BGF und Nudging für Azubis: in der Betriebspraxis erprobt

Der Einstieg ins Berufsleben bringt für viele junge Menschen mehr als neue Aufgaben mit sich. Neben fachlichen Anforderungen bedeutet es vor allem, sich in bestehende Strukturen einzufinden, Rollen zu verstehen und mit Erwartungen im Arbeitsalltag umzugehen. Das Produktionsunternehmen Jacob GmbH Elektrotechnische Fabrik aus Kernen im Remstal, spezialisiert auf die Herstellung von Kabeldurchführungssystemen, fördert und fordert diese besondere Gruppe Mitarbeitender mit gezielten Impulsen Betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF).

Unterstützung zu Beginn

„Nudging“ ist ein englischer Begriff für „Anstupsen“. Die Jacob GmbH stupst gern die ganze Belegschaft, aber besonders Auszubildende, an, wenn es um Betriebliche Gesundheitsförderung geht.

„Die größte Herausforderung für junge Menschen ist unserer Erfahrung nach weniger die fachliche Seite, sondern die Orientierung im Betrieb“, berichtet Nicole Leininger, Personalreferentin und BGM-Beauftragte der Jacob GmbH mit rund 190 Mitarbeitenden, davon kontinuierlich 12 bis 15 Azubis. „Gerade zu Beginn brauchen sie Unterstützung bei Kommunikation, Rollenverständnis und im Umgang mit neuen Situationen. Ohne diese Orientierung können Überforderung und Missverständnisse entstehen. Das sind wichtige Aspekte mentaler Gesundheit.“

Unsicherheit vermeiden, Konflikten vorbeugen

Beim Einstieg in den Betrieb treffen Auszubildende und Berufseinsteigende auf viele neue Personen mit unterschiedlichen Erwartungen: Geschäftsführung, Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen, andere junge Teammitglieder. Sie sind in einer Phase der Orientierung. Fragen wie „Wie rede ich mit wem?“, „Was ist hier üblich?“ oder „Wo liegen meine Handlungsspielräume?“ gehören dazu.

„Manche wissen anfangs einfach noch nicht genau, wo sie stehen“, berichtet die BGM-Beauftragte. „Darf ich schon widersprechen oder halte ich mich besser zurück?“ Auch im Auftreten zeigen sich Unterschiede: „Einige sind eher vorsichtig, andere wirken manchmal wie ein Elefant im Porzellanladen.“ Oft, weil ihnen die betrieblichen Gepflogenheiten noch nicht vertraut sind.

Für die mehr als 100 Jahre alte Jacob GmbH ist deshalb klar: Gesundheitsförderung beginnt bereits im täglichen Miteinander. Dabei geht es darum, Azubis Orientierung zu bieten und sie dabei zu unterstützen, gut im Arbeitsalltag anzukommen. Dabei richten sich die Angebote nicht nur an Azubis und Berufseinsteigende, sondern die gesamte Belegschaft.

Motivieren statt verbieten

Um die Mitarbeitenden für BGF-Angebote zu erreichen, nutzt Jacob unter anderem eine betriebseigene App. Dort werden Aktivitäten kommuniziert; von neuen Kursen bis zu Gesundheitstipps. „Kontinuität ist wichtig“, so Leininger. Sie recherchiert und pflegt die Informationen selbst in die App ein. „Ich sehe das bei den jungen Leuten immer wieder, dass eine Energydrink-Dose schnell zur Hand ist“, berichtet sie. „Da braucht es gezielte Impulse, die nicht verbieten, sondern für Gesünderes motivieren.“ Statt Entscheidungen abzunehmen, wird Verhalten darum in eine möglichst gesundheitsförderliche Richtung gelenkt.

BGF und Nudging: Beispiele der Jacob GmbH

Konkrete Maßnahmen bei Jacob

Treppe gewinnt: Im Verwaltungsgebäude der Jacob GmbH kleben im Treppenhaus kleine Hinweise, die dazu motivieren, bewusst die Treppe und nicht den Aufzug zu nehmen. Ohne Zwang oder Kontrolle, aber ein ständiger Reminder, bereits seit vielen Jahren.

Kantine denkt mit: Statt Energydrinks in der Kantine zu verbieten, werden sie verteuert. Parallel dazu rücken gesunde Ernährungsangebote stärker in den Vordergrund, etwa ein erweitertes Salatangebot oder vegetarische Gerichte. Alle entscheiden trotzdem selbst, was sie kaufen.

Impulse per App: Über die App werden regelmäßig kurze Gesundheitstipps ausgespielt. Keine langen Texte, sondern kleine Denkanstöße zu Bewegung, Ernährung und mentaler Gesundheit.

Bewegung als Gemeinschaftserlebnis: Laufgruppen, Stadtradeln oder Schritt-Challenges setzen auf das einfache Prinzip „Gemeinsam fällt es leichter“. Gerade für junge Mitarbeitende entsteht so ein niedrigschwelliger Einstieg.

Gesundheitsimpulse für Azubis: Ein ganztägiges Event speziell für Auszubildende mit Themen wie Ernährung, Schlaf und Bewegung. Gesundheit wird hier nicht isoliert vermittelt, sondern als Teil des Miteinanders im Unternehmen.

