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Altersdepression: Wie kann ich helfen, wenn meine Eltern betroffen sind?

Eine ältere Frau mit Depressionen sitzt in einem Sessel, jemand hält ihre Hand.

© AOK

Lesezeit: 6 MinutenAktualisiert: 10.01.2022

Eine Depression kann viele Gesichter haben. Bei älteren Menschen wird sie manchmal nicht als solche erkannt. Hier erfahren Sie, wie Sie als Angehöriger eine Altersdepression erkennen und dem Betroffenen helfen können.

Inhalte im Überblick

    Altersdepression: Was ist das?

    Beinahe jeder fünfte Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens mindestens einmal an einer Depression – einer psychischen Erkrankung, die von Freudlosigkeit, Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit geprägt ist.

    Wenn ältere Menschen ab 65 Jahren an einer Depression erkranken, wird auch von einer Altersdepression gesprochen. Diese ist keine Seltenheit: Neben demenziellen Erkrankungen zählen Depressionen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter. Erhebungen zeigen, dass rund sieben Prozent der älteren Menschen an einer sogenannten „Major Depression“ leiden und 17 Prozent eine depressive Symptomatik haben. Die depressiven Beschwerden  beeinträchtigen die Gesundheit und Lebensqualität der Betroffenen oft stark.

    Wie entstehen Depressionen im Alter?

    Depressionen haben, unabhängig vom Lebensalter, selten eine einzige Ursache. In der Regel wirken mehrere Faktoren zusammen: eine genetisch bedingte erhöhte Anfälligkeit, neurobiologische Faktoren sowie entwicklungs- und persönlichkeitsbedingte Faktoren.

    Zu diesen allgemeinen ursächlichen Faktoren kommen mit zunehmendem Alter oft weitere Ereignisse, die Spuren hinterlassen können: schwere Erkrankungen, Rollenveränderungen durch den Auszug der Kinder oder den eigenen Renteneintritt sowie der Verlust nahestehender Menschen. Hinzu kommen dauerhafte Belastungen durch chronische körperliche Erkrankungen, eine nachlassende geistige Leistungsfähigkeit und häufig auch eine eingeschränkte Mobilität. Oft geht damit ein schrittweiser Verlust der bislang gewohnten Selbstständigkeit einher. All das können Risikofaktoren für eine Depression im Alter sein.

    Wie äußert sich eine Altersdepression?

    Die Symptomatik von Depressionen im Alter unterscheidet sich nicht grundlegend von Depressionen in jüngeren Jahren. Die Hauptsymptome einer Depression sind:

    • Niedergeschlagenheit,
    • Interessensverlust und Freudlosigkeit,
    • Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit.

    Dazu können weitere Symptome kommen, wie Schlaf-, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Appetitlosigkeit, vermindertes Selbstvertrauen, Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle bis hin zu Suizidgedanken.

    Besonderheiten der Altersdepression

    Altersdepressionen haben jedoch auch einige alterstypische Besonderheiten: So neigen ältere Menschen stärker als jüngere dazu, sich Gefühle von Niedergeschlagenheit und Freudlosigkeit nicht anmerken zu lassen. Sie klagen stattdessen eher über Probleme mit ihrer körperlichen Gesundheit. Wenn Ihre Eltern häufig über unspezifische körperliche Beschwerden ohne eindeutig identifizierbare körperliche Ursache klagen, kann das ein Hinweis auf das Vorliegen einer Altersdepression sein.

    Depression oder Demenz?

    Manche Beschwerden einer Altersdepression, wie Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisstörungen oder verlangsamtes Denken, sind leicht mit den Symptomen einer Demenz zu verwechseln. Man spricht deshalb auch von einer Pseudodemenz.

    Eine diagnostische Abgrenzung zu einer echten Demenz ist deshalb sehr wichtig. Im Gegensatz zu einer Demenz gehen Depressionen meist nicht mit Orientierungsstörungen einher. Die Gedächtnisprobleme treten nur manchmal auf und werden besonders unter Zeitdruck deutlich. Zudem nehmen depressive Menschen ihre Ausfälle deutlich wahr und leiden stark darunter.

    Im Unterschied dazu neigen an Demenz erkrankte Menschen eher zum Bagatellisieren ihrer Ausfälle und ihnen ist das Ausmaß ihrer kognitiven Probleme weniger bewusst.

    Suizidgefährdung im Alter

    Ein schwieriges, aber wichtiges Thema bei depressiven Erkrankungen sind Suizidgedanken und -handlungen. Im Alter besteht ein erhöhtes Suizidrisiko – 40 Prozent der Menschen, die sich pro Jahr das Leben nehmen, sind über 60 Jahre alt. Insbesondere alleinlebende ältere Männer sind diesbezüglich gefährdet.

    Risikofaktoren für Suizidalität bei älteren Menschen sind Einsamkeit, finanzielle Not, familiäre Konflikte sowie ausgeprägte körperliche Beschwerden und andauernde Schmerzen. Durch die Depression werden diese belastenden Lebenssituationen von den Betroffenen besonders pessimistisch wahrgenommen und daher als hoffnungs- und aussichtslos erlebt. Dies kann zu Suizidgedanken und -handlungen führen.

