Expertenforum - Beurteilung einer kurzfristigen Beschäftigung

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  • 01
    Beurteilung einer kurzfristigen Beschäftigung

    Sehr geehrtes Experten-Team,


    ich bräuchte Hilfe in der Beurteilung, ob in dem folgendem Fall eine berufsmäßige Beschäftigung ausgeübt wird.


    Wir bekommen zu Anfang nächsten Jahres einen Praktikanten aus Brasilien. Er besitzt neben der brasilianischen Staatsbürgerschaft auch die deutsche. Er ist kein eingeschriebener Student. Er soll in den 3 Monaten, die er hier bei uns verweilt, das Unternehmen kennenlernen und seine deutschen Sprachkenntnisse auffrischen.


    Wir würden natürlich gerne über eine kurzfristige Beschäftigung abrechnen.


    Wie würden Sie den Fall beurteilen?


    Viele Grüße

    Andreas O.

  • 02
    RE: Beurteilung einer kurzfristigen Beschäftigung

    Guten Tag,
     
    grundsätzlich liegt eine kurzfristige Beschäftigung vor, wenn die Beschäftigung gelegentlich ausgeübt wird und im Laufe eines Kalenderjahres auf eine Dauer von maximal drei Monaten oder 70 Arbeitstage begrenzt ist und keine Berufsmäßigkeit gegeben ist.
     
    Aus Anlass der Corona-Pandemie werden die Zeitgrenzen für eine kurzfristige Beschäftigung vom 01.03. bis 31.10.2020 von drei Monaten oder 70 Arbeitstagen auf fünf Monate oder 115 Arbeitstage angehoben. Ab dem 01.11.2020 gelten dann wieder die bisherigen Zeitgrenzen von drei Monaten bzw. 70 Arbeitstagen.
     
    Eine Beschäftigung wird berufsmäßig ausgeübt, wenn sie für den Beschäftigten nicht von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung ist und das Entgelt mehr als 450 Euro im Monat beträgt. Aufgrund ständiger Rechtsprechung des Bundessozialgerichts lassen sich beim Vorliegen bestimmter Fallgestaltungen, die die Lebenswirklichkeit abbilden, Rückschlüsse auf das Vorliegen einer berufsmäßigen Beschäftigung auch ohne konkrete Prüfung der Einkommensverhältnisse ziehen. Die Bestimmung von Berufsmäßigkeit geht unter anderem einher mit der Frage, ob der Arbeitnehmer zum Personenkreis der berufsmäßig Erwerbstätigen zu zählen ist. 
     
    Bestimmte Personengruppen können von vornherein nicht als kurzfristige Beschäftigte angestellt werden, weil sie als berufsmäßig gelten. Dazu zählen:
     
    - Personen, die Leistungen von der Arbeitsagentur erhalten oder die dort als arbeitsuchend gemeldet sind
    - Mütter und Väter, die während ihrer Elternzeit befristet arbeiten
    - Personen, die während eines unbezahlten Urlaubs befristet tätig sind
    - Schulabgänger zwischen Schulende und Berufsausbildung oder Beschäftigungsaufnahme
    - Schulabgänger zwischen Schulende und Bundesfreiwilligendienst/freiwilligem Wehrdienst.
     
    Für eine Beurteilung ist es immer wichtig, sich den Sachverhalt individuell anzuschauen und danach zu entscheiden, ob eine Berufsmäßigkeit vorliegt oder nicht.
     
    Aus Ihrer Schilderung können wir keine konkreten Anhaltspunkte dafür erkennen, warum im vorliegenden Fall keine Berufsmäßigkeit vorliegen sollte. Daher wäre die Beschäftigung wie eine „normale“ Beschäftigung zu beurteilen,
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
     

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