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Colitis ulcerosa: Alarm im Dickdarm

Junge Frau hat Colitis ulcerosa und liegt mit den dafür typischen Bauchkrämpfen auf dem Sofa.

© iStock / Charday Penn

Lesezeit: 4 Minuten27.07.2022

Bei der Colitis ulcerosa kommt es zu schweren, oft blutigen Durchfällen mit krampfartigen Schmerzen und Fieber. Nehmen Sie die Symptome ernst, denn in extremen Fällen droht sogar Lebensgefahr. So wird die chronische Dickdarmentzündung behandelt.

Inhalte im Überblick

    Was ist Colitis ulcerosa?

    Blutiger Durchfall und krampfartige Schmerzen – wie aus dem Nichts: Bei einer Colitis ulcerosa ist die Schleimhaut des Dickdarms entzündet. Das führt zu starken Beschwerden, die die Betroffenen für einige Zeit regelrecht außer Gefecht setzen. Solche Symptome sollten immer schnellstmöglich von einem Arzt abgeklärt werden.

    Nach einem akuten Colitis-ulcerosa-Schub klingen die Beschwerden meist wieder ab. Doch die Ruhe im Darm trügt. Denn die Dickdarmentzündung verläuft chronisch. Das heißt: Die Betroffenen müssen jederzeit damit rechnen, dass ein erneuter Krankheitsschub auftritt.

    Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)

    Colitis ulcerosa zählt zu den CED

    Colitis ulcerosa zählt zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED), ebenso wie Morbus Crohn. Sie unterscheidet sich von Morbus Crohn dahingehend, dass nur der Dickdarm entzündet ist, während Morbus Crohn den gesamten Magen-Darm-Trakt betreffen kann. Etwa 150.000 Menschen in Deutschland sind an einer Colitis ulcerosa erkrankt.

    Viele Betroffene erleben zum ersten Mal während der Schulzeit oder der Ausbildung Symptome einer Colitis ulcerosa. Danach haben sie zeitlebens mit der Erkrankung zu tun. Ein Großteil erleidet immer wieder Krankheitsschübe, nur selten bleibt es bei einem einmaligen Ereignis. Meistens klingt der Schub wieder ab und die Darmschleimhaut regeneriert sich bis zum nächsten. Manche Colitis-ulcerosa-Betroffene leiden allerdings kontinuierlich unter den Entzündungen. Eine Colitis ulcerosa kann durch spezifische Therapien zur Ruhe kommen, ein erhöhtes Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken, bleibt dennoch.

    Was sind die Symptome bei Colitis ulcerosa?

    Bei der Colitis ulcerosa können im Schub ganz unterschiedliche Symptome auftreten. Nicht alle Beschwerden treten bei jedem Patienten oder jeder Patientin auf. Außerdem sind die Symptome nicht immer gleich stark ausgeprägt. Diese typischen Anzeichen deuten auf einen Colitis-ulcerosa-Schub hin:

    • häufiger Stuhlgang
    • Bauchschmerzen, die mit Krämpfen einhergehen können
    • Durchfall (blutig, schleimig)
    • Wunden im Mund, eventuell Geschwüre
    • Abnahme des Körpergewichts, gegebenenfalls Untergewicht
    • Fieber
    • Entzündungen der Gelenke, etwa Knie oder Hüfte
    • Hautausschlag
    • gerötete Augen, die oftmals schmerzen
    • Gefühl von Abgeschlagenheit
    • erhöhter Herzschlag bei einem schweren Verlauf

    Bei Colitis ulcerosa werden oftmals auch Anzeichen einer Mangelernährung beobachtet, weil die Nährstoffaufnahme während der akuten Schübe nicht richtig funktioniert. Bei schweren Schüben kann es durch die heftigen Durchfälle und Fieber außerdem dazu kommen, dass Betroffene austrocknen (dehydrieren). Dies kann zu einer lebensbedrohlichen Situation führen, daher werden Menschen mit Colitis ulcerosa nicht selten auch im Krankenhaus behandelt.

    Welche Therapie gibt es bei Colitis ulcerosa?

    Die Symptome der Colitis ulcerosa treten auf, weil die Darmwand entzündet ist. Warum diese Entzündung entsteht, ist allerdings noch nicht bekannt. Es gibt Hinweise darauf, dass die Gene als Ursache eine Rolle spielen, da Colitis ulcerosa in Familien gehäuft vorkommt. Ebenso beeinflussen Ernährung, Infektionen oder ein gestörtes Immunsystem eine Dickdarmentzündung. Die Therapie von Colitis ulcerosa ist darauf ausgerichtet, einen akuten Schub zu beenden, seine Folgen zu mildern und die Betroffenen im Anschluss an einen Schub möglichst lange symptomfrei zu erhalten. Verschiedene Maßnahmen können dabei helfen.

