Checkliste: Mitarbeiter wirksam schützen

Unternehmen können viel tun, um ihre Mitarbeiter angesichts der Coronapandemie zu schützen. Zügige Impfungen – jetzt auch durch Betriebsärzte – gelten als Mittel der Wahl, um die Pandemie einzudämmen. Homeoffice wird weiterhin empfohlen, auch wenn die Pflicht dazu endet. Die folgende Checkliste hilft Arbeitgebern, an alles zu denken, was das Infektionsrisiko weiter begrenzt.

Covid-19-Schutzimpfungen im Betrieb

Neben den Impfzentren und Arztpraxen werden seit Anfang Juni auch die Betriebsärzte bundesweit in Covid-19-Impfungen mit einbezogen. Diese dritte Säule ist ein wichtiger Baustein zum Schutz der Beschäftigten in den Unternehmen und ein weiterer Schritt zur Eindämmung der Pandemie. Betriebliche Impfungen können die Durchimpfung der Bevölkerung durch den Zugang zu 31 Millionen Beschäftigen nicht nur beschleunigen, sie stellen auch sicher, dass der Impfstoff zügig verimpft werden kann, sobald dieser umfassend zur Verfügung steht.

Vorangetrieben werden die Impfungen in Betrieben auch durch die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft, die im Interesse eines zügigen Impfprozesses die Kampagne #wirtschaftimpftgegencorona ins Leben gerufen haben. Ziel ist es, ein niedrigschwelliges, arbeitsplatznahes, freiwilliges Impfangebot für Beschäftigte zu schaffen.

Zur Umsetzung der Corona-Schutzimpfung in Betrieben hat die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände darüber hinaus ein Impfkonzept entwickelt. Es enthält:

  • konkrete Leitfäden zur Impforganisation durch Betriebsärzte
  • Informationen zu Impfstoffen
  • Hinweise zur Dokumentation
  • Unterlagen zur Aufklärung über Vorteile und Risiken
#wirtschaftimpft
Wirtschaft impft gegen Corona

Wie Impfungen durch Betriebsärzte zu organisieren und umzusetzen sind, erfahren Arbeitgeber auf der Website #wirtschaftimpftgegencorona.

SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung bis 10. September verlängert

Auch wenn die Zahl der Neuinfektionen mit Covid-19 sinkt, die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung wird für die Dauer der pandemischen Lage bis einschließlich 10. September 2021 verlängert. Ziel ist es laut Pressemitteilung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), eine vierte Welle zu vermeiden. Dabei wurden einige Regeln an die gesunkenen Infektionszahlen angepasst:

  • Arbeitgeber bleiben verpflichtet, Beschäftigten, die in Präsenz arbeiten, mindestens zweimal pro Woche die Möglichkeit für Schnell- oder Selbsttests anzubieten. Ausnahmen gibt es für vollständig geimpfte beziehungsweise von einer Covid-19-Erkrankung genesene Beschäftigte.
  • Beschäftigte sind nicht verpflichtet, die Testangebote wahrzunehmen sowie dem Arbeitgeber Auskunft über ihren Impf- oder Genesungsstatus zu geben.
  • Betriebliche Hygienepläne nach den Vorgaben der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel und den branchenbezogenen Praxishilfen der Unfallversicherungsträger sind weiterhin umzusetzen.
  • Mit dem Auslaufen der Bundesnotbremse zum 30. Juni entfällt die strikte Vorgabe für Arbeitgeber, den Beschäftigten eine verbindliche Homeoffice-Regelung anzubieten.
  • Auch die Vorgabe für eine Mindestfläche von zehn Quadratmetern pro Person in mehrfach belegten Räumen entfällt.
  • Kontakte und die gleichzeitige Nutzung von Räumen durch mehrere Personen sollen aber auf das notwendige Minimum reduziert bleiben. Dazu kann das Arbeiten im Homeoffice weiterhin einen wichtigen Beitrag leisten.
  • Arbeitgeber müssen mindestens medizinische Gesichtsmasken zur Verfügung stellen, wo andere Maßnahmen keinen ausreichenden Schutz gewähren.
  • Auch während der Pausenzeiten und in Pausenbereichen muss der Infektionsschutz gewährleistet bleiben.

Vorsichtig bleiben

Eine Rückkehr an den Arbeitsplatz ist weiterhin mit zahlreichen Sicherheitsmaßnahmen verknüpft. Eine Orientierung bieten die Leitlinien, die von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) erarbeitet wurden. Was im Einzelfall vertretbar ist und den geltenden Auflagen entspricht, müssen Arbeitgeber derzeit sehr genau abwägen.

