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Tattoofarben: die bunte Gefahr

Ein junger Mann wird am rechten Arm tättowiert.

© iStock / Portra

Lesezeit: 4 Minuten21.09.2022

Eine rote Rose auf dem Unterarm oder ein gelber Löwe auf der Schulter. Die Farben der bunten Hautbilder sind oft nicht ungefährlich. Die EU hat deshalb bestimmte Stoffe in Tattoofarben verboten. Trotzdem bleiben gewisse Risiken.

Inhalte im Überblick

    Woher kommen Tattoos?

    Etwa jede vierte Person in Deutschland ab 18 Jahren ist tätowiert. Die einen wollen mit ihren Tattoos ihre Persönlichkeit ausdrücken während andere sich aus ästhetischen Gründen tätowieren lassen.

    Woher die Körperkunst kommt, ist schwierig zu sagen. Sie hat sich unabhängig in verschiedenen Kulturen der Welt entwickelt. Selbst der 5.300 Jahre alte Körper des Steinzeitmenschen Ötzi weist Tattoos auf. Auch die Bedeutung unterschied sich je nach Kultur. Für manche Völker waren es Stammesrituale, andere glaubten an eine heilende Wirkung.

    Professionelles Werkzeug und Hygiene sind zwingend erforderlich. Aber auch bei größtmöglicher Hygiene bringt ein Tattoo Risiken mit sich.

    Sind Tattoos schädlich?

    Um diese Frage zu beantworten, eine kurze Erklärung, wie sie überhaupt entstehen: Damit ein Tattoo dauerhaft bestehen bleibt, werden die Tattoofarben in die mittlere Hautschicht – die sogenannte Dermis – eingeführt. Ganz früher gelang das per Hand: Mit scharfen Gegenständen wie Haifischzähnen oder Steinen wurde die Haut eingeritzt und mit Ruß oder Pflanzenfarbe eingerieben. Diese Zeiten sind lange vorbei. Heute stechen Tattoo-Studios die Farbe mit einer elektrischen Tätowiermaschine in die Haut. Je nach Modell kann die Nadel eine Frequenz von 10.000 Stichen pro Minute erreichen.

    Egal, wie ein Tattoo gestochen wird, die Haut wird dabei immer verletzt. Daher sind Tattoos mit Schmerzen und einem Gesundheitsrisiko verbunden. Bei unzureichenden Hygienestandards der Tattoo-Studios oder schlechter Wundversorgung kann es zu anschließenden Komplikation wie Wundinfektionen durch Bakterien, Viren oder andere Krankheitserreger kommen. Auch Fälle von Hepatitis- oder HIV-Übertragung können auftreten, wenn für mehrere Personen dieselbe Nadel verwendet wird, was vor allem bei selbstgestochenen Tattoos passiert.

    Trotz der Risiken fehlen gesetzlich geregelte Standards für Tattoo-Studios. Dazu kommt, dass die Bezeichnung  als Tätowierer nicht reglementiert ist. Jeder kann ein Studio eröffnen und sich Tätowierer nennen. Die Auflagen für den Ausschank von Getränken sind dabei höher als die Auflagen für das Einbringen der Farbe in die Haut. Ein weiteres Risiko kann von den Tattoofarben ausgehen, die von der Haut in innere Bereiche des Körpers übergehen können.

    Woraus bestehen Tattoofarben?

    Tattoofarben setzen sich hauptsächlich aus Farbpigmenten, Trägerflüssigkeiten wie Wasser oder Alkohol und Verdickungs- sowie Konservierungsmitteln zusammen. Ihre Zulässigkeit wird in der Tattoomittelverordnung geregelt, wobei es keine Positivliste von sicheren Farben gibt, sondern lediglich eine Liste, welche Farben verboten sind.

    Welche Nebenwirkungen kann Tattoofarbe haben?

    Einige Stoffe in Tattoofarben können eine allergische Reaktion auslösen. Besonders Konservierungsmittel und Farbstoffe können diese hervorrufen. Durch die Tätowiernadel können die Farben auch mit Nickel verunreinigt sein, einem Stoff, der zu den häufigsten Auslösern von Kontaktallergien gehört. Tritt eine Allergie auf, kann der Auslöser, der nun dauerhaft in der Haut ist, nicht mehr entfernt werden.

