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Mit dem Rauchen in der Schwangerschaft aufhören

Eine Schwangere in einem Kleid mit Muster umfässt ihren Bauch.

© iStock / rasevicdusan

Lesezeit: 6 Minuten18.08.2022

Viele Frauen, die schwanger sind oder es werden möchten, hören auf zu rauchen. Das hat gute Gründe: Rauchen birgt zahlreiche gesundheitliche Risiken für das sich entwickelnde Kind. Wie die Rauchentwöhnung gut gelingen kann, erfahren Sie hier.

Inhalte im Überblick

    Warum Rauchen in der Schwangerschaft ein Risiko ist

    Es ist allgemein bekannt, dass Rauchen ungesund für den Körper ist. Während einer Schwangerschaft schadet Rauchen zusätzlich auch dem sich entwickelnden Kind. Ergebnis einer großen, deutschlandweiten Befragung im Zeitraum von 2007 bis 2016 war, dass circa 11 Prozent der Mütter von 0- bis 6-jährigen Kindern während der Schwangerschaft rauchten. Ein erhebliches Gesundheitsrisiko für das Kind, denn ein großer Teile der im Tabakrauch enthaltenen Schadstoffe gelangt über die Plazenta in den Blutkreislauf des Kindes.

    Die Schadstoffe beeinträchtigen die Versorgung des sich entwickelnden Kindes mit Sauerstoff und Nährstoffen, wodurch empfindliche Prozesse beim Wachstum und bei der Reifung gestört werden. Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft rauchen, sind meist kleiner und kommen leichter zur Welt, da die Gebärmutter schlechter durchblutet ist und deshalb weniger Nährstoffe zum Embryo gelangen. Oft haben diese Kinder auch einen geringeren Kopfumfang bei der Geburt. Früh- und Totgeburten treten bei Frauen, die in der Schwangerschaft rauchen, häufiger auf. Das Risiko für Fehlbildungen sowie für den plötzlichen Kindstod (SIDS) nach der Geburt steigt ebenfalls.

    Spätfolgen durch Rauchen in der Schwangerschaft

    Zudem sind langfristige Folgen für das Kind möglich, wenn Frauen in der Schwangerschaft rauchen. Für die Kinder erhöht sich das Risiko für zahlreiche Erkrankungen und Entwicklungsstörungen, wie:

    Hinzu kommt ein erhöhtes Risiko für die Gesundheit der werdenden Mütter: Das Risiko für Thrombosen ist für Schwangere ohnehin schon erhöht, für Raucherinnen aber noch einmal mehr. Auch Schlaganfälle sind häufiger.

    Ab wann ist Rauchen in der Schwangerschaft gefährlich?

    Es gibt keinen Zeitpunkt, ab dem man sagen kann: Ab jetzt ist Rauchen für das Kind gefährlich. Jede gerauchte Zigarette ist potenziell schädlich für Mutter und Kind. Daher sollte mit dem Rauchen möglichst schon bei einem Kinderwunsch aufgehört werden. Sollte das nicht geschehen sein, ist es nie zu spät für die Rauchentwöhnung – schließlich verringert jede nicht gerauchte Zigarette die Risiken für das Ungeborene.

    Ist Passivrauchen in der Schwangerschaft ungesund?

    Nicht nur das Rauchen selbst, auch Passivrauchen ist für eine werdende Mutter und ihr Kind schädlich. Darum wird Schwangeren empfohlen, sich so gut es geht von rauchenden Personen fernzuhalten. Viele Raucherinnen haben jedoch Partner oder Partnerinnen, die rauchen, weshalb hier Unterstützung und Mitarbeit umso wichtiger ist. Wenn auch der Partner oder die Partnerin auf das Rauchen verzichtet, leistet er oder sie einen wichtigen Beitrag für einen gesunden Lebensstart des Kindes.

    Eine rauchfreie Umgebung ist wichtig für Schwangere, ob zu Hause oder im Arbeitsumfeld:

    • Wurde zuvor in der eigenen Wohnung geraucht, ist eine Renovierung der Wohnung sinnvoll – denn Schadstoffpartikel lagern sich auf Oberflächen, Tapeten und Möbeln ab. Reinigen Sie Kleidung, Polstermöbel, Teppiche und Gardinen besonders gründlich, da Rauch in Textilien das SIDS-Risiko erhöht.
    • Der Arbeitgeber ist gesetzlich dazu verpflichtet, einen rauchfreien Arbeitsplatz zu gewährleisten. Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten, sollte dies noch nicht gegeben sein.

    Ist Rauchen vor der Schwangerschaft schädlich?

    Schon in der Phase der Kinderplanung empfiehlt es sich, dass Frauen und Männer auf Zigaretten verzichten, da Rauchen die Fruchtbarkeit reduzieren kann.

    Wichtig ist außerdem, dass Raucherinnern mit Kinderwunsch schon frühzeitig Folsäurepräparate einnehmen, denn sie haben deutlich häufiger einen Folsäuremangel als schwangere Nichtraucherinnen. Folsäure ist ein wichtiges Vitamin in den ersten Wochen der Schwangerschaft. Die zusätzliche Einnahme wird allen Schwangeren empfohlen, da ein Mangel zu schweren Fehlbildungen wie einer offenen Wirbelsäule führen kann.

    Mit dem Rauchen in der Schwangerschaft aufhören

    Für viele Raucherinnen ist eine Schwangerschaft ein guter Zeitpunkt, um mit dem Rauchen aufzuhören. Die schädigende Wirkung auf das Kind ist dabei eine sehr hilfreiche Motivation. Befragungen haben ergeben, dass es vielen Frauen gut gelingt, auf Nikotin während der Schwangerschaft zu verzichten. Doch vor allem starken Raucherinnen fällt die Entwöhnung nicht leicht. Besprechen Sie Ihre Absichten so früh wie möglich mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrer Hebamme. Sie werden Ihnen auf dem Weg zum Nichtrauchen zur Seite stehen und Sie beraten, wie es gelingen kann. 

