Expertenforum - Beiträge zur Sozialversicherung - Verjährung

© ZORAN ORCIK / Adobe Stock
Expertenforum

Experten antworten auf Ihre Fragen zur Sozialversicherung

Fragen Sie Experten zu allen Aspekten der Sozialversicherung – im Expertenforum der AOK. An Werktagen bekommen Sie innerhalb von 24 Stunden eine Antwort.

Darüber hinaus können Sie sich im Expertenforum mit anderen Nutzern zu persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Sozialversicherung austauschen.

  • 01
    Beiträge zur Sozialversicherung - Verjährung
    Sehr geehrtes Expertenteam,

    der AG kann nur begrenzt auf den Lohn des Arbeitnehmers zugreifen, wenn rückwirkende Änderungen in der Sozialversicherung vorgenommen werden. Wenn der AN kein Verschulden an der "Rückrechnung" hat, dann wäre das nur bei den nächsten drei Entgeltzahlungen möglich.
    Wir haben nun einen Fall, bei dem unserer Sachbearbeiter festgestellt hat, dass wir rückwirkend bis in das Jahr 2017 falsch verschlüsselt haben.
    Diese "Erkenntnis" kam in 03/2020.
    Die Rückrechnung betrifft den Zeitraum von 03/2019 bis 01/2017.

    Meine Frage wäre. Können wir den AN mit den 3 Monaten belasten. Geht diese Monatsfrist von dem Zeitpunkt aus, an dem ich den Fehler entdecke (hier 03/2020) oder von dem Zeitpunkt, mit dem der Rückrechnungszeitraum beginnt (hier 03/2019).

    Für Ihre Hilfe bedanke ich mich bereits jetzt schon im Voraus!!

    Viele Grüße
    Ch. Kolter-Bekker
  • 02
    RE: Beiträge zur Sozialversicherung - Verjährung
    Hallo Frau Kolter-Bekker,
     
    grundsätzlich ist der Arbeitgeber Schuldner der Beiträge zur Sozialversicherung gegenüber der Einzugsstelle. Nach § 28 g Satz 2 SGB IV kann der Beitragsanteil des Arbeitnehmers in der Sozialversicherung nur durch Abzug vom Arbeitsentgelt geltend gemacht werden.
    Ein unterbliebener Beitragsabzug darf nur bei den nächsten drei Lohn- bzw. Gehaltszahlungen (gerechnet vom dem Zeitpunkt an, ab dem der Entgeltanspruch entstanden ist) nachgeholt werden. Der Arbeitnehmer muss nicht damit rechnen, dass nach Ablauf der 3-Monatsfrist noch selbst aufzubringende Anteile der Gesamtsozialversicherungsbeiträge von seinem Lohn oder Gehalt gekürzt werden, es sei denn, der Abzug ist ohne Verschulden des Arbeitgebers unterblieben. Sofern kein Verschulden des Arbeitgebers vorliegt, kann der Abzug auch für einen längeren Zeitraum nachgeholt werden, z. B., wenn der Arbeitnehmer seine Auskunfts- und Vorlagepflichten gegenüber dem Arbeitgeber grob fahrlässig oder vorsätzlich nicht erfüllt hat.
     
    Sofern also in Ihrem Fall von einem Verschulden des Arbeitgebers auszugehen ist, kann der Arbeitnehmer im Rahmen der im März 2020 festgestellten Nachberechnung nicht mehr rückwirkend belastet werden.  
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
     
Kontakt zur AOK AOK/Region wählen
Grafik Ansprechpartner
Ihr Ansprechpartner steht Ihnen gerne für Ihre Fragen zur Verfügung.
Grafik e-mail
Melden Sie uns Ihr Anliegen, wir antworten umgehend oder rufen Sie zurück.