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Welche Laufschuhe sind die richtigen? 5 Tipps für den Kauf

Eine Person bindet sich die Laufschuhe auf Asphalt zu.

© iStock / ArtistGNDphotography

Lesezeit: 7 Minuten19.08.2022

Joggen trainiert die Ausdauer und baut Stress ab, kann aber die Gelenke belasten. Die passenden Laufschuhe beugen Verletzungen und Gelenkproblemen vor. Worauf Trainierende beim Kauf achten können, erfahren sie hier.

Inhalte im Überblick

    Porträt von Prof. Dr. med. Christoph H. Lohmann, Facharzt für Orthopädie sowie Unfallchirurgie und Klinikdirektor der Orthopädischen Universitätsklinik Magdeburg.

    © Melitta Schubert/UMMD

    Neben einer guten Lauftechnik und einer individuell angepassten Belastungssteuerung entlastet ein passender Laufschuh die Gelenke. Prof. Dr. Christoph Lohmann ist Facharzt für Orthopädie sowie Unfallchirurgie und Klinikdirektor der Orthopädischen Universitätsklinik Magdeburg.

    Im Interview verrät er, wie Laufbegeisterte die optimale Größe für Laufschuhe finden und wann es Zeit für einen Neukauf ist.

    Wie sieht der optimale Laufschuh aus?

    Den einen optimalen Laufschuh, der zu jedem Fuß und zu jedem Trainingsanspruch passt, gibt es nicht. Für welche Laufschuhe sich Joggerinnen oder Jogger entscheiden, hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen spielt die eigene Fußstellung eine Rolle. Diese entscheidet, ob ein Stabil- oder Neutralschuh sinnvoller ist. Stabilschuhe besitzen eine Stütze (Pronationsstütze) innerhalb des Schuhs und verhindern so ein Eindrehen des Fußes – sie sind optimal für Menschen geeignet, die viel über das Großzehengelenk laufen. Neutralschuhe verfügen über keine Stütze, dafür sind sie besonders leicht. Zum anderen ist der Boden, auf dem Trainierende laufen, entscheidend. Wer gerne im Gelände trainiert, kann Laufschuhe mit winzigen Stollen, also Profilierungen, bevorzugen. Sie verhindern ein Wegrutschen, zum Beispiel auf dem Waldboden. Der Laufschuh, der überwiegend auf der Straße unterwegs ist, benötigt hingegen eine flache Sohle und eine gute Dämpfung. Eine ordentliche Dämpfung ist auch für Menschen mit Rückenschmerzen wichtig, denn sie fängt die aufkommenden Stöße beim Laufen teilweise ab. Wie viel Dämpfung genug ist, darüber entscheidet vor allem das Körpergewicht des Laufenden. Mitarbeitende in Schuhfachgeschäften wissen genau, worauf es bei der Dämpfung ankommt – sie können konkrete Empfehlungen für gedämpfte Laufschuhe geben.

    „Eine ordentliche Dämpfung ist für Menschen mit Rückenschmerzen wichtig, denn sie fängt die aufkommenden Stöße beim Laufen teilweise ab.“

    Dr. Lohmann
    Facharzt für Orthopädie sowie Unfallchirurgie und Klinikdirektor der Orthopädischen Universitätsklinik Magdeburg

    Wie wähle ich die richtige Laufschuhgröße?

    Die richtige Laufschuhgröße erspart Trainierenden Schmerzen. Ein zu kleiner Laufschuh begünstigt schmerzhafte Druckstellen und Blasen. Ist der Laufschuh zu groß für den Fuß, ist die nötige Stabilität nicht gegeben – außerdem kann ein zu großer Schuh ebenfalls zu einer unangenehmen Reibung führen. Nämlich dann, wenn der Fuß im Schuh hin und her rutscht. Im besten Fall ist der Laufschuh genau an den Fuß angepasst. Mit einer Daumenbreite Platz an der Laufschuhspitze geben Trainierende dem Fuß genügend Bewegungsfreiheit beim Sport. Unsere Füße sind übrigens morgens minimal schlanker. Das liegt daran, dass der Fuß durch die Belastungen am Tag ein wenig anschwellen kann. Wer die minimale Größenzunahme ebenfalls berücksichtigen möchte, kauft die Laufschuhe optimalerweise abends und zieht seine Laufsocken für die Anprobe an.

    Gibt es spezielle Laufschuhe für Plattfüße oder andere Fußfehlstellungen?

