Expertenforum - Mitarbeiter im Übergangsbereich

© ZORAN ORCIK / Adobe Stock
Expertenforum

Experten antworten auf Ihre Fragen zur Sozialversicherung

Fragen Sie Experten zu allen Aspekten der Sozialversicherung – im Expertenforum der AOK. An Werktagen bekommen Sie innerhalb von 24 Stunden eine Antwort.

Darüber hinaus können Sie sich im Expertenforum mit anderen Nutzern zu persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Sozialversicherung austauschen.

  • 01
    Mitarbeiter im Übergangsbereich
    Sehr geehrte Damen,
    sehr geehrte Herren,

    ich habe eine Frage zum Übergangsbereich.
    Wir haben zu Jahresbeginn eine Einschätzung der mit hoher Wahrscheinlichkeit anfallenden, laufenden/einmaligen Entgelten gemacht und dabei kam heraus, dass der Mitarbeiter nicht in den Übergangsbereich fallen würde. Im laufe des Jahres hat sich aber herausgestellt, dass einige Sachverhalte so nicht eingetreten sind und somit der Mitarbeiter eigentlich dem Übergangsbereich unterliegen würde. Wie geht man damit um? Muss eine rückwirkende Korrektur ab 01.01.2020 vorgenommen werden oder muss erst nach dem gesamten Jahr und dem tatsächlichen feststehen der Entgelte eine rückwirkende Korrektur vorgenommen werden?

    Vielen Dank für Ihre Antwort.
    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus Schacht
  • 02
    RE: Mitarbeiter im Übergangsbereich
    Sehr geehrter Herr Schacht,
     
    für Beschäftigte mit einem regelmäßigen Arbeitsentgelt von 450,01 Euro bis 1.300,00 Euro monatlich ist seit dem 01.07.2019 die Beitragsberechnung im Übergangsbereich (ehemals Gleitzone 450,01 Euro bis 850,00 Euro) vorzunehmen.
     
    Ob die maßgebenden Entgeltgrenzen regelmäßig im Monat oder nur gelegentlich unter- oder überschritten werden, ist bei Beginn der Beschäftigung und erneut bei jeder dauerhaften Veränderung in den Verhältnissen (z. B. Erhöhung oder Reduzierung des Arbeitsentgelts) im Wege einer vorausschauenden Betrachtung zu beurteilen. Dabei dürfen Änderungen des Arbeitsentgelts (z. B. eine Entgelterhöhung aus Anlass einer bereits feststehenden Tariferhöhung) erst von dem Zeitpunkt an berücksichtigt werden, von dem an der Anspruch auf das neue Entgelt besteht (vgl. Urteil des BSG vom 07.12.1989 - 12 RK 19/87 -, USK 89115).

    Die hiernach erforderliche Prognose erfordert keine alle Eventualitäten berücksichtigende genaue Vorhersage, sondern lediglich eine ungefähre Einschätzung, welches Arbeitsentgelt mit hinreichender Sicherheit zu erwarten ist. Im Prognosezeitpunkt muss davon auszugehen sein, dass sich das Arbeitsentgelt bei normalem Ablauf der Dinge nicht relevant verändert. Grundlage der Prognose können dabei lediglich Umstände sein, von denen in diesem Zeitpunkt anzunehmen ist, dass sie das Arbeitsentgelt bestimmen werden.

    Solche Umstände können die versicherungs- und beitragsrechtliche Beurteilung dann nicht in die Vergangenheit hinein verändern.

    Stimmt diese Prognose mit dem späteren Verlauf infolge nicht sicher voraussehbarer Umstände nicht überein, bleibt die für die Vergangenheit getroffene Feststellung maßgebend. Allerdings kann die nicht zutreffende Prognose Anlass für eine neue Prüfung und - wiederum vorausschauende - Betrachtung sein.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
Kontakt zur AOK AOK/Region wählen
Grafik Ansprechpartner
Ihr Ansprechpartner steht Ihnen gerne für Ihre Fragen zur Verfügung.
Grafik e-mail
Melden Sie uns Ihr Anliegen, wir antworten umgehend oder rufen Sie zurück.