Expertenforum - Kurzfristige Beschäftigung und Familienversicherung

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  • 01
    Kurzfristige Beschäftigung und Familienversicherung

    Liebe Experten,


    mein Sohn hat Ende Juni 2022 sein Abitur gemacht. Geplant hat er nun die Aufnahme eines Sportstudiums im nächsten Jahr, ob Sommer- oder Wintersemester ist noch nicht klar. Verstehe ich es richtig, dass er in diesem Jahr einer kurzfristigen Beschäftigung (3 Monate/70Tage) nachgehen kann und während dieser auch weiterhin familienversichert ist, weil er die kurzfristige Beschäftigung nicht berufsmäßig ausübt?

    Sein Verdienst im Rahmen der kurzfristigen Beschäftigung darf dann auch höher als 450 Euro/Monat sein und er ist trotzdem familienversichert?


    Vielen Dank im Voraus für Ihre Rückmeldung!


    MfG

    NinaW

  • 02
    RE: Kurzfristige Beschäftigung und Familienversicherung

    Guten Tag,
     
    grundsätzlich liegt eine kurzfristige Beschäftigung vor, wenn die Beschäftigung gelegentlich ausgeübt wird und im Laufe eines Kalenderjahres auf eine Dauer von maximal drei Monaten oder 70 Arbeitstage begrenzt ist und keine Berufsmäßigkeit gegeben ist. Eine Beschäftigung wird berufsmäßig ausgeübt, wenn sie für den Beschäftigten nicht von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung ist.
     
    Aufgrund ständiger Rechtsprechung des Bundessozialgerichts lassen sich beim Vorliegen bestimmter Fallgestaltungen, die die Lebenswirklichkeit abbilden, Rückschlüsse auf das Vorliegen einer berufsmäßigen Beschäftigung auch ohne konkrete Prüfung der Einkommensverhältnisse ziehen. Die Bestimmung von Berufsmäßigkeit geht unter anderem einher mit der Frage, ob der Arbeitnehmer zum Personenkreis der berufsmäßig Erwerbstätigen zu zählen ist. Aus diesem Grund können Arbeitgeber davon ausgehen, dass z. B. bei einer dem Grunde nach kurzfristigen Beschäftigung, die neben einer versicherungspflichtigen ausgeübt wird, Berufsmäßigkeit auszuschließen ist.
     
    Die Berufsmäßigkeit der Beschäftigung ist nicht zu prüfen, wenn die Beschäftigung bereits infolge Überschreitens der Zeitgrenze von drei Monaten beziehungsweise 70 Arbeitstagen als nicht geringfügig anzusehen ist.
     
    Bei der Prüfung der Berufsmäßigkeit werden nur Beschäftigungen mit einem monatlichen Entgelt von mehr als 450 Euro berücksichtigt.
     
    Bestimmte Personengruppen können von vornherein nicht als kurzfristige Beschäftigte angestellt werden, weil sie als berufsmäßig gelten. Dazu zählen:
     
    - Personen, die Leistungen von der Arbeitsagentur erhalten oder die dort als arbeitsuchend gemeldet sind
    - Mütter und Väter, die während ihrer Elternzeit befristet arbeiten
    - Personen, die während eines unbezahlten Urlaubs befristet tätig sind
    - Schulabgänger zwischen Schulende und Berufsausbildung oder Beschäftigungsaufnahme
    - Schulabgänger zwischen Schulende und Bundesfreiwilligendienst/freiwilligem Wehrdienst.
     
    Für eine Beurteilung ist es immer wichtig, sich den Sachverhalt individuell anzuschauen und danach zu entscheiden, ob eine Berufsmäßigkeit vorliegt oder nicht.
     
    Für Ihren Sohn ist die Berufsmäßigkeit als Schulabgänger mit geplantem Beginn eines Studiums grundsätzlich nicht gegeben. Eine kurzfristige Beschäftigung liegt regelhaft oberhalb der Geringfügigkeitsgrenze, da ansonsten eine geringfügig entlohnte Beschäftigung vorliegt.
     
    Bei der Prüfung der Frage, ob die für die Durchführung der Familienversicherung maßgebende Gesamteinkommensgrenze überschritten wird, ist das regelmäßig im Monat erzielte bzw. zufließende Gesamteinkommen zu berücksichtigen. Als Gesamteinkommen werden die Summe aller Einkünfte im Sinne des Einkommensteuerrechts definiert. Dabei kann es sich z.B. um Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit, Kapitaleinkünfte, Mieteinnahmen oder auch um Arbeitsentgelt aus einer geringfügig entlohnten Beschäftigung handeln.
     
    Wir empfehlen Ihnen Kontakt zu der Krankenkasse aufzunehmen, bei der Ihr Sohn gesetzlich versichert ist und dort die Fortführung der Familienversicherung zu beantragen. Auf einem Familienfragebogen sind die Daten und alle Einkünfte des Sohnes anzugeben. Für die Einkünfte sind Einkommensnachweise erforderlich.

    Wir bitten um Verständnis, dass wir im Rahmen dieses Forums, ohne konkrete Daten und ohne die Unterlagen einsehen zu können, keine Aussagen treffen können, ob die Voraussetzungen einer kostenfreien Familienversicherung in Ihrem Sachverhalt weiterhin erfüllt sind.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam

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