Die neue Stille: unterschätzte Ressource am Arbeitsplatz

Ein ruhiges Arbeitsumfeld kann den Arbeitsalltag angenehm gestalten. Wenige Gespräche, kein Lärm und ausbleibende digitale und analoge Unterbrechungen helfen dabei, konzentriert zu arbeiten, selten aus dem Arbeitsfluss zu geraten und den Tag entspannt zu erleben. Der Ansatz „Quiet Work“ zeigt, wie das funktioniert.

Was bedeutet „Quiet Work“?

„Dauerhafte Unterbrechungen und Lärm wirken störend. Sie beeinträchtigen die kognitive Leistungsfähigkeit. Um das zu kompensieren müssen Arbeitende Zusatzaufwand betreiben, was das Stresserleben erhöht.“, erklärt Prof. Dr. Jan Dettmers, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der FernUniversität Hagen. Vor diesem Hintergrund beschreibt „Quiet Work“ einen Arbeitsansatz, der Ruhe bewusst in die Arbeitsorganisation integriert.

Rahmen für konzentriertes Arbeiten schaffen

Gemeint sind gezielt gestaltete Ruhephasen, klare Kommunikations- und Erreichbarkeitsregeln, digitale Entlastung sowie räumliche Bedingungen, die konzentriertes Arbeiten ermöglichen (siehe Tabelle „Was ‚Quiet Work‘ leisten kann“). „Quiet Work“ schafft damit Rahmenbedingungen, unter denen fokussiertes Arbeiten entstehen kann, im Büro ebenso wie in der Werkstatt, Produktion oder bei hybriden Arbeitsformen. Das Konzept unterstützt Stressreduktion, stärkt die mentale Gesundheit und verbessert die Konzentrationsfähigkeit.

Warum „Quiet Work“ gut für Beschäftigte und Unternehmen ist

Ruhigere Arbeitsbedingungen wirken sich unmittelbar auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Zusammenarbeit aus. „Werden Lärm, Unterbrechungen und permanente Erreichbarkeit reduziert, können Beschäftigte konzentrierter und zumeist auch schneller arbeiten, ermüden weniger schnell und erleben ihren Arbeitsalltag als strukturierter und kontrollierbarer“, sagt Dettmers. „Das senkt Stressbelastungen und wirkt sich positiv auf die Arbeitsqualität aus.“ „Quiet Work“ verbessert zudem auch die Lebensqualität – nach der Arbeit bleibt mehr Energie, um Freizeit aktiv und selbstbestimmt zu gestalten.

Nutzen für alle Beteiligten

Auch Unternehmen profitieren von „Quiet Work“. Stabilere Arbeitsabläufe, weniger Fehler und eine höhere Zufriedenheit im Team können dazu beitragen, Fehlzeiten zu reduzieren und Beschäftigte langfristig zu binden. Gleichzeitig kann eine Arbeitskultur entstehen, in der Wertschätzung, Fokus und gesundes Arbeiten selbstverständlich sind. Welche konkreten Belastungen durch „Quiet Work“ vermieden werden und welcher Nutzen daraus entsteht, zeigt die folgende Übersicht:

Was „Quiet Work“ leisten kann

Vermiedene BelastungenNutzen für Beschäftigte und Unternehmen
  • Lärm, Maschinen- und Umgebungseinflüsse
  • Reduzierte Reizbelastung, bessere Konzentrationsfähigkeit
  • Häufige Unterbrechungen, ständige Erreichbarkeit
  • Längere Fokusphasen, stabilere Arbeitsabläufe
  • Kommunikationsstress und ungeplante Abstimmungen
  • Klarere Abläufe, weniger Reibungsverluste
  • Mentale Ermüdung, Stresssymptome
  • Mehr Energie, höhere Motivation, Arbeitszufriedenheit und Lebensqualität
  • Fehleranfälligkeit durch Ablenkung
  • Bessere Arbeitsqualität, geringere Fehlerquoten
  • Psychische Belastungen und Überforderung
  • Gesündere Arbeitsbedingungen, geringere Fehlzeiten
  • Geringe Bindung und Unzufriedenheit
  • Stärkere Mitarbeitendenbindung, wertschätzende Unternehmenskultur

