Gesunde Ernährung

Bio, Fair Trade oder Haltungsform – welche Siegel bedeuten was?

Veröffentlicht am:06.04.2023

aktualisiert am 15.05.2026

8 Minuten Lesedauer

Siegel für Öko, Tierschutz, Fair Trade und Haltungsform sollen den nachhaltigen Einkauf eigentlich erleichtern. Doch weil es so viele verschiedene gibt, sorgen sie oft für Verwirrung. Die wichtigsten Siegel kurz erklärt.

Eine junge Frau vergleicht im Supermarkt die Etiketten von zwei Ölflaschen.

© iStock / Vladdeep / KI-bearbeitet

Warum gibt es so viele unterschiedliche Lebensmittelsiegel?

Es gibt offizielle, von deutschen und EU-Behörden vergebene Siegel, also die kleinen bunten Logos, die auf Lebensmittelpackungen aufgedruckt sind. Andere wurden von Verbänden und Initiativen eingeführt. Dabei schreiben die verschiedenen Verbände ihren Mitgliedern unterschiedliche Standards vor. Auch die Einzelhandelsketten versehen ihre Handelsmarken mit eigenen Bio-Siegeln.

Die verschiedenen Siegel können Aufschluss darüber geben, wie ein Produkt wirklich hergestellt wurde. Sie tragen Bezeichnungen wie „Bio nach EG-Ökoverordnung“, „Naturland“ oder „Fairtrade“. Es gibt noch viele weitere Kennzeichnungen, die uns begegnen, wenn wir aufmerksam durch die Regalgänge der Supermärkte gehen.

Es ist nicht immer leicht, sich in diesem Dickicht zurechtzufinden. Oft befinden sich mehrere Siegel auf einer Verpackung und manchmal trägt ein Produkt ein zusätzliches Bio-Siegel, das auf einem vergleichbaren fehlt.

Was sind die wichtigsten Bio-Siegel bei Lebensmitteln?

Im Supermarkt gibt es so viele verschiedene Siegel, dass man leicht den Überblick verliert. Die wichtigsten Siegel und ihre Bedeutung im Überblick.

Was bedeutet das EU-Bio-Siegel?

EU-Bio-Siegel

Als allgemeines Kennzeichen für europäische Bioprodukte wurde 2010 das EU-Bio-Siegel eingeführt. Seitdem müssen alle verpackten Bio-Lebensmittel, die in einem EU-Mitgliedsland hergestellt worden sind, dieses Signet tragen: ein stilisiertes Blatt aus zwölf Sternen auf grünem Grund. Unverpackte Bioerzeugnisse und solche, die aus Nicht-EU-Ländern importiert worden sind, können freiwillig mit dem EU-Logo gekennzeichnet werden.

Das EU-Bio-Siegel muss immer auf EU-Bioprodukten abgedruckt sein. Zusätzlich dürfen Bioerzeugnisse das deutsche Bio-Siegel und die Logos der privaten Verbände und Handelsmarken tragen.

Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: EU-Bio-Logo

Was ist das deutsche Bio-Siegel?

Das deutsche Bio-Siegel

Die Vergabe des staatlichen deutschen Bio-Siegels erfolgt heute nach den EU-Kriterien für ökologischen Landbau – die Standards sind identisch. Das Sechseck mit grünem Rand und dem Schriftzug „Bio“ wird jedoch bereits seit 2001 verwendet und ist den deutschen Verbrauchern und Verbraucherinnen daher vertraut. Deshalb wurde es in Deutschland auch nach der europaweiten Einführung des EU-Logos als freiwillige Bio-Kennzeichnung beibehalten.

Da mit dem Siegel keine strengeren Vorschriften als mit dem EU-Logo verbunden sind, geht es Erzeugern, die ihre Produkte zusätzlich mit dem deutschen Siegel ausstatten, in erster Linie darum, die Bioqualität der Produkte deutlicher zu machen.

EU- und deutsches Bio-Siegel stehen für Lebens- und Futtermittel sowie unverarbeitete landwirtschaftliche Produkte, die aus kontrolliert ökologischer Landwirtschaft stammen.

Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: Bio-Siegel

Nach welchen Kriterien werden das EU-Bio-Logo und das deutsche Bio-Siegel vergeben?

