Expertenforum - Familienversicherung/ Umgang mit dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag

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  • 01
    Familienversicherung/ Umgang mit dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag

    Liebes Experten Team,


    im Zeitraum vom 01.11.2021 bis zum 31.08.2022 hatte ich neben dem Studium ein nach §6 Abs. 1 Nr. 3 SGB V versicherungsfreies und auf zehn Monate befristetes Arbeitsverhältnis als Werkstudent. Das Arbeitsentgelt aus dieser Beschäftigung betrug mtl. 500 EUR. Im Jahr 2021 habe ich zusätzlich bereits sieben Monate lang geringfügig mit einem monatlichen Entgelt von 384 EUR gearbeitet. Angesehen von einer fünfzehn-tägigen kurzfristigen Beschäftigung im September/Oktober 2021 hatte ich keine weiteren Einkünfte.


    Mithilfe des Dokuments „Grundsätzliche Hinweise: Gesamteinkommen im Rahmen der Prüfung der Voraussetzungen der Familienversicherung vom 12. Juni 2019“ des GKV-Spitzenverbandes habe ich mit den aktuellen Zahlen [maßgebende Einkommensgrenze von 470 EUR nach §18 SGB IV; Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1000 EUR (2021) bzw. 1200 EUR (2022)] errechnet, dass ich in der Familienversicherung bleiben könnte. Meinen Berechnungen zufolge würde mein Gesamteinkommen unter Berücksichtigung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags die maßgebende Einkommensgrenze demnach nicht übersteigen.


    Mir ist bewusst, dass eine eindeutige Beurteilung meines Falls aufgrund der vorliegenden Daten nicht umfassend möglich ist. Nichtsdestotrotz würde ich gerne wissen, ob und inwiefern der Arbeitnehmer-Pauschbetrag hier ohne Nachweis absetzbar ist?


    Vielen Dank für Ihre Zeit!

    Student*in

     

  • 02
    RE: Familienversicherung/ Umgang mit dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag

    Guten Tag,
     
    bei pauschal besteuertem Arbeitslohn sind grundsätzlich keine Werbungskosten abzuziehen.
     
    Bei nicht pauschal besteuerten Beschäftigungen kann der Werbungskosten-Pauschbetrag nach § 9a Satz 1 Nr. 1 EStG in Abzug gebracht werden, sofern nicht höhere Werbungskosten nachgewiesen werden. 
     
    Der steuerrechtlich bei der Ermittlung der Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit berücksichtigungsfähige Pauschbetrag für Werbungskosten nach § 9a Satz 1 Nummer 1 Buchstabe a EStG (Arbeitnehmer-Pauschbetrag) wird rückwirkend zum 1. Januar 2022 um 200 Euro auf 1.200 Euro angehoben. Die Erhöhung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags kann sich auf das Bestehen einer Familienversicherung auswirken, sofern es um die Feststellung der Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit als Teil des Gesamteinkommens im Sinne des § 10 Absatz 1 Satz 1 Nummer 5 oder Absatz 3 SGB V sowie § 25 Absatz 1 Satz 1 Nummer 5 oder Absatz 3 SGB XI geht.
     
    Die steuerrechtlich auf den 1. Januar 2022 rückwirkende Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags entfaltet in der Sozialversicherung jedoch nur zukunftsbezogene Wirkung. Dementsprechend kann der erhöhte Betrag erst ab dem Monat der Verkündung des Steuerentlastungsgesetzes 2022 angesetzt werden. Die Verkündung erfolgte am 27.05.2022, sodass der neue Arbeitnehmer-Pauschbetrag ab dem 01.06.2022 angewendet werden kann.
     
    Wir empfehlen Ihnen für eine rechtsverbindliche Auskunft, ob und inwiefern in Ihrem Fall der Arbeitnehmer-Pauschbetrag abgezogen werden kann, die zuständige Krankenkasse zu kontaktieren, bei der die Familienversicherung durchgeführt werden soll.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam

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