    Die gibt es tatsächlich. Knickt ein Fuß durch eine vorliegende Fehlstellung beim Laufen nach innen, benötigt er eine gewisse Stütze. Ein Stabilschuh kann die benötigte Unterstützung liefern und das Nach-innen-Knicken verhindern. Er besitzt an der Ferse oder an der Innenseite des Schuhs eine kleine Verstärkung. Diese Optimierung besitzt der Laufschuh aber nicht von vornherein – die individuelle Anpassung kann ein Sanitätshaus übernehmen. Für Menschen, die bevorzugt über die Außenkante des Fußes laufen, bietet sich eine solche Optimierung im Schuh ebenfalls an. Wer bereits eine orthopädische Schuheinlage aufgrund der Fußfehlstellung besitzt, kann diese in den Laufschuh legen. Vorausgesetzt, die Einlage ist für den Laufschuh nicht zu groß und bietet genügend Unterstützung.

    Was zeichnet Laufschuhe für Kinder aus?

    Da die meisten Kinder kein übermäßiges Gewicht mitbringen, sind Laufschuhe für Kinder in der Regel mit keiner großzügigen Dämpfung ausgestattet. Allerdings verfügen sie über eine flexible Sohle. Diese Flexibilität bei der Sohle ist sehr wichtig, weil sich das Fußgewölbe in jungen Jahren noch weiter entwickelt. Die Laufschuhe vorsorglich viel größer zu kaufen, ist übrigens keine gute Idee. Wie viel Platz bei Laufschuhen vorne wirklich nötig ist, dazu können sich Eltern im Kinderschuhfachgeschäft beraten lassen. Regelmäßige Schuhmessungen sind sinnvoll, da Kinder vor allem in Schüben wachsen. Eltern können die Schuhgröße im Schuhgeschäft oder zu Hause ganz unkompliziert mit einer Schuhschablone nachprüfen.

    Worauf sollte ich beim Kauf von Laufschuhen achten?

    Ein Laufschuh begleitet Jogger und Joggerinnen über viele Trainingseinheiten, ein besonders passendes Modell wahrscheinlich noch ein paar Kilometer länger. Folgende Tipps können Laufbegeisterte beim Kauf beherzigen.

    1. Ein gutes Fachgeschäft aufsuchen: Ein Schuhfachgeschäft hat den Vorteil, dass es sich auf Schuhe spezialisiert und in der Regel eine hochwertige Beratung anbietet. So finden Laufende mit größerer Wahrscheinlichkeit einen Schuh, der wirklich zu ihnen passt.
    2. Mehrere Schuhmodelle anprobieren: Laufschuhe können sich ganz unterschiedlich am Fuß anfühlen und in der Größe ausfallen. Da Komfort und genügend Bewegungsfreiheit eine besondere Rolle spielen, probieren Trainierende optimalerweise mehrere Modelle an.
    3. Die Marke und das Aussehen zunächst ignorieren: Wichtig ist, dass der Laufschuh zunächst zum Fuß des Joggers beziehungsweise der Joggerin passt. Der Hersteller und die optische Gestaltung können Interessierte dann im zweiten Schritt berücksichtigen.
    4. Mit dem Laufschuh in Bewegung kommen: Wie gut ein Laufschuh wirklich sitzt, finden Jogger oder Joggerinnen heraus, wenn sie sich mit dem Schuh bewegen. Für mehrere Minuten mit dem Schuh im Geschäft umherzugehen, mal schnell, mal langsam, ist daher ein guter Tipp. Manche Fachgeschäfte bieten sogar kleine Laufflächen oder Laufbänder, um die neuen Schuhe auszutesten.
    5. Trainingssocken mitbringen: Manchmal machen unscheinbare Accessoires den Unterschied. Im besten Fall ziehen Kaufinteressierte die Socken zur Anprobe an, die sie auch während ihrer Trainingseinheiten tragen. So können Sie die Platzverhältnisse im Schuh optimal abschätzen.
    Eine Frau bindet sich an ihrem Auto im Wald die Laufschuhe zu.
    Bei der Auswahl der Laufschuhe spielt auch eine Rolle, wo und auf welchem Untergrund Sie laufen – ob im Wald, auf Kies oder Asphalt.

    © iStock / PhotoAttractive

    Wie finde ich den richtigen Laufschuh für mich?