    Frau mit Colitis ulcerosa greift zu einem Medikament in Form eines Zäpfchens.
    Bei einer akuten Colitis ulcerosa kommen Medikamente mit dem Wirkstoff Mesalazin, aber auch kortisonhaltige Medikamente zum Einsatz. Diese gibt es oft in Zäpfchenform.

    © iStock / megaflopp

    Colitis ulcerosa: Medikamente gegen die Darmentzündung

    Medikamente, die bei Menschen mit Colitis ulcerosa zum Einsatz kommen, zielen darauf ab, akut die Entzündungen der Darmschleimhaut zu beseitigen und erneute Schübe zu verhindern. In der Akuttherapie werden zum Beispiel Arzneimittel mit dem Wirkstoff Mesalazin, aber auch kortisonhaltige Medikamente verwendet. Schlägt diese Therapie nicht an, kommen sogenannte Immunsuppressiva zum Einsatz, die das Immunsystem unterdrücken und so die Entzündung ersticken sollen. Noch relativ neu sind sogenannte therapeutische Antikörper, die ebenfalls das Immunsystem beeinflussen können. Ist ein Schub überstanden, wird zudem Mesalazin als Erhaltungstherapie eingesetzt, um erneute Schübe zu verhindern.

    Bei besonders schweren Fällen mit Komplikationen, wenn mit Medikamenten keine Linderung der Symptome erziehlt werden kann, sind unter Umständen operative Maßnahmen notwendig. Dabei wird – je nach Schweregrad und Ausdehnung der Colitis sowie der Art der Komplikationen – ein Teil oder der komplette Dickdarm (Kolektomie) entfernt.

    Darmkrebsvorsorge

    Bei Patienten mit Colitis ulcerosa ist die regelmäßige Darmkrebsvorsorge besonders wichtig.

    Menschen mit einer Colitis ulcerosa haben ein höheres Risiko an Dickdarmkrebs zu erkranken. Der Wirkstoff Mesalazin, der bei aktuten Schüben zur Anwendung kommt, kann zwar verhindern, dass Dickdarmkrebs entsteht. Trotzdem ist eine engmaschige und regelmäßige Kontrolle besonders wichtig. Ein Gastroenterologe sollte den Darm ein Mal pro Jahr untersuchen und Gewebeproben entnehmen.

    Ernährung bei Colitis ulcerosa

    Menschen mit Colitis ulcerosa müssen außerhalb eines Schubes keine spezielle Diät halten. Es wird eine ausgewogene und gesunde Ernährung empfohlen. Während eines Schubs sollten Sie auf leichte Kost achten, blähende und fettige Lebensmittel gilt es zu vermeiden. Obst und Gemüse nehmen Sie besser gedünstet als roh zu sich – so ist es leichter verdaulich. Durch die schweren Durchfälle kann es bei Menschen mit Colitis ulcerosa leicht zu einem Mangel an Vitaminen, Elektrolyten und Mineralstoffen wie Eisen kommen. Nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin sollte hier eine entsprechende Substitution erfolgen.

    Einigen Betroffenen konnte in Studien auch mit Probiotika geholfen werden. Dies sind Präparate, die bestimmte Mikroorganismen enthalten, wie zum Beispiel Bifidobakterien, Milchsäurebakterien (Laktobazillen) oder der Escherichia-coli-Bakterienstamm Nissle 1913. Diese Mikroorganismen können dazu beitragen, die Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen, und so einen erneuten Schub zu verhindern.

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    Welche Rolle Stress bei Colitis ulcerosa spielt

    Die Psyche scheint ein wichtiger Faktor zu sein, der einen Colitis-ulcerosa-Schub auslöst. Menschen mit einer Colitis ulcerosa reagieren auf psychische Belastungen eher mit Darmbeschwerden als gesunde Menschen. Stress und Partnerschaftskonflikte lösen bei manchen Betroffenen Krankheitsschübe aus.

    Gleichzeitig belastet die Erkrankung die Lebensqualität oft stark – was wiederum zu mehr seelischem Stress führt. Viele Menschen profitieren daher von Maßnahmen zur Stressprävention. Sie können das Leben mit der Erkrankung erleichtern und helfen, Stress zu verringern.

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