Expertenforum - Werkstudent

© ZORAN ORCIK / Adobe Stock
Expertenforum

Experten antworten auf Ihre Fragen zur Sozialversicherung

Fragen Sie Experten zu allen Aspekten der Sozialversicherung – im Expertenforum der AOK. An Werktagen bekommen Sie innerhalb von 24 Stunden eine Antwort.

Darüber hinaus können Sie sich im Expertenforum mit anderen Nutzern zu persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Sozialversicherung austauschen.

Profitieren Sie rund um den Jahreswechsel von einem besonderen Angebot. Stellen Sie auch Fragen zum Steuer- und Arbeitsrecht, die Bezug zum Sozialversicherungsrecht haben. Ihre Frage wird dann direkt von unseren externen Steuer- und Arbeitsrechtsexperten beantwortet.

  • 01
    Werkstudent

    Sehr geehrte Damen und Herren,


    wir haben von 15. Januar bis 14. Juli 2022 eine ordentlich Studierende beschäftigt.

    Das Entgelt lag über der Minijob-Grenze.

    Die Arbeitszeit bei uns betrug bis zum 10. April 2022 13 Wochenstunden. Danach wurde die Arbeitszeit auf 20 Wochenstunden erhöht.


    Bis Februar 2022 wurde eine weitere Beschäftigung in Höhe von 8 Wochenstunden ausgeübt.

    Die Arbeitszeit lag für Januar und Februar zusammen mit dem Minijob über 20 Stunden/Woche. Die Beschäftigte wurde als voll versicherungspflichtig eingestuft.


    Nach Beendigung des Minijobs wurde eine erneute Prüfung vorgenommen.

    Die Arbeitszeit lag bis zum Ausscheiden mindestens 1-Mal monatlich über 20 Wochenstunden.

    Somit blieb die Beschäftigte bis zum Ausscheiden weiterhin voll sozialversicherungspflichtig.


    Nach Ausscheiden teilte uns die Beschäftigte mit, dass in der Zeit von 20. Februar bis 11. April 2022 Semesterferien gewesen seien.


    Wie ist mit den Semesterferien umzugehen? Ist für den Zeitraum der Semesterferien nach Ausscheiden eine erneute SV-Prüfung zu machen ggf. die 26-Wochen-Regelung anzuwenden?


    Besten Dank im Voraus

     

  • 02
    RE: Werkstudent

    Guten Tag,

    ordentliche Studierende sind in einer neben dem Studium ausgeübten Beschäftigung unabhängig von der Höhe des Arbeitsentgelts im Rahmen des sog. Werkstudentenprivilegs kranken-, pflege- und arbeitslosenversicherungsfrei, wenn das Studium im Vordergrund steht, also Zeit und Arbeitskraft des Studenten überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden. Davon ist nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG) immer dann auszugehen, wenn die Beschäftigungszeit 20 Stunden in der Woche nicht überschreitet.
     
    Die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit ist allerdings dann kein allein entscheidungsrelevantes Kriterium für die versicherungsrechtliche Beurteilung, wenn sie im Einzelfall so liegt, dass sie sich den Erfordernissen des Studiums anpasst und unterordnet. Dementsprechend kann bei Beschäftigungen am Wochenende sowie in den Abend- und Nachtstunden Versicherungsfreiheit aufgrund des Werkstudentenprivilegs auch bei einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden in Betracht kommen, vorausgesetzt, dass Zeit und Arbeitskraft des Studierenden überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden.
    Vom Erscheinungsbild eines Studierenden ist jedoch nicht mehr auszugehen, wenn eine derartige Beschäftigung mit einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden ohne zeitliche Befristung ausgeübt wird oder auf einen Zeitraum von mehr als 26 Wochen befristet ist; in diesen Fällen tritt die Zugehörigkeit zum Kreis der Beschäftigten in den Vordergrund. Dies gilt auch in den Fällen, in denen nur ein geringfügiges Überschreiten vorliegt. Eine monatliche oder jährliche Durchschnittsberechnung der wöchentlichen Stundenzahl ist hierbei nicht zulässig.
     
    Sofern ein Studierender in der vorlesungsfreien Zeit mehr als 20 Stunden arbeitet, ist davon auszugehen, dass dessen Zeit und Arbeitskraft weiterhin überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen wird.
    Allerdings ist auch hier entscheidend, dass der Studierende im Laufe eines Zeitjahres (von dem voraussichtlichen Ende der zu beurteilenden Beschäftigung ein Jahr zurückgerechnet) nicht mehr als 26 Wochen/182 Kalendertage mit mehr als 20 Stunden in der Woche beschäftigt war. 
     
    Bei Studenten, die, wie in ihrem Fall, mehrere Beschäftigungen nebeneinander ausüben, sind zur Prüfung der Frage, ob die 20 Wochenstunden-Grenze erreicht oder überschritten wird, die wöchentlichen Arbeitszeiten der nebeneinander ausgeübten Beschäftigungen zusammenzurechnen. Ergibt die Zusammenrechnung, dass die wöchentliche Arbeitszeit insgesamt mehr als 20 Stunden beträgt, ist nicht mehr vom Erscheinungsbild eines ordentlichen Studenten auszugehen. Bei nebeneinander ausgeübten Beschäftigungen ist in einem weiteren Schritt zu prüfen, ob bei einer Beschäftigung gegebenenfalls die Merkmale einer geringfügig entlohnten bzw. einer kurzfristigen Beschäftigung vorliegen.
     
    Aufgrund Ihrer Aussage, dass Sie nach Beendigung des Minijobs eine neue Beurteilung vorgenommen haben und festgestellt haben, das mindestens einmal monatlich die 20-Wochen-Grenze überschritten wird, ist die Entscheidung zur vollen Sozialversicherungspflicht für uns nachvollziehbar. Eine Beurteilung ist immer unter allen zu diesem Zeitpunkt bekannten Informationen für die Zukunft vorzunehmen. Grundsätzlich wären aber in Ihrem Fall entsprechende Korrekturen vorzunehmen.
     
    Zur rechtssicheren Abwicklung empfehlen wir Ihnen, die Krankenkasse der Beschäftigten einzubinden und eine verbindliche Beurteilung unter Vorlage aller relevanten Unterlagen vornehmen zu lassen.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam

Grafik Ansprechpartner
Ihr Ansprechpartner steht Ihnen gerne für Ihre Fragen zur Verfügung.
Grafik e-mail
Melden Sie uns Ihr Anliegen, wir antworten umgehend oder rufen Sie zurück.