Expertenforum - Entgeltumwandlung

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Expertenforum

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  • 01
    Entgeltumwandlung

    Guten Morgen,


    wir haben bei einem Mitarbeiter seit 3 Jahren eine Entgeltumwandlung (EU) durchgeführt. Ein Teil des Gehaltes hat somit regelmäßig das steuer-und sv-brutto gemindert. Nunmehr hat sich rausgestallt, dass dies unwirksam war. Wir hätten es aufgrund einer Regelung im Tarifvertrag nicht machen dürfen. Wie erfolgt nunmehr eine Korrektur? Wer trägt die Steuern, welche über die Jahre aufgrund der EU gespart wurden? Wer zahlt und trägt die gesparten SV-Beiträge?


    Lieben Dank!

  • 02
    RE: Entgeltumwandlung

    Guten Tag,
     
    bei der Entgeltabrechnung behält der Arbeitgeber die Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, die der Arbeitnehmer zu tragen hat, ein. Die Steuern entrichtet der Arbeitgeber an das zuständige Finanzamt, die Sozialversicherungsbeiträge führt er an die zuständige Krankenkasse ab. Sind nachträgliche Korrekturen bei der Entgeltabrechnung durchzuführen, gelten für die beiden Bereiche unterschiedliche Regelungen.
     
    In der Sozialversicherung verjähren Beiträge erst nach Ablauf von vier vollen Kalenderjahren. Entgeltkorrekturen innerhalb der Verjährungsfrist erfordern somit beitragsrechtliche Berichtigungen. Der Arbeitgeber muss die fehlenden Sozialversicherungsbeiträge – Arbeitgeber und Arbeitnehmeranteile – nachzahlen. Ein unterbliebener Beitragsabzug bei den Arbeitnehmeranteilen darf allerdings nur innerhalb der nächsten drei Entgeltabrechnungen geltend gemacht werden.
     
    Anders als im Bereich der Sozialversicherung ist die Berichtigung der Steuer, nach Ausstellung der Lohnsteuerbescheinigung, nicht zulässig!
    Nach Ablauf des Kalenderjahres oder bei Beendigung des Dienstverhältnisses, ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, die elektronische Lohnsteuerbescheinigung an das Finanzamt zu übermitteln. Stichtag für die elektronische Lohnsteuerbescheinigung ist der letzte Tag im Februar des Folgejahres. Generell sind Arbeitgeber dazu berechtigt, bisher noch nicht erhobene Lohnsteuer nachträglich bei der nächsten Lohnzahlung einzubehalten. Wurde allerdings die Lohnsteuerbescheinigung bereits an das Finanzamt übermittelt, ist eine Korrektur des Lohnsteuerabzugs nicht mehr zulässig.
     
    Stellt der Arbeitgeber fest, dass er den Fall hat, die Lohnsteuer nicht mehr nachträglich einbehalten zu können, muss er dies unverzüglich dem Betriebsstättenfinanzamt mitteilen. Diese Meldung wird als haftungsbefreiende Anzeige nach § 41c Absatz 3 EStG bezeichnet. Damit kann das Finanzamt die Lohnsteuer, die vom Arbeitnehmer zu wenig erhoben wurde, bei diesem nachfordern.
     
    In Ihrem Fall sind somit die Sozialversicherungsbeiträge neu zu berechnen und zu korrigieren. Ein Abzug der Arbeitnehmerbeitragsanteile darf nur für die letzten 3 Monate erfolgen. Die übrigen Beiträge (incl. der Arbeitnehmeranteile) hat der Arbeitgeber zu tragen. Für den Bereich der Steuer ist lediglich eine Korrektur für das laufende Jahr möglich. Wir empfehlen eine Kontaktaufnahme mit dem zuständigen Finanzamt zur Klärung der Anzeige für die Vorjahre.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
     
     

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