Unternehmen und Mitarbeiter in der Verantwortung

Bei der Umsetzung der Schutzmaßnahmen ist also die Eigenverantwortung des Einzelnen, aber auch die Verantwortung der Unternehmen gefragt, für den Arbeitsalltag Vorkehrungen zu treffen, die das Infektionsrisiko minimieren: Arbeitgeber prüfen in einer neuen Gefährdungsbeurteilung selbst, wie hoch das Ansteckungsrisiko in den einzelnen Abteilungen ist und welche Schutzkonzepte jeweils sinnvoll sind. Sie informieren die Beschäftigten regelmäßig dazu und bitten um Einhaltung der neuen Regeln und Mithilfe.

Maßnahmen gemeinsam koordinieren

Das schließt die Beratung mit einer Fachkraft für Arbeitssicherheit und mit dem Personal- oder Betriebsrat mit ein. Sie sind an der Auswahl der richtigen Maßnahmen zu beteiligen. Die Umsetzung koordiniert ein Arbeitsschutzausschuss, sofern vorhanden, oder ein neu eingerichteter Krisenstab aus Arbeitgeber, Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsrat.

Auch wenn Arbeitssicherheit in diesen Zeiten das zentrale Thema ist, müssen zusätzlich einige andere Aspekte berücksichtigt werden, wie ein Blick in die Leitlinien der Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zeigt (siehe Liste mit hilfreichen Links weiter unten). Diese kompakte Checkliste hilft dabei, eine gesunde und sichere Rückkehr der Mitarbeiter zu bewerkstelligen:

1. Auf Homeoffice setzen

Auch wenn ab dem 1. Juli keine strikte Vorgabe für Homeoffice mehr besteht, kann das Arbeiten von zu Hause weiterhin dazu dienen, Kontakte auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren.

2. Coronatests anbieten

Arbeitgeber sind laut Bundesarbeitsministerium künftig verpflichtet, Mitarbeitern, die nicht im Homeoffice arbeiten, zweimal pro Woche einen Coronatest anzubieten. Erlaubt sind Antigen-Schnelltests sowie Selbsttests. Sie müssen vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden. Für Arbeitnehmer besteht allerdings keine Pflicht, sich testen zu lassen.

3. Neue Arbeitsmodelle in Betracht ziehen

Um voll besetzte Busse und Bahnen während der Rushhour zu vermeiden, sollten Unternehmen Arbeitszeiten flexibel gestalten. Prüfen Sie, ob ein „Schichtbetrieb“ Sinn macht, also ein Wechsel zwischen den Teams vor Ort und Teams im Homeoffice. Stellen Sie sicher, dass Sie dokumentieren können, welche Mitarbeiter miteinander oder mit Kunden Kontakt hatten, um im Falle einer bestätigten Infektion umgehend das Gesundheitsamt informieren zu können.

4. Risikogruppen berücksichtigen

Gesundheitliche Gründe, dem Arbeitsplatz fern zu bleiben, erfragen: Gehört der Beschäftigte etwa wegen einer Vorerkrankung oder altersbedingt zu einer Risikogruppe? Auch wegen organisatorischer Probleme bei der Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen ist Homeoffice die beste Lösung.

5. Umbauten nach neuen Arbeitsschutzstandards überprüfen

Um die verschärften Abstandsregeln und die Kontaktanlässe zu reduzieren, prüfen Sie:

  • Wie lässt sich eine gleichzeitige Nutzung von Räumen durch mehrere Personen auf ein Minimum reduzieren?
  • Sind getrennte Ein- und Ausgänge sinnvoll?
  • Wo kein ausreichender Abstand eingehalten werden kann, wird das Tragen medizinischer Masken verpflichtend.
  • Sind in allen Räumen ausreichend Lüftungsmöglichkeiten vorhanden? Häufiges Lüften kann die Anzahl der Krankheitserreger in der Luft senken. In einer Empfehlung der Bundesregierung zum „Infektionsschutzgerechten Lüften“ heißt es zum Beispiel, dass ein Besprechungsraum grundsätzlich alle 20 Minuten für drei Minuten im Winter, fünf Minuten im Frühling/Herbst und zehn Minuten im Sommer stoßgelüftet werden soll. Zudem sind Arbeitgeber angehalten, Raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) auf Funktionstüchtigkeit zu prüfen und erforderliche Reparaturarbeiten durchzuführen. Empfohlen wird, den Umluftbetrieb zu reduzieren und die RLT-Anlage auf möglichst hohe Luftwechselrate durch Frischluft von außen einzustellen.
6. Hygienepläne einhalten

Türklinken, Räume und Arbeitsmittel regelmäßig desinfizieren. In Reinigungsplänen muss klar festgelegt werden: Wer reinigt die Oberflächen nach einer Teambesprechung, wer reinigt wann die Teeküche und inwieweit kann die Reinigungsfirma aktuell mehr und häufiger solche Aufgaben übernehmen?
Prüfen Sie außerdem, ob am Eingang des Betriebsgebäudes Desinfektionsmittelspender einsatzbereit sind.
Sorgen Sie dafür, dass Desinfektionsmittel, Masken und Handschuhe ausreichend vorhanden sind.
Hängen Sie Hinweise zum Händewaschen auf und planen Sie regelmäßige Erinnerungen an hygienische Verhaltensregeln ein – zum Beispiel mit einem Schulungsvideo.

