Expertenforum - Nachzahlung Arbeitslohn mehrere Jahre

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  • 01
    Nachzahlung Arbeitslohn mehrere Jahre


    Sehr geehrte Damen und Herren,



    seit 2018 hat eine Mitarbeiterin von uns keine Tarifsteigerungen erhalten, obwohl diese ihr zustehen ( war ein Systemfehler). Die Summe X soll als Zulage an den AN aubezahlt werden. Laut AOK Experten für Steuerrecht soll die Zulage als sonstiger Bezug mit Anwendung der 5tel Regelung angewendet werden.


    Meine Frage, müssen Sozialversicherungsbeiträge bzw. Umlagen abgeführt werden?

  • 02
    RE: Nachzahlung Arbeitslohn mehrere Jahre

    Hallo Personal_BW,
     
    Vergütungen, die vom Arbeitgeber für Tätigkeiten in einem bestimmten Entgeltabrechnungszeitraum gezahlt werden, stellen laufendes Arbeitsentgelt dar. Somit handelt es sich in Ihrem Sachverhalt bei der Nachzahlung aufgrund Tarifsteigerung um laufendes Arbeitsentgelt. Bei laufendem Arbeitsentgelt gilt in der Sozialversicherung das Entstehungsprinzip.
     
    Wird die Vergütung aus mehreren Monaten gesammelt ausbezahlt, sind die jeweiligen Zeiträume, für die die Tarifsteigerung auszuzahlen waren, nochmals rückwirkend aufzurollen. Sie „müssen“ letztlich immer in dem Monat verbeitragt werden, für den sie tatsächlich zu zahlen waren.
    Aus der Nachzahlung sind sowohl Sozialversicherungsbeiträge als auch Umlagebeiträge zu entrichten.
     
    Zusätzlich ist bei einer Konstellation der von Ihnen beschriebenen Art folgendes zu beachten:
     
    Grundsätzlich ist der Arbeitgeber Schuldner der Beiträge zur Sozialversicherung gegenüber der Einzugsstelle. Nach § 28 g Satz 2 SGB IV kann der Beitragsanteil eines Arbeitnehmers in der Sozialversicherung nur durch Abzug vom Arbeitsentgelt geltend gemacht werden.
    Ein unterbliebener Beitragsabzug darf nur bei den nächsten drei Lohn- bzw. Gehaltszahlungen (gerechnet vom dem Zeitpunkt an, ab dem der Entgeltanspruch entstanden ist) nachgeholt werden. Der Arbeitnehmer muss nicht damit rechnen, dass nach Ablauf der 3-Monatsfrist noch selbst aufzubringende Anteile der Gesamtsozialversicherungsbeiträge von seinem Lohn oder Gehalt gekürzt werden, es sei denn, der Abzug ist ohne Verschulden des Arbeitgebers unterblieben.
     
    Da in Ihrem Fall von einem Verschulden des Arbeitgebers auszugehen ist, kann die betroffene Arbeitnehmerin aufgrund der nachgezahlten Tarifsteigerungen nicht mehr mit Arbeitnehmer-Beitragsanteilen belastet werden. Diese sind vom Arbeitgeber zusätzlich zu den Arbeitgeberanteilen zu übernehmen. 
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
     

  • 03
    RE: Nachzahlung Arbeitslohn mehrere Jahre

    Vielen Dank für die Rückmeldung.


    Wird die Vergütung aus mehreren Monaten gesammelt ausbezahlt, sind die jeweiligen Zeiträume, für die die Tarifsteigerung auszuzahlen waren, nochmals rückwirkend aufzurollen. Sie „müssen“ letztlich immer in dem Monat verbeitragt werden, für den sie tatsächlich zu zahlen waren.

    Aus der Nachzahlung sind sowohl Sozialversicherungsbeiträge als auch Umlagebeiträge zu entrichten. Ich kann vom Lohnabrechnungsprogramm nur 1 Jahr zurück, wie verfährt man mit den anderen Jahren?


    Ich hätte noch eine andere Frage, manche MA wurden rückwirkend aufgrund einer Änderung des Tarifvertrages höher eingruppiert. Darf man hier auch noch 3 Monate rückwirkend SV-Beiträge vom AN einbehalten?

  • 04
    RE: Nachzahlung Arbeitslohn mehrere Jahre

    Hallo Personal_BW,
     
    bei einer Nachzahlung von laufendem Entgelt ist nach den von uns beschriebenen Regelungen vorzugehen.
    Da eine Abrechnung als einmalig gezahltes Entgelt nicht möglich ist, kontaktieren Sie zur Klärung Ihrer Frage bitte Ihren Softwareanbieter.
     
    Werden Arbeitnehmer aufgrund einer tarifvertraglichen Änderung „rückwirkend höher eingruppiert“, so entsteht der Anspruch auf das höhere Entgelt erst mit Wirksamwerden dieser Änderung. Insofern stellt sich in einem solchen Fall die Frage nach der „Regelung des maximal dreimonatigen Rückgriffsrecht des Arbeitgebers auf die Arbeitnehmerbeiträge“ nicht, da es sich hierbei nicht um einen unterbliebenen Beitragsabzug handelt.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam

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