Folgende Standards müssen bei der Vergabe der Bio-Siegel zwingend eingehalten werden:

  • Zutaten zu mindestens 95 Prozent aus Ökolandbau; als streng geregelte Ausnahmen sind fünf Prozent nichtökologische Zutaten erlaubt, wenn sie nicht in Ökoqualität verfügbar sind.
  • keine Gentechnik
  • artgerechte Tierhaltung
  • keine organisch-synthetischen Pflanzenschutz- und chemisch-synthetischen Düngemittel
  • Codenummer nach dem Muster DE-ÖKO-XXX (Herkunftsland-Erzeugungsweise-zuständige Kontrollstelle)
  • Herkunftsangabe für alle Zutaten: „EU-Landwirtschaft“, „Nicht EU-Landwirtschaft“, „EU-/Nicht EU-Landwirtschaft“. Stammen 98 Prozent der Zutaten aus einem einzigen Land, darf dieses Land angegeben werden.
  • Erzeuger, Verarbeiter und Importeure müssen alle europäischen Vorschriften für Ökolandbau umsetzen und sich Kontrollen unterziehen.

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Was sind regionale Bio-Siegel?

Die Herkunft eines Erzeugnisses ist mitentscheidend für seine Ökobilanz. Wer „bio“ und regional einkaufen möchte, hat es in Bundesländern leichter, die länderspezifische Bio-Siegel für regional erzeugte Bioprodukte vergeben. Die Bundesländer dürfen jedoch keine von der EU-Regelung abweichenden Mindeststandards festlegen.

Derzeit gibt es das „Bayerische Biosiegel“, das „Biozeichen BW“, das Zeichen „bio Brandenburg. Gesicherte Qualität“ und das Siegel „Bio aus Hessen“. Die jeweiligen Bundesländer wollen damit natürlich auch die regionale Vermarktung der eigenen Erzeugnisse fördern – weil das Transportwege spart, gewinnt dabei auch die Umwelt.

Welche Bio-Siegel von Verbänden gibt es?

Bio-Siegel der Verbände Demter, Bioland, Naturland, Biopark und Biokreis.

Die deutschen Bio-Verbände vergeben eigene Labels – und haben das schon lange vor der Einführung des staatlichen Siegels getan. Der Anbauverband Bioland zum Beispiel wurde 1971 gegründet und Demeter bereits 1924. Weitere ökologische Anbauverbände sind unter anderem Naturland, Biokreis und Biopark.

In der Regel gelten für die Verbandssiegel strengere Kriterien, die über EU-Anforderungen hinausgehen: Zum Beispiel schreiben die meisten deutschen Ökoverbände wesentlich weniger Tiere pro Hektar vor als das EU-Siegel. Trotzdem müssen alle Verbandsprodukte zusätzlich mit dem EU-Bio-Siegel gekennzeichnet sein.

Für bewusste Käufer und Käuferinnen kann sich wegen der unterschiedlichen Anforderungen ein Bio-Siegel-Vergleich lohnen. Zu diesem Zweck gibt es eine Bio-Siegel-Tabelle.

Überblick: die wichtigsten Lebensmittel-Siegel

Welche Bio-Siegel haben die Supermärkte?

Die Einzelhandelskonzerne führen eigene Bio-Marken im Sortiment, die zum Beispiel „BioBio“, „Naturgut“ oder „GutBio“ heißen oder einfach den Namen der Einzelhandelskette mit dem Zusatz „Bio“ tragen. Diese Produkte bieten in der Regel keinen ökologischen Mehrwert gegenüber den EU-Standards. Da die Begriffe „Bio“ und „Öko“ jedoch seit 1993 gesetzlich geschützt sind, müssen auch hier die Vorgaben der europäischen Ökoverordnung zwingend eingehalten werden.

In Einzelfällen finden sich auf der Packung zusätzlich zum Handelssiegel auch Logos von Ökoverbänden. In diesen Fällen müssen die Standards des jeweiligen Verbands eingehalten werden.

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Welche weiteren Siegel gibt es im Lebensmittelhandel?

Neben den Bio-Zertifizierungen gibt es weitere Labels für tierische Erzeugnisse, für die jeweils unterschiedliche Organisationen verantwortlich zeichnen.

  • Was bedeuten die verschiedenen Haltungsformen?

    Das sogenannte Haltungsform-Siegel gibt es seit 2019. Es ist für die produzierenden Firmen freiwillig und für Kuhmilch- und Fleisch-Produkte vorgesehen.