7. Technische Ausstattung verbessern

Prüfen Sie, ob die technischen Möglichkeiten für das Arbeiten auf Distanz verbesserungsbedürftig sind. Sind alle Mitarbeiter im Homeoffice und in den Büros optimal ausgestattet? Wie sieht es mit Notebooks, Firmenhandys und anderen Arbeitsmitteln aus? Funktionieren die Software und Meeting-Tools, gibt es sichere Zugänge zu den eigenen Dokumenten?
Bei Arbeitsplätzen, die von mehreren Mitarbeitern genutzt werden, ist zu überlegen, ob Tastaturen und Telefone mehrfach angeschafft werden, sodass sie jeweils nur von einer Person verwendet werden.

8. Richtlinien für gemeinsam benutzte Räume aufstellen

Stellen Sie sicher, dass folgende Maßnahmen befolgt werden:

  • Teeküchen, Besprechungsräume, Waschräume sind häufig oder ständig zu lüften.
  • Alle Oberflächen (Tische, Küchen, Drucker) sollten leicht zu desinfizieren sein und sind nach der Benutzung zu reinigen. Das gilt auch für gemeinsam genutzte Dienstwagen.
  • In den Waschräumen müssen Seife, Desinfektionsmittel und Einmal-Handtücher stets vorhanden sein.
9. Richtlinien für Meetings und Dienstreisen überarbeiten

Welche Anlässe für direkte Treffen sind wirklich wichtig? Virtuelle Meetings sollten möglichst beibehalten werden. Das gilt auch für den Umgang mit Kunden. Welche Meeting-Tools für Telefon-, Web- und Videokonferenzen stehen dafür zur Verfügung und sind die Beschäftigten im Umgang geschult?

10. Kontakt zu Dritten minimieren

Mitarbeiter mit direktem Kunden- oder Lieferantenkontakt müssen geschützt werden, etwa durch Trennwände und das Tragen von medizinischen Masken. Der Zugang zum Gebäude sollte nur mit Anmeldung möglich sein.

11. Betriebliche Gesundheitsförderung anpassen

Ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung, aber auch psychische Unterstützung in Stress- und Krisenzeiten sind wichtig. Prüfen Sie, bei welchen Aktivitäten und Präventionskursen ihre Mitarbeiter auf digitale Angebote ausweichen können. Als Führungskraft mit den abwesenden Teammitgliedern in Kontakt zu bleiben, ist eine weitere wichtige Unterstützung, um gemeinsam gut durch die Krise zu kommen.

12. Arbeitskleidung und Schutzausrüstung reinigen und aufbewahren

Besonders strikt ist darauf zu achten, dass Persönliche Schutzausrüstung (PSA) und Arbeitsbekleidung nur von jeweils einer Person getragen wird. Außerdem sollte die Ausrüstung getrennt von der Alltagskleidung aufbewahrt werden. Wenn es dazu dient, die betrieblichen Kontakte zu reduzieren, sollte es Beschäftigten gestattet sein, ihre Arbeitskleidung zu Hause an- und auszuziehen.

13. Handlungsanweisung für Verdachtsfälle ausarbeiten

Arbeitgeber sind dafür verantwortlich, betriebliche Regelungen zur raschen Aufklärung von Verdachtsfällen auf eine Covid-19-Erkrankung zu treffen. Insbesondere Fieber, Husten und Atemnot können Anzeichen für eine Infektion mit dem Coronavirus sein. Beschäftigte mit entsprechenden Symptomen sind aufzufordern, das Betriebsgelände zu verlassen beziehungsweise zu Hause zu bleiben, bis eine ärztliche Abklärung des Verdachts erfolgt ist.

Bei bestätigten Infektionen muss das Gesundheitsamt umgehend informiert werden, damit Personen (zum Beispiel Kollegen oder Kunden) ermittelt und informiert werden können, bei denen durch Kontakt mit der infizierten Person ebenfalls ein Infektionsrisiko besteht. Eine entsprechende Dokumentation der Kontakte ist dafür Voraussetzung.

Weiterführende Links für Arbeitgeber

Zur Eingrenzung der Pandemie ist es unerlässlich, dass diese neuen Regeln eingehalten und überwacht werden. Arbeitgeber sollten ihre Mitarbeiter fortlaufend über den aktuellen Stand und die Notwendigkeit der Einhaltung informieren. Beschäftigte können über die interne Unternehmenskommunikation auf dem Laufenden gehalten werden – sowohl am Schwarzen Brett, in den Büros, Kantine und Sanitäranlagen als auch im Intranet, im Rahmen einer Telefon- oder Video-Konferenz oder persönlich im Gespräch mit der Führungskraft und mit dem Team.

Weiterführende Links für Arbeitgeber:

Stand

Zuletzt aktualisiert: 27.07.2021

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