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Agoraphobie: Was gegen die Angst vor öffentlichen Orten hilft

Veröffentlicht am:17.04.2023

aktualisiert am 30.04.2026

21 Minuten Lesedauer

Bei einer Agoraphobie haben Betroffene Angst vor Situationen, in denen sie sich gefangen fühlen. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Klaustrophobie, der Angst vor engen Räumen. Eine Verhaltenstherapie kann den Umgang mit der Agoraphobie verbessern.

Eine junge Frau in einem grünen Pullover schaut traurig aus dem Fenster ins Grüne.

© iStock / AntonioGuillem / KI-bearbeitet

Was ist eine Agoraphobie?

Die Agoraphobie ist eine Angststörung. Sie bezeichnet die Angst vor Situationen, aus denen eine Flucht schwierig erscheint oder in denen Hilfe, zum Beispiel durch eine Ärztin oder einen Arzt, vermutlich nicht schnell erreichbar wäre. Typisch sind Situationen, in denen Betroffene bei einer Panikattacke befürchten, peinliches Aufsehen zu erregen oder gesundheitlichen Schaden zu nehmen.

Eine Agoraphobie kann zum Beispiel auf öffentlichen Plätzen auftreten. Der Name leitet sich vom griechischen Begriff „agora“ ab, der den zentralen Fest-, Versammlungs- und Marktplatz im antiken Griechenland bezeichnete. Deshalb spricht man bei einer Agoraphobie auch von Platzangst.

Die Agoraphobie beschränkt sich jedoch nicht auf weite, öffentliche Plätze, sondern umfasst alle unübersichtlichen und unkontrollierbaren Situationen. Menschen mit dieser Phobie meiden Situationen wie:

  • Menschenansammlungen
  • Einkäufe (zum Beispiel im Supermarkt) und Warteschlangen
  • Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, im Auto oder Flugzeug
  • Reisen
  • Schule, Universität oder Arbeitsplatz

Agoraphobie ist nicht zu verwechseln mit der Klaustrophobie (Raumangst), die das Gegenteil beschreibt: die Angst vor engen Räumen.

Eine Angststörung fühlt sich oft stark und lähmend an. Erfahren Sie, welche Anzeichen auf eine Angststörung hindeuten und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Wie äußert sich eine Agoraphobie?

Viele Menschen mit Agoraphobie erleben in den angstauslösenden Situationen Symptome einer Panikattacke. Dazu gehören:

  • Herzrasen
  • Atemnot oder Erstickungsgefühl
  • Hitzegefühl oder Schweißausbrüche
  • allgemeines Unwohlsein
  • Angst davor, wahnsinnig zu werden, die Kontrolle zu verlieren oder zu sterben
  • Gefühl der Unwirklichkeit und Entfremdung (von sich selbst und der Umgebung)

Welche Ängste und Verhaltensweisen sind typisch für Agoraphobie?

Vor typischen Situationen oder Anforderungen befürchten Menschen mit Agoraphobie, Schwindelgefühle, Herzbeschwerden oder Ohnmacht zu erleiden. Nicht alle erleben dabei eine Panikattacke, die Angst vor bestimmten Erlebnissen besteht aber trotzdem.

Deshalb meiden die Erkrankten die angstauslösenden Orte und Situationen meist. Häufig führt das dazu, dass sie sich in ihre Wohnung zurückziehen.

Welche Folgen hat Agoraphobie?

Menschen mit Agoraphobie können angstauslösende Situationen selten dauerhaft meiden. Wenn sie nicht lernen, mit der Angst umzugehen, kann diese auch die berufliche Tätigkeit beeinträchtigen. Zudem besteht die Gefahr, dass sich die Erkrankung generalisiert: Angst und das Vermeidungsverhalten weiten sich auf immer mehr Situationen aus und schränken das persönliche Leben weiter ein.

Eine generalisierte Erkrankung kann dazu führen, dass sich Menschen mit Agoraphobie immer mehr zurückziehen. Sie bestellen beispielsweise Lebensmittel und andere notwendige Dinge nur noch online, statt in den Supermarkt zu gehen, oder benötigen eine Begleitperson, um bestimmte Situationen einigermaßen zu bewältigen. Dies hält die Symptome jedoch langfristig aufrecht.

