demenzerkrankungen sind bislang unklar. Dennoch hat die Forschung 14 Risikofaktoren identifiziert, die Demenz begünstigen. Einige davon wie Alter, Gene und Geschlecht lassen sich nicht beeinflussen. Andere Faktoren lassen sich jedoch vermeiden oder verringern, um das persönliche Demenzrisiko zu senken:
- Geringe Bildung
- Eingeschränkte Hörfähigkeit
- Hoher Cholesterinspiegel
- Depression
- Kopfverletzungen
- Bewegungsmangel
- Diabetes Typ 2
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Übergewicht
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Soziale Isolation und Einsamkeit
- Luftverschmutzung
- Nachlassendes Sehvermögen
Viele dieser Risikofaktoren haben gemeinsam, dass sie …
- Gefäße oder den Stoffwechsel belasten,
- Entzündungen oder schädliche Ablagerungen im Gehirn fördern und
- kognitive Reserven, also die Widerstandsfähigkeit des Gehirns gegenüber Schäden, schwächen.
Liegen mehrere Risikofaktoren gleichzeitig vor, steigt das Demenzrisiko deutlich. Die gute Nachricht: Ein gesunder Lebensstil und medizinische Vorsorge könnte der Forschung zufolge bis zu 45 Prozent aller Demenzerkrankungen verzögern oder verhindern. Wer einen Risikofaktor bekämpft, reduziert oft mehrere Risikofaktoren gleichzeitig.
Wie lässt sich das Demenzrisiko senken?
Um das Risiko einer Demenzerkrankung zu reduzieren, sollten Sie frühzeitig aktiv werden. Vorbeugende Maßnahmen wirken umso besser, je früher und regelmäßiger Sie diese umsetzen.
Geistig aktiv bleiben
Geistige Fitness und Bildung in jungen Jahren baut kognitive Reserven auf und schützt dadurch das Gehirn. Auch im hohen Alter wirkt Lernen positiv und kann das Demenzrisiko senken. Dabei schützen komplexe, geistig fordernde Tätigkeiten im Alltag und Beruf das Gehirn nachhaltiger als Einzelübungen.
Blutwerte und Blutdruck regelmäßig kontrollieren
Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin und ein hoher Blutzuckerspiegel können Ablagerungen im Gehirn fördern, die Blutgefäße belasten und so das Risiko für alle Demenzformen erhöhen. Kontrollieren Sie daher regelmäßig Ihren Blutdruck und Ihre Blutwerte zum Beispiel im Rahmen des Gesundheits-Check-up 35 in der hausärztlichen Praxis. Sind Risikofaktoren vorhanden, sollten sie behandelt werden.
Wichtig zu wissen: Einen erhöhten Cholesterinspiegel spürt man selbst nicht. Nur eine Blutuntersuchung kann ihn nachweisen. Auch ein erhöhter Blutdruck macht sich nicht immer mit Symptomen bemerkbar.
Körperlich aktiv sein
Bewegungsmangel beeinträchtigt die Durchblutung des Gehirns, schwächt Nervenzellen und fördert den geistigen Abbau. Regelmäßige Bewegung kann Demenz vorbeugen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive Bewegung pro Woche. Im hohen Alter hilft Bewegung besonders in Verbindung mit geistiger oder sozialer Aktivität, zum Beispiel Tanzen oder gemeinsames Training.
Soziale Kontakte pflegen
Das Gehirn braucht Anregung durch Gespräche, Begegnungen und gemeinsamen Aktivitäten, um leistungsfähig zu bleiben. Dabei zählt nicht nur die Anzahl der Kontakte, sondern auch das Gefühl, verbunden zu sein.

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Nikotin und Alkohol meiden
Nikotin und Alkohol schädigen Herz, Gefäße und Gehirn – besonders in Kombination. Zudem fördern sie Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder das Risiko für einen Schlaganfall. Verzichten Sie daher auf Nikotin und Alkohol, um Demenz vorzubeugen.
Eine Studie zeigt: Ein Rauchstopp lohnt sich auch im mittleren bis höheren Alter (40 bis 89 Jahre) und kann den geistigen Abbau verlangsamen. Dieser positive Effekt zeigte sich unabhängig davon, in welchem Alter die Personen mit dem Rauchen aufhörten.
Hörprobleme und Sehschwäche behandeln
Lässt das Gehör nach, verarbeitet das Gehirn weniger Reize. Es muss mehr Energie aufwenden, um Sprache zu verstehen. Das kann auf Dauer seine Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Ähnlich verhält es sich bei einer Sehschwäche.
Gleichen Sie Ihre Sehschwäche aus und schützen Sie Ihre Ohren vor lauten Geräuschen, um Hörverlust vorzubeugen. Verwenden Sie Hörgeräte, wenn Ihre Hörkraft nachlässt.
Bei Übergewicht: abnehmen
Übergewicht fördert die Entstehung von Bauchfett. Dabei handelt es sich um das Fettgewebe, das die Organe im Bauchbereich umgibt. Die Botenstoffe des Bauchfetts erhöhen den Blutdruck, begünstigen Entzündungen und belasten die Gefäße. Bei starkem Übergewicht kann eine Gewichtsabnahme das Demenzrisiko deutlich senken.
Kopfverletzungen vermeiden
Kopfverletzungen können Entzündungen und Ablagerungen im Gehirn begünstigen. Besonders riskant sind Verletzungen in jungen Jahren sowie häufige Erschütterungen, wie sie beim Fußball oder Boxen auftreten können. Schützen Sie sich deshalb beim Sport und vermeiden Sie harte, wiederholte Kopfbelastungen.
