Expertenforum - Versicherungsschutz während Sabbatical

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  • 01
    Versicherungsschutz während Sabbatical
    Wir haben bei uns den Fall, dass eine Mitarbeiterin ein Sabbatical in Anspruch nehmen möchte.
    Dies würde über eine Gesamtdauer von 16 Monaten abgeschlossen werden, bei welchen die letzten 8 Monate die Freistellung darstellen würden.
    Während der Ansparphase würde die Mitarbeiterin auf 1/3 ihres Gehalts verzichten, welches Sie dann in der Freistellung bekommt.

    Wie verhält es sich hier mit der Versicherung in der Sozialversicherung. Ist die Mitarbeiterin in der Freistellungsphase weiterhin versichert oder muss hier ein bestimmter Prozentsatz an Gehalt erfüllt sein, damit die Mitarbeiterin weiterhin gesetzliche krankenversichert ist.

    Vielen Dank für Ihre Hilfestellung und Antwort.

    Mit den besten Grüßen
    AWI Treuhand
  • 02
    RE: Versicherungsschutz während Sabbatical
    Guten Tag,
     
    eine Beschäftigung besteht auch in Zeiten der Freistellung von der Arbeitsleistung von mehr als einem Monat, wenn während der Freistellung Arbeitsentgelt aus einem Wertguthaben nach § 7b SGB IV fällig ist und das monatlich fällige Arbeitsentgelt in der Zeit der Freistellung nicht unangemessen von dem für die vorausgegangenen zwölf Kalendermonate abweicht, in denen Arbeitsentgelt bezogen wurde.
     
    Voraussetzung für eine Versicherungspflicht während der Freistellung ist also eine gültige Wertguthabenvereinbarung und ein angemessenes Arbeitsentgelt in der Freistellungsphase.
     
    Eine Wertguthabenvereinbarung liegt vor, wenn
    der Aufbau eines Wertguthabens schriftlich vereinbart wurde,
    die Vereinbarung nicht lediglich das Ziel der flexiblen Gestaltung der werktäglichen oder wöchentlichen Arbeitszeit oder den Ausgleich betrieblicher Produktions- und Arbeitszeitzyklen verfolgt,
    Arbeitsentgelt ins Wertguthaben eingebracht wird, um es für Zeiten der Freistellung von der Arbeitsleistung oder der Verringerung der Arbeitszeit zu entnehmen,
    das aus dem Wertguthaben fällige Arbeitsentgelt mit einer vor oder nach der Freistellung von der Arbeitsleistung oder der Verringerung der Arbeitszeit erbrachten Arbeitsleistung erzielt wird,
    das fällige Arbeitsentgelt insgesamt 450 EUR monatlich übersteigt, es sei denn, die Beschäftigung wurde vor der Freistellung als geringfügige Beschäftigung ausgeübt.
     
    Das monatliche Arbeitsentgelt darf in der Freistellungsphase nicht unangemessen von dem Arbeitsentgelt der der Freistellungsphase vorangegangenen 12 Kalendermonate, in denen Arbeitsentgelt bezogen wurde, abweichen. Mit dieser Regelung soll insbesondere erreicht werden, dass der bisherige Lebensstandard auch in der Freistellungsphase in etwa gewahrt bleibt und es soll verhindert werden, dass der Sozialversicherungsschutz mit Minimalbeiträgen begründet werden kann. Dies umfasst auch die Aufrechterhaltung des Versicherungsstatus aus der Arbeitsphase während der Freistellungsphase. Andererseits darf das Arbeitsentgelt in der Freistellungsphase das vorherige Arbeitsentgelt nicht unangemessen übersteigen. Ist die Angemessenheit des Arbeitsentgelts nicht gegeben, fehlt es an den unabdingbaren Voraussetzungen der Beschäftigungsfiktion.
     
    Das Arbeitsentgelt während der Freistellungsphase gilt dann noch als angemessen, wenn es im Monat mindestens 70 v. H. und maximal 130 v. H. des durchschnittlich gezahlten Arbeitsentgelts der unmittelbar vorangegangenen 12 Kalendermonate der Arbeitsphase beträgt. Für die Feststellung des Verhältnisses wird das für diese Arbeitsphase fällige Bruttoarbeitsentgelt ohne Begrenzung (z. B. auf die Beitragsbemessungsgrenze) berücksichtigt.
     
    Sofern also die Voraussetzungen in Ihrem Fall vorliegen, besteht weiterhin Versicherungspflicht. Sollte eine Voraussetzung nicht erfüllt sein, besteht eine Versicherungspflicht nicht fort.
     
    Wir empfehlen Ihnen unter Vorlage aller relevanten Unterlagen für eine rechtsverbindliche Beurteilung Kontakt mit der zuständigen Krankenkasse aufzunehmen.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
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