    Mit diesen Tipps kann es gelingen, den Zigaretten abzuschwören:

    Einen Tag für den Rauchstopp festlegen

    Legen Sie verbindlich einen Tag fest, ab dem das Rauchen vollständig eingestellt wird – ohne Ausnahmen. Im Sinne der Vorbereitung sollte dieser Termin mit einigem Vorlauf gesetzt werden. Spätestens am Abend vor dem Rauchstopp sollten alle Rauchutensilien wie Aschenbecher und Feuerzeuge entfernt werden. Diese Methode hat sich bei einer Mehrzahl der schwangeren Raucherinnen als erfolgreich erwiesen.

    Alte Gewohnheiten identifizieren und neue entwickeln

    Überlegen Sie sich Handlungsalternativen, um für eine Situation, in der ein Verlangen nach Zigaretten auftreten könnte, vorbereitet zu sein. Dabei hilft es, sich zu überlegen, unter welchen Umständen Sie rauchen. Rauchen Sie, um sich abzulenken oder wenn Sie unter Stress stehen? So können Sie die Gewohnheit zu rauchen Schritt für Schritt zu einem gesünderen Verhalten umwandeln. Mögliche Ideen wären zum Beispiel gesunde Snacks zur Überbrückung des Verlangens, Bewegung und Sport als Ablenkung und Entspannungstechniken, um Stress zu bewältigen.

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    Neue Entspannungsmöglichkeiten entdecken

    Eine Zigarette zu rauchen bedeutet für viele Raucher ein Moment der Ruhe und Zufriedenheit, um Hektik und Verpflichtungen für einen kurzen, entspannenden Moment zu entfliehen. Darum ist es besonders wichtig, sich neue, kleine Entspannungsmomente am Tag zu schaffen. Verschiedene Atemtechniken, Progressive Muskelrelaxation oder Autogenes Training sind wirksame Entspannungsübungen, die zum körperlichen und psychischen Wohlbefinden beitragen und gut in den Alltag integriert werden können.

    Atemübungen können bei der Rauchentwöhnung in der Schwangerschaft helfen.
    Mit Atemübungen können Sie ganz gezielt für Entspannung in Ihrem Alltag sorgen – während der Rauchentwöhnung und auch danach.

    © iStock / Kosamtu

    Auf mögliche Beschwerden vorbereitet sein

    Sobald Sie mit dem Rauchen aufhören, können Entzugsbeschwerden auftreten, über die Sie sich im Vorfeld informieren sollten. Diese sind von Person zu Person verschieden stark oder gänzlich unterschiedlich. Möglich sind zum Beispiel der sogenannte Nikotinhunger, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit oder Kopfschmerzen. Machen Sie sich bewusst, dass sich die Beschwerden von Tag zu Tag abschwächen und meist nach ein bis zwei Wochen vollständig verschwinden. Außerdem ist es hilfreich, sich nicht zu sehr darauf zu konzentrieren.

    Erfolge bewusst machen und belohnen

    Belohnen Sie sich selbst für Ihre Erfolge, zum Beispiel, indem Sie ausgehen oder sich eine Kleinigkeit kaufen. Sich selbst gut zuzusprechen hilft ebenso dabei, die Motivation hochzuhalten, und stärkt zusätzlich noch das Selbstbewusstsein. Auch kleine Etappen verdienen dabei Anerkennung – schließlich stellt jede einzelne Woche, in der Sie nicht rauchen, und jede angebotene Zigarette, die Sie ablehnen, eine gemeisterte Herausforderung dar.

    Schwierige Situationen vorausschauend vermeiden

    Meiden Sie möglichst Situationen, in denen die Versuchung hoch ist, eine Zigarette zu rauchen – zum Beispiel Orte, an denen Ihnen jemand eine Zigarette anbieten könnte, oder Konfliktsituationen.

    Das Umfeld um Rücksicht bitten

    Sprechen Sie mit Ihrem sozialen Umfeld über Ihre Pläne zum Nichtrauchen. Es hilft sehr, wenn Ihr Partner oder Ihre Partnerin und Ihre Freunde Rücksicht auf Sie nehmen und beispielsweise nicht vor Ihren Augen rauchen. Vielleicht unterstützen sie Ihre Rauchentwöhnung sogar, indem sie ebenfalls versuchen aufzuhören.

    Rauchen nach der Schwangerschaft

    Auch nach der Geburt ist es für das Kind wichtig, dass Mütter nicht rauchen. Zum einen gelangen die schädlichen Stoffe aus dem Rauch in die Muttermilch, wodurch das Kind diese beim Stillen aufnimmt. Zum anderen verringert Rauchen die Milchbildung und die Babys leiden häufiger an Verdauungsproblemen oder Atemwegserkrankungen.

    Nach dem Abstillen bleibt es wichtig, Kinder zu schützen. Rauchen Eltern, sind Kinder permanent dem Qualm ausgesetzt. Sie rauchen passiv mit, wenn Eltern in der Wohnung oder in ihrer Nähe rauchen. Partikel setzen sich überall fest, zum Beispiel in der Kleidung. Das bedeutet ein gesundheitliches Risiko für das heranwachsende Kind und erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit, dass sie später selbst rauchen. Darüber hinaus steigert Rauchen sowohl in der Schwangerschaft als auch danach das Risiko eines plötzlichen Kindstodes erheblich.

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