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AOK – Die Gesundheitskasse

Interview mit einer Darmkrebs-Betroffenen

Eine Ärztin erklärt ihrer Patientin, dass sie an Darmkrebs erkrankt ist.

© iStock / kupicoo

Lesezeit: 6 Minuten24.01.2022

Die Diagnose Darmkrebs ist für viele Betroffene ein Schock und kann das gewohnte Leben durcheinanderbringen. Besonders tückisch: Ein Tumor im Dick- oder Enddarm löst häufig lange Zeit keine Beschwerden aus. Bei der Darmkrebsvorsorge kommen Mediziner bösartigen Veränderungen und sogar schon deren Vorstufen trotzdem auf die Spur.

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    Wie wichtig Vorsorgeuntersuchungen sind, weiß auch Elisabeth Feldhoff. Bei ihr entdeckten die Ärzte während der Darmkrebsvorsorge einen Tumor. Im Interview verrät sie, wie sich die Erkrankung auf ihr Leben ausgewirkt hat und warum sie jedem dazu rät, die Vorsorge regelmäßig wahrzunehmen.

    Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie die Diagnose bekommen haben?

    Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem ich die Diagnose bekam, das war kurz vor meinem 56. Geburtstag. Die Nachricht war ein herber Schlag für mich, natürlich habe ich dabei an das Schlimmste gedacht. Ich wusste nicht, wie es weitergeht oder was mit mir passiert – ein schreckliches Gefühl. Der Arzt, der den Darmkrebs bei mir festgestellt hat, sagte mir nur, ich müsste jetzt zur Weiterbehandlung. In dem Moment fühlte ich mich unsicher und ausgeliefert. Ich habe die Unterlagen dann meinem Hausarzt vorgelegt und der sagte direkt, dass das nach einem frühen Stadium aussieht, das gut behandelbar ist. Das hat mir Hoffnung gemacht und ich habe mir gedacht: „Vielleicht kann der Krebs noch vollständig entfernt werden“. Trotzdem hat der Tumor mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Mit Familienangehörigen und Freunden konnte ich über meine Diagnose sprechen, das hat mir in der schwierigen Zeit sehr geholfen.

    Wie wurde der Darmkrebs bei Ihnen entdeckt?

    Das war während einer Darmspiegelung. Frauen ab 55 Jahren wird ja eine Darmspiegelung zur Früherkennung angeboten und mein Hausarzt hatte mich darüber informiert und mir zu dieser Untersuchung geraten. Während der Darmspiegelung entdeckte ein Arzt das auffällige Gewebe. Er teilte mir mit, dass er eine Probe des auffälligen Gewebes entnommen habe und ins Labor schicken werde, um die Zellen dort genauer untersuchen zu lassen. Kurz danach stand fest, dass ich tatsächlich Darmkrebs habe.

    Es ist ein Arzt mit einem Endoskop in der Hand bei der Darmkrebsvorsorge zu sehen.
    Frau Feldhoff hat die empfohlene und bezahlte Darmspiegelung in Anspruch genommen, wodurch der Darmkrebs frühzeitig erkannt wurde.

    © iStock / Vadym Terelyuk

    Gab es bei Ihnen eine familiäre Vorbelastung oder andere Risikofaktoren?

    Nein, niemand erkrankte in meiner Familie jemals an Darmkrebs. Ich weiß, dass Rauchen ein klassischer Risikofaktor ist, ich selbst rauchte aber nie – ich nahm noch nicht einmal den berühmten ersten Zug an einer Zigarette. Dadurch, dass ich mit der Erkrankung Darmkrebs nie in Berührung kam, beschäftigte ich mich damit auch nicht. Das änderte sich nach der Diagnosestellung schlagartig. Durch die Behandlung, die vielen Untersuchungen und die Nachsorge lernte ich viel über mich und meinen Körper.

    Welche Untersuchungen und Behandlungen kamen nach der Diagnose auf Sie zu?

    Nach der Diagnose machten die Ärzte im Krankenhaus ein sogenanntes Staging, um das Krankheitsstadium zu bestimmen. Dabei wurde auch nachgesehen, ob sich in meinem Körper schon Metastasen gebildet hatten. Glücklicherweise war das bei mir nicht der Fall. Bei den Untersuchungen stellten die Ärzte aber Entzündungen in meinem Darm fest. Deswegen blieb ich länger als geplant im Krankenhaus und nahm Medikamente zur Ausheilung der Entzündung ein.

    Danach durfte ich wieder nach Hause. Erst jetzt leiteten die Ärzte die eigentliche Behandlung ein, also die gegen den Krebs. Ich bekam gleichzeitig Chemotherapie und Bestrahlung, das war wirklich anstrengend. Für die Bestrahlung fuhr ich sechs Wochen lang jeden Tag mit dem Taxi 15 Kilometer ins Krankenhaus. Die Chemotherapie führte ich zu Hause durch – eine ganze Handvoll Tabletten nahm ich jeden Tag ein. Vor allem vor der ersten Einnahme der Chemotherapeutika packte mich die Angst. Bis auf die starke Übelkeit lösten die Tabletten aber keine Beschwerden aus.