    Hinzu kommt, dass nach 42 Tagen schon 30 Prozent der Farbe aus der Haut verschwunden sind. Lange Zeit war ungewiss, wohin. In einer Studie von 2017 hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) belegt, dass sich ein Großteil in den nächstgelegenen Lymphknoten ablagert. Die potenziell gesundheitsschädlichen Stoffe sind also nicht nur auf die Haut beschränkt. Was Tattoofarben langfristig für Folgen im Körper haben, ist bislang unbekannt.   

    Welche Tattoofarben sind seit 2022 verboten?

    Um Tätowieren sicherer zu machen, hat die EU in der REACH-Verordnung ein Tattoofarben-Verbot für problematische Farben beschlossen. Seit dem 5. Januar 2022 dürfen keine krebserregenden oder erbgutverändernden Stoffe mehr in Tattoofarben enthalten sein. Unter das Verbot fallen Chemikalien, die wegen ihres Risikos bereits in Kosmetika verboten sind, sowie Stoffe, die häufig Allergien auslösen und die Haut reizen können. Davon betroffen sind ein Großteil der handelsüblichen, bunten Farben. Trotzdem muss niemand auf Tattoos verzichten. Für graue, weiße und schwarze Tattoofarbe gibt es unbedenklichen Ersatz. Auch für bunte Farben haben Hersteller bereits Alternativen gefunden.

    Sollte man sich Tattoos entfernen lassen?

    Ist ein Tattoo erst mal gestochen, ist es sehr schwierig, es vollständig zu entfernen. Für die Entfernung gibt es unterschiedliche Methoden. Alle sind mit einem Risiko verbunden und haben keine Erfolgsgarantie. Die beliebteste ist die Laser-Therapie, die seit 2020 nur noch von Ärztinnen und Ärzten durchgeführt werden darf. Je nach Größe und Farbe des Tattoos – dunkle lassen sich besser entfernen als helle – sind zwischen 5 und 15 (oder mehr) Behandlungen nötig. Die Prozedur ist oft schmerzhaft. Ziel ist es, die Farbpigmente des Tattoos aufzuspalten.

    Das BfR warnt allerdings vor Nebenwirkungen. In einer Studie haben Forscher und Forscherinnen herausgefunden, dass bei dem Aufspalten der Farbpigmente Stoffe entstehen, die eine krebserregende Wirkung haben. Sie sind kleiner und beweglicher als die ursprünglichen Pigmente und gelangen ebenfalls in die Lymphknoten. Es ist also nicht ohne Risiko, ein Tattoo entfernen zu lassen.

    Ein schwarzes Tattoo wird mit einem Lasergerät entfernt.
    Die Laser-Tattoo-Entfernung ist kostenintensiv und kann starke Schmerzen verursachen.

    © iStock / robertprzybysz

    Tattoo vor der Sonne schützen

    Farbpigmente können sich durch Sonnenstrahlen verändern.

    Die UV-Strahlen der Sonne können die Pigmente aufspalten, die darauf weiter in den Körper wandern. Ein Zeichen dafür ist, dass das Tattoo verblasst. Zudem ist tätowierte Haut oft empfindlicher gegen Sonneneinstrahlung, sie kann sich röten, anschwellen oder jucken.

    Worauf sollte man achten, wenn man sich ein Tattoo stechen lässt?

    Sich ein Tattoo stechen zu lassen, sollte also eine gut überlegte Entscheidung sein. Um das Risiko einer Infektion zu reduzieren, ist vor allem die Auswahl des Tattoo-Studios wichtig. Darauf sollten Sie achten:

    • Fragen Sie nach einem Gewerbeschein.
    • Ein gutes Tattoo-Studio fragt Personen vor einem Tattoo nach Allergien und klärt darüber auf, welche Nebenwirkungen beim Tätowieren auftreten können. 
    • Lassen Sie sich den Raum zeigen, in dem tätowiert wird. Er sollte getrennt vom Verkaufsraum sein und leicht abwaschbare Oberflächen und einen gut wischbaren Boden haben.
    • Die Tätowierer oder die Tätowiererinnen müssen besonders auf die Hygiene achten. Dazu gehört, dass sie Einmalhandschuhe tragen und sterile Nadeln sowie Desinfektionsmittel benutzen. Die Tätowiermaschine sollte gut abwischbar oder bis auf die Nadel in Plastikbeutel oder -folien verpackt sein. Gut ausgestattete Tattoo-Studios nutzen beispielsweise sogenannte „Cord Cover“ aus Plastik, um die Kabel der Maschine hygienisch zu verpacken. Zudem sollten Einmalbehälter für die Tattoofarben bereitstehen.

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