Psychologie
Burnout: Wie merke ich, dass ich betroffen bin?
Veröffentlicht am:18.06.2021
12 Minuten Lesedauer
Ständige Erreichbarkeit, Druck im Job oder Belastungen zu Hause: Es gibt viele Gründe dafür, warum immer mehr Menschen in einen Burnout geraten. Doch woran erkennt man, dass man dauerhaft überlastet und nicht nur vorübergehend gestresst ist?

© iStock / Igor Suka
Was ist ein Burnout?
Der Begriff Burnout beschreibt einen Zustand tiefer emotionaler und mentaler Erschöpfung. Häufig gehen damit das Gefühl verringerter Leistungsfähigkeit und negative Gedanken in Bezug auf die Arbeit einher. Betroffene fühlen sich ausgebrannt und dauerhaft überlastet.
Geprägt wurde der Begriff Mitte der 1970er-Jahre vom US-amerikanischen Psychotherapeuten Herbert Freudenberger. Zunächst wurde Burnout vor allem bei Menschen in helfenden und pflegenden Berufen beschrieben. Heute weiß man, dass es praktisch jeden Menschen treffen kann, der sich dauerhaft überfordert fühlt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt Burnout als Folge von chronischem Arbeitsstress, der nicht erfolgreich bewältigt werden kann. Burnout gilt dabei nicht als eigenständige Krankheit, sondern als arbeitsbezogenes Syndrom.
Wie kann es zu einem Burnout kommen?
Belastende Situationen zu Hause oder im Job können, wenn sie über lange Zeit andauern, Menschen ans Ende ihrer Kräfte bringen. Die Ursachen dafür können unterschiedlicher Art sein. Sie können in der Arbeitssituation und Persönlichkeitsmerkmalen liegen. Beispiele sind:
- dauerhafte Überforderung
- Zeit- und Leistungsdruck, womöglich verbunden mit der Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes
- das Gefühl, jederzeit flexibel und erreichbar sein zu müssen
- hohes Verantwortungsbewusstsein, hohe Erwartungen an sich und andere, Neigung zum Perfektionismus
- eingeschränkter Handlungsspielraum sowie wenig individuelle Gestaltungsmöglichkeiten und Verantwortung
- unbefriedigendes Arbeitsklima, mangelnde Würdigung der eigenen Leistungen
- Konflikte mit Kollegen, Vorgesetzten oder den zu pflegenden Angehörigen
- fehlende private und berufliche Unterstützung
Entscheidend ist dabei, dass ein Burnout nicht über Nacht kommt, sondern langsam entsteht. Herbert Freudenberger entwickelte seinerzeit ein Zwölf-Phasen-Modell des Burnouts.
- Demnach beginnt das Beschwerdebild mit übertriebenem Ehrgeiz, Perfektionismus und einer daraus resultierenden Einsatzbereitschaft, die zur Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse führt.
- Die letzten Stadien des Burnouts sind geprägt von Desinteresse und dem Gefühl von Sinnlosigkeit. Eigeninitiative und Motivation sind dann oft am Nullpunkt angelangt.
- Die Schlussphase ist gekennzeichnet von totaler körperlicher, geistiger und emotionaler Erschöpfung.
Damit es nicht so weit kommt, ist es wichtig, bereits die ersten Anzeichen eines drohenden Burnouts ernst zu nehmen und auf sie zu reagieren.
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Was können Anzeichen eines Burnouts sein?
Auf Stress, egal ob zu Hause oder am Arbeitsplatz, erschöpft zu reagieren, ist zunächst einmal nicht krankhaft, sondern normal. Doch wann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem man sich eingestehen muss, dass das, was man empfindet, mehr als nur Erschöpfung ist? Da es sich bei einem Burnout um kein klar umrissenes Krankheitsbild handelt, gibt es auch keine exakten Diagnosekriterien. Einig sind sich Experten und Expertinnen vor allem darin, dass es sich bei einem Burnout-Syndrom um Beschwerden handelt, die eine direkte Folge stark belastender beruflicher oder außerberuflicher Tätigkeiten und Situationen sind. Als außerberufliche Belastung wird dabei oft die Pflege von Angehörigen genannt.
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Insbesondere drei Anzeichen sprechen für einen Burnout, vor allem wenn sie gleichzeitig auftreten:
- Erschöpfung: Betroffene fühlen sich überfordert, ausgelaugt und antriebslos, sind oft müde und niedergeschlagen. Viele haben zudem körperliche Beschwerden, zum Beispiel unspezifische Schmerzen, Magen-Darm-Probleme oder Schlafstörungen.
