Expertenforum - Direktversicherung Sozialversicherungspflichtiges Brutto (bei AVWL und Pflichtzuschuss)

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  • 01
    Direktversicherung Sozialversicherungspflichtiges Brutto (bei AVWL und Pflichtzuschuss)

    Guten Tag,

    durch die neue Gesetzgebung des Betriebsrentenstärkungsgesetz stellt sich uns die Frage der korrekten Abrechnung bei der Konstellation Arbeitnehmerfinanzierte Direktversicherung mit AVWL Zuschuss AG und (noch) 10 % Pflichtzuschuss des AG ("Insichberechnung"). Welche ist die korrekte Abrechnungsweise:

    Beispiel 1

    2000,- Gehalt
    -100,- Versicherungsbetrag an z. B. Allianz
    davon sind
    9,09 AG Pflichtzuschuss 10 %
    26,59 AG AVWL Zuschuss
    = 1.900,- Steuer- und SV Pflichtiges Brutto

    Beispiel 2

    2000,- Gehalt
    -100,- Versicherungsbetrag an z. B. Allianz
    davon sind
    9,09 AG Pflichtzuschuss 10 %
    26,59 AG AVWL Zuschuss
    = 1.935,68 Steuer- und SV Pflichtiges Brutto (2000 Euro abzgl. "reale Belastung" des AN von 64,32)

    Beispiel 3

    2000,- Gehalt
    -100,- Versicherungsbetrag an z. B. Allianz
    davon sind
    9,09 AG Pflichtzuschuss 10 %
    26,59 AG AVWL Zuschuss
    = 1.926,59 Steuer- und SV Pflichtiges Brutto (2000 Euro abzgl. 64,32 AN Belastung und abzgl. 9,09 AG Pflichtzuschuss)

    Weiterhin haben wir durch eine Betriebsvereinbarung den grundsätzlichen Zuschuss von 10 % - ab Januar neue Betriebsvereinbarung über 15 % - egal ob sich der AG etwas an der SV spart oder nicht.
    Wie ist die Beitragspflicht wenn sich der AG nichts spart an SV Beiträgen (Bsp: der AN liegt ständig über der BBG in der KV und RV) sind diese dann Steuer- und Sozialversicherungspflichtig?

    Vielen Dank.

  • 02
    RE: Direktversicherung Sozialversicherungspflichtiges Brutto (bei AVWL und Pflichtzuschuss)

    Guten Tag,
     
    Direktversicherungsbeiträge, die im Wege der Entgeltumwandlung (arbeitnehmerfinanziert) getragen werden, unterliegen bis 4 % der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze Rentenversicherung nicht der Beitragspflicht in der Sozialversicherung.
     
    In dem von Ihnen geschilderten Fall wäre bei einer solchen Entgeltumwandlungsvereinbarung die Berechnungsart 1 richtig.
     
    Sollte eine solche Vereinbarung nicht vorliegen, ist die Berechnungsart 2 zu wählen.
     
    Nach den Regelungen des Betriebsrentengesetzes besteht auch für Altverträge im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung ab 01.01.2022 die Zuschusspflicht des Arbeitgebers.
     
    Es ergeben sich hier 2 unterschiedliche Berechnungsmethoden. Bei der Exklusivmethode wird der Zuschuss von in der Regel 15 % zusätzlich zur Entgeltumwandlung gezahlt. Im Gegensatz dazu vermindert sich bei der Inklusivmethode der Entgeltumwandlungsbetrag um den gesetzlichen Zuschuss. Beide Berechnungsmethoden sind zulässig.
     
    Als Zuschuss ist ein pauschaler Betrag von 15 % vorgesehen. Möglich ist es aber auch die tatsächliche Einsparung des Arbeitgebers zu ermitteln und diesen dann als Zuschuss zu zahlen.
     
    Beitragsrechtlich ist der Zuschuss der Entgeltumwandlung gleichgestellt. Unter Berücksichtigung der Höchstgrenze besteht also Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung.
     
    Besteht keine Ersparnis des Arbeitgebers, weil z. B. die Beitragsbemessungsgrenzen überschritten werden, ist hier auch kein Zuschuss zu zahlen. Eine Beitragsfreiheit kann daraus nicht abgeleitet werden.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
     

  • 03
    RE: Direktversicherung Sozialversicherungspflichtiges Brutto (bei AVWL und Pflichtzuschuss)

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Ich muss hier noch ein wenig detaillierter Nachfragen:

    Wir benutzen die Inklusiv-Methode. Das bedeutet, der Arbeitnehmer, der früher 100,-€ umgewandelt hat, selber nur noch 86,95 € umwandeln muss und der Arbeitgeber gibt die 15% dazu, i.H.v. 13,05 €. Beide Beträge müssen der Versicherung weiter geleitet werden, damit sie in der 4% betrachtet werden können (lt. §3,63). In Summe sind es 100,-€.

    Das bedeutet doch, dass der Arbeitnehmer nicht mehr 100 € umwandelt sondern 86,95 €. Bedeutet, sein SV Brutto ist nicht 1.900,-€ sondern 1.913,05‬ €. Somit steigt dieser Wert. Wir sind der Meinung, durch die Erhöhung des SV Brutto muss der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber von den 13,05 € nun auch Abgaben leisten.

    Das bedeutet:

    Punkt 1: Der Arbeitgeber wird unmittelbar doppelt belastet. Er muss die "Ersparnis" i.H.v. 13,05 € an die Versicherung abgeben und durch die Erhöhung des SV Brutto, zusätzlich Abgaben leisten.

    Punkt 2: Der Arbeitnehmer hat defacto gar kein Ersparnis. Er wandelt nur 86,59 € um, für 13,05 € muss er SV Abgaben leisten. Und in der Auszahlphase auch für die 13,05€ zusätzlich die Abgaben leisten.

    Also, unser Fazit, hier werden beide Parteien doppelt zur Kasse gebeten.


    Wir bitten um Überprüfung. Gern auch als Aufstellung eine Entgeltabrechnung, die alle 3 Perspektiven beleuchtet - die des Arbeitnehmers, die des Arbeitgebers und die der Versicherung.


    Vielen Dank im Voraus.

    Mit freundlichen Grüßen

    S. Artista

  • 04
    RE: Direktversicherung Sozialversicherungspflichtiges Brutto (bei AVWL und Pflichtzuschuss)

    Guten Tag,

    eine detaillierte Entgeltabrechnung können wir im Rahmen eines Forums nicht erstellen. Wir bitten Sie, dieses mit der für Sie zuständigen Einzugsstelle unter Vorlage aller Unterlagen gemeinsam vorzunehmen.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam

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