Expertenforum - Werksstudent

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  • 01
    Werksstudent

    Guten Tag,

    wir beschäftigen aktuell einen Pflichtpraktikanten (0000) seit August 22 bis Mitte Februar 23.

    Ab 01.03. soll dieser als Werksstudent für ein Jahr weiter beschäftigt werden. 20 h während der Vorlesungen, 38 h (5 Tage Woche) in der Vorlesungsfreien Zeit.

    Ist es korrekt, dass der Werksstudent auch während der Vollzeitbeschäftigung in der vorlesungsfreien Zeit, aufgrund der 26 Wochen Regel und des vorangegangen Pflichtpraktikums (welches nicht den 26 Wochen hinzugerechnet wird?) sozialversicherungsfrei bleibt?

    Danke für Ihr Feedback

  • 02
    RE: Werksstudent

    Guten Tag,
     
    ordentlich Studierende sind in einer neben dem Studium mehr als geringfügig ausgeübten Beschäftigung kranken-, pflege- und arbeitslosenversicherungsfrei (Werkstudentenprivileg). Nur in der Rentenversicherung besteht Versicherungspflicht. Voraussetzung für das Werkstudentenprivileg ist, dass das Studium im Vordergrund steht, also Zeit und Arbeitskraft des Studenten überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden. Davon ist immer dann auszugehen, wenn der Student während der Vorlesungszeit maximal 20 Stunden in der Woche arbeitet. Vom Erscheinungsbild eines Studenten ist jedoch nicht mehr auszugehen, wenn eine derartige Beschäftigung mit einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden ohne zeitliche Befristung ausgeübt wird oder auf einen Zeitraum von mehr als 26 Wochen befristet ist; in diesen Fällen tritt die Zugehörigkeit zum Kreis der Beschäftigten in den Vordergrund. Dies gilt auch in den Fällen, in denen nur ein geringfügiges Überschreiten vorliegt.
     
    Die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit ist allerdings dann kein allein entscheidungsrelevantes Kriterium für die versicherungsrechtliche Beurteilung, wenn sie im Einzelfall so liegt, dass sie sich den Erfordernissen des Studiums anpasst und unterordnet.
     
    Eine Überschreitung der 20-Stunden-Grenze als Werkstudent ist grundsätzlich auch während der Vorlesungszeit möglich, wenn der Werkstudent in den Abend-/Nachtstunden oder am Wochenende arbeitet. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Beschäftigung zeitlich befristet ist und nicht länger als 26 Wochen (182 Kalendertage) ausgeübt wird.
     
    Wird eine Beschäftigung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von nicht mehr als 20 Stunden lediglich in der vorlesungsfreien Zeit (Semesterferien) auf mehr als 20 Stunden ausgeweitet, so bleibt auch für diese Zeit das studentische Erscheinungsbild erhalten, sodass grundsätzlich Versicherungsfreiheit aufgrund des Werkstudentenprivilegs anzunehmen ist. Allerdings ist auch hier entscheidend, dass der Studierende im Laufe eines Zeitjahres (von dem voraussichtlichen Ende der zu beurteilenden Beschäftigung ein Jahr zurückgerechnet) nicht mehr als 26 Wochen/182 Kalendertage mit mehr als 20 Stunden in der Woche beschäftigt war. 
     
    Werkstudenten dürfen also mehr als 20 Wochenstunden arbeiten, wenn sie dies ausschließlich in der vorlesungsfreien Zeit tun und im Laufe eines Jahres insgesamt nicht mehr als 26 Wochen beschäftigt sind. Der Jahreszeitraum zur Statusbestimmung ist in der Weise zu ermitteln, dass vom voraussichtlichen Ende der zu beurteilenden Beschäftigung ein Jahr zurückgerechnet wird. Anzurechnen sind „alle Beschäftigungen in diesem Zeitraum“, in denen – „unabhängig von der versicherungsrechtlichen Beurteilung“ – die wöchentliche Arbeitszeit mehr als 20 Stunden beträgt.
     
    Dabei spielt es keine Rolle, ob die Beschäftigungen bei demselben Arbeitgeber oder bei verschiedenen Arbeitgebern ausgeübt werden.
     
    Für in der Prüfungs- oder Studienordnung vorgeschriebene Zwischen-Praktika besteht grundsätzlich Versicherungsfreiheit in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Die Dauer des Praktikums, die wöchentliche Arbeitszeit sowie die Höhe eines gegebenenfalls gezahlten Entgelts spielen dabei keine Rolle. Entscheidend ist, dass der Student weiterhin immatrikuliert ist. Der Grund für die Versicherungsfreiheit liegt darin, dass es sich hierbei in der Regel nicht um ein Beschäftigungsverhältnis im sozialversicherungsrechtlichen Sinne handelt, sondern lediglich um eine Verlagerung der Ausbildung von der Hochschule in den Betrieb.
     
    Nach Ihrer Sachverhaltsschilderung wird die 20-Stunden-Grenze lediglich während der vorlesungsfreien Zeit überschritten, der Student ist daher grundsätzlich versicherungsrechtlich durchgängig als Werkstudent zu beurteilen
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam

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