    Mehrere große Lebensmittelketten haben über die Initiative Tierwohl eine fünfstufige farbige Kennzeichnung von Haltungsformen eingeführt. So sollen Verbraucher und Verbraucherinnen vor dem Kauf eines Fleisch- oder Milchproduktes schnell erkennen können, wie ein Tier gehalten wurde:

    • Stufe 1 (rot „Stall“): Tiere werden ausschließlich im Stall gehalten, ohne Zugang zu Außenflächen, jedoch gemäß den gesetzlichen Mindestvorgaben.
    • Stufe 2 (blau „Stall + Platz“): Etwas mehr Platz und bessere Bedingungen als die gesetzlichen Mindeststandards, jedoch weiterhin ohne Zugang zu Außenflächen.
    • Stufe 3 (orange „Frischluftstall“): Die Tiere haben Zugang zu einem sogenannten Außenklimabereich, beispielsweise ein nach außen offener Teil des Stalls, die Tiere „spüren“ Luft und Tageslicht.
    • Stufe 4 (hellgrün „Auslauf/Weide“): Die Tiere haben ständig oder zeitweise Zugang zu Freiflächen.
    • Stufe 5 (dunkelgrün „Bio“): Die Tiere haben umfassenden Freilandzugang und bekommen biologisches Futter. (Kriterien ähnlich wie für das EU-Bio-Siegel)

    Die Initiative Tierwohl ist ein privatwirtschaftlicher Zusammenschluss von Unternehmen und Interessenverbänden aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Handel. Es geht hierbei also auch um die Vermarktung. Das Haltungsform-Siegel der Initiative verwenden nicht alle Lebensmittelhändler, andere Supermarktketten kennzeichnen die Tierhaltung mit eigenen Systemen.

  • Was bedeutet das DLG-Tierwohllabel?

    Das 2022 eingeführte Tierwohl-Label der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), einer Organisation der deutschen Land- und Ernährungswirtschaft, ist auf Milchviehbetriebe ausgerichtet. Das DLG-Tierwohllabel gibt es in den Abstufungen Basis (gesetzliche Mindestanforderungen), Bronze, Silber und Gold. Mit jeder Stufe steigen die Anforderungen zum Beispiel an das Futter, das Platzangebot oder die Möglichkeit zu Weidegängen.

  • Was ist das Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes

    Der Deutsche Tierschutzbund (DTB) verfolgt mit seiner Zertifizierung „Für mehr Tierschutz“ keine eigenen wirtschaftlichen Interessen. Allerdings ist das blaue Label mit dem DTB-Logo, das sowohl für Fleisch- als auch für Milch- und Legebetriebe vergeben wird, nur begrenzt verbreitet.

    Es gibt zwei Stufen: Einstiegsstufe (1 Stern) und Premiumstufe (2 Sterne). Beide Stufen gehen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. So haben zum Beispiel Schweine schon bei der Einstiegsstufe rund 45 Prozent mehr Platz zur Verfügung als gesetzlich vorgeschrieben. Die Vorgaben der Einstiegsstufe entsprechen in etwa der Haltungsform 3 der Initiative Tierwohl und die DTB-Premiumstufe entspricht der Haltungsform 5.

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Was sind Fair Trade Siegel?

Fairer Handel – englisch: fair trade – bedeutet, dass erzeugende Betriebe in Entwicklungs- und Schwellenländern angemessen an den Gewinnen beteiligt werden, die mit ihren Produkten erzielt werden. Typischerweise handelt es sich dabei um Kakao, Kaffee, Tee, Baumwolle oder Bananen.

Das Ernteland exportiert meist günstige Vorprodukte, etwa rohe Kaffeebohnen, die dann in Europa in Röstereien veredelt und teuer weiterverkauft werden. Der Großteil des Gewinns geht an hiesige Verarbeiter, Zwischenhändler und den Einzelhandel. Fair Trade bedeutet: höhere Löhne und mehr Gewinn auf der Erzeugerseite.

Eine ältere Frau pflückt auf einer Plantage Teeblätter mit der Hand.

© iStock / mattjeacock

Bei fair gehandelten Waren werden Beschäftigte wie diese Teepflückerin angemessen bezahlt.
Unterschiedliche Siegel für fairen Handel.

In Deutschland vergibt die Organisation Fairtrade Deutschland ein grün-blaues Fairtrade-Siegel für fair gehandelte Erzeugnisse. Herstellende und vertreibende Firmen haben sich vertraglich verpflichtet, die Standards von Fairtrade International einzuhalten und sich kontrollieren zu lassen.

Außer den Siegeln von Fairtrade Deutschland gibt es weitere verlässliche Siegel von Verbänden und fairen Handelshäusern, darunter Gepa, El Puente, Naturland Fair oder BanaFair.

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