    Der Kauf eines Laufschuhs ist immer etwas sehr Individuelles. Trainingsgewohnheiten können Laufenden eine gute Orientierung für den richtigen Laufschuh geben. Dafür können sich Jogger beziehungsweise Joggerinnen vorab folgende Fragen stellen:

    • Wie viele Kilometer laufe ich in der Woche?
    • Auf welchem Untergrund trainiere ich?
    • Laufe ich eher dynamisch oder gemütlich?

    Wie bereits erwähnt, eignen sich flache, gedämpfte Schuhe für den harten Untergrund und Laufschuhe mit einem ausgeprägten Profil für eher weiches, unwegsames Gelände. Für anspruchsvolle Laufende, also Menschen, die circa 600 bis 800 Kilometer pro Jahr laufen, bietet sich eine Gang- und oder Laufanalyse an. Diese führen viele Schuhfachgeschäfte, Sanitätshäuser oder Orthopäden beziehungsweise Orthopädinnen durch. Trainierende werden dabei vor Ort mit Sensoren im Schuh ausgestattet, die bei Bewegung Auskunft über das Gangbild und die Fußstellung geben. Optimalerweise erhalten Laufende dann im Anschluss einen Schuh, der Rücksicht auf das Gangbild, die Fußstellung und eventuell vorhandene Problematiken wie Rückenschmerzen nimmt.

    „Für anspruchsvolle Laufende, also Menschen, die ca. 600 mit 800 Kilometer pro Jahr laufen, bietet sich zusätzlich eine Gang- und oder Laufanalyse an.“

    Dr. Lohmann
    Facharzt für Orthopädie sowie Unfallchirurgie und Klinikdirektor der Orthopädischen Universitätsklinik Magdeburg

    Wie viele Laufschuhe sollte ich haben?

    Bei der Anzahl der Laufschuhe gibt es eine praktische Faustregel: Laufbegeisterte, die mehr als einmal die Woche mehr als 20 Minuten trainieren, haben im besten Fall ein zweites Paar Laufschuhe. So können sie einfach auf ein anderes Paar wechseln, wenn die Schuhe durch die Sporteinheit, beispielsweise durch Untergrundnässe oder das Schwitzen, noch nicht richtig trocken sind. Ein zweites Paar hat also einen gewissen Hygienevorteil. Außerdem übermittelt ein alternatives Schuhmodell dem Bewegungsapparat andere Anreize – durch die zusätzliche Stimulation können sich Muskeln weiter aufbauen. Zudem schonen sich durch den Wechsel andere Muskelpartien, Laufende beugen mit einem zweiten Paar also einseitigen Belastungen vor.

    Wann sollte ich die Laufschuhe wechseln?

    Mit den gelaufenen Kilometern verändert sich der Schuh – er verwittert beispielsweise durch Nässe oder ist durch den Schweiß im Innenbereich angegriffen. Außerdem ist die Sohle mit der Zeit abgelaufen und die Dämpfung lässt nach. Deshalb ist es wichtig, dass Laufende die Schuhe regelmäßig austauschen – ein guter Richtwert ist ein Wechsel nach 800 bis 1.000 Kilometern. Am besten bringen Trainierende ihre alten Schuhe dann zum Neukauf mit. Die Mitarbeitenden in Fachgeschäften können beurteilen, ob die Schuhe in einem besonderen Maße abgelaufen sind. Ist der Verschleiß beispielsweise im Innenbereich des Profils sehr deutlich, sind gegebenenfalls eine Ganganalyse und ein angepasster Schuh sinnvoll.

    „Laufend in Form“ – das Online-Trainingsprogramm

    Den eigenen Körper herauszufordern ist beim Joggen natürlich erlaubt, viele Laufende powern sich aber gerade zu Anfang stark aus. Mit dem richtigen Tempo, der passenden Körperhaltung und Technik bleiben Jogger oder Joggerinnen lange motiviert und trainieren ihre Ausdauer. Das Online-Trainingsprogramm „Laufend in Form“ steht Interessierten sechs Monate lang zur Seite – Fitnessexperten und Fitnessexpertinnen geben in der Zeit per SMS oder E-Mail wertvolle Trainingstipps. Außerdem erhalten Anwendende einen individualisierten Trainingsplan. Schließlich spielen selbst gesteckte Trainingsziele und die Kondition eine wichtige Rolle beim zukünftigen Lauftraining. AOK-Versicherte können sich kostenlos für das Online-Trainingsprogramm anmelden und bekommen direkt Informationen über sportliche Events oder Lauftreffs in ihrer Nähe.

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