Zum Hauptinhalt springen
AOK WortmarkeAOK Lebensbaum
Gesundheitsmagazin

Abnehmen

Übergewicht und geistige Behinderung: Zusammenhänge und Hilfen

Veröffentlicht am:15.04.2026

13 Minuten Lesedauer

Wenn Menschen mit geistiger Behinderung übergewichtig sind oder an Adipositas leiden, ist das mit besonderen Herausforderungen verbunden. Worin bestehen die Besonderheiten und wie kann es Betroffenen gelingen, Gewicht zu verlieren?

Zwei männliche Jugendliche sitzen auf dem Boden einer Turnhalle und spielen mit einem Ball. Einer von ihnen hat das Down-Syndrom.

© iStock / Renata Angerami

Wie hängen Übergewicht und geistige Behinderung zusammen?

Wer mehr Energie über die Nahrung zu sich nimmt, als er verbraucht, nimmt in der Regel zu. Das gilt für alle Menschen, mit oder ohne geistige Beeinträchtigung. Studien in unterschiedlichen Ländern haben allerdings gezeigt: Übergewicht kommt bei Menschen mit geistiger Behinderung häufiger vor als in der Allgemeinbevölkerung.

Übergewicht geht mit einer verringerten Lebenserwartung sowie einem höheren Risiko für verschiedene Krankheiten einher. Es steigert insbesondere das Risiko für Adipositas, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Menschen mit geistiger Behinderung tragen mit der stärkeren Neigung zu Übergewicht auch ein grundsätzlich höheres Risiko für solche Erkrankungen.

Zwischen Übergewicht und geistiger Behinderung besteht kein direkter Zusammenhang. Die im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung höhere Neigung zu Übergewicht hängt vielmehr mit den besonderen Lebensbedingungen zusammen. Diese unterscheiden sich bei vielen Menschen mit geistiger Behinderung von denen ihrer nichtbeeinträchtigten Mitmenschen.

Warum neigen Menschen mit geistiger Behinderung öfter zu Übergewicht?

Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko von Menschen mit geistiger Behinderung, übergewichtig zu werden, erhöhen.

  • Medikamente: Viele Menschen mit geistiger Behinderung haben Begleiterkrankungen und sind auf Medikamente angewiesen. Einige dieser Arzneimittel, wie bestimmte Betablocker oder Psychopharmaka, können als Nebenwirkung zu einer Gewichtszunahme führen.
  • Genetische Faktoren: Bei manchen Formen geistiger Behinderung, wie dem Prader-Willi-Syndrom, besteht ein genetisch bedingtes Risiko für Übergewicht.
  • Mobilität: Menschen mit geistiger Behinderung haben oft Einschränkungen in Bezug auf Beweglichkeit, Kraft und Koordination. Dies führt häufig zu einer verminderten körperlichen Aktivität und schränkt die Bewegung im Alltag sowie die Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen ein. Oft fehlen außerdem individuell angepasste Angebote.
  • Soziale Teilhabe: Geistige Behinderungen erschweren soziale Kontakte. Die häufig fehlende Teilhabe kann zu einem Gefühl der Isolation führen. Eine mögliche Form der Kompensation ist übermäßiges Essen. Essen kann dann als Trost oder als Belohnung dienen.
  • Gesundheitswissen: Auch viele Menschen ohne kognitive Beeinträchtigung berücksichtigen den Zusammenhang zwischen ungesunden, kalorienreichen Nahrungsmitteln wie zuckerhaltigen Softdrinks oder leicht verfügbaren Fertiggerichten und einem erhöhten Krankheitsrisiko nicht ausreichend. Menschen mit geistiger Behinderung kann das noch schwerer fallen.

Passende Artikel zum Thema

Unterscheidet sich Abnehmen bei Menschen mit und ohne Beeinträchtigung?

Wenn Menschen mit geistiger Behinderung übergewichtig sind, dann oft aus denselben Gründen wie viele nicht beeinträchtigte Menschen: zu wenig körperlich Aktivität und zu viel ungesundes Essen. Aus diesem Grund gibt es keinen grundlegend anderen Ansatz zur Gewichtsreduktion für Menschen mit Behinderung.

Auch hier geht es um mehr Bewegung und eine an den Kalorienbedarf angepasste, gesündere Ernährung. Allerdings müssen die besonderen Herausforderungen berücksichtigt werden, mit denen Menschen mit Behinderung beim Abnehmen konfrontiert sein können. Diese hängen mit den jeweiligen geistigen und oft auch körperlichen Einschränkungen zusammen.

Da diese Beeinträchtigungen individuell sehr unterschiedlich sind, erfordert es maßgeschneiderte und anpassungsfähige Ernährungspläne. Diese müssen den körperlichen und geistigen Fähigkeiten gerecht werden und die einzunehmenden Medikamente berücksichtigen. Bestimmte Medikamente können den Effekt des Programms einschränken.

Das Video vermittelt kompakt, was Sie vor, während und nach dem Sport essen und trinken sollten, wie Muskelaufbau und Gewichtsreduktion gelingen und welche Nährstoffe wichtig sind.