Auf die psychische Gesundheit achten
Leidet die Seele – etwa durch anhaltende Traurigkeit, Rückzug, mangelnde Selbstfürsorge oder gar Depressionen – macht sich das auch im Gehirn bemerkbar. Sie sollten daher Ihre mentale Gesundheit stärken und psychische Erkrankungen behandeln lassen. Das verbessert nicht nur Ihre Lebensqualität, sondern senkt auch das Risiko, später an Demenz zu erkranken.
Gesund ernähren
Wissenschaftliche Studien belegen, dass eine ausgewogene und bewusste Ernährung vorbeugend wirkt. Sie stärkt das Herz-Kreislauf-System, wirkt Entzündungen entgegen und versorgt das Gehirn mit wichtigen Nährstoffen.
Eine solche Ernährung schützt Herz und Blutgefäße und verbessert somit die Durchblutung des Gehirns. Nährstoffreiche Lebensmittel, wie sie beispielsweise in der mediterranen Ernährung vorkommen, unterstützen die Gehirngesundheit direkt und helfen, die kognitive Reserve zu fördern.
Darüber hinaus trägt der Verzicht auf übermäßigen Zucker und gesättigte Fette dazu bei, entscheidende Risikofaktoren wie Diabetes Typ 2, Übergewicht und Bluthochdruck zu vermeiden. All diese Faktoren stehen in engem Zusammenhang mit der Entwicklung von Demenzformen.
Ausreichend schlafen
Schlaf hält Körper und Psyche fit – und senkt das Demenzrisiko. Während des Schlafs entsorgt der Körper schädliche Stoffwechselprodukte, die eine Demenz begünstigen können. Außerdem laufen in den Zellen Reparaturprozesse ab und das Immunsystem wird gestärkt.
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Neue Ansätze im Fokus: Was die Forschung sagt
Die Forschung rund um Demenz schreitet voran – und immer wieder tauchen neue Ansätze auf, die Hoffnung wecken. Einige Studien liefern positive Hinweise. Andere vermeintliche Wundermittel wie Nahrungsergänzungsmittel oder spezielle Lebensmittel halten einer genaueren Prüfung dagegen nicht stand.
Zosterimpfung: Kann sie auch vor Demenz schützen?
Studien deuten darauf hin, dass eine Impfung gegen Gürtelrose (Zoster) auch das Demenzrisiko senken könnte. Demnach hatten Personen, die mit dem früheren Lebendimpfstoff geimpft wurden, ein etwas geringeres Risiko, an Demenz zu erkranken, und lebten einige Monate länger. Dieser Effekt zeigte sich bei Frauen deutlicher als bei Männern, was noch völlig unverstanden ist. Ob dieser Effekt auch für den mittlerweile gängigeren Totimpfstoff besteht, wird derzeit geprüft.
Zudem reduzierte sich bei den geimpften Personen das Risiko für Herz-Kreisauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Diese Schutzwirkung scheint nach bisherigen Erkenntnissen bei Männern, Personen unter 60 Jahren sowie Menschen mit anderen Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum und Bewegungsmangel ausgeprägter zu sein.
Nahrungsergänzungsmittel: Braucht das Gehirn Extra-Vitamine?
Immer wieder werden Nahrungsergänzungsmittel beworben, welche die Leistungsfähigkeit des Gehirns steigern und Demenz vorbeugen sollen. Wer sich jedoch ausgewogen und gesund ernährt, benötigt in der Regel keine zusätzlichen Präparate. Eine vorbeugende Wirkung gegen Demenz ist wissenschaftlich nicht belegt.
Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät von der Einnahme der Vitamine B und E, mehrfach ungesättigten Fettsäuren und Multikomplex-Nahrungsergänzungsmitteln ab, um das Risiko eines kognitiven Verfalls oder einer Demenz zu senken. Sie betont dabei den Stellenwert einer gesunden Ernährung.
Grüner Tee, Kaffee & Co.: Was ist dran?
Im Netz und in den Medien gibt es viele weitere Tipps. Man soll zum Beispiel grünen Tee oder Kaffee trinken, Aluminium meiden oder nicht alleine leben. Diese Ratschläge beruhen jedoch nicht auf hochwertigen Studien und sind daher zur Senkung des Demenzrisikos nicht zu empfehlen.
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Bei Demenzverdacht: Frühzeitig Rat einholen
Wenn erste Anzeichen einer Demenz wie räumliche und zeitliche Desorientierung oder Wortfindungsstörungen auftreten, sollten Betroffene ärztlichen Rat suchen. Die Hausärztin oder der Hausarzt ist hierfür die erste Anlaufstelle. Sie kennen die Patientin oder den Patienten meist schon länger, können die Symptome gut einordnen und kognitive Tests durchführen.
Verhärtet sich der Verdacht, erhalten die Betroffenen eine Überweisung zu einer Fachärztin oder einem Facharzt für Neurologie, Psychiatrie oder Geriatrie. Diese verfügen über verschiedene Diagnoseverfahren und erarbeiten eine geeignete Therapie.
Auch wenn Demenz nicht heilbar ist, bringen eine frühzeitige Diagnose und Therapie viele Vorteile: Sie können Symptome verzögern, den Umgang mit der Erkrankung erleichtern und somit die Lebensqualität steigern.
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