Expertenforum - Werkstudent

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Expertenforum

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  • 01
    Werkstudent

    Sehr geehrtes Expertenteam,


    wir beschäftigen seit ca. 2 Jahren einen Studenten unbefristet mit 20 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit. Es ist mit ihm vereinbart und wurde in der Vergangenheit auch so praktiziert, dass er ausschließlich in den Semesterferien 38 Std. bei uns arbeitet. Wir haben den Studenten seit Beginn der Beschäftigung als Werkstudenten angemeldet.

    Nun teilt uns der Student mit, dass er ausnahmsweise auch während der Vorlesungszeit vom 6.11.2021 bis 5.2.2022, jedoch nur an Samstagen (8 Stunden), bei einem anderen Arbeitgeber arbeiten möchte. Der andere Arbeitgeber betrachtet diese Beschäftigung als versicherungsfreie kurzfristige Beschäftigung.


    Hat die Aufnahme der befristeten Beschäftigung an den Samstagen bei dem anderen Arbeitgeber Auswirkung auf unsere Werkstudentenbeschäftigung, ggf. was ist unsererseits zu tun?


    Vielen Dank im Voraus

  • 02
    RE: Werkstudent

    Hallo Tanne919,

    bei Studierenden, die mehrere Beschäftigungen nebeneinander ausüben, ist zunächst zu prüfen, ob die Person ihrem Erscheinungsbild nach als „ordentlicher Studierender“ oder als „Arbeitnehmer“ anzusehen ist.  Beträgt die wöchentliche Arbeitszeit nicht mehr als 20 Stunden, besteht Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherungsfreiheit, unabhängig davon, ob es sich um eine oder mehrere befristete oder unbefristete Beschäftigung(en) handelt; die Höhe des Arbeitsentgelts ist für die Annahme der Versicherungsfreiheit ohne Bedeutung.

    Die wöchentlichen Arbeitszeiten von nebeneinander ausgeübten Beschäftigungen sind zusammenzurechnen. Ergibt die Zusammenrechnung, dass die wöchentlichen Arbeitszeiten insgesamt mehr als 20 Stunden betragen, ist nicht mehr vom Erscheinungsbild eines ordentlichen Studierenden auszugehen. Bei nebeneinander ausgeübten Beschäftigungen ist in einem weiteren Schritt zu prüfen, ob bei einer oder mehreren Beschäftigung(en) gegebenenfalls die Merkmale einer geringfügigen Beschäftigung (geringfügig entlohnt oder kurzfristig) vorliegen. Vom Erscheinungsbild eines Studenten ist dann nicht mehr auszugehen, wenn eine derartige Beschäftigung mit einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden ohne zeitliche Befristung ausgeübt wird oder auf einen Zeitraum von mehr als 26 Wochen befristet ist; in diesen Fällen tritt die Zugehörigkeit zum Kreis der Beschäftigten in den Vordergrund.

    Die 26-Wochen-Regelung soll eine auf der Grundlage des Werkstudentenprivilegs grundsätzlich einzuräumende Versicherungsfreiheit ausschließen. Voraussetzung für die Anwendung der 26-Wochen-Regelung ist daher, dass trotz Überschreitens der 20-Wochenstunden-Grenze Versicherungsfreiheit aufgrund des Werkstudentenprivilegs dem Grunde nach zunächst einzuräumen wäre, weil das Überschreiten der 20-Stunden-Grenze durch Beschäftigungszeiten am Wochenende oder in den Abend- und Nachtstunden bedingt ist oder in die vorlesungsfreie Zeit (Semesterferien) fällt.

    Ein Überschreiten der 20-Stunden-Grenze unter Fortgeltung des Werkstudentenprivilegs soll jedoch kein Dauerzustand bzw. ein im Jahr überwiegender Zustand sein. Zu diesem Zweck tritt die 26-Wochen-Regelung an. Sie führt im Ergebnis dazu, dass ein Student, der im Laufe eines Jahres (nicht Kalenderjahres) mehrmals eine Beschäftigung mit einer „wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden“ ausübt, vom Erscheinungsbild nicht mehr als ordentlich Studierender, sondern als Beschäftigter anzusehen ist, wenn die „Zusammenrechnung der Beschäftigungszeiten mehr als 26 Wochen“ ergibt.

    Der Jahreszeitraum zur Statusbestimmung ist in der Weise zu ermitteln, dass vom voraussichtlichen Ende der zu beurteilenden Beschäftigung ein Jahr zurückgerechnet wird. Anzurechnen sind „alle Beschäftigungen in diesem Zeitraum“, in denen – „unabhängig von der versicherungsrechtlichen Beurteilung“ – die wöchentliche Arbeitszeit mehr als 20 Stunden beträgt.

    Die Arbeitszeit bei einer Beschäftigung im Rahmen der 20-Wochenstunden-Grenze kann allerdings während der Vorlesungszeit auf über 20 Wochenstunden ausgeweitet werden. Dies setzt jedoch voraus, dass es sich um eine im Voraus befristete Zeit handelt.
    Außerdem darf das Überschreiten der 20-Wochenstunden-Grenze nur durch Beschäftigungszeiten am Wochenende oder in den Abend- und Nachtstunden erfolgen. Dabei dürfen diese Beschäftigungszeiten im Laufe eines Jahres 26 Wochen nicht überschreiten.

    Sofern in dem von Ihnen beschriebenen Sachverhalt nach den oben aufgeführten  Regelungen durch Aufnahme einer nur an den Wochenenden ausgeübten kurzfristigen Beschäftigung die wöchentliche Arbeitszeit die 20-Wochenstunden-Grenze nicht mehr als 26 Wochen ausgeübt wird, finden die Werkstudentenregelungen weiterhin Anwendung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihr Expertenteam
     

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