Expertenforum - Aussteuerung

© ZORAN ORCIK / Adobe Stock
Expertenforum

Experten antworten auf Ihre Fragen zur Sozialversicherung

Fragen Sie Experten zu allen Aspekten der Sozialversicherung – im Expertenforum der AOK. An Werktagen bekommen Sie innerhalb von 24 Stunden eine Antwort.

Darüber hinaus können Sie sich im Expertenforum mit anderen Nutzern zu persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Sozialversicherung austauschen.

Profitieren Sie rund um den Jahreswechsel von einem besonderen Angebot. Stellen Sie auch Fragen zum Steuer- und Arbeitsrecht, die Bezug zum Sozialversicherungsrecht haben. Ihre Frage wird dann direkt von unseren externen Steuer- und Arbeitsrechtsexperten beantwortet.

  • 01
    Aussteuerung

    Liebes Team des Expertenforums,


    eine Mitarbeiterin, ist bei uns mit Beitragsgruppenschlüssel 0110 beschäftigt. Sie ist privat krankenversichert. In Anbetracht langer Krankheitszeiten fragen wir uns, ob das Thema „Aussteuerung“ in dem Fall berücksichtigt werden muss und wenn ja, welches Datum sich konkret in dieser Fallkonstellation als Aussteuerungsdatum errechnet.


    Die Mitarbeiterin war vom 31.10.2019 bis einschließlich 05.04.2020 (158 Kalendertage) arbeitsunfähig erkrankt. Die ersten 42 Kalendertage wurde Lohnfortzahlung geleistet.


    Anschließend hat die Mitarbeiterin gearbeitet, bevor Sie ab 07.05.2020 erneut erkrankt ist. Nachdem diese Krankheit nicht in Zusammenhang mit der Vorerkrankungen steht, wurden für die ersten 42 Kalendertage erneut Lohnfortzahlung geleistet. In der Zeit vom 01.07.2020 – 22.07.2020 befand sich die Mitarbeiterin auf Kur/Rehamaßnahme (ohne Lohnfortzahlung). Die Arbeitsunfähigkeit hält bis heute durchgehend an.


    Ein Rentenbescheid, beispielsweise wegen Erwerbsminderung, wurde bis Dato nicht vorgelegt.


    Hier nun die konkreten Fragen:


    - Ist die Thematik Aussteuerung auch bei privat Krankenversicherten zu beachten?

    - Welches Datum errechnet sich als Aussteuerungsdatum? Wie errechnen Sie dieses Datum konkret?

    - Wird die Krankheit vom 31.10.2019 – 05.04.2020 wegen der Thematik „innerhalb von drei Jahren“ bei der Zählung der 78 Wochen mit berücksichtigt?

    - Wird die Zeit der Kur/Rehamaßnahme ohne Entgeltfortzahlung bei der Zählung der 78 Wochen mit berücksichtigt?



    Besten Dank vorab für Ihre Rückmeldung.


    Viele Grüße

    M. Sering

     

  • 02
    RE: Aussteuerung

    Guten Tag,
     
    für einen arbeitsunfähigen, privat krankenversicherten Arbeitnehmer, der nach dem Ende der Entgeltfortzahlung kein Krankentagegeld bezieht, gilt die Regelung, die bei unbezahlten Arbeitsunterbrechungen für gesetzlich Versicherte anzuwenden ist, entsprechend. Einen Monat nach Ende der Entgeltzahlung muss eine Abmeldung mit Abgabegrund "34" erfolgen. Endet das Arbeitsverhältnis früher, ist die Abmeldung zum Ende der Beschäftigung zu erstatten. Wird Krankentagegeld bezogen, ist hingegen eine Unterbrechungsmeldung zu erstellen.
     
    Nach § 7 Abs. 3 SGB IV gilt die Beschäftigung sozialversicherungsrechtlich als fortbestehend, solange Krankentagegeld bezogen wird. Eine Begrenzung auf die Leistungsdauer des Krankengelds analog krankenversicherungspflichtiger Arbeitnehmer ist nicht vorgesehen. Die Abmeldung ist somit erst zum Ende der Krankentagegeldzahlung zu erstellen oder wenn das Arbeitsverhältnis vorher arbeitsrechtlich beendet wird.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam

  • 03
    RE: Aussteuerung

    Liebes Team des Expertenforums,


    vielen Dank für Ihre Antwort.


    Für uns wäre generell aber noch wichtig zu erfahren, wie sich das Datum der Aussteuerung ergibt. Wenn unsere Mitarbeiterin jetzt gesetzlich krankenversichert gewesen wäre, zu welchem Datum (siehe hierzu unseren genauen Sachverhalt) hätte die Aussteuerung erfolgen müssen?


    - Wird die Krankheit vom 31.10.2019 – 05.04.2020 wegen der Thematik „innerhalb von drei Jahren“ bei der Zählung der 78 Wochen mit berücksichtigt?

    - Wird die Zeit der Kur/Rehamaßnahme ohne Entgeltfortzahlung bei der Zählung der 78 Wochen mit berücksichtigt?


    Vielen Dank und viele Grüße

    M. Sering


     

  • 04
    RE: Aussteuerung

    Guten Tag,
     
    bei gesetzlich Krankenversicherten gilt folgende Regelung:
    Für den Fall der Arbeitsunfähigkeit gilt wegen derselben oder währenddessen hinzugetretenen Krankheit eine zeitliche Höchstbezugsdauer (Leistungsdauer) von 78 Wochen innerhalb von je 3 Jahren, gerechnet vom Tage des Beginns der Arbeitsunfähigkeit (§ 48 SGB V).

    Auf die Leistungsdauer sind die Zeiten der Arbeitsunfähigkeit mit Anspruch auf Krankengeld, für die dieselbe Krankheit ursächlich war, anzurechnen. Wenn die Erkrankung vom 31.10.2019 05.04.2020 nicht auf derselben Krankheit beruht, wäre diese somit nicht auf die Höchstbezugsdauer der Arbeitsunfähigkeit ab 07.05.2020 anzurechnen.

    Somit bestände bei durchgängiger Arbeitsunfähigkeit ab 07.05.2020 grds. ein Krankengeldanspruch von 78 Wochen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihr Expertenteam
     

Kontakt zur AOK AOK/Region wählen
Grafik Ansprechpartner
Ihr Ansprechpartner steht Ihnen gerne für Ihre Fragen zur Verfügung.
Grafik e-mail
Melden Sie uns Ihr Anliegen, wir antworten umgehend oder rufen Sie zurück.