Was wirkt und was schwierig bleibt

Die Erfahrung bei Jacob zeigt: Nudging funktioniert besonders gut, wenn es unauffällig in den Alltag integriert ist. Was schwieriger bleibe, sei die klassische Evaluation. Auf jeden Fall sei die Beteiligung in der Produktion oft geringer als in der Verwaltung. „Feedback bekommen? Mühsam!“, sagt Leininger offen.

Auch Wünsche abzufragen, bringe oft wenig: „Selbst, wenn wir sagen: Füllt den Ideen-Korb, kommt nichts.“ Für das Unternehmen bedeutet das jedoch nicht Stillstand. Vielmehr werden vorhandene Rückmeldungen, Erfahrungen aus bisherigen Aktionen und Beobachtungen aus dem Arbeitsalltag genutzt, um Angebote kontinuierlich weiterzuentwickeln. Dabei hilft die Einbettung in das 2017 eingeführte, etablierte Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) des Unternehmens: Maßnahmen werden regelmäßig in der BGM-Steuerungsgruppe reflektiert und angepasst. Leininger: „Man muss die Leute einfach mitnehmen und ihnen zeigen, was möglich ist.“

Faktor im Wettbewerb

„Aus meiner Erfahrung heraus sind betriebliche Maßnahmen für die Gesundheit ein wichtiges Thema, wenn sich Bewerberinnen und Bewerber ein Unternehmen anschauen“, so Leininger. „Darum informieren wir darüber auch auf unserer Homepage.“ Gerade für junge Menschen seien Arbeitsbedingungen, Kultur und Zusatzangebote Teil der Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber. Gesundheitsförderung wird damit zu einem Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte.

Einfache Praxistipps

So hat es Jacob gemacht

  1. Einfach anfangen statt übermäßig planen
    Man muss kein perfektes BGM-Konzept haben, um loszulegen. Wichtig ist, überhaupt zu starten und erste Maßnahmen auszuprobieren.
  2. Unterstützung pragmatisch nutzen
    BGM aufzubauen, muss nicht teuer sein: Studierende können mit Praxisprojekten bis hin zu Abschlussarbeiten eingebunden werden; eine Win-win-Situation. Auch die Krankenkassen helfen beim Aufbau und der Weiterentwicklung eines BGM.
  3. Belegschaft früh einbinden, ohne zu überfordern
    Mitarbeitende nach ihren Bedürfnissen zu fragen ist wichtig. Doch völlig offene Fragen können überfordern. Konkrete Vorschläge funktionieren besser.
  4. Nudging statt Verbote
    Gesundes Verhalten lässt sich leichter fördern, wenn man kleine Anreize setzt, etwa über Preise, Platzierung oder Erinnerungen, statt Dinge strikt zu untersagen.
  5. Dranbleiben, auch ohne perfektes Feedback
    Evaluation ist schwierig, Rückmeldungen bleiben oft aus. Trotzdem lohnt es sich, Maßnahmen weiterzuführen und schrittweise anzupassen.

So unterstützt die AOK

Das kostenfreie AOK-Programm „Gesund führen“ unterstützt Arbeitgeber dabei, gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen zu gestalten. Es vermittelt Führungskräften konkrete Ansätze und Ideen, welche Maßnahmen auch im Sinne von Nudging geeignet sind, um insbesondere junge Mitarbeitende und Azubis im Arbeitsalltag für gesundes Verhalten zu sensibilisieren.

Nudging, also kleine „Stupser“ im Alltag, kann dabei helfen, gesundes Verhalten ganz selbstverständlich zu fördern. Welche Ansätze sich dafür eignen und wie Unternehmen diese gezielt einsetzen können, zeigt die Themenseite im AOK-Fachportal mit praxisnahen Impulsen und Beispielen.

Auszubildende brauchen besondere Unterstützung, um fit und motiviert ins Berufsleben zu starten. Wie Betriebe Gesundheit wirksam fördern können, zeigt die AOK im Fachportal für Arbeitgeber.

Stand

Erstellt am: 13.05.2026

gesundes unternehmen – der Arbeitgeber-Newsletter der

AOK Baden-Württemberg

Newsletter gesundes unternehmen abonnieren: Hände halten ein Smartphone, auf dem Display ist der Newsletter zu sehen.

Abonnieren Sie den Newsletter der AOK Baden-Württemberg und bekommen kostenfrei jeden Monat Informationen zur Sozialversicherung, Betriebliche Gesundheitsförderung und zu Angeboten der Gesundheitskasse speziell für Arbeitgeber.

Kontakt zur AOK Baden-Württemberg
Grafik Ansprechpartner

Persönliche Ansprechperson

Wählen Sie die passende Ansprechperson für Ihr Anliegen.
Grafik e-mail

Kontaktformular

Haben Sie allgemeine Fragen oder Wünsche? Wir sind gerne für Sie da!
Grafik Firmenkundenservice

Weitere Kontakt- und Bankdaten

Adressen und Bankverbindungen sowie die Betriebsnummer Ihrer AOK Baden-Württemberg stehen hier für Sie bereit.