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Gicht: Wenn die Harnsäure zu hoch ist

Ältere Frau massiert sich die Finger, weil sie unter Gicht leidet.

© iStock / Victor_69

Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 22.07.2021

Ein plötzlich schmerzendes, sich heiß anfühlendes Gelenke – das erleben Menschen bei einem Gichtanfall. Schuld ist zu viel Harnsäure im Blut, die zu einer Entzündungsreaktion im Gelenke führt. Erfahren Sie, wie Sie die Harnsäure im Gleichgewicht halten und Gichtanfällen vorbeugen.

Inhalte im Überblick

    Was ist Gicht und welche Symptome hat man bei einem Gichtanfall?

    Alarm in den Gelenken: Gicht ist eine Stoffwechselkrankheit, die vor allem die Gelenke betrifft. Wenn zu viel Harnsäure im Körper ist, entstehen winzige Harnsäurekristalle. Die lagern sich insbesondere in den Gelenken ab und können hier schubweise Entzündungen auslösen. Solch ein Gichtanfall entwickelt sich meist innerhalb weniger Stunden, häufig über Nacht: Die Gelenke schwellen plötzlich stark an und schmerzen. Sie sind überwärmt, gerötet und stark druckempfindlich – weitere typische Gichtanzeichen. Meistens ist beim ersten Gichtanfall nur ein einziges kleines Gelenk betroffen, häufig das Gelenk des großen Zehs. Bei anderen umfasst die Entzündung aber auch weitere Gelenke, etwa Knie, Ellbogen, Hand-, Finger-, Mittelfuß- und Sprunggelenke.

    Die meisten Menschen mit Gicht erleben immer wieder solche Gichtanfälle. Manchmal vergehen Monate oder sogar Jahre, bis sich wieder ein Anfall ankündigt. Bei anderen Menschen kommen sie häufiger vor. Ein solch akuter Gichtanfall klingt oft von alleine wieder ab, wenn der Harnsäurespiegel im Blut sich normalisiert. Bei chronischer Gicht, wenn die Erkrankung über mehrere Jahre besteht, sind die Gelenke meistens dauerhaft leicht entzündet und es kann zu Gelenkschäden kommen. Außerdem können sich im Laufe der Zeit Harnsäurekristalle in sogenannten Gichtknoten sammeln, die insbesondere unter der Haut oder in der Nähe von Hand- und Fußgelenken zu finden sind. Das ist jedoch sehr selten geworden, da sich Gicht heutzutage gut behandeln lässt.

    Jemand mit Gicht massiert sich die Fußgelenke.
    Schmerzende Gelenke? Vielleicht steckt eine Gicht dahinter.

    © iStock / ThamKC

    Wie entsteht Gicht?

    Gicht entsteht dadurch, dass der Harnsäurespiegel zu stark ansteigt. Harnsäure ist ein Stoff, den der Körper beim Abbau bestimmter organischer Verbindungen, der sogenannten Purine, bildet. Purine kommen natürlicherweise im Körper vor, werden aber auch über die Nahrung aufgenommen. Die Harnsäure, die beim Abbau der Purine entsteht, wird dann über die Nieren ausgeschieden. Geschieht dies nicht in ausreichendem Maße, steigt der Harnsäurespiegel im Blut an. Winzige Harnsäurekristalle lagern sich an unterschiedlichen Stellen im Körper an, vor allem in den Gelenken. Hier können sie einen Gichtanfall auslösen.

    Mediziner unterscheiden je nach Ursache verschiedene Formen:

    • Die primäre Hyperurikämie ist erblich bedingt. In den meisten Fällen bedeutet das, dass die Harnsäure nicht in ausreichendem Maße über die Niere ausgeschieden wird. Das ist die Hauptursache für Gichtanfälle. Deutlich seltener liegt eine angeborene Überproduktion von Harnsäure vor.
    • Bei der sekundären Hyperurikämie lassen Erkrankungen, zum Beispiel manche Krebserkrankungen, Nierenerkrankungen oder ein stark entgleister Diabetes mellitus den Harnsäurespiegel ansteigen. Aber auch bestimmte Arzneien, wie einige Krebsmedikamente oder Entwässerungsmittel, können der Auslöser sein.

    Aber nicht alle Menschen mit einem erhöhten Harnsäurespiegel entwickeln auch Gicht – nur etwa ein Drittel bekommt auch diese Gelenkentzündung. Die genaue Ursache dafür ist noch unklar.

    Was kann ich bei einem Gichtanfall tun?

    Ein Gichtanfall kommt oft sehr plötzlich und ist für viele Betroffene erst einmal ein Schock. Sie wachen morgens mit Gelenkschmerzen auf und fragen sich: Was kann ich jetzt tun? Die gute Nachricht ist, dass ein Gichtanfall in der Regel innerhalb von einer bis zwei Wochen von alleine wieder verschwindet. Die Schwellungen klingen ab, und das Gelenk kann sich erholen. Um den Leidensdruck in dieser Zeit zu verringern, kommen zur ärztlichen Behandlung von Gicht im akuten Fall Medikamente zum Einsatz, die Schmerzen lindern und die Entzündung in den Gelenken hemmen:

    • Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika mit Wirkstoffen wie Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen oder Etoricoxib verringern Schmerzen und können die Entzündungen eindämmen. Diese Mittel gibt es in niedrigen Dosierungen ohne Rezept in der Apotheke.
    • Medikamente, die Glukokortikoide enthalten, auch Kortisonpräparate genannt, wirken ebenso gegen Schmerzen und Entzündungen der Gelenke. Sie müssen allerdings von einem Arzt verschrieben werden.
    • Das Gichtmedikament Colchicin wird aus der Pflanze Herbstzeitlose hergestellt. Auch dieses verschreibungspflichtige Arzneimittel lindert die Entzündung und damit die Beschwerden bei Gicht, entfaltet seine Wirkung jedoch etwas langsamer als andere Medikamente. Wichtig ist es, die Gicht-Behandlung mit Colchicin innerhalb der ersten 36 Stunden nach Einsetzen der Symptome eines Gichtanfalls zu beginnen. Wegen seiner nur langsamen Wirkung und möglichen Nebenwirkungen wird Colchicin aber nicht mehr so häufig eingesetzt.

    Auch wenn Sie einige Medikamente rezeptfrei in der Apotheke bekommen, ist es ratsam, zumindest beim ersten Gichtanfall einen Arzt aufzusuchen. Dieser kann mit Ihnen dann weitere Behandlungsschritte besprechen, mit denen sich Gichtanfälle in Zukunft vorbeugen lassen.

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    Welche Hausmittel helfen bei Gicht?

    Bei Gicht können möglicherweise auch Präparate der Pflanzenheilkunde die Behandlung unterstützen. Abwarten und Teetrinken ist ein guter Ratschlag bei Gicht. Ausreichende Trinkmengen unterstützen den Körper bei der Harnsäure-Ausscheidung. Manche Teemischungen enthalten Heilpflanzen, die harntreibend und entzündungshemmend wirken sollen, zum Beispiel Kamille, Scharfgarbe, Süßholz, Goldrute, Brennnessel und Angelika. Aber ob Wasser, Kräuter- oder Früchtetee: entscheidend ist das ausreichende Trinken!

    Wickel und Umschläge sind ebenfalls beliebte Hausmittel bei Gicht. Bei einem akuten Gichtanfall tut ein kalter Umschlag um die betroffene Stelle gut. Die Kälte kann den Schmerz lindern und die Entzündung abflauen lassen. Dazu kann man einen Quarkumschlag nutzen, aber auch kühle Tücher oder ein Kühlpad können Linderung verschaffen.

    Kann man einem Gichtanfall mit Medikamenten vorbeugen?

    Nach dem Anfall ist vor dem Anfall – dieses Sprichwort trifft bei Gicht sehr häufig zu. Die meisten Menschen erleben nach einem Gichtanfall einen weiteren, da die Ursache – in der Regel eine erblich bedingte eingeschränkte Harnsäureausscheidung – nicht zu beheben ist. Trotz dieser Vorbelastung gibt es Möglichkeiten, einem erneuten Gichtanfall vorzubeugen und zu verhindern, dass der Harnsäure-Spiegel zu stark ansteigt. An erster Stelle steht dabei oft eine Ernährungsumstellung, mit einem geringeren Konsum von purinreichen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch oder Bier. Da der Großteil der Harnsäure jedoch im Körper selbst entsteht, ist der mögliche Einfluss der Ernährung begrenzt.

    Insbesondere bei häufigen oder sehr belastenden Gichtanfällen können deshalb auch Medikamente zum Einsatz kommen. Beispielsweise kann der Arzt harnsäuresenkende Arzneimittel mit dem Wirkstoff Allopurinol verschreiben. Dieser Stoff beeinflusst den Abbau der Purine, sodass hierbei nur eine Vorstufe der Harnsäure entsteht, die über die Niere ausgeschieden werden kann. Medikamente mit Wirkstoffen wie Benzbromaron erhöhen die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren.

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