- Entfremdung von der eigenen Tätigkeit: Menschen mit einem Burnout erleben ihre Arbeit als zunehmend frustrierend. Sie verlieren ihre Empathie, stumpfen ab und entwickeln mitunter eine zynische Haltung ihren Mitmenschen und Aufgaben gegenüber. Diese geht oft mit Verbitterung und starker emotionaler Distanz zu anderen einher.
- Verminderte Leistungsfähigkeit: Betroffene haben meist Probleme, sich zu konzentrieren und sich Dinge zu merken. Sie fühlen sich lustlos, es mangelt ihnen an Ideen und Kreativität und es fällt ihnen schwer, Entscheidungen zu treffen.
Wie merke ich, dass ich Burnout habe?
Die München Klinik bietet einen Burnout-Selbsttest an, in dem nach den psychischen und körperlichen Symptomen eines Burnouts gefragt wird. Nach 21 Fragen erhalten Sie eine persönliche Risikoeinschätzung.
Wichtig: Der Online-Test dient nur zur Orientierung und ersetzt nicht eine ärztliche Diagnose.
Was tun, wenn man ein Burnout hat?
Wer die genannten Anzeichen bei sich bemerkt, und das vielleicht schon über Wochen oder gar Monate hinweg, sollte sich nicht scheuen, einen Arzt aufzusuchen. In einem ausführlichen Gespräch gilt es zunächst zu klären, ob es sich bei den Beschwerden um ein Burnout handelt oder ob sich dahinter eine Depression oder eine andere manifeste psychische Erkrankung verbirgt, zum Beispiel eine Angststörung oder ein chronisches Erschöpfungssyndrom.
Unterstützung finden bei psychischen Problemen
Wenn Sie sich überfordert und gestresst fühlen, steht die AOK an Ihrer Seite. In verschiedenen Kursen lernen Sie zum Beispiel, wie Sie besser für sich selbst sorgen und Überlastungen vorbeugen können.
Burnout oder Depression: Wo liegt der Unterschied?
Insbesondere die Symptome der Depression können den beim Burnout beobachteten Beschwerden ähneln. Die Hauptsymptome einer Depression sind Antriebsminderung, Interessenverlust und gedrückte Stimmung. Daneben können weitere Symptome auftreten, die für ein Burnout-Syndrom weniger typisch sind. Dazu gehören unter anderem ein vermindertes Selbstwertgefühl, Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle und Suizidgedanken. Zudem beziehen sich bei einer Depression die negativen Gedanken und Empfindungen nicht nur auf die Arbeit, sondern auf alle Lebensbereiche. Das Gefühl der Entfremdung von der eigenen Tätigkeit ist bei einer Depression hingegen seltener zu finden.
Die Ähnlichkeit der Symptome hat zuweilen zur Folge, dass bei Menschen ein Burnout festgestellt wird, obwohl sie eigentlich an einer Depression erkrankt sind. Eine sorgfältige diagnostische Abgrenzung ist jedoch wichtig, weil sich daraus unterschiedliche Empfehlungen zum Umgang mit dem Beschwerdebild ableiten. So kann ein längerer Urlaub oder eine berufliche Auszeit bei einem Burnout durchaus sinnvoll sein, während bei einer Depression davon abgeraten wird und eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung notwendig ist.
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Wie beuge ich einem Burnout vor?
Zur Prävention des Burnouts ist es wichtig, Möglichkeiten zur Entspannung und Erholung zu finden und die persönlichen Ziele und Werte im Job sowie zu Hause regelmäßig zu reflektieren. In Sozialberufen ist es zudem hilfreich, wenn der Arbeitgeber die Teilnahme an Supervisions- und Selbsterfahrungsgruppen ermöglicht. Darüber hinaus können Weiterbildungsmaßnahmen und ein berufliches Coaching sinnvoll sein.
Ziel aller Maßnahmen ist es, zu einer gesunden Work-Life-Balance zu kommen und so das Burnout zu verhindern.
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.
Bundesministerium für Gesundheit / gesund.bund.de: Burn-out-Syndrom.
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) / gesundheitsinformation.de: Depression – Was ist ein Burnout?
Neurologen und Psychiater im Netz: Burnout-Syndrom.
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.: Unipolare Depression.
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde: Burnout – Positionspaier mit Kommentar einer Betriebsärztin.
Cleaveland Clinic: Signs of Burnout: What It Is, How It Feels and How To Recover.
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: ICD-11 in Deutsch.
World Health Organization: Burn-out an "occupational phenomenon".
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit / Frauengesundheitsportal: Psychische Erkrankungen - Burn-out-Syndrom.