Im schlimmsten Fall verlassen Menschen mit Agoraphobie ihr Haus oder ihre Wohnung gar nicht mehr und können nicht mehr arbeiten.

Wie häufig tritt Agoraphobie auf und wer ist davon betroffen?

Die Agoraphobie ist eine der häufigsten Angststörungen und psychischen Erkrankungen. Etwa fünf Prozent aller Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens daran, meist im jungen Erwachsenenalter zwischen 18 und 35 Jahren. Frauen sind etwa doppelt so häufig von Agoraphobie betroffen wie Männer.

Mehr als die Hälfte der Menschen, die unter Agoraphobie leiden, hat zusätzlich eine Panikstörung. Diese wird als Agoraphobie mit Panikstörung bezeichnet. Eine Panikstörung ist eine Form der Angststörung, bei der starke Angstanfälle mit unkonkreten Auslösern auftreten.

Wie wird eine Agoraphobie diagnostiziert?

Angst ist ein sinnvoller Schutzmechanismus. Es ist jedoch nicht immer einfach zu erkennen, ob diese noch „normal“ oder bereits krankhaft ist. Wenn Anzeichen wie eine wiederkehrende Angst in denselben Situationen auf eine Agoraphobie hindeuten oder die Lebensqualität beeinträchtigen, sollten sich Betroffene an ihre Hausarztpraxis wenden.

Zunächst schließen die Ärztinnen und Ärzte körperliche Erkrankungen aus, die ähnliche Beschwerden wie eine Agoraphobie verursachen können. Ein Beispiel hierfür ist Herzleiden. Anschließend können Fachleute durch eine gründliche Untersuchung und eine ausführliche Befragung feststellen, ob eine Agoraphobie und eventuell weitere psychische Störungen vorliegen.

Für die Diagnose einer Agoraphobie ist es wichtig, die Probleme möglichst präzise zu beschreiben. Betroffene sollten im Arztgespräch schildern, in welchen Situationen die Ängste auftreten, wie sie sich äußern und ob sie bereits Vermeidungsstrategien anwenden, um den Situationen aus dem Weg zu gehen.

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Wie lässt sich eine Agoraphobie behandeln?

Je früher die Diagnose Agoraphobie erfolgt und eine Behandlung beginnt, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Als wirksame Behandlungsmethode gilt die Psychotherapie in Form einer kognitiven Verhaltenstherapie. Bei einer Platzangst können auch Medikamente zum Einsatz kommen.

Eine Frau in einem flauschigen hellblauen Pullover sitzt auf einem braunen Ledersofa und blickt aufmerksam auf eine Person, die im Vordergrund ein Klemmbrett hält.

© iStock / FatCamera

Eine Verhaltenstherapie kann dabei helfen, Vermeidungsverhalten im Rahmen einer Agoraphobie abzubauen und die Freiheit zu steigern.

Wie gestaltet sich eine Verhaltenstherapie bei Agoraphobie?

Bei einer Verhaltenstherapie geht es darum, Situationen, Gedanken und Gefühle zu erkennen, die Platzangst auslösen, und die Betroffenen zu motivieren, ihr Verhalten zu verändern. Gemeinsam entwickeln Therapeutin oder Therapeut und Patientin oder Patient zum Beispiel alternative Verhaltensweisen, um gewohnte Muster zu durchbrechen.

Ein Ziel der Verhaltenstherapie bei einer Agoraphobie ist, Vermeidungsverhalten abzubauen, um wieder größere individuelle Freiheitsgrade zu erreichen. Dieser Prozess ist anstrengend und erfordert viel Übung, führt aber häufig zum Erfolg.

Helfen Medikamente gegen eine Agoraphobie?

Agoraphobie kann auch medikamentös behandelt werden. In Frage kommen zum Beispiel bestimmte Antidepressiva, die auch zur Behandlung von Angststörungen zugelassen sind.

Angstlösende Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) kommen bei einer Agoraphobie nur in absoluten Ausnahmefällen und höchstens über einen sehr kurzen Zeitraum zum Einsatz, da sie sehr schnell abhängig machen und das Grundproblem nicht lösen.

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