Expertenforum - Hinzuverdienst(Familienversicherung)

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  • 01
    Hinzuverdienst(Familienversicherung)

    Sehr geehrtes Expertenteam,


    gerne würde ich etwas in Erfahrung bringen. Derzeit befinde ich mich noch in Elternzeit und bin familienversichert unter meinem Mann. Ich hätte die Möglichkeit, mich mit einem Kleingewerbe selbstständig zu machen, um ein wenig Geld dazu zu verdienen. Können Sie mir mitteilen, wo die Grenze des Gehalts liegen würde, um weiterhin unter meinem Mann familienversichert zu sein?


    VG


     

  • 02
    RE: Hinzuverdienst(Familienversicherung)

    Guten Tag,
     
    nach § 10 SGB V können in der Familienversicherung u.a. die Ehegatten von Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherung versichert werden, wenn diese Familienangehörigen kein Gesamteinkommen haben, das regelmäßig im Monat ein Siebtel der monatlichen Bezugsgröße nach § 18 SGB IV (2022: 470 €) überschreitet.
     
    Die Familienversicherung in der Kranken- und Pflegeversicherung ist ausgeschlossen, wenn das Gesamteinkommen überschritten wird. Entscheidend sind die Einkünfte des Familienangehörigen für den die Familienversicherung durchgeführt werden soll.
     
    Bei der Prüfung der Frage, ob die für die Durchführung der Familienversicherung maßgebende Gesamteinkommensgrenze überschritten wird, ist das regelmäßig im Monat erzielte bzw. zufließende Gesamteinkommen zu berücksichtigen. Als Gesamteinkommen werden die Summe aller Einkünfte im Sinne des Einkommensteuerrechts definiert. Dabei kann es sich z.B. um Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit, Kapitaleinkünfte, Mieteinnahmen oder auch um Arbeitsentgelt aus einer geringfügig entlohnten Beschäftigung handeln.
     
    Nach § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 Sozialgesetzbuch (SGB) V können nur solche Personen familienversichert sein, die nicht hauptberuflich selbstständig erwerbstätig sind. Aus diesem Grund ist in Ihrem Sachverhalt vordergründig zu prüfen, ob die geplante Aufnahme der Selbstständigkeit eine hauptberufliche Selbstständigkeit darstellt.
     
    Sofern im vorliegenden Sachverhalt keine hauptberufliche Selbstständigkeit vorliegt, ist die Familienversicherung in der Kranken- und Pflegeversicherung möglich, wenn Sie kein Gesamteinkommen haben, das regelmäßig im Monat 1/7 der monatlichen Bezugsgröße nach § 18 SGB IV (2022: 470 €) überschreitet.
     
    Aus diesem Grund ist in Ihrem Sachverhalt vordergründig zu prüfen, inwieweit Sie hauptberuflich selbstständig erwerbstätig sind, um die Möglichkeit der Familienversicherung verbindlich klären zu können. Wir empfehlen diese Prüfung durch ihre Krankenkasse vornehmen zu lassen.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam

  • 03
    RE: Hinzuverdienst(Familienversicherung)

    Die ausgeübte Tätigkeit würde einen maximalen Arbeitsaufwand von 5-10 Stunden in der Woche betragen und dürfte bei dem von Ihnen erwähnten max. Einkommen von 470 € somit keine Haupttätigkeit darstellen. Es ginge um Provision als Einkommen, die im Monat unterschiedlich ausfallen kann.


    Liege ich richtig in dem Verständnis, dass die 470 € der Durchschnitt sind, also ein Monat weniger als das reinkommen könnte und in einem anderen Monat mehr, wenn es eben im Durchschnitt nicht die 470 € übersteigt?

    Und geht es dabei um den Umsatz oder den Gewinn, der diese Summe nicht überschreiten darf? Vielleicht können Sie mir dies für mein besseres und damit sichereres Verständnis noch einmal mitteilen.


    VG

     

  • 04
    RE: Hinzuverdienst(Familienversicherung)

    Guten Tag,
     
    Personen die familienversichert sind, dürfen kein Gesamteinkommen haben, das regelmäßig im Monat 1/7 der monatlichen Bezugsgröße (2022: 470 EUR) überschreitet. § 16 SGB IV definiert den Begriff „Gesamteinkommen“ als die Summe der Einkünfte im Sinne des Einkommensteuerrechts.
     
    Es umfasst neben dem (Brutto-)Arbeitsentgelt insbesondere das  (Brutto-)Arbeitseinkommen. Das Arbeitseinkommen entspricht dem steuerrechtlichen Gewinn. Nachgewiesen wird das Arbeitseinkommen als Einkünfte aus einer Selbständigkeit regelmäßig durch den letzten Einkommensteuerbescheid.  Bei schwankenden Einnahmen, wie bei Einkünften aus selbstständiger Tätigkeit typisch, ist für die Feststellung, ob ein Gesamteinkommen "regelmäßig im Monat" überschritten wird, vom gezwölftelten Jahreseinkommen auszugehen.
     
    Ausgeschlossen ist die Familienversicherung darüber hinaus, sofern die selbständige Tätigkeit hauptberuflich ausgeübt wird. Dies kann grundsätzlich auch bei einem Arbeitseinkommen aus dieser Tätigkeit von weniger als 470 EUR vorliegen. Merkmale für eine Hauptberuflichkeit sind z. B. Gewinnerzielungsabsicht, Beschäftigung eines Arbeitnehmers, wöchentliche Arbeitszeit über 20 Stunden und Erhalt eines Gründungszuschusses.
     
    Da hier die Beurteilung der Familienversicherung, insbesondere bei Einkünften aus Arbeitseinkommen, von vielen verschiedenen Aspekten abhängt, empfehlen wir Ihnen für eine rechtsverbindliche Auskunft Kontakt mit der zuständigen Krankenkasse aufzunehmen, bei der die Familienversicherung geführt werden soll.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam

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