Wie „Quiet Work“ in der Praxis aussehen kann

„Quiet Work“ lässt sich im Arbeitsalltag auf unterschiedliche Weise umsetzen, angepasst an Tätigkeiten, Arbeitsumgebungen und organisatorische Rahmenbedingungen. Entscheidend ist, Ruhe nicht dem Zufall zu überlassen, sondern sie bewusst in Arbeitsorganisation, - gestaltung und Kommunikation einzubinden. Dabei geht es weniger um einzelne Maßnahmen als um ein Zusammenspiel räumlicher, organisatorischer und digitaler Stellschrauben.

Ruhe als fester Bestandteil der Arbeit

Im Kontext der Betrieblichen Gesundheitsförderung rückt damit die Gestaltung der Arbeitsbedingungen in den Fokus. Statt Belastungen ausschließlich auf individueller Ebene zu adressieren, werden Strukturen geschaffen, die konzentriertes und gesundes Arbeiten ermöglichen. Ruhe wird so zu einem festen Bestandteil guter Arbeit und nicht zur Privatsache einzelner Beschäftigter. Maßnahmen können sein:

„Quiet Work“ gezielt umsetzen

1. Räumliche Gestaltung
Rückzugs- und Fokusbereiche schaffen, lärmarme Arbeitsplätze einrichten, Raumakustik verbessern, zum Beispiel durch Akustikpaneele, schallschluckende Möbel oder Teppiche; angepasst an Büro, Werkstatt oder Produktion

2. Arbeitsorganisation
Meetingfreie Zeiten einführen, feste Fokusphasen verankern, Arbeitsabläufe klar strukturieren

3. Kommunikation
Klare Kommunikations- und Erreichbarkeitsregeln vereinbaren, Erwartungen transparent machen

4. Digitale Hygiene
Benachrichtigungen reduzieren, Statusanzeigen nutzen, digitale Tools bündeln und gezielt einsetzen

5. Erholung und Entlastung
Kurze Erholungsphasen ermöglichen und akzeptieren, akustische Entlastungsformate integrieren, (zum Beispiel Silent Breaks, Quiet Hours, Rückzugszeiten)

6. Führung und Vorbildrolle
Ruhezeiten klar kommunizieren, Fokusarbeit vorleben, Belastungen erkennen und thematisieren

Gesund führen: Ruhe ermöglichen und Prioritäten vorleben

In der Regel bestimmen Führungskräfte, ob im Arbeitsalltag Ruhe möglich ist. „Ruhe entsteht nicht zufällig. Sie entsteht, wenn Führungskräfte Ruhezeiten, Erwartungen und Regeln klar kommunizieren und Verlässlichkeit schaffen“, sagt Jan Dettmers. Klare Absprachen zu Erreichbarkeit, Fokusphasen und Prioritäten helfen Teams, konzentriert ohne ständige Unterbrechungen zu arbeiten.

Zudem haben Führungskräfte eine wichtige Vorbildfunktion. Im Sinne eines gesunden Führens geht es darum, Belastungen frühzeitig zu erkennen, Beschäftigte zu schützen und Strukturen zu schaffen, die Ruhe ermöglichen. „Wer selbst Fokusarbeit, Pausen und eine realistische Priorisierung vorlebt, signalisiert, dass Ruhe und Konzentration Teil guter Leistung sind“, so Dettmers. So stärken Führungskräfte Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Zusammenarbeit im Team nachhaltig. Ergänzend weist Dettmers darauf hin, dass Ruhe auch aus den Teams selbst heraus entstehen kann: „Ich habe auch schon betriebliche Fälle erlebt, wo die Teammitglieder proaktiv und eigenständig für sich Vereinbarungen getroffen haben und für sich Regeln, zum Beispiel für Telefonate, festgelegt haben. Hier ist es an den Führungskräften, ein eigenständiges ,Job Crafting‘ im Team zuzulassen.“

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Stand

Erstellt am: 17.02.2026

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