Was hilft Menschen mit geistiger Behinderung beim Abnehmen?

Mit dem Thema geistige Behinderung und Gewichtsreduktion hat sich die medizinische Forschung noch nicht intensiv auseinandergesetzt. Einige Ansätze scheinen jedoch besonders erfolgversprechend zu sein.

Welche Elemente sollte ein Bewegungsprogramm für Menschen mit geistiger Behinderung enthalten?

Übergewichtige Menschen mit geistiger Behinderung haben oft einen mäßigen Fitnesszustand. Ausdauertraining und Krafttraining zum Muskelaufbau und zur Verbesserung der Fitness sind daher wichtige erste Trainingsmaßnahmen – und die Voraussetzung für weitere sportliche Betätigung oder generell mehr Bewegung im Alltag.

Es sollte möglichst viel sportliche Aktivität im Freien stattfinden, da dies die positiven Effekte verstärken kann. Sobald die Fitness es zulässt, kann eine Sportart, die den individuellen Vorlieben und Fähigkeiten entspricht, die Freude an der sportlichen Betätigung langfristig aufrechterhalten. Das fördert Gewichtsverlust und Allgemeinbefinden.

Was gibt es bei einer Diät für Menschen mit geistiger Behinderung zu beachten?

Grundsätzlich gibt es keine Unterschiede bei Diätplänen von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung. In beiden Fällen geht es darum, ungesunde durch gesündere Ernährungsmuster zu ersetzen.

Um den Körperfettanteil zu reduzieren, sollte man Lebensmittel mit geringer Energiedichte bevorzugen, auf zuckerhaltige Nahrungsmittel verzichten und tierische Fette reduzieren. Das heißt: viel Gemüse, ballaststoffreiche Zutaten und mageres Eiweiß. Das verstärkt das Sättigungsgefühl und verringert die Kalorienaufnahme.

Passende Angebote der AOK

Welche Rolle spielen Betreuungskräfte und Angehörige beim Abnehmen?

Viele Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen sind auf Unterstützung im Alltag angewiesen und treffen Entscheidungen häufig gemeinsam mit Betreuern und Betreuerinnen oder Angehörigen. Ohne deren Hilfe ist ein gesunder Lebensstil oder ein Abnehmerfolg für Menschen mit geistiger Behinderung oft nicht möglich.

Welche ethische Frage stellt sich Betreuungskräften und Angehörigen?

Die Betreuenden sehen sich in manchen Fällen mit einem ethischen Dilemma konfrontiert. Schließlich hat jeder Mensch das Recht, selbst zu bestimmen, wie er sich ernährt. Wenn sich Menschen mit oder ohne Beeinträchtigung zum Beispiel hauptsächlich von Fast Food ernähren wollen, ist das zwar ungesund, aber ihre persönliche Entscheidung.

Wie lässt sich das ethische Dilemma lösen?

Persönlichkeitsrechte gelten für alle. Es geht also manchmal darum, für eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu werben und Betroffene dafür zu gewinnen.

Gleichzeitig können betreuende Menschen dafür sorgen, dass eine ausgewogene Ernährung für betreute Menschen jederzeit möglich ist. Das hilft nicht nur beim Abnehmen, sondern beugt auch Übergewicht vor.

Welche Aufgabe hat die Forschung?

Und was die Wissenschaft betrifft: Probleme mit Übergewicht und Adipositas betreffen Menschen mit geistiger Behinderung in noch stärkerem Maße als Menschen ohne Beeinträchtigung.

Um die Lebensqualität zu verbessern, ist es deshalb wünschenswert, wenn Menschen mit geistiger Behinderung und/oder ihre Betreuungspersonen auf zuverlässige Abnehmpläne zurückgreifen könnten, die ihren besonderen Ansprüchen gerecht werden.

Wie finde ich Sportangebote für Menschen mit geistiger Behinderung?

Abgesehen vom direkten Einfluss auf den Abnehmerfolg bietet Sport allen Menschen mit geistiger Behinderung vielfältige Möglichkeiten, ihre Selbstständigkeit und ihre sozialen Kompetenzen zu fördern. Sport in der Gemeinschaft bedeutet gesellschaftliche Teilhabe, stärkt die Motivation und eine positive Selbstwahrnehmung.

Vielleicht gibt es ja auch in Ihrer Nähe ein passendes Sportangebot. Auf der Website „Parasport“ des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) gibt es einen Vereinsfinder zur ersten Orientierung. Zahlreiche Landesverbände des DBS wie zum Beispiel der Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern oder der Behinderten- und Rehabilitationssportverband Nordrhein-Westfalenbieten bieten auf ihren Webseiten auch regionale Informationen und Vereinsfinder.

Für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung gibt Special Olympics Deutschland eine erste Orientierung.

Fachlich geprüft
Fachlich geprüft

Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.


Waren diese Informationen hilfreich für Sie?

Noch nicht das Richtige gefunden?