    Deshalb ist es sehr wichtig, ältere Menschen, bei denen man Suizidgedanken vermutet, konkret darauf anzusprechen. Angehörige können dann zum Beispiel sagen, dass sie sich große Sorgen um den Betroffenen machen, sehen, dass es ihm nicht gut geht und Angst haben, dass er sich etwas antun könnte. Manche Betroffene weichen einem solchen Gespräch zunächst aus. In diesem Fall sollten Angehörige genau nachfragen, wie es dem Betroffenen wirklich geht und ob er Suizidgedanken hat. Wenn ja, sollte unbedingt professionelle Hilfe geholt werden. Ärzte oder Psychotherapeuten haben dann die Aufgabe zu klären, wie drängend die Suizidgedanken sind und welche Maßnahmen dementsprechend erforderlich sind.

    Eine Ärztin bespricht mit einem depressiven, älteren Patienten den Medikationsplan mit Antidepressiva.
    Besprechen Sie mit Ihrem Arzt einen Medikationsplan. Es ist hilfreich, eine Vertrauensperson mit einzubeziehen, damit diese Sie bei der Einnahme der Medikamente unterstützen kann.

    Altersdepression: Tipps für Angehörige

    Für Freunde und Angehörige ist es wichtig, die Anzeichen einer Depression wahrzunehmen und auch ernst zu nehmen. So können sie den Betroffenen dabei helfen, die Erkrankung als solche zu erkennen und ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung zu suchen.

    Der Umgang mit einem depressiv erkrankten Menschen kann für Angehörige anstrengend sein und sie an die Belastungsgrenzen bringen. Deshalb sollten Angehörige in dieser schwierigen Situation auch gut auf sich selbst achten und sich nicht überfordern. Angehörige sind als nahestehende Menschen für die Betroffenen enorm wichtig und können sie im Rahmen der Behandlung unterstützen, aber sie sollten nicht versuchen, selbst zum Therapeuten zu werden. Die Therapie sollten erfahrene Ärzte oder Psychotherapeuten übernehmen.

    Tipps, wie Sie einen depressiv erkrankten, nahestehenden Menschen unterstützen können:

    • Dasein und Zuhören ist wichtig. Nehmen Sie Ängste und Sorgen ernst und spielen Sie diese nicht herunter.
    • Wenn Sie befürchten, dass Ihr Angehöriger depressiv ist, sprechen sie ihn darauf an und motivieren sie ihn, seine Beschwerden ärztlich abklären zu lassen. Dies kann vor allem bei Betroffenen, die über ihre depressiven Beschwerden nicht sprechen möchten, schwierig sein. Lassen sie sich daher von anfänglicher Zurückweisung nicht irritieren und erklären sie freundlich, warum Sie eine ärztliche Abklärung wichtig finden.
    • Nehmen Sie Hinweise auf Suizidgefährdung immer ernst und sprechen Sie diese an. Informieren Sie auch den behandelnden Arzt. 
    • Lassen Sie sich vom behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten beraten, wie Sie Ihren Angehörigen am besten helfen können. Zum Beispiel könnten Sie Ihren Angehörigen zu Arztbesuchen begleiten.
    • Suchen Sie gemeinsam mit dem Betroffenen sinngebende Ziele und helfen Sie ihm dabei, diese zu verfolgen. Um Überforderungen zu vermeiden, sollten zunächst kleine Ziele gesetzt werden, zum Beispiel: täglich einen Spaziergang zu machen.
    • Später können diese kleinen Ziele Schritt für Schritt zu mehr Alltagsstruktur ausgebaut werden. Angehörige können dies unterstützen, indem sie zum Beispiel regelmäßig mit dem Betroffenen spazieren gehen.
    • Nehmen Sie dem Betroffenen nur Aufgaben ab, die ihn aktuell wirklich überfordern. Wenn der Erkrankte dazu wieder in der Lage ist, sollte er diese Aufgaben nach und nach wieder selbst übernehmen.

    Depression im Alter: Hilfe finden

    Altersdepressionen sollten in jedem Fall ernst genommen, Auffälligkeiten und Verhaltensänderungen nicht als alterstypisch naturgegeben angesehen werden. Depressionen können und sollten in jedem Alter behandelt werden, damit die Betroffenen ihre Lebensqualität zurückerhalten. Depressionen sind gut behandelbar – auch im Alter. Insbesondere bei hochbetagten Patienten ist dabei eine Kooperation zwischen Hausarzt, Facharzt, gegebenenfalls Pflegediensten und Angehörigen wichtig.

    Die beiden wichtigsten Säulen der Depressionsbehandlung sind:

    • Medikamentöse Therapie: Mit Psychopharmaka können Symptome der Depression wie Niedergeschlagenheit oder Schlafstörungen behandelt werden. Für Senioren ist eine sorgfältige Auswahl des Wirkstoffs besonders wichtig, da ältere Patienten häufig bereits andere Medikamente einnehmen und es zu Wechselwirkungen kommen kann. Da sich mit dem Alter der Stoffwechsel etwas verändert, wird auch die Dosis der Medikamente entsprechend angepasst. Spezialisierte Gerontopsychiater wägen Nutzen und Risiken der Psychopharmaka sorgfältig ab.
    • Psychotherapie: Eine Psychotherapie ist nicht nur etwas für Jüngere. Senioren können zum Beispiel von der kognitiven Verhaltenstherapie profitieren. Ein Gerontopsychotherapeut oder ein im Umgang mit älteren Menschen erfahrener Psychotherapeut kann den Patienten dabei helfen, die eigene Lebensqualität Stück für Stück wiederzuerlangen und neue Selbstsicherheit zu gewinnen. Die Patienten lernen, ihren Alltag zu bewältigen und mit Rückschlägen besser umzugehen.

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