Expertenforum - AU-Bescheinigung von teleclinic

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  • 01
    AU-Bescheinigung von teleclinic

    Guten Abend, unsere Mitarbeiterin legte uns eine AU-Bescheinigung ausgestellt von der "teleclinic" vor. Haben wir als Arbeitgeber mit dieser AU auch Anspruch auf die Lohnfortzahlungserstattung von der gesetzlichen Krankenkasse?

  • 02
    RE: AU-Bescheinigung von teleclinic

    Hallo AOKExclusive18,
     
    vordergründig ist in Ihrem Sachverhalt mit der zuständigen Krankenkasse zu klären, inwiefern eine solche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (für eine ggf. spätere Leistungsgewährung) akzeptiert wird. Daher empfehlen wir der betroffenen Mitarbeiterin, die zuständige Krankenkasse diesbezüglich zu kontaktieren. 
     
    Darüber hinaus „sollte“ nach unserem Verständnis eine vom Arbeitgeber akzeptierte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung die Erstattung nach dem Aufwendungsausgleichsgesetzes (AAG) zur Folge haben.
     
    Des weiteren geben wir Ihnen noch folgende zusätzliche Informationen zum Thema:
     
    in den mit Datum vom 28.10.2020 veröffentlichten aktuellen Arbeitsunfähigkeits-Richtlinien (AU-RL) wurde durch den Gesetzgeber u.a. die Möglichkeit der Feststellung der Arbeitsunfähigkeit (AU) im Rahmen einer „Fernbehandlung“ hinterlegt. Aufgrund der berufsrechtlichen Lockerung des Verbots der ausschließlichen Fernbehandlung in den Berufsordnungen der Ärztekammern in Folge der Änderung der Musterberufsordnung durch den Deutschen Ärztetag wurden in der AU-RL Regelungen aufgenommen, wie im Rahmen einer Fernbehandlung die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit erfolgen kann.
     
    Danach sehen die AU-RL als Standard für die Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit weiterhin die unmittelbare persönliche Untersuchung vor. Durch die neu gewählte Formulierung „unmittelbar persönlich“ im Richtlinientext wurde verdeutlicht, dass es sich um die Untersuchung von Personen durch einen Vertragsarzt handelt.  
     
    Abweichend von diesem Grundsatz darf die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit auch mittelbar persönlich im Rahmen einer Videosprechstunde erfolgen, wenn  
     
    - sich mit den begrenzten Mitteln der Videosprechstunde ein ausreichender Eindruck vom Gesundheitszustand der Patienten verschafft werden kann,
     
    - die Erkrankung dies nicht ausschließt und
     
    - die erkrankte Person der Vertragsärzteschaft aufgrund früherer Behandlung unmittelbar
    persönlich bekannt ist.  
     
    Die Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit ausschließlich auf Basis z.B. eines Online-Fragebogens, einer Chat-Befragung oder eines Telefonates ist
    hingegen ausgeschlossen.
     
    Sofern eine hinreichend sichere Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit im Rahmen der Videosprechstunde nicht möglich ist, ist von einer Feststellung der Arbeitsunfähigkeit im Rahmen der Videosprechstunde abzusehen und auf die Erforderlichkeit einer unmittelbar
    persönlichen Untersuchung durch eine Vertragsärztin oder einen Vertragsarzt zu verweisen. Im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung im Rahmen einer Videosprechstunde besteht daher auch kein Anspruch für Versicherte auf die Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit. Die oder der Versicherte ist im Vorfeld der Videosprechstunde über die eingeschränkten Möglichkeiten der Befunderhebung zum Zwecke der Feststellung der Arbeitsunfähigkeit aufzuklären.
     
    Eine Erstfeststellung der Arbeitsunfähigkeit darf unter den vorgenannten Voraussetzungen nunmehr im Rahmen einer Videosprechstunde erfolgen, ist jedoch auf einen Zeitraum von bis zu sieben Kalendertagen begrenzt. Das Fortbestehen einer Arbeitsunfähigkeit darf nur dann im Rahmen einer Videosprechstunde ärztlich festgestellt werden, wenn bei der oder dem Versicherten bereits zuvor aufgrund unmittelbar persönlicher Untersuchung durch die Vertragsärztin oder den Vertragsarzt Arbeitsunfähigkeit wegen derselben Krankheit festgestellt worden ist. Ein Hinzutreten einer weiteren zur Arbeitsunfähigkeit führenden Krankheit führt nicht dazu, dass eine Feststellung der Arbeitsunfähigkeit im Rahmen einer Videosprechstunde nicht mehr möglich ist; dies ist jedoch der Fall, sofern die ursprüngliche Grunderkrankung, für die eine unmittelbar persönliche Untersuchung erfolgte, entfällt.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
     

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