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Baby & Kleinkind

Babyschlaf: Wie viel schlafen Neugeborene?

Veröffentlicht am:03.12.2020

aktualisiert am 20.08.2026

19 Minuten Lesedauer

Die Nächte mit einem Baby können besonders im ersten Jahr turbulent werden. Dr. Nadine MacGowan, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, verrät, wie Sie Ihr Baby entspannt in den Schlaf wiegen und worauf es beim Babyschlaf sonst noch ankommt.

Säugling liegt im Babybett und schläft.

© iStock / ArtMarie

Wie viel Schlaf Babys brauchen

Neugeborene schlafen deutlich mehr als ältere Kinder und Erwachsene. Doch auch ihr Schlaf ist individuell unterschiedlich. Wichtig ist ein fester Rhythmus.

Frau Dr. MacGowan, wie viel Schlaf benötigen Neugeborene?

Das kann bei Neugeborenen in den ersten paar Lebenswochen sehr verschieden sein. Die einen Babys brauchen viel Schlaf, die anderen eher weniger. Ähnlich wie bei Erwachsenen gibt es auch schon bei Neugeborenen Kurz- oder Langschläfer. Die meisten Säuglinge benötigen pro Tag zwischen 14 und 18 Stunden Schlaf. Es gibt aber auch Neugeborene, die bereits mit 12 Stunden auskommen, während andere sogar 20 Stunden Schlaf brauchen.

Welchen Schlafrhythmus haben Babys?

Ab einem Alter von drei Monaten bis circa zum Ende des ersten Lebensjahres brauchen Babys pro Tag ungefähr:

  • einen langen Nachtschlaf,
  • einen kurzen Vormittagsschlaf (je nach Alter eine halbe bis eine Stunde),
  • einen langen Mittagsschlaf (circa zwei Stunden) und
  • ein kleines Schläfchen am späten Nachmittag (etwa zwischen 16.30 und 17 Uhr).

In welchem Alter stabilisiert sich der Schlaf-Wach-Rhythmus von Kindern?

Das können Kinder tatsächlich schon nach vier Wochen. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt haben sich die Neugeborenen an unseren Schlafrhythmus gewöhnt. Das bedeutet, dass sie ihren Hauptschlaf zur Nachtzeit haben. Aber auch das kann individuell wieder sehr unterschiedlich sein. Nicht jedes Kind hat sich in diesem Alter schon an diesen Rhythmus gewöhnt.

Die Besonderheit ist nämlich: Die Neugeborenen werden nicht wie wir müde, wenn es dunkel wird. Stattdessen brauchen sie feste Routinen, um sich an die Schlafenszeiten zu gewöhnen und zu gut schlafen. Nach dem täglichen Abendbad – sofern Kind und Eltern das mögen und keine Hautprobleme dem entgegenstehen – , dem täglichen Nachtfläschchen oder dem Stillen zum Abendlied lernen Kinder: „Jetzt ist Schlafenszeit und es geht ins Bett.“

„Die Neugeborenen werden nicht wie wir müde, wenn es dunkel wird – sondern sie brauchen feste Routinen, um sich an die Schlafenszeiten gewöhnen zu können.“

Dr. Nadine MacGowan
Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Hamburg

Kann ein Baby zu viel schlafen? Wann sollten Eltern aufmerksam werden?

Ja. Es kommt sogar relativ häufig vor, und die Eltern berichten dann beispielsweise: „Unser Kind schläft sehr schlecht.“ Oder: „Unser Kind wacht nachts ständig auf.“ Das kann ein Zeichen dafür sein, dass das Baby tagsüber zu viel schläft.

Was können Eltern tun, wenn ihr Baby zu viel schläft?

Es kann sinnvoll sein, ein Schlafprotokoll zu führen. Prüfen Sie: Wie lange ist das Kind im Bett? Und: Wie viel Zeit davon schläft es?

Zusätzlich kann es helfen, für den ruhigen Schlaf einen geraden Strich und für das Wachliegen oder Weinen eine kleine Schlangenlinie zu zeichnen. Hat das Kind sehr viele Schlangenlinien im Protokoll, sollten Eltern überlegen, ob sie ihren Nachwuchs nicht zu oft und zu früh ins Bett legen. Dann können sie versuchen, den Nachtschlaf etwas zu verkürzen, denn nicht jedes Kind muss um 19 Uhr ins Bett.

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Wie Eltern den gesunden Schlaf ihres Babys fördern können

Für einen gesunden Nachtschlaf spielen sowohl die Schlafumgebung als auch die Schlafroutine eine wichtige Rolle.

Wie können Eltern eine entspannte Schlafatmosphäre für ihr Baby schaffen?

Für die Schlafumgebung sind vor allem die Empfehlungen zur Vorbeugung des plötzlichen Kindstodes wichtig. Dazu gehören folgende Maßnahmen:

  1. Im Schlafsack schlafen
  2. In Rückenlage schlafen
  3. Im eigenen Bett schlafen (im ersten Jahr im Schlafzimmer der Eltern)
  4. Optional: Ein kleines Püppchen oder Kuscheltier, mit dem sich das Kind nicht bedecken und somit nicht ersticken kann

Zusätzlich sollten Eltern darauf achten, dass das Zimmer auch tagsüber abgedunkelt ist.

