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Alterssichtigkeit: Warum fällt das Nahsehen im Alter so schwer?

Veröffentlicht am:31.08.2022

aktualisiert am 06.05.2026

6 Minuten Lesedauer

Bücher und Zeitungen müssen immer weiter weggehalten werden, um lesbar zu bleiben. Langes Lesen ermüdet, oft mit Kopfschmerzen. Dieser schleichende Prozess führt dazu, dass Nahsehen im Alter schwierig wird. Aber es gibt effektive Hilfsmittel.

Ein mittelalter Mann sitzt am Schreibtisch vor dem Laptop und versucht, etwas auf dem Handy zu lesen, indem er das Handy etwas weiter weg hält.

© iStock / ilkercelik / KI-bearbeitet

Alterssichtigkeit: Was ist das genau?

Alterssichtigkeit ist die im Alter zunehmende Schwäche, Objekte, die dem Auge nah sind, scharf zu sehen. Das typische Lebensalter, in dem sie sich deutlich bemerkbar macht, beginnt ab Mitte 40. Glücklicherweise stoppt der Prozess nach einiger Zeit. Ab etwa 60 Jahren, spätestens ab 65 bis 70 Jahren verstärkt sich die Alterssichtigkeit nicht mehr.

Fachleute nennen dies Presbyopie. Dieser Begriff setzt sich aus den altgriechischen Wörtern für „alt“ und „Auge“ zusammen. Alterssichtigkeit ist keine Krankheit, sondern die normale und weitverbreitete Folge einer Alterung der Augenlinsen.

Eine wirksame Behandlung oder Heilung gibt es nicht, die Folgen der Alterssichtigkeit lassen sich aber sehr wirksam ausgleichen. Am einfachsten mit einer Lesebrille oder, wenn man gleichzeitig von einer anderen Sehschwäche betroffen ist, mit einer Mehrstärken- oder Gleitsichtbrille.

Wie häufig ist Alterssichtigkeit?

Aussagen zur Verbreitung der Alterssichtigkeit schwanken zwischen „nahezu jeder“ oder „die meisten“. Mit anderen Worten: Es ist viel wahrscheinlicher, dass Sie alterssichtig werden, als dass Sie es nicht werden. Presbyopie ist mit 95 Prozent die häufigste Fehlsichtigkeit bei älteren Menschen in Deutschland.

Ab welchem Alter sieht man schlechter?

Kinder können auch sehr dicht vor den Augen scharf sehen. Bei Erwachsenen gilt eine Leseentfernung von rund 35 Zentimeter als normal, ab Anfang 40 vergrößert sie sich allmählich. Unsere Augen haben dann schon einiges geleistet und zeigen Alterungserscheinungen – auch wenn wir uns sonst noch fit fühlen.

Eine ältere Frau probiert in einem Brillenladen verschiedene Brillen aus, die ihr von einer Verkäuferin gereicht werden.

© iStock / standret

Aktuell ist eine individuell angefertigte Lesebrille die beste Option zum Ausgleich von Alterssichtigkeit.

Wie entsteht Alterssichtigkeit und wie wird sie diagnostiziert?

Die Augenlinsen passen sich auf nah und fern gelegene Objekte an, indem sie ihre Form verändern. Dieses Umschalten von Nah- auf Weitsicht nennt man Akkommodation: Die Linse ändert ihre Brechkraft. Dadurch werden Lichtstrahlen immer so gebündelt, dass auf der Netzhaut ein scharfes Bild entsteht. Wenn wir Gegenstände in der Ferne betrachten, ist die Linse flach. Für die Nahsicht wölbt sich die Linse aktiv durch das Zusammenziehen des Ziliarmuskels.

Grafik zeigt den Aufbau des Auges bei Nah- und Fernsicht.

© AOK

Im Laufe unseres Lebens werden die Linsen starrer, verlieren ihre Elastizität und können sich schlechter wölben. Vermutlich wird auch der Ziliarmuskel schwächer. Dadurch funktioniert die Nahsicht nicht mehr so gut, während die Weitsicht nicht betroffen ist. Deshalb wird Presbyopie häufig auch als Altersweitsichtigkeit bezeichnet.

Nicht nur von Augenärzten und -ärztinnen, sondern auch im Optikergeschäft kann eine Presbyopie diagnostiziert werden. Hierzu wird mit dem sogenannten Autorefraktometer die Brechkraft der Augen gemessen. Ein anschließender Sehtest ermittelt dann für jedes Auge einzeln die notwendige Glasstärke der Lesebrille.

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Alterssichtigkeit: Gibt es Risikofaktoren und wie beugt man ihnen vor?

Manche Menschen benötigen schon mit 40 eine Lesehilfe, andere sehr viel später – warum ist unklar. Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder multiple Sklerose können den Beginn beschleunigen. Und dass Frauen möglicherweise früher zur Lesebrille greifen, liegt wahrscheinlich eher an ihrer höheren Aufmerksamkeit für ihre Gesundheit als am Geschlecht.

Da Risikofaktoren bei der Presbyopie nur bedingt bekannt sind und sie eine natürliche Alterungserscheinung ist, kann man ihr nicht vorbeugen – ähnlich wie bei grauen Haaren. Es gibt Anleitungen zum Training der Ziliarmuskeln. Das trifft allerdings nicht das Kernproblem: die nachlassende Elastizität der Linse.

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Wie kann man Alterssichtigkeit ausgleichen?

Auch wenn wir sie nicht kurieren können, lässt sich Presbyopie hervorragend korrigieren. Diese Hilfsmittel gibt es:

Lesehilfen

Sie findet man zum Beispiel in Drogeriemärkten als sogenannte Fertigbrillen in verschiedenen Stärken. Sie helfen aber nur, wenn beide Augen gleich stark von der Presbyobie betroffen sind.

Lichtverhältnisse

Bei hellem Licht kann man meist besser in der Nähe sehen. Das liegt daran, dass bei hellem Licht die Pupillen eng werden und sich wie bei einem Fotoapparat mit hoher Blende die sogenannte Tiefenschärfe erhöht, also der Entfernungsbereich, in dem Dinge scharf gesehen werden.

Augentropfen statt Lesebrille im Alter?

Eine vielversprechende Alternative zur Lesebrille und Co. könnten Augentropfen sein.

Den Effekt, dass sich die Pupillen bei hellem Licht verengen, machen sich solche Tropfen zunutze, die in den USA bereits seit 2021 zugelassen sind, nicht aber in Deutschland. Die auf einem verdünnten Glaukom-Medikament basierenden Tropfen verengen die Pupillen mindestens sechs Stunden, sodass man in der Nähe besser sieht. Allerdings gehen die Tropfen mit Nebenwirkungen einher wie Kopfschmerzen und einer Verdunkelung der Sicht, Autofahrten im Dunkeln sind daher nicht möglich.

Lesebrillen und Mehrstärkenbrillen

Lesebrillen werden individuell im Optiker-Fachhandel gefertigt und auf persönliche Sehbedürfnisse angepasst. Oft sind sie schmal, damit man für die Fernsicht gut über den Rand blicken kann. Wer bereits vor dem Eintreten der Presbyopie eine andere Sehschwäche hat, bräuchte eigentlich zwei Brillen.

Mehrstärkenbrillen vereinen in einem Glas mehrere Korrektureigenschaften. Geläufig ist vor allem die Gleitsichtbrille, die im unteren Bereich die Alterssichtigkeit und im oberen eine Kurzsichtigkeit ausgleicht. Fließende Übergänge ermöglichen auch eine gute Mittelsicht.

Grafik zu den unterschiedlichen Sichtbereichen einer Gleitsichtbrille.

© AOK

Kontaktlinsen

Auch Kontaktlinsen sind eine Option. Hilfreich sind Zwei- oder Mehrstärken-Kontaktlinsen, sodass Fern- und Nahbereiche scharf gesehen werden können. Manche Linsen funktionieren ähnlich wie eine Gleitsichtbrille.

Kontaktlinsen sind jedoch nur dann geeignet, wenn auch eine andere Sehschwäche vorliegt, die eine permanente Korrektur erfordert. Kontaktlinsen mit nur einer Stärke und bloße „Leselinsen“ den ganzen Tag zu tragen, scheint übertrieben. Eine Brille ist hier praktischer.

Laserbehandlung

Auch wenn sie beworben werden: Laserverfahren zur Presbyopie-Korrektur haben zu hohe Risiken, sodass die Fachgesellschaften von diesem Eingriff abraten. Bei dieser Laserbehandlung werden multifokale Muster in die Hornhaut gelasert, um die Nahsicht zu verbessern. Das Verfahren ist jedoch noch nicht ausgereift und vor allem nicht rückgängig zu machen.

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Operation

Manche Menschen lassen sich ein Auge so lasern, dass es in der Nähe scharf sieht, das andere in die Ferne. Gleiches kann man auch mit Linsen-Implantaten erreichen, die vor die eigene Augenlinse gesetzt werden.

Mit einer solchen unterschiedlichen Schärfeneinstellung der Augen kommt jedoch nur ein Teil der Menschen zurecht, sodass man dies auf jeden Fall vorher mit Kontaktlinsen ausprobieren sollte. All diese Eingriffe bergen auch Risiken und man sollte sich gut überlegen, ob man diese eingehen möchte.

Das Fazit: Aktuell ist eine individuell angefertigte Lesebrille die beste Option zum Ausgleich von Alterssichtigkeit. Und da man sie nicht ständig trägt, dürfte sie für die meisten kein ästhetisches Problem darstellen. Eine unschätzbare Hilfe ist sie allemal.

Fachlich geprüft
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