    Die Ärzte warteten bei mir dann mehrere Wochen ab, damit die Chemo- und Strahlentherapie nachwirkt. Dann stand die Operation auf dem Plan – das war erneut eine große Herausforderung für mich. Mit dem Eingriff entfernten die Chirurgen den Tumor und das angrenzende Gewebe.

    „Vor allem vor der ersten Einnahme der Chemotherapeutika packte mich die Angst. Bis auf die starke Übelkeit lösten die Tabletten aber keine Beschwerden aus.“

    Frau Elisabeth Feldhoff
    Darmkrebs-Betroffene

    Wie sah Ihr Leben nach der Operation aus?

    Nach der Operation ging es mit den Behandlungen beziehungsweise der Nachsorge weiter. Während der Operation legten mir die Ärzte vorübergehend einen künstlichen Darmausgang, damit sich mein Darm erholt. Die Rückverlegung, also der Eingriff, bei dem sie den künstlichen Darmausgang entfernen, planten sie für den März ein. Wegen der Corona-Pandemie verschoben die Ärzte den Eingriff aber auf einen Monat später. Für mich war das damals schwierig, weil ich mich freute, den künstlichen Darmausgang wieder loszuwerden. In der Zwischenzeit erholte ich mich ein Stück weit in der Anschlussheilbehandlung.

    Danach entfernten die Ärzte den künstlichen Darmausgang tatsächlich – das war ein guter Tag für mich. Etwa zwei Jahre nachdem ich die Diagnose Darmkrebs erhielt, nahm ich an einer Rehamaßnahme teil. Die Rehabilitation sollte eigentlich meinen Darm wieder in Gang bringen, leider klappte das nicht so, wie erhofft. Ich bin jetzt austherapiert, das bedeutet, dass es keine Therapie mehr gibt, die mir bei den Verdauungsproblemen hilft. Deshalb gehört häufiger Durchfall leider zu meinem Alltag dazu.

    Wie wichtig ist für Sie das Thema Vorsorgeuntersuchungen?

    Total wichtig. Meine Erkrankung und alles was danach auf mich zukam, sensibilisierte mich sehr für das Thema. Ich nehme regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen wahr, zum Beispiel das Brustkrebsscreening. Natürlich vergesse ich auch meine Nachsorgetermine nicht. Nach der Behandlung stellte ich mich vierteljährlich in der behandelnden Uniklinik vor, nach einem Jahr wechselten wir auf ein halbjähriges Modell – ich gehe jetzt also alle sechs Monate zu meinem Nachsorgetermin.

    Was raten Sie anderen Menschen in Bezug auf das Thema Darmkrebs?

    Ich kann nur jedem raten, die Untersuchungen zur Darmkrebsfrüherkennung in Anspruch zu nehmen. Bei mir hätten die Mediziner den Darmkrebs wohl ansonsten nicht so früh entdeckt. Vor allem deshalb, weil ich keine offensichtlichen Beschwerden verspürte. Außerdem möchte ich Betroffenen den Austausch ans Herz legen. Mir helfen Gespräche mit anderen Patienten noch heute. In der Rehabilitation unterhielt ich mich viel mit anderen Betroffenen. Wir tauschten Tipps und Rezeptvorschläge aus, die mir noch immer den Alltag erleichtern. Sie glauben gar nicht, wie viel Unterschied es für Darmkrebs-Patienten macht, eine Mahlzeit anders zu würzen.

    „Ich kann jedem nur raten, die Untersuchungen zur Darmkrebsfrüherkennung in Anspruch zu nehmen. Bei mir hätten die Mediziner den Darmkrebs wohl ansonsten nicht so früh entdeckt.“

    Frau Elisabeth Feldhoff
    Darmkrebs-Betroffene

    #VwieVorsorge – die AOK-Kampagne für mehr Aufmerksamkeit

    Die Darmkrebsvorsorge kann eine Krebserkrankung und deren Vorstufen frühzeitig aufdecken – selbst dann, wenn Patienten noch keine Beschwerden bemerken. Ab dem 50. Lebensjahr übernimmt die AOK die Kosten für die Darmkrebsfrüherkennung. Um auf die Notwendigkeit der Darmkrebsvorsorge aufmerksam zu machen, hat die AOK die Kampagne #VwieVorsorge ins Leben gerufen. Menschen wie Elisabeth Feldhoff berichten hier über ihre Erlebnisse und darüber, wie wichtig Vorsorgeuntersuchungen sind. Unterstützt wird die AOK-Kampagne von der größten digitalen Selbsthilfegruppe „yeswecan!cer“, vom Selbsthilfeverein „Jung & Krebs“ und dem Verein „Kurvenkratzer-InfluCancer“. Der Familiencoach Krebs ergänzt die AOK-Kampagne durch ein Online-Selbsthilfeprogramm. Angehörige von an Krebs erkrankten Menschen bekommen hier kostenlos und anonym evidenzbasierte Informationen und können in interaktiven Übungen, Videos und Audios lernen, wie sie sich selbst und dem Erkrankten in dieser belastenden Situation möglichst gut helfen können.

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