Was ist der plötzliche Kindstod (SIDS)?

Man spricht vom plötzlichen Kindstod (SIDS, engl. für „Sudden Infant Death Syndrome“), wenn ein zuvor gesundes Baby oder Kleinkind unerwartet und ohne erkennbare Ursache stirbt. Die meisten Fälle treten im Alter von zwei bis fünf Monaten auf. Mit zunehmendem Alter nimmt das Risiko ab.

Die genaue Ursache für einen plötzlichen Kindstod ist noch nicht geklärt. Vermutlich kommen mehrere Faktoren zusammen. Eine mögliche Ursache ist ein noch nicht vollständig ausgereiftes Atemsystem in Kombination mit einer verminderten Fähigkeit des Babys, aus dem Schlaf zu erwachen. Dadurch kann es in seltenen Fällen zu einem Atemstillstand kommen. Es gibt Risikofaktoren, die einen plötzlichen Kindstod begünstigen sowie Maßnahmen, um ihm vorzubeugen.

Plötzlicher Kindstod: Ursachen und Maßnahmen zum Schutz

Wie können Eltern eine gute Schlafroutine für ihr Baby gestalten?

Das Wichtigste für gesunden Babyschlaf ist eine Routine am Tag und zum Einschlafen am Abend. Es mag spießig klingen und Eltern manchmal nerven, aber das Kind sollte auch am Tag feste Schlafenszeiten haben, zu denen es ins Bett gelegt wird.

Wenn die Haut des Kindes gesund ist, es also keine Neurodermitis hat, und wenn das Kind es gern mag, kann man überlegen, das Baby abends zu baden. Viele Kinder können dabei gut entspannen und lernen, diese Routine als Vorbereitung zum Schlafen zu erkennen. Es kann aber ebenso gut die tägliche Abendgeschichte sein.

Eine Fantasiereise zum Einschlafen kann auch älteren Kinder helfen.

Sollte man auf jedes Aufwachen des Kindes direkt reagieren?

Ja. Es ist zunächst einmal wichtig, das Aufwachen wahrzunehmen, damit das Kind merkt „Ich bin nicht allein – Mama oder Papa ist da.“ Es ist dann aber nicht unbedingt notwendig, das Kind immer sofort hochzunehmen oder anzulegen. Wichtig zu wissen ist: Die Methode des „Schreien lassens“ ist aus meiner Sicht vollkommen falsch. Die Kinder hören zwar irgendwann auf, aber das geschieht, weil sie aufgeben.

Eltern sollten ihrem Kind aber auch die Möglichkeit geben, zu lernen, nach dem Aufwachen wieder selbstständig einzuschlafen. Das ist ein Teil der normalen Entwicklung. Das „Sich selbst wieder in den Schlaf bringen“ müssen Kinder erst noch üben. Ob und wie schnell der Nachwuchs das eigenständige Einschlafen lernt, liegt in der Hand der Eltern.

Es gibt da natürlich kleine Hilfen, die es Kindern erleichtern können, das Einschlafen selbst zu regulieren. Man kann dem Kind beispielsweise zum Einschlafen und auch beim nächtlichen Aufwachen immer ein kleines Kuscheltier in den Arm legen. Der Säugling entwickelt durch das Püppchen eine sogenannte Schlafassoziation – also eine beruhigende Routine, die ihm beim (Wieder-)Einschlafen helfen kann. Aufpassen muss man hierbei nur, dass das Püppchen auf keinen Fall das Gesicht des Kindes bedecken kann, da dies die Atmung schwer behindern und gefährlich sein kann.

„Die Methode des ,Schreien lassen‘ ist vollkommen falsch. Die Kinder hören zwar irgendwann auf, aber das geschieht, weil sie aufgeben.“

Dr. Nadine McGowan
Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Hamburg

Was hilft, wenn der Schlafrhythmus des Babys gestört ist

Nächtliches Aufwachen ist bei Säuglingen vollkommen normal. Wenn sich das Kind jedoch beim Einschlafen und auch in der Nacht kaum beruhigen lässt, kommen Eltern schnell an ihre Grenzen. Was Eltern wissen sollten und welche Maßnahme helfen können.

Wann spricht man bei Kindern von Schlafproblemen oder einer Schlafstörung?

Das ist schwer voneinander abzugrenzen und hat viel damit zu tun, wie Eltern es empfinden. Grundsätzlich sollte man reagieren, wenn die Eltern am Limit sind oder das Kind tagsüber überhaupt nicht mehr an seiner Umgebung interessiert und immer müde ist. Aber es gibt keine „feste Grenze“, ab der man von einer Schlafstörung spricht.

Zum Ende des ersten Lebensjahrs kann es sein, dass Kinder aufgrund vergrößerter Polypen oder Mandeln im Rachenraum anfangen zu schnarchen und schlecht Luft bekommen. Diese sogenannte Schlafapnoe ist eine echte Schlafstörung. Denn dann haben die Kinder beim Schlafen Atemaussetzer und schnappen nach Luft. Das ist der Zeitpunkt, ab dem man einen Kinderarzt aufsuchen sollte.

