Zum Hauptinhalt springen
AOK WortmarkeAOK Lebensbaum
Gesundheitsmagazin

Workout

Joggen bei Minusgraden: Darum ist es gesund

Veröffentlicht am:12.11.2020

4 Minuten Lesedauer

Aktualisiert am: 19.12.2022

Sinkende Temperaturen dienen oft als Ausrede, das Laufen im Freien ausfallen zu lassen. Doch Joggen ist gerade im Winter gut fürs Immunsystem – und besonders effektiv. Professor Herbert Löllgen erklärt, warum das so ist und was es zu beachten gilt.

Ein Mann geht im Winter und Schnee joggen.

© iStock / eclipse_images

Was macht Joggen so gesund?

Die Tage sind kurz, Schnee bedeckt ganze Städte und das Thermometer steht unter Null – gute Bedingungen, um laufen zu gehen, meint der Kardiologe und Sportmediziner Professor Herbert Löllgen: „Generell ist Ausdauersport wie Laufen das beste vorbeugende Mittel überhaupt. Laufen verbessert die körperliche Leistungsfähigkeit, stärkt das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel und die Funktion von Lunge und Gehirn.“

Zudem schütze es vor Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Diabetes, Demenz und sogar vor Krebs. Außerdem stärke regelmäßige körperliche Belastung – ob im Sommer oder Winter – das Immunsystem. „Beim Laufen werden die Immunkörper gereizt, sodass sie mehr Abwehrzellen bilden. Diese schwimmen im Blutstrom und vernichten eindringende Viren oder Bakterien. Das steigert die Abwehrkräfte deutlich“, erklärt der Sportmediziner. Dafür reiche schon ein moderates Ausdauertraining von 150 Minuten pro Woche, zum Beispiel drei Laufeinheiten à 45 Minuten plus einige straffe Spaziergänge.

„Beim Laufen werden die Immunkörper gereizt, sodass sie mehr Abwehrzellen bilden. Diese schwimmen im Blutstrom und vernichten eindringende Viren oder Bakterien. Das steigert die Abwehrkräfte deutlich.“

Professor Herbert Löllgen
Kardiologe und Sportmediziner

Darum sollten Sie auch im Winter joggen

Und wer auch im Winter joggt, wird dafür sogar mit Extra-Abwehrkräften belohnt. „Bei Kälte werden die Immunkörper noch stärker angeregt. Wenn die kalte Luft auf die Schleimhäute der Atemwege trifft, ist der Immunreiz noch deutlicher, es werden noch mehr Abwehrzellen gebildet“, sagt Professor Löllgen. Ein Extra-Schutz vor Erkältung oder Grippe, wie der passionierte Winterläufer selbst weiß: Grippale Infekte kenne er kaum.

Für Abnehmwillige hat das Laufen im Winter einen weiteren Vorteil: Er verbrennt 10 bis 15 Prozent mehr Kalorien. „Weil der Körper mehr Energie braucht, um seine Temperatur zu halten und die Durchblutung der Organe zu sichern", erklärt der Experte. „Denn bei Kälte verengen sich die Gefäße in Armen und Beinen, das Herz muss stärker arbeiten, um den Widerstand zu überwinden." Daher sollten Läufer auch bei Kälte viel trinken.

Passende Artikel zum Thema

Welche Risiken gibt es beim Joggen im Winter?

Doch trotz der positiven Effekte gibt der Kardiologe zu bedenken: Der Winter ist nicht die beste Jahreszeit, um mit dem Laufen anzufangen. Die Kälte kann ungeübten Läufern die Atmung erschweren, auch Verletzungen sind untrainiert leichter möglich.

„Die kritische Schwelle liegt bei etwa -10 Grad Celsius. Darunter wird es ungemütlich, vor allem bei Gegenwind.“

Professor Herbert Löllgen
Kardiologe und Sportmediziner

Wichtige Hinweise zum Joggen bei Kälte:

  • Wer jetzt trotzdem erstmals die Laufschuhe anziehen will, sollte sich ab einem Alter von 35 Jahren zunächst von einem Arzt checken lassen. Vor allem bei Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht oder Diabetes.
  • Auch Kinder ab dem Schulalter dürfen mit auf die Joggingrunde, sollten aber langsam mit dem Laufen starten. „Manche Kinder oder Jugendliche haben jedoch eine Überempfindlichkeit gegen Kälte, ein sogenanntes Kälteasthma, und sie kriegen plötzlich keine Luft mehr“, erklärt der Sportmediziner. Betroffene sollten mit einem Lungenarzt oder einer Lungenärztin sprechen. Ab 18 Jahren legen sich die Probleme dann meist. Generell seien Minusgrade für die Atemwege aber nicht gefährlich.
  • Für geübte Läufer und Läuferinnen sind Temperaturen unter 0 Grad Celsius dagegen meist kein Problem. Allerdings sollten auch diese spätestens dann mit dem Sport aufhören, wenn sie merken, dass Füße und Finger zu frieren beginnen. Eine Außentemperatur ab -10 Grad Celsius kann den Läufern schaden – es drohen Unterkühlungen an freier Haut, Armen und Beinen oder auch Frostbeulen an Händen und Füßen.

Tipps zum Joggen im Winter

Mit diesen Lauftipps kommen Sie auch im Winter gesund ans Ziel

  • Oberste Regel: Aufwärmen! Daher die ersten fünf bis zehn Minuten langsam laufen, um Verletzungen zu vermeiden.
  • Sind Körper und Muskeln warm, kann das Tempo erhöht werden. Im Winter steht meist längeres, langsames Laufen im Vordergrund, um die Ausdauer zu trainieren. Gelegentliche Intervalle sind aber sinnvoll.
  • Die letzten 500 Meter sollte man locker auslaufen. Dann nur kurz dehnen und schnell ins Warme gehen.
Eine Person wirbelt Schnee beim Joggen im Winter auf.

© iStock / Halfpoint

Beim Joggen im Winter ist es besonders wichtig, dass die Laufschuhe rutschfest und griffig sind.

Die richtige Kleidung und Ausrüstung für das Laufen im Winter

Um gegen die winterlichen Temperaturen optimal geschützt zu sein, ist die Kleidung besonders wichtig:

  • Wer bei Kälte läuft, trägt am besten mehrere Kleidungsstücke übereinander. Denn die Luft zwischen den einzelnen Lagen hält die Körperwärme besser als eine dicke Lage.
  • Da man auch im Winter beim Laufen schwitzt, hilft atmungsaktive Kleidung, einen Wärmestau zu vermeiden.
  • Handschuhe und Mütze schützen die besonders kälteempfindlichen Finger und Ohren.
  • Die richtigen Laufschuhe bieten auf schwierigem Untergrund zusätzliche Sicherheit. Sie sollten demnach rutschfest und griffig, aber auch wasserabweisend, atmungsaktiv und schrittdämpfend sein. Beim Joggen im Schnee können zusätzlich Schneeketten oder Spikes an den Schuhen Halt geben.
  • Mit heller oder reflektierender Kleidung können Sie Ihre Sichtbarkeit in den dunklen Morgens- und Abendstunden erhöhen und somit Unfälle vorbeugen. Auch Stirnlampen sind zu diesen Tageszeiten hilfreich.

Waren diese Informationen hilfreich für Sie?

Noch nicht das Richtige gefunden?