Im Säuglingsalter sind es vor allem die sogenannten Regulationsstörungen, die einen ruhigen Schlaf verhindern können. Von Regulationsstörungen spricht man, wenn das Kind beispielsweise Schwierigkeiten hat, sich an den Schlaf- und Wachrhythmus zu gewöhnen, und/oder besonders sensibel auf Reize reagiert. Dann schreien sie vermehrt, schlucken dadurch mehr Luft und bekommen Bauchweh.

Mutter hält schlafenden Säugling

© AOK

Die Schlafphasen des Babys stabilisieren sich nach den ersten vier Lebenswochen.

Was kann man gegen regulationsbedingte Schlafstörungen tun?

Bei den Koliken, die durch das vermehrte Schlucken von Luft entstehen, können Kinderärzte verdauungsregulierende Tropfen verschreiben. Diese Tropfen können die Luftansammlungen im Bauch verringern und die Bauchschmerzen des Säuglings lindern. Hier ist eine Rücksprache mit einem Kinderarzt sinnvoll, um die Ursachen des Schlafproblems oder der Bauchschmerzen zu klären und nicht nur das Symptom mit den Tropfen zu bekämpfen. Manchmal ist auch weitere professionelle Hilfe nötig. Der Kinderarzt kann helfen, den richtigen Ansprechpartner zu finden.

Sind spezielle Produkte, die das Ein- und Durchschlafen von Kindern verbessern sollen, sinnvoll?

Nein, die sind nicht sinnvoll. Das Durchschlafen von Kindern hängt nur selten mit der Kalorienaufnahme am Tag zusammen. Meistens ist es die Gesamtaufnahme der Kalorien über den Tag hinweg, die zu niedrig ist. Ein großes Fläschchen am Abend oder ein dicker Brei helfen da wenig. In der Muttermilch hingegen sind ganz natürliche schlafanstoßende Substanzen enthalten. Stillen fördert den Schlaf.

Man kann aber davon ausgehen, dass Kinder ungefähr ab dem sechsten Monat – wenn sie mittags schon zusätzlich einen proteinhaltigen Brei bekommen – bis zu acht Stunden ohne Mahlzeit auskommen können. Aber jedes Kind ist da anders, und es ist kein Hinweis auf eine Störung, wenn gerade Ihr Kind das noch nicht schafft.

Gestillte Kinder schlafen in der Regel erst etwas später durch als Kinder, die von Anfang an mit der Flasche gefüttert werden. Aber auch da gibt es ein paar Hilfen: Ab einem halben Jahr können Mütter versuchen, das Kind nur alle vier bis fünf Stunden zu stillen. Dann trinken die Kinder (häufig) mehr Milch pro Stilleinheit und sind länger gesättigt. Meistens klappt es so auch, dass die Säuglinge mit der letzten Mahlzeit ausreichend Milch trinken, um nachts länger durchzuschlafen.

Wenn Eltern an ihre Grenzen stoßen – und wo sie Unterstützung finden

Wenn ein Baby nicht einschlafen kann, kann das auch die Eltern belasten. In solchen Fällen gibt es professionelle Unterstützung.

Was können Eltern tun, wenn ihr Baby nicht einschlafen möchte?

Wichtig ist dabei die Frage: Ist mein Kind nur heute Abend wach und möchte nicht einschlafen, oder ist es etwas Grundsätzliches? Kann das Kind regelmäßig nicht einschlafen, gilt umso mehr das Credo: Routine, Routine, Routine. Ein Tipp ist, die Wachphasen so lange auszuweiten, bis das Kind einen gewissen Schlafdruck aufgebaut hat und abends müde ist.

Wenn das Kind akut nicht schlafen kann, kann es helfen, mit ihm noch etwa eine halbe Stunde lang etwas Ruhiges zu spielen oder zu lesen. Dann kann man es nochmal versuchen.

Wichtig ist hier: Eltern sollten sich nicht zu sehr unter Druck setzen. Auf die Kleinen wirken am Tag viele neue Eindrücke ein – das ist wie bei uns Erwachsenen. Auch Babys können von den Erlebnissen des Tages überdreht sein und brauchen etwas mehr Zeit, um sich auf den Schlaf vorzubereiten. Das kann dann schon mal doppelt so lange dauern wie an anderen Tagen.

Wann sollten sich Eltern ärztliche Hilfe oder professionelle Unterstützung holen?

Immer, wenn sie selbst am Limit sind. Das gilt auch, wenn das Kind tagsüber so kaputt ist, dass es nicht mehr spielen mag und auch nicht mehr fröhlich ist. In solchen Fällen sollte man auf jeden Fall Hilfe suchen. Kinderärzte können Eltern bei Bedarf an spezialisierte Schlafambulanzen und Beratungsstellen überweisen. Es gibt inzwischen viele gute Hilfsangebote, die Eltern bei Schlafproblemen ihres Säuglings unterstützen.

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Interview mit Dr. Nadine